Skandalöse Urheberrechtsverletzung

Wir kennen die Debatte um das Urheberrecht in unserem Land. Der unsägliche Tobias Künzel, Sänger der Prinzen, hat in einer TV-Sendung gesagt, er hätte etwas dagegen, wenn Eltern ihre Kids beim Tanzen zu einem Song der Prinzen filmen und das Video auf YouTube einstellen, schließlich würde es sein Urheberecht, sein geistiges Eigentum betreffen, er möchte die Kontrolle behalten.

In den USA gab es nun so eine skandalöse Urheberrechtsverletzung: Isaac Lamb hat seiner Freundin einen Heiratsantrag zum Song «Marry You» Von Bruno Mars gemacht. Das Video wurde mittlerweile über 8 Mio. angeklickt und ist wohl neben dem bekannten «JK Wedding Entrance Dance» eines der tollsten Videos auf YouTube überhaupt. Noch können wir uns diesen wunderbaren Heiratsantrag anschauen — der Wedding Dance wurde mittlerweile für uns Nutzer aus Deutschland gesperrt.

Und wir reagiert Bruno Mars, der mit ansehen muss, wie mit seinem Song eine für deutsche Verhältnisse skandalöse Urheberrechtsverletzung begangen wurde? Beschwört er das Ende des Abendlandes hervor? Mahnt er Isaac Lamb ab? Jammert er im TV, was aus seinem Song gemacht wurde? Nein, er twitterte: Congrats to Isaac Lamb and the future Mrs..I don’t think I could’ve made a better music video for this song. Thank you.

Deutschland, Du bist so ein verficktes digitales Entwicklungsland, es macht einfach keinen Spaß mehr. Wegen solcher Dinge ist das Internet einfach großartig und Menschen wie Künzel, sogenannte Journalisten wie die vom Handelsblatt oder der Zeit wollen es zerstören, von konservativen Politikern mal abgesehen. Hier wird ein Krieg gegen eine der innovativsten Kulturen überhaupt geführt. Eines beruhigt allerdings: Sie werden diesen Krieg nicht gewinnen. Und wenn es noch eine ganze Generation dauert: Geschichte wird von den Gewinnern geschrieben und in den Geschichtsbüchern werdet ihr später im positiven Fall belächelt werden.

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2 Antworten zu “Skandalöse Urheberrechtsverletzung”

  1. Robert Peters sagt:

    Hallo,

    ich hatte die Journalisten der Zeit eigentlich immer in gutem Licht in Erinnerung (bzw. die Zeit im allgemeinen). Was haben die getan, dass sie hier negativ erwähnt werden? Habe ich was verpasst?

    Unter anderem tauchen sie da auch nicht auf:
    http://opalkatze.wordpres.….tzrecht/

    Grüße
    Robert

  2. Peter Schmid sagt:

    Hallo zusammen,

    eigentlich ist das juristisch alles weitgehend geklärt.
    Leider sind die großen Player (google, youtube,…) im Ausland und damit nicht kompromissverpflichtet im Sinne der deutschen Gesetzgebung (tja, Pech für Tobias).
    Man kann nun die neuen Zeiten als grossen Segen für die Kreativität sehen (sozusagen von juristischen Fesseln befreit).

    Leider stimmt das zu einem grossen Teil.

    Wer realisiert schon gerne Projekte, Filme (u. wenn es nur vom Kindergeburtstag ist) usw., wenn ihm anschliessend ein halbes Dutzend Abmahnanwälte Briefe in den Breifkasten schmeissen.
    Wer kann schon kreativ sein, wenn er für jede Aktion erst mal stundenlang im Internet oder sonst wo, recherchieren muss, ob das nicht schon mal so oder ähnlich gemacht wurde oder ob da bereits Rechte drauf sind.

    Das ganze Thema ist also ein sehr zweischneidiges Schwert!!

    Die Themen Dracula, Robin Hood, Prinz Eisenherz usw. wurden nicht umsonst schon hunderte mal verfilmt seit der Stummfilmzeit! Ganz einfach, weil es sich um urheberrechtsfreie Werke handelt und nicht nur weil es sich um interessante Stoffe geht.

    Ich habe den Eindruck, daß es zwei Verlierer gibt bei diesem Thema:

    Den Konsumenten und den «Kulturschaffenden»

    Der Autor oder Journalist (außer J.K.Rowling u. ähnliche), der Musiker (außer Mike Jagger u. ä.) muss sich mit ein paar € begnügen für viel Arbeit.
    Ich als Kunde muss mich mit DRM-geschützten E-Books herum ärgern oder schaue auf meine zu 95% legale Musiksammlung, während gleichzeitig Nachbarn wesentlich grössere aus dem Internet zusammenkopierte Sammlungen haben.

    Die Industrie, die grossen Verlage, die fetten Internet-Konzerne kommen schon zu ihrem Geld, weil die auch den entsprechenden Zugang und Einfluß auf die Politik haben und damit ihre Rechte durchsetzen.

    Hört doch mal Radio, wenn ihr 50 seid. Da kommt doch nichts mehr, was man nicht schon seit 30 Jahren hört. Die Industrie hat die grossen Leute (Jagger, JLo, Rianna, R.Williams, …) unter Vertrag. Die verdienen eine Menge Geld, kosten also viel, also müssen die viel verkauft werden und deshalb haben die ein gigantisches airplay, nicht weil es nur die paar guten Leute gibt.
    Es gibt natürlich noch ganz viele andere gute Musiker, die kennt aber keiner, die kauft deshalb keiner, die spielt deshalb keiner.

    Der Gipfel des mainstreams ist die Glotze. Da sieht man langsam nur noch lebende Tote und Erstarrtes (Beispiel ARD: Verstehen sie Spaß?).

    Wir «bezahlen» diesen Dauerkonflikt also alle jeden Tag.

    Viele Grüsse
    Peter

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