SIEMENS und die Informationsfreiheit

Die Internet-Plattform NCI ist in den letzten Monaten zu einem Treffpunkt von (ehemaligen) SIEMENS-Mitarbeitern geworden. Gefeuerte, gemobbte oder auch andere Mitarbeiter tauschen sich dort aus. Natürlich wird sich auf dieser Plattform auch kritisch gegenüber SIEMENS geäussert — es kann ja auch nicht immer alles wunderbar in Ordnung sein. Nun ziehen aber dunkle Wolken über NCI auf — steht die Plattform doch nun auf einer Stufe mit ekelhafter Pornographie, Kriminellen oder auch Rechtsradikalen. SIEMENS hat die Internet-Seite im Firmennetzwerk für die eigenen Mitarbeiter gesperrt.

Wie der STERN berichtet, geht es lt. SIEMENS selbstverständlich nicht um eine Zensur oder um inhaltliche Gründe. Nein, das ist natürlich nicht der Fall. Vielmehr möchte man bei SIEMENS der ausufernden Surferei am Arbeitsplatz ein Ende setzen, so die IT-Kosten senken, die Arbeitseffizienz erhöhen. Ja ne, is klar…

Getroffene Hunde bellen, und die Zensur, der mehr oder wenige Verstoß gegen das Grundgesetz zeigt, wie sehr die Internet-Seite NCI ins Schwarze trifft. Deutsche Manager und das Krisenmanagement, das ist das gleiche und ich wie stricken — das passt nicht wirklich zusammen. Meine Güte, man fragt sich mittlerweile jeden Tag, wie deutsche Unternehmen mit diesem debilen Pfaffen im Management sich noch international am Markt halten können — naja, von SIEMENS gab es ja kaum gute Nachrichten in den letzen Monaten. Passt schon.

10 Antworten zu “SIEMENS und die Informationsfreiheit”

  1. Greg sagt:

    Getroffene Hunde bellen, und die Zensur, der mehr oder wenige Verstoß gegen das Grundgesetz zeigt, wie sehr die Internet-Seite NCI ins Schwarze trifft.

    Naja, das finde ich übertrieben. Im Grundgesetz heißt es schließlich nicht «…und sich während der Arbeitszeit aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.»

    Dass die Site gesperrt wurde, zeigt wohl eher, dass sich viele Siemensmitarbeiter für soeine Site interessieren. Es ist wirtschaftlich natürlich sinnvoll, solche Sites zu sperren, wenn die Mitarbeiter dort viel Zeit verbringen, statt zu arbeiten (sinkeden Artbeitsmotivation mal unberücksichtigt gelassen).

    Ein Grundrecht auf (privates!) Surfen während der Arbeit, gibt es halt nicht 😉

  2. Chris sagt:

    Ein Grundrecht auf (privates!) Surfen während der Arbeit, gibt es halt nicht

    Wieso hab ich nur gewusst, dass der Einwand kommt? 😀

    Wer während der Arbeitszeit surft, dem ist in der heutigen Zeit eh nicht mehr zu helfen.

    Noch ist es aber so, dass Mitarbeitern eine Pause zusteht — okay, vielen Arbeitgebern missfällt das, ist aber so — und wenn es eben keine «problematischen» Seiten sind, darf da natürlich auch gesurft werden, steht oft sogar im Tarifvertrag.

    Hier soll ganz einfach Zensur betrieben werden IMHO. Nicht mehr und nicht weniger, da muss man dann auch nicht großartig pro Arbeitgeber argumentieren, sondern einfach mal nachdenken. 😉

  3. Oli sagt:

    Hier soll ganz einfach Zensur betrieben werden IMHO.

    Sehe ich ein, andererseits ist das natürlich auch schädigend fürs Geschäft. Und ebenso romantische Träumerei ist es zu glauben, das dabei nur die Wahrheit gesprochen wird. Es ist halt ein zwiespältige Sache und ehrlich gesagt ich würde vielleicht Kritik innerhalb der Firma, an der richtige Stelle äußern, aber nicht draußen irgendwelche Kampagnen starten. Da wird Meinungsfreiheit schnell mal zum Pferdefuß und verwandelt sich schnell in Verleumdung.
    Chris betrachte es mal realistisch, wenn die Massen über HartzIV Empfänger sprechen, kommt meist nur der debile Neidfaktor zum tragen, tatsächliche Wahrheiten sehr selten. Das Ende vom Lied, der ohnehin gebeutelte HIV Empfänger steht als Schmarotzer erster Güte da. Klar kann man den Asozialen des Landes nicht das Maul verbieten, aber die Richtung auf die ich hinaus will dürfte klar sein, oder?

    Und surfen am Arbeitsplatz? Das gilt nicht überall und ist vor Ort gerade in diesem Fall sehr oft restriktiv geregelt. Warum auch nicht? Ich würde Arbeitsgerätschaften in meiner Firma auch nur zweckgebunden nutzen lassen. Wenn man mal schaut was gerade viele jener die produktiv arbeiten und andere als Sozialschmarotzer bezeichnen des Morgens so alles tun … schau dich in den Foren um, da siehst du die hochproduktiven Angestellten an ihren PC-Arbeitsplätzen und ich weiß nicht, zu meiner Zeit damals waren die Pausen noch nicht so lang.
    Nein, ich nehme keine Stellung für Firmen ein, warum sollte ich — aber ich betrachte das ganze eher realistisch. Tatsächlichen Dreck findet man bei den Firmen noch an ganz anderen stellen, die auch eindeutiger sind, insofern …

  4. Chris sagt:

    Wie innerhalb der Firma, wenn Du gefeuert wurdest, rausgemobbt, was auch immer wurdest? Da hast Du wohl nicht mehr die Möglichkeit zu.

    Auch verwehre ich mich gegen den Gedanken zwischen den Zeilen, wenn man gefeuert ist, dem Unternehmen aus anderen Grüden nicht mehr angehört, dann sollte man die Fresse halten, weil es ist ja nur ein Nachtreten.

    Irgendwer tritt Dir in die Eier, und Du hast dann hinterher noch die Schnauze zu halten, weil es ja doch nur ein Nachtreten ist, nicht wirklich, oder! Du würdest auch nicht den Mund halten und Deine zweite Wange hinhalten. 😉

    Der Dreck soll weitesgehend unter dem Teppich bleiben, keiner soll von wissen, so siehts aus. Ob es da nun an anderer Stelle schlimmeres gibt oder nicht, ist auch egal, beides würde kritisiert werden. Das betonst gerade Du immer wieder. 😉 Ausserdem ist der (miese) Umgang mit den Mitarbeitern nicht wirklich unwichtig. Denn darum geht es ja auch bei NCI.

  5. Oli sagt:

    Wie innerhalb der Firma, wenn Du gefeuert wurdest, rausgemobbt, was auch immer wurdest?

    Und das weißt du, jeder — auch wenn er zu Recht gefeuert wurde — wird das draußen behaupten. Wie trennst du die Spreu vom Weizen? Glauben? Lächerlich, für einen kleinen Betrieb z.B. kann das den Untergang bedeuten.

    Irgendwer tritt Dir in die Eier, und Du hast dann hinterher noch die Schnauze zu halten, weil es ja doch nur ein Nachtreten ist, nicht wirklich, oder!

    Wäre die Welt nur tatsächlich so einfach. Woher hast du die Information dazu? Wer hindert dich daran auf solch einer Plattform Müll zu erzählen aus Rache, weil du selbst uneinsichtig bist?
    Ok die Masse hat immer Recht, aber demnach wären auch die meisten HIV Empfänger Sozialschmarotzer — die Logik funktioniert nur in beide Richtungen, sonst ist es keine Logik mehr, sondern Verleumdung/Hetzkampagne, whatever. Wie gesagt ich werde wohl kaum einer Firma hinterher rennen, aber auch kaum einer solchen Plattform. Ich bleibe in beide Richtungen skeptisch, vor allem bei Aussagen im Internet.

    I

  6. Euro sagt:

    «Die Betreiber der Website sehen in der Zensurmaßnahme eine Bestätigung ihrer guten Aufklärungsarbeit, ‘Siemens hat lediglich eine etwas eigenwillige Art, dieses Lob auszusprechen’.» (heise)
    Als ehemaliger SBS-Mitarbeiter werde ich natürlich die Schnauze halten, weil ich mit einer für meine Verhältnisse recht ordentlichen Abfindung zum Ende 2005 gehen konnte, nachdem ich was besseres — bzw. anderes, weil alles besser ist, gefunden hatte. Man machte mir ein sehr gutes Angebot, weil ich als BR-Mitglied mit Behinderung nur schwer loszuwerden war und strich das, nachdem klar war, dass ich willig war um knapp 40% zusammen. Käme von ganz oben, ginge nicht mehr anders. Mir hat’s gereicht — sprichwörtlich. Wer das von innen erlebt hat, meckert nirgends mehr!

  7. Euro sagt:

    @Oli
    Skepsis ist dein gutes Recht. Aber alles was du liest, ist immer nur Text. Genau wie Kriegsberichte. Wenn du noch kein brennendes Kind gerochen hast, kannst du es nie beurteilen. Und die Berichte über Siemens sind auch nur Text. Bewirb dich, fang da an und in einem halben Jahr reden wir noch mal drüber…

  8. Oli sagt:

    Auch wenn ich weiß auf was du hinaus möchtest, hinkt der Vergleich doch ein wenig. Bloße Aussagen, insbesondere in einem solchen Bereich sind für mich nicht viel wert. Andererseits hab ich auch nichts mit Firmen am Hut, ganz und gar nicht, aber eben weil ich das weiß bin ich mehr als skeptisch bei derlei Aussagen.
    Um bei dem Beispiel mit dem Krieg zu bleiben, nein so weit muß ich da gar nicht gehen um zu wissen das es da unten z.B. jetzt einen Krieg gibt — aber den Teufel würde ich tun etwas auf die Informationen der beiden Parteien zu geben, in diesem Fall verurteile ich auch beide Kriegsparteien.
    Alles was ich lese ist sicherlich immer nur Text, aber bei allem was ich lese kann ich in der Regel auch Quellenkritik üben ( falls es sich lohnt) oder ich lasse es ganz bleiben.
    Oder um mal ein besseres Beispiel zu bemühen, ich muß nicht arbeitslos sein, um zu wissen was die Gesetze für Folgen für die Leute haben. Jedoch muß ich nicht nur in der Firma arbeiten, um diese beurteilen zu können, sondern ich müßte auch noch jeden Einzelfall beleuchten können.
    Das da etwas im Busche ist, nun das steht außer Frage, ich halte von keiner Firma etwas — aber in der Art einer Gebetsmühle wiederhole ich es, mir fällt es schwer aufgrund einzelner Aussagen zu pauschalisieren, zu sehr kenne ich aus eigener Erfahrung die Tendenz des Nachtretens, des Aufbauschens und die allgemeine Haltung beim Gros der Bevölkerung. Das alles zusammen, macht es schwer die Fahne zu hissen und Siemens zu dissen 😀

  9. EuRo sagt:

    Würde ich auch nie verlangen.
    Selbstverständlich mache sich jeder sein eigenes Bild. Und jemand wie du, der zu objektivieren versucht ist mir zehnmal lieber als einer, der die Bild-Titel auswendig lernt und in solchen Diskussionen brav aufsagt.
    Ich für meinen Teil kann zum Thema Siemens halt etwas aus eigener Anschauung beitragen. Ich hatte in paar tolle Jahre, ein paar weniger tolle und zwei beschissene. Für letztere wurde ich per Turboprämie entschädigt. Also kein Groll. Ich habe lediglich live mitbekommen, wie so ein paar Möchtegerns mit Profilneurose und gänzlich meinungsbefreit so etwas «führen». Das tut nur weh, innerlich — denn die sitzen nicht nur da.
    Meine ganz persönliche Erfahrung. Jetzt arbeite ich für keinen Manager, sondern einen Unternehmer alter Schule. Möge er noch lange leben.

  10. […] Das ganze führte gestern Nacht bzw. heut früh zu einer kleinen Diskussion zwischen Chris und mir. Was er mir da entgegen hielt, insbesondere so ein wenig der Vorwurf der Heuchelei, basierte auf den Kommentaren meinerseits zu diesem Artikel bezüglich Siemens und der dortigen Informationsfreiheit. Ok die Masse hat immer Recht, aber demnach wären auch die meisten HIV Empfänger Sozialschmarotzer — die Logik funktioniert nur in beide Richtungen, sonst ist es keine Logik mehr, sondern Verleumdung/Hetzkampagne, whatever. Wie gesagt ich werde wohl kaum einer Firma hinterher rennen, aber auch kaum einer solchen Plattform. Ich bleibe in beide Richtungen skeptisch, vor allem bei Aussagen im Internet. […]

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