Shoppero — Datenschmutz, Urheberrecht und andere Peinlichkeiten des heutigen Tages

AssOkay, ich sage nun nicht, wir haben es von Anfang an gewusst. Ich weise auch nicht darauf hin, dass, als dieser Artikel online ging, bis auf die Jubelperser, kein Blogger — mit Ausnahme von F!XMBR und unsere geschätzte lanu — über Shoppero berichtete. Stattdessen lache ich noch mal über die Edelmänner von Edelmann, denke nicht an den nackten Hintern von Jennifer Lopez *g* und freue mich über die Reaktionen auf diesen Hinweis. Den Anfang in unserer heutigen Shoppero-Rundschau macht lanu — die sich mit den Datenschmutzbestimmungen von Shoppero auseinandergesetzt hat. Bei Shoppero findet sich dort unter Datenschutz (Realsatire pur, ehrlich):

§ 3 Werbung, Markt– und Meinungsforschung, Werbewiderspruch
(1) Der Betreiber ist berechtigt, die personenbezogenen Daten des Nutzers auch zum Zwecke der Werbung und Markt– und Meinungsforschung zu nutzen. Die Werbung kann dabei auch für andere Produkte als diejenigen des Betreibers erfolgen. Auch in diesen Fällen findet der E-Mail-Versand durch den Betreiber statt. Der Nutzer ist insbesondere mit dem Empfang solcher E-Mails einverstanden.

§ 4 Einsehbarkeit der Daten durch Dritte, Weitergabe der Daten an Dritte, Verwendung der Daten in anderen Medien
(2) Der Nutzer willigt in die Weitergabe seiner E-Mail-Adresse an Vertragspartner des Betreibers zum Zwecke der Werbung für Produkte und Leistungen dieser Vertragspartner, Markt– und Meinungsforschung ein. Die Vertragspartner des Betreibers sind berechtigt, dem Nutzer entsprechende E-Mails zuzusenden und der Nutzer ist mit dem Empfang solcher E-Mails einverstanden. Dieser Weitergabe kann der Nutzer jederzeit, auch nach Erteilung der Einwilligung, mit Wirkung für die Zukunft gemäß § 8 widersprechen. Nach erfolgtem Widerspruch ist eine Weitergabe der E-Mail-Adresse für diese Zwecke unzulässig.

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Shoppero-ähnliche Datenschmutzbestimmungen
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Wolle personebezogene Date kaufe? Nur 1,- Euro pro Datesatz! Kaufe noch heute und bekomme Rose dazu.

Personebezogene Date? Personebezogene Date?

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Shoppero-ähnliche Datenschmutzbestimmungen
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Patrick schreibt dazu heute in seinem Shoppero-Artikel:

Wie bitte? Ich muss Widerspruch einlegen, wenn ich nicht möchte, dass meine E-Mail weitergereicht wird? Wie denn? Auf dem Rechtsweg? Ich glaub mein Schwein pfeift.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein weiterer Punkt, den Patrick anspricht ist die Kommunikation. Hat man von den Beteiligten irgendetwas gelesen, ausser einem Danke auf dem Blogs der Jubelperser? Mitnichten. Selbst auf dem eigenen Blog hat der sagenumwobene CEO des großartigen Startups Shoppero nicht die Zeit gefunden, zu antworten. Ich verstehe das sehr wohl, jetzt, wo man in der Liga der Kleinfelds und Ackermanns spielt — da muss man halt auch viel fürs Handicap tun…

Wo wir beim Bloggen sind — Emotionen, Leidenschaft. Dem sind wir alle verfallen — da fällt mir ein, auch die Mit-dem-Herzen-dabei-Blogger von Shoppero haben ein eigenes Blog installiert. Da gehe ich doch schnell mal hin, da steht sicherlich die Erklärung, warum wir bösen Blogger alle falsch liegen:

fixmbr.de

Zu dieser Peinlichkeit sage ich dann gar nichts mehr. Braucht es einen anderen Beweis, als diesen, dass diverse Herren ihr Herz, ihre Emotion, ihr großes Hobby in der Geldbörse spazieren tragen? Ich denke nicht. Dieses Beispiel ist exemplarisch für die ganzen Businessblogger da draußen. Schleicht Euch einfach. Ihr seid meiner Meinung nach keine Blogger — Ihr seid New Economy reloaded.

Kommen wir nun zum Urheberrecht. Liebe Shoppero-Jungs: Ich hoffe, Ihr habt Euch da ernste Gedanken gemacht. In heutiger Zeit, wo Kochbücher schneller abmahnen, wie Pleite-Startups aus dem Boden schießen, ist das sicherlich nicht unwichtig. Schauen wir doch mal bei Euch vorbei — wie habt Ihr es mit dem Urheberrecht?

Wie funktioniert Shoppero?

Wenn du nun beim Surfen ein interessantes Produkt findest und darüber schreiben möchtest, klickst du einfach auf das shoppero Bookmarklet und wir scannen die Website nach Bildern, der URL, dem Titel und tragen dies automatisch in die Empfehlung ein. Du musst nur noch deine Empfehlung schreiben. Das war es!

Seid Ihr eigentlich von allen guten Geistern verlassen? Wer kommt bei Euch auf diese schwachsinnige und wohl geschäftsschädigende Idee, fremde Seiten zu crawlen und Bilder automatisch in die eigene Homepage einzubinden? Seid Ihr so dem Dollarwahn verfallen, dass Ihr diesen offensichtlichen, rechtlichen Schmarrn umgesetzt habt, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden? Ja, auch als Partner könnte Amazon Euch in die Eier treten — und mal ganz im Ernst — die regelmässigen Leser von F!XMBR kennen meine Meinung zum Thema Abmahnung — bei soviel Dreistigkeit oder auch Blödheit, ich hab mich da noch nicht festgelegt, habt Ihr jede Abmahnung, die diesbezüglich im Briefkasten landet, verdient. Ich werde nachher mal eine Empfehlung für ein bestimmtes Kochbuch schreiben… Denkt heutzutage niemand mehr nach, wenn er ein Unternehmen gründet? Mir ist schlecht.

Das Zitat des Tages geht an digitalwar.de:

Dieser Beitrag enthält übringens sehr viele Nofollow Links.

Auch eine Möglichkeit — ich werde diesen Dreck gar nicht mehr direkt verlinken. Denn das Geschäftsmodell von Shoppero beinhaltet wohl, so schnell wie möglich bei Google in den vorderen Ergebnissen zu landen — tja, in Gesellschaft der ganzen Preisvergleiche, whatever, fühlt Ihr Euch sicher wohl — zumindest gehört Ihr genau da hin. Weiß jemand, was Google davon hält, wenn ein Geschäftsmodell eben genau darauf hinausläuft und meiner Meinung nach sonst rein gar nichts zu bieten hat? Achja, wo wir gerade bei Geschäftsmodell sind: Alle Linkempfehlungen, die ich heute gesehen habe, gingen zu Amazon.de — hallo? Gehts vielleicht noch schlechter und peinlicher? Wo ist jetzt das Neue, das Innovative? Warum soll ich zur Amazon-Provision den Umweg über Shoppero nehmen? Das ist alles so grottenschlecht, omfg…

Zum Schluß ein kleiner Gruß an die Kollegen von Golem.de — wenn auch per Nachtrag auf die XSS-Lücken hingewiesen wird: Euer Artikel macht den Eindruck einer Presseerklärung aus dem Hause Shoppero — demnächst einfach ein wenig mehr Recherche, okay? Zu dem Zeitpunkt war das Kind schon in ganz andere Brunnen gefallen. Denkt mal drüber nach. Bei Artikel rund ums Bloggen und das Web 2.0 sollte man vielleicht ein wenig in der Blogosphäre schauen — denn gerade bei solchen Theman haben wir mehr zu sagen, manche auch weitaus mehr Kenntnis, als der profane Journalismus. 😉

Bild: Jason White unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

9 Antworten zu “Shoppero — Datenschmutz, Urheberrecht und andere Peinlichkeiten des heutigen Tages”

  1. Ludwig sagt:

    :-) Jetzt redest du dich aber ganz schön in Rage. Aber vor allem deine Meinung zum Thema New Economy reloaded kann ich nur unterschreiben. Aber auch wenn dein Zorn als «gstandner Blogger» gerechtfertigt sein mag, so kann ich dem Thema «Business Blogs» doch was abgewinnen. Ich nutze das Medium Blog als einen weiteren Weg der Kundeninformation / Kundenansprache. Und als das finde ich das gerechtfertigt und legitim.
    Aber back to topic: Ich würde ja mal sagen, dass diese Datenschutzbestimmungen trotz expliziter Formulierung hier in Deutschland einen Dreck wert sind. Aber es zeigt nur weiter, was man von Shoppero zu halten hat.

  2. […] der Menschen in Deutschland sein. Und diese Mehrheit interessiert es einfach einen Scheiß, was Shoppero so macht oder wer sich gerade welche neuen Blogcharts ausgedacht hat. So sind die meisten Blogs […]

  3. […] den Datenschutz anbelangt sowieso — alle anderen Details bitte bei FIXMBR […]

  4. Usul sagt:

    Sehr schön finde ich ja auch dieses Schnipsel:

    Ab einer Summe von 25 EUR werden die Erlöse des Users am Monatsende per PayPal ausbezahlt. link

    Da fragt man sich doch spontan, wieviele wohl unter diesem (meiner Meinung nach recht hohen) Limit bleiben. Und wo dieses Geld dann bleibt. Na gut, dass kann man sich denken 😀 Das erinnert irgendwie an diesen «Bankraub» anno dommini, wo ein Bankangestellter die ganzen 3.-Stelle-hinter-Komma-Rundungsbeträge aufs eigene Konto geschaufelt hat und damit ein erkleckliches Sümmchen angehäuft hat — nur in größerem Maßstab. 25-Euro-Rundungsbeträge.

  5. Chris sagt:

    *g*

    Auch ein interessanter Gedanke…

  6. […] einigen unschönen Dingen steht schon eine Menge bei F!XMBR und lanu. Chris hat sich auch schon an die AGB des Angebots gemacht und ich musste mich gerade beherrschen, nicht laut los zu lachen, als ich sie mir im Detail […]

  7. Marnem sagt:

    Also ich finde Shoppero toll!

    Bloß schade, dass ich kein Anwalt bin :-(

    Nochmal zum mitschreiben:
    Der Lumma macht nen Laden auf, der für Abmahnanwälte das reinste Sahneabschöpfen ist. Der Lumma war aber ned dumm und hat ne GmbH draus gemacht. Noch dazu spielt er ned mit eigenem Geld, sondern mit dem von fremden VCs.
    Hat schon mal jemand abgecheckt, ob der Lumma in seiner Verwandschaft oder im Freundeskreis nen Anwalt hat? Weil mir scheint, als würde das Geschäftsmodell darauf hinauslaufen, nen Haufen Geld aufzuschütten und der erste Anwalt, der ihn weggeschaufelt hat, hat gewonnen. Der Lumma wird dann natürlich erstmal virtuell verprügelt, wenn die Firma pleite ist, aber je nach Größe des Geldhaufens, den er mit dem Anwalt rausgezogen hat, kann das ein gutes Geschäft sein.
    Nur so als Idee…

  8. Chris sagt:

    Im Prinzip traue ich ihm das nicht zu — in der nächsten Shoppero-Headline kommt allerdings das Wort Abmahnmaschinerie (oder ähnlich) vor…

  9. […] Chris: Im Prinzip traue ich ihm das nicht zu — in der nächsten Shoppero-Headline kommt… […]

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