Sexarbeit

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Ich habe mir heute hier in Hamburg im Museum der Arbeit die Ausstellung Sexarbeit Prostitution — Lebenswelten und Mythen angeschaut. Ich bin begeistert, beeindruckt und auch ein stückweit bedrückt zugleich. Selten hat mich eine themenbezogene Ausstellung so beschäftigt, positiv und negativ, und auch zum Nachdenken gebracht.

Prostitution besteht nicht aus der Hure und dem Freier - beide mehr oder weniger in unserer Gesellschaft geächtet, ewig mit der Doppelmoral der Menschen lebend. Prostitution besteht aus unzähligen Facetten, wie das normale Leben auch. Zum einen wäre da der Bereich Arbeitsplätze und die Arbeits(platz)bedingungen sowie die rechtliche Situation der Huren. Ein großer Teil der Prostituierten in Deutschland sind migriert, viele illegal, so dass z. B. das Prostitutionsgesetz von 2002 nicht wirklich greift, viele der Huren eben nicht verbessert leben, wie es beabsichtigt war. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Gesundheit der Huren, die rechtliche Situation, Geschichte wird dargestellt, wie auch die heute noch vorhandenen Gefahren. Die Geschichte der Prostitution vom 19. Jahrhundert bis in die heutigen Tage wird dem Besucher näher gebracht, wie auch der negative Aspektd es Jobs wie Frauen– und Menschenhandel, die Drogenproblematik, der Kampf um rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung und wie oben bereits erwähnt, die gesundheitlichen Risiken.

Nachtricht 1 Sexarbeit

Der Besucher wird im Museum der Arbeit per typischem Rotlicht empfangen. Diese Atmosphäre verpflüchtet sich in den nächsten Räumen schnell. Einfache Textnachrichten, original geschrieben von Huren wechseln sich ab mit Vistenkarten von Prostituierten aus aller Welt, dann kalt die Arbeitsutensilien der Huren, der Dildo neben dem Kondom, die Lederausstattung neben dem Gynäkologenstuhl.

Aber auch die Huren selber kommen zu Wort, per Bildschirm, der Besucher setzt sich auf das Sofa, auch das ist ein Original, und hört zu, wie von dem Job gesprochen wird - es ist ein Job, und doch steht auch immer die Sehnsucht nach ein wenig besserer Behandlung im Raum, dies wird deutlich, als eine der Prostitierten mit leuchtenen Augen davon erzählt, wie sie vor einem Freier einmal zu ihrer Lieblingsmusik tanzte, dieser ihr für das nächste Mal die CD der Musik versprach und auch sonst sehr zärtlich war.

Hurenphotos Sexarbeit

Ich kann jedem Leser nur diese Ausstellung empfehlen, in Hamburg wird sie noch bis zum 07. Mai laufen - wenn sie denn nicht noch einmal verlängert wird. Wer die Chance in Hamburg hat, sollte sie sich nicht entgehen lassen, anschließend wird sie noch in den Städten Bonn und Berlin gezeigt. Ich habe im ersten Absatz geschrieben, dass ich begeistert bin, begeistert davon, dass hier nicht nach dem Motto sex sells vorgegangen wurde, man sieht trotz der Alterfreigabe ab 16 wenig Brüste, so gut wie keine Geschlechtsorgane. Beeindruckt von der — auch wenn man es vorher wusste, ahnte - Professionalität der Huren, davon, was die Frauen (und auch Männer) täglich aushalten. Bedrückend am Ende der Austellung ist der Gedanke, dass der normale Beruf Hure immer noch geächtet wird, dass die Hure immer noch einen schweren Stand in unserer Gesellschaft hat, dass selbst die Politik sich diesbezüglich schwer tut, zumindest rechtlich für eine Gleichbehandlung mit anderen Jobs zu Sorgen.

Gleichstellung Sexarbeit

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Eine Antwort zu “Sexarbeit”

  1. Oli sagt:

    Zweischneidige Sache, einerseits sollte man die Frauen die da hinein geraten sind irgendwie supporten, andererseits unterstützt man damit auch andere Kreise.
    Moral? Juckt mich nicht — in diesem «Job» jedoch werden Frauen ausgebeutet, so oder so — das älteste und schmutzigste Gewerbe der Welt. Die Frauen können i.d.R. nichts dafür, wie auch — die Schweine sind die Freier die diese Frauen für Geld unterdrücken.
    Begriffe für «Subkultur», «Job», «Professionalität» etc. verharmlosen das alles nur und helfen mit dabei die Frauen zu unterdrücken.
    Warum kommen Frauen in diesem Land überhaupt in diese Situation? Klar es gibt kranke Typen die behaupten es mache ihnen ja auch Spaß … aber ich glaube da ist einfach zuviel Filz bis in die obersten Reihen(derlei Dinge kamen ja auch schon oft genug in die Presse).
    Nennt mich Landei, aber als Job oder auf irgendeine kranke Weise «normal» kann ich das nicht ansehen. Ich habe eher Mitleid mit den Frauen …

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