slow media

Eines vorweg, ich hege eine rechte Aversion gegenüber Manifesten jedweder Couleur. Dieses hier, besagtes Slow Media Manifest, hat es mir jedoch angetan. Was man dort liest, inkl. dem zugehörigen Weblog, sind nicht die üblichen Ansammlungen irgendwelcher im dunklen Kämmerlein ersonnener Dogmen, schulmeisterhaft vorgetragen, nein dort schaut man eingehende Empfehlungen, die zum Verweilen und Nachdenken animieren. Mitunter mehr Augenöffner, denn Gedanken revolutionärer Natur.

«Analog zu Slow Food geht es bei Slow Media nicht um schnelle Konsumierbarkeit, sondern um Aufmerksamkeit bei der Wahl der Zutaten und um Konzentration in der Zubereitung. Slow Media sind auch einladend und gastfreundlich. Sie teilen gerne.»

Im Grunde genommen ist die Idee schnell umrissen: ähnlich dem recht unkultivierten und auch eher ungesunden Fastfood, möchte man hier Qualität der hastigen «Infohäppchen-Aufnahme» entgegensetzen. Qualität, bei der der Leser Tiefe vorfindet, die Nachhaltigkeit mit sich bringt, welche wiederum auch nach einiger Zeit nichts von ihrer Güte einbüßt.

Bis dato bleibt dem Leser nur die Entschleunigung, die absichtlich herbeigeführte Beschränkung der medialen Flut. Die Qualität wird dadurch jedoch nicht gesteigert, da es weiter Infohäppchen bleiben, die konsumiert werden müssen. Jedoch kehrt Ruhe ein, denn ebenso wie Fastfood auf Dauer wenige schöne Nebeneffekte mit sich bringt, so sorgt auch diese mediale Rastlosigkeit für ein Übermaß an Unruhe und den damit verbundenen negativen Einflüssen auf Körper und Geist.

Tatsächlich interessant wird es jedoch, wenn Sender und Empfänger nivelliert werden, sprich der eine bietet hochqualitative Nachhaltigkeit, der andere beschränkt sich mehr oder weniger auf den Konsum eben dieses qualitativen Angebots. So oder so geht nicht wirklich etwas verloren, was wirklich dringlich ist, erreicht den Leser im Web so oder so, was man jedoch gewinnt, ist Zeit und Qualität.

«Mut zur Lücke», wie mein früherer Lehrer stetig im Mathe-LK bemerkte, sollte das Credo der digital natives sein — Genuß statt Völlerei.

Bild: F!XMBR

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6 Antworten zu “slow media”

  1. Ich bin ja damals spaßeshalber ein wenig ketzerisch mit dem Manifest umgegangen, habe den bösen, bösen Advocatus Diaboli gespielt, um dem langsamen Treiben ein wenig auf den Grund zu gehen :)

    Das Slow Media Manifest, Teil 2 oder Mit heißer Nadel gestrickt!

    Das Slow Media Manifest oder Der Club der toten Dichter

    Wohlwissend, daß heute manchem ein wenig Slow Thinking (im Sinne von ‘Think before you tweet’) auch nicht schlecht zu Gesichte stehen würde. Slow Media könnte ein unauffälliger Einstieg dazu sein.

    In diesem Sinne!

  2. Aus diesem Grund ließ ich mir auch ein wenig Zeit, um abzuwarten was dort im weiteren Verlauf geschieht. Darüber hinaus wollte ich selbst mehr oder weniger den Pfad der Langsamkeit beschreiten.

    In puncto Twitter jedoch wäre es befremdlich derart handeln zu wollen. Twitter ist von Natur aus ein Medium temporärer Natur, was vor «zwei Tagen» geschah tangiert mehr oder weniger kaum. Der Qualität und der damit einhergehenden Nachhaltigkeit widerspricht schon die 140-Zeichen-Grenze. Konsequentes slow media wäre wohl Microblogging eine Absage zu erteilen, mal sehen …

  3. … oder kontinuierlich eine so hohe Sender-Qualität zu erreichen, daß man als Empfänger gerne ein paar Tage auf den nächsten Tweet wartet und ihn sich dann ganz langsam auf der Zunge zergehen läßt.

  4. Ich bezweifle zwar, daß dies in einem solchen Medium überhaupt ansatzweise möglich ist, was aber wiederum kein Grund ist, es nicht zu versuchen. Voraussetzung ist wohl neben dem probaten Sender, ein ebenso williger Empfänger.

  5. Hier gehts doch auch:
    Twitter — Miriam Meckel
    Twitter — Karen Heumann

    Ne, nicht wirklich ernst gemeint.

  6. Wolf-Dieter sagt:

    Genuss statt Völlerei.

    Erinnert mich an meinen ständigen Konflikt zwischen mir und meiner üppigen Freundin bei eigentlich jedem Restaurant-Besuch: sie isst langsam, aber stetig — ich esse ebenfalls stetig, das andere aber eher nicht so.

    Sie sagt mir immer: genieße es doch! Ich antworte immer: ich genieße doch, und zwar den Rausch der Geschwindigkeit.

    Aber zurück zum Thema. Langsamkeit. Guter Ansatz.

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