Shoppero — Eine nicht wirklich positive Abmahnmaschinerie

AssWochenende — endlich. Unser Tag der offenen Tür ist gut gelaufen — nun hab ich wieder etwas mehr Zeit und kann wieder etwas mehr Spaß mit diversen Unternehmungen in der deutschen Blogosphäre haben. Gestern bereits schrieb ich über die zum Abmahnen einladende Funktionsweise von Shoppero ein paar Zeilen und musste konstatieren, dass automatisch die von User angegebenen Seiten gecrawlt werden und Bilder in den Artikel bei Shoppero eingebaut werden. Nochmal zum Nachlesen:

Wie funktioniert Shoppero?

Wenn du nun beim Surfen ein interessantes Produkt findest und darüber schreiben möchtest, klickst du einfach auf das shoppero Bookmarklet und wir scannen die Website nach Bildern, der URL, dem Titel und tragen dies automatisch in die Empfehlung ein. Du musst nur noch deine Empfehlung schreiben. Das war es!

Das XSBlog2.0 hat sich eingehender — am Beispiel eines bestimmten Kochbuches — mit der Funktionsweise beschäftigt.

Nun, tatsächlich wählt also der Nutzer das einzubindende Bild selbst aus und ist damit (wahrscheinlich) der Verursacher einer möglichen Urheberrechtsverletzung. Das mindeste, was ich so einem Fall allerdings erwarten würde, wäre allerdings ein deutlicher Hinweis darauf, dass es rechtlich ein großes Problem darstellt, wenn man einfach ein x-beliebiges Bild aus einer WebSite schnappt und auf einer anderen Seite einbindet. Abmahnung gab es in der Vergangenheit auch für Produktfotos, vor allem und in erster Linie bei eBay-Nutzern. Und so sehe ich es schon ganz deutlich vor mir, dass sich diverse Anwälte in Kürze auf Shoppero konzentrieren werden, um dort die Listen nach Urheberrechtsverletzungen abzugrasen.

Das ist doch mal wieder richtig spannend — ein Unternehmen wälzt das Risiko auf den User ab, scheiß drauf, das AAL-Prinzip, es funktioniert — könnte man meinen. Der allen Anschein nach ehemalige Vermarkter eines Dialersite-Anbieters, Nico Lumma, seines Zeichens CEO von Shoppero, gab daraufhin auch gleich in den Kommentaren die richtige Auskunft — beschwichtigte er? Nein, ganz PR-Profi kehrte er diesen Mahnt-uns-alle-ab-Paragraphen gleich ins Positive um:

der agb-passus ergibt sich aber auch aus der tatsache, dass der content dem user gehört und nicht uns.

§12, (3) Der Nutzer ist alleiniger Urheber der von ihm eingestellten Inhalte. Irgendwelche Verwertungsrechte an den Inhalten gehen mit Beendigung des Vertrages nicht auf den Betreiber über. Der Betreiber ist ausschließlich während der Laufzeit des Vertrages berechtigt, aber zu keiner Zeit verpflichtet, vom Nutzer bereitgestellte Inhalte zu veröffentlichen.

Okay, nochmal für alle zum Mitschreiben: Applaus, Applaus, Applaus — jeder eingestellte Artikel bei Shoppero gehört dem Nutzer. Genial, klasse, wir von Shoppero machen ihn uns nicht zu eigen — es ist und bleibt Euer Eigentum. Klar, würde ich auch so machen — die Abmahnung wird dann gleich wie im Fall Qype an den User weitergereicht. Was im Fall Qype wohl doch ein Unfall war, wird bei Shoppero nun Methode sein — so muss man jedenfalls befürchten. Shoppero, der Laden, bei dem ich meine Beiträge einstelle, crawlt Internetseiten, ich muss zwar noch das Bild per Klick einbinden — Shoppero benutzt es dann zur Bebilderung, macht Kohle durch die Produktverkäufe, der User bezahlt die Abmahnung. Habe ich das jetzt richtig verstanden? Na dann ist ja gut. Ach geht weg, ehrlich jetzt…

Noch einen Schritt weiter? Kein Problem mit dem wunderbaren, sagenumwobenen Startup Shoppero. Ein aktuelles Bildzitat von der Shoppero-Homepage mit den aktuell beworbenen Produkten:

Shoppero aktuell

Nun dürft Ihr dreimal raten, wo diese Bilder liegen. Auf dem Shoppero-Server oder wird zusätzlich zu der auf den User abgewälzten Abmahnproblematik Hotlinking, Trafficdiebstahl betrieben? Okay, wenn ich schon so frage, hier die einfache Auflösung : Nachtrag: Dafür bezahlen die Herrschaften tatsächlich.

Noch Fragen Hauser? Ja Kienzle: Warum ich den Umweg über Shoppero gehen soll, denen Geld in den Rachen werfen soll, wenn ich selbst ne Ref-ID von Amazon bekommen kann, hat mir immer noch niemand erklärt. Omfg — welchen Stein man auch anhebt, es liegt Scheiße drunter. Patrick hat heute im übrigen nochmal nachgelegt, warum er nicht auf den Zug der Jubelperser gesprungen ist, obwohl gerade *er* der Werbung positiv gegenüber steht.

Ich habe aus meiner Lebensgeschichte heraus eine unglaublich feinen Sensor für Blender entwickelt. Es wäre an dieser Stelle zu komplex und privat um das auszuführen, aber wichtig ist es zu wissen, dass ich Blender oft (Defintion: Auf dicke Hose machen ohne etwas dahinter) 10 Meilen gegen den Wind rieche und auch entsprechend allergisch darauf reagiere.

Einer der weniger, der Patrick, auch wenn ich oft nicht seine Meinung teile… 😉

Mein täglicher Link zu lanu darf auch nicht fehlen, dort wird festgestellt, dass Nico den Jens macht — eine IMHO traurige Entwicklung. Wenn ich bis aufs Lesen nichts mit dem Lumma zu tun hatte, hab ich mich doch sehr in diesem Blogger getäuscht. Naja, so spielt das Leben — nun weiß ich ihn einzuschätzen.

Am Montag, aha. Für mich war es das. Wer sich weiterhin einlumman lassen will, bitteschön. Hier kein Link mehr zum guten Onkel «Devil» Lumma und seinem schwierigen Freund.

Um Euch gemütlich in den Sonntag zu entlassen, schicke ich Euch zu Martina, die eine feine Geschichte über Schaumschläger verfasst hat. Sehr fein das. Und was das mit dem Thema zu tun hat? Who knows. :)

Wer von uns sieht nicht gerne Seifenblasen zu, die bunt schillernd in den Himmel steigen, ihre Schönheit präsentieren. Und in dem Augenblick, in dem man versucht, die Faszination zu begreifen, macht es PLOPP und die Blase ist nur noch heiße Luft. Herum fliegen stattdessen nasse seifige Spritzer, die schnell einen unangenehmen Juckreiz auf der Haut auslösen.

Shoppero bei F!XMBR:

Schönen Sonntag Euch. :)

Bild: Jason White unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

8 Antworten zu “Shoppero — Eine nicht wirklich positive Abmahnmaschinerie”

  1. Martina sagt:

    Ich weiß nicht, ob jemandem schon das *hüstel* «Bezahlmodell» ins Auge gestoßen ist. Sollte, mit Blick auf die AGB der Artikel im Urheberrecht des Schreibers bleiben (§12, 3.), dann nimmt die Bezahlmodalität wie in deren Blog beschrieben, schon recht skurile Züge an. Wer dann da noch mit macht, ist in meinen Augen nicht nur ein Verlierer, sondern auch ein Versager.

    Es geht nicht um die Beteiligung an einem Affiliate-Programm, sondern um die gesamten Werbe-Erlöse, die auf der Plattform Shoppero entstehen. Affliate, TKP, CPC, alles wird in einen großen Topf geworfen, dann nach PageImpressions der User aufgeteilt und dann über den Schlüssel 20% / 60% verteilt. Dabei bekommt der User 20% aller Werbe-Einnahmen, die bei seinem Traffic-Anteil auf den selbst verfassten Produktseiten entsteht und 60% der anteiligen Werbe-Einnahmen aus den durch Verlinkung entstehenden Seitenaufrufen. Ein kleines Beispiel, um dies zu verdeutlichen: An einem Tag entstehen auf der Plattform Shoppero insg. 10.000 EUR Werbe-Einnahmen. User X hat mit seinen Inhalten einen Anteil von 0,05% an dem gesamten Traffickuchen, also quasi 5 EUR. Von diesen 5 EUR erhält der User 20%, also 1 EUR.

    Kwelle des Zitates: Beitrag «Am Tag danach» vom 5. Mai 2007 im Shoppero-Blog (aber ohne Link)

    Um es nochmal hervorzuheben, für diejenigen, die des Lesens unkundig sind: Der Poster bekommt nur einen Bruchteil dessen, was ihm eigentlich zustünde, ist er doch eigentlich mit seinem Artikel maßgeblich an der Werbemaschinerei beteiligt.

    1 Euro pro Artikel? Nun sollte sich jeder mal ausrechnen, was für ein Worthonorar bzw. Zeilenhonorar das bedeutet!

  2. EuRo sagt:

    Da brauchts gar keinen Trojaner. Der Beschiss steht sozusagen in den AGB. Aber das kapieren sie nicht, unsere Internetterroristenjäger. Guts Nächtle.

  3. kobalt sagt:

    Euer Blog nötigt mir immer mehr Respekt ab.

  4. […] Shoppero wurde ja bereits viel geschrieben. Fast alles findet meine […]

  5. Chris sagt:

    Jeder lässt sich so ausnutzen wie er will. Das ist den meisten wohl gar nicht bewusst, dass wenn 2 das gleiche Produkt bewerben, geteilt wird — wenn es noch mehrere werden…

    THX für den Hinweis nochmal Martina — irgendwo gibbet darüber auch nen Blogeintrag.

  6. […] Shoppero die neuste Unternehmung des Nordlichts Nico Lumma online und prompt hagelt es Kritik von vielen Seiten. Erste Sicherheitslücken wurden zudem bekannt. Natürlich nimmt man seitens Shoppero […]

  7. […] einigen Blogs wurde aufgeregt über Shoppero und das Urheberrecht sowie eine Abmahnmascherine geschrieben, die in Zusammenhang mit unseren AGB entstehen soll. Inbesondere wird bemängelt, dass […]

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