Shoppero — Muss man mittlerweile Mitleid haben?

HooverErinnert Ihr Euch noch an Shoppero? Ich war von Anfang an nicht begeistert, doch man stellte schnell klar, das ist kein Spiel. Wir lernten, dass nicht Nico selbst für die Kommunikation verantwortlich ist, man hat diese Verantwortung an Edelmann abgegeben. Ob die Terroristen mittlerweile gefasst wurden? Es gab Geschichten im Dialer und nackte Hintern und ich sprach die Empfehlung aus, den Laden wieder vom Netz zu nehmen. Ich schrieb über den Datenschutz, das Urheberrecht und die Abmahnproblematik, um schließlich per Filter den Laden mehr oder weniger aus meinen Online-Leben zu verbannen, bevor ich doch noch mal nachfragte, ob man ihn nicht doch besser vom Netz nehmen sollte. Na, alles wieder da? Und jetzt die Sensation: Den Laden gibt es immer noch. 😀

Das Blog von Shoppero erstrahlt mittlerweile in eigenem Glanz, der Rest ist auch schnell erzählt. Vom Server wurde geschwärmt, man hat jetzt — ganz modern webzwonullig — RSS-Feeds, weitere technische Spielereien wurden ebenso eingebaut. Man musste sich Unterstützung von einem anderen Startup holen, das Überbrückungskabel wurde angeschlossen, man ist nun das Qype für Produkte. Man kennt sich halt und unterstützt sich gegenseitig. Ein Jurist sieht kein Problem bei der Abmahnproblematik, fordert aber gleichzeitig den Gesetzgeber auf, zu reagieren — na, sieht wer den Widerspruch? Und man hat neue Adgets gebaut — und dass es Shoppero nicht wirklich gut gehen kann, beweist die Tatsache, dass für so einen Quatsch eine Pressemitteilung rausgegeben wurde. Natürlich von der netten PR-Agentur. Mensch, Adgets lassen sich jetzt farblch, etc. anpassen. Das ist ja mal völlig neu im Netz — sowas hat es noch nie gegeben. 😉

Wie sehr der Laden aber (nicht) brummt, dass kann man auf shoppero.com selbst schnell nachprüfen. Über Stöbern — Meine aktuelle Empfehlungen kann man sich die neuesten Produkte anschauen. Tja, man muss nur ein wenig mit der URL spielen, und schon kann man sehen, wieviele Produkte bisher bei Shoppero vorgestellt wurden. Seit dem Start am 03. Mai diesen Jahres wurden ganze 604 Produkte vorgestellt (Stand: 26. Juni 2007, 23.50 Uhr — natürlich unter der Voraussetzung, dass die Anzeige korrekt ist).

Shoppero 604

Online ist Shoppero seit 54 Tagen, das macht im Schnitt 11,18 Produktvorstellungen pro Tag. Und damit will ein Unternehmen Geld verdienen, Mitarbeiter bezahlen, etc. pp. Ich glaube nicht wirklich, dass das funktioniert. Auch sind die Empfehlungen ansich von der Qualität her verdammt flach, 3 der 6 aktuellen Empfehlungstexte:

Super Wandaufkleber bzw. Wandtattoo im Retrodesign

Superschöne Kette mit der man gleichzeitig etwas Gutes tun kann

Habe den Charity-Shop gerade letzte woche entdeckt und diese Kette bestellt. Super!

Ich habe diese Schue vor mittlerweile 3 Jahren in London gekauft und seitdem auch oft getragen. Dank( oder trotz??) mehrerer Waschmaschinengänge sehen sie auch immer noch sehr ansehnlich aus.

Sie sind also niedlich und auch noch haltbar!

Da frage ich mich, wie man mit solchen Texten im Long Tail erfolgreich sein will — mit Bewertungen von Ketten, Wandtattoos oder Schuhen ein Unternehmen unterhalten? Das wird meiner Meinung nach nicht wirklich funktionieren — wir sind mitten in einer neuen Blase. Und die wird irgendwann platzen, und das ist auch gut so. Dieser Artikel, ein kleines Überprüfen, was aus Shoppero geworden ist, ist auch zum Teil Business-Angsthase Robert Basic geschuldet — der sagte gestern: Ich empfehle immer, Don Alphonso, F!XMBR, Indiskretion Ehrensache und Wirres von der Seite PR-anzumachen. Das klappt super und bringt ohne Ende Karmapunkte. Schneller wird deine Seite nicht bekannt. :) Tja, oder auch nicht lieber Robert. 😉

Shoppero auf F!XMBR:

Der nächste Dreck rollt an: Shoppero

Shoppero — Das ist kein Spiel

Shoppero — Wie Edelmann den PR-Gau steuerte

Shoppero — Was haltet ihr davon, Euren Laden wieder vom Netz zu nehmen?

Shoppero — Datenschmutz, Urheberrecht und andere Peinlichkeiten des heutigen Tages

Shoppero — Eine nicht wirklich positive Abmahnmaschinerie

Shoppero — Per Werbefilter den Garaus machen

Shoppero — Was haltet ihr davon, Euren Laden wieder vom Netz zu nehmen? #2

Bild: A.Currell unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend — zu Ehren aller Staubsaugervertreter da draußen auf den Blogs.

3 Antworten zu “Shoppero — Muss man mittlerweile Mitleid haben?”

  1. […] Wunder, dass das Ding bei der anstrengenden Kommunikation nicht in die Puschen kommt, wenn selbst ich als passionierter Bullshitbingospieler mich beim Lesen des Textes ein wenig […]

  2. jean sagt:

    >ganze 604 Produkte vorgestellt …

    … dabei sollte man auch berücksichtigen, daß offensichtlich ein nicht geringer Teil der Bewertungen von Mitgliedern der Familie »Doe« (das wären die heimischen Mustermanns) geschrieben wurde — fiel mir gerade auf, als ich mich wunderte, wie man eine 2zeilige banale Beschreibung auch noch als »gut geschrieben« einstufen konnte.

    Aber vielleicht habe ich ja nur das Prinzip nicht verstanden?

  3. […] jean: >ganze 604 Produkte vorgestellt … … dabei sollte man auch… […]

RSS-Feed abonnieren