Sensibilisierung: Schutz, Datenschutz, mündiges Verhalten

Oft genug taucht die Frage auf «wie denn nun, wie sensibilisiere ich mein Umfeld für eine bestimmte Sache?». Sensibilisierung bedeutet dabei jedoch nur plausibel aufmerksam machen, keineswegs sollte es gleichbedeutend sein mit einer massiven Abstraktion. Der Lernprozeß des zu Sensibilisierenden muß an dem Punkt einsetzen, wo es um die Einsicht geht, daß mit einer stetigen Abstraktion auch eine fortschreitende «Kastration» des Informationsgehalts einhergeht.

Desweiteren ist es essentiell die Wichtigkeit des Lernens zu vermitteln. Primäres Argument hierbei: «Wissen ist Macht» und «Unwissenheit ist Ohnmacht» — man kann es eben nicht oft genug betonen. Jegliche Information ist Macht und diese Macht wird gestärkt, je mehr Leute sich eben diesem Wissen freiwillig oder auch gezwungen verschließen und wenigen diesen Vorteil überlassen. Erlangt man also Wissen, nimmt man eben diesen Leuten teils die Macht, ihr weitaus höheres Potential in diesem Bereich alleinig zu ihrem Vorteil zu nutzen. Konsequenterweise wird man immer auf Menschem mit einem höheren Wissenspotential treffen und das ist auch nicht pauschal als negativ zu erachten. Akut wird der negative Aspekt genau dann, wenn man sich gegenüber Wissen verschließt und somit der Gefahr der Wissens/Informationskontrolle durch andere Vorschub leistet.

Dies kann man vorzüglich durch diverse Beispiele in der Geschichte belegen, selbst aktuell in unserem zeitlichen Kontext ist dies quasi permanent möglich. Man muß nur die Augen und Ohren offenhalten. Wissens/Informationskontrolle ist das ? und ? einer jeden Diktatur, aber auch in einer Demokratie kommt dieses Mittel zur Anwendung, wenn auch in subtilerer Form. Ist in einer Diktatur der Verbot usus und wird ein Zuwiderhandeln mit drakonischen Strafen geahndet, so bedient man sich in einer Demokratie weitaus unauffälligerer Mittel. Offensive, pauschale Verbote, sprich Zensur, kommen in einer Demokratie nur sehr selten zum Einsatz und falls doch werden diese unter dem Deckmäntelchen des Schutzes etc. etabliert. Kennzeichen der Wissens/Informationskontrolle in einer Demokratie ist jedoch nicht das brachiale Durchsetzungsvermögen der Regierenden, sondern die subtile Natur zahlreicher Kontrollkomponenten, die letztendlich in ihrer Gänze erst Breitenwirkung erlangen. Grundlegender Unterschied zur Diktatur: es ist nicht wirklich offenbar, man muß aufmerksam sein und diverse Dinge miteinander in Relation stellen können, um die ganze Tragweite wenigstens zum Teil erahnen zu können.

So schließt sich der Kreis: warum Wissen eine Notwendigkeit darstellt und man sich mit diesem beschäftigen muß. Last not least kulminiert daraus auch die Logik, die der Beantwortung der Frage dient «warum lernen, warum nicht schlicht mit Bildern, Filmen etc. bis zur Unkenntlichkeit abstrahieren, Wissenslücken bildmalerisch kompensieren?» q.e.d.

Es existiert keine Sicherheit auf Raten, man kann einem Kind beispielsweise auch nicht die «Kleinigkeiten» in puncto Straßenverkehr alleinig vermitteln und ob des jungen Alters den Hinweis auf die lethalen Gefahren aufschieben auf einen späteren Zeitpunkt. Denn erst die etwaige Gefahr für Leib und Leben in diesem Kontext, ist mitunter Basis für eine nachhaltige Vermittlung von Regeln. Auch sind Verbote, wie oft von Eltern getätigt, kontraproduktiv, man muß dem Kind die Information plausibel vermitteln, jedoch ohne Aussparung von essentiellen Informationen. Wer sein Kind nicht mit der harten Realität, die im Straßenverkehr lauert konfrontieren möchte, muß dieses also davon fernhalten. Gleichsam verhält es sich auch in anderen Bereichen, wie z.B. dem Computer oder dem Internet. Das Benutzen ist nicht lethal, kann jedoch viel kosten in vielerlei Hinsicht.

Der immerwiederkehrende Tenor bei diesem Themenkomplex ist der Lernfaktor. Man bedient sich einer gewissen Abstraktion, um komplexe Sachverhalte eingängiger zu vermitteln. Allerdings muß man hier auch irgendwo eine Grenze ziehen. Oft gehört ist der Vorwurf, «da bleiben ja noch mehr Fragen offen». Exakt, gehen wir davon aus, daß dieses vermittelte und abstrahierte Wissen korrekt dargestellt wurde, so sind die weiteren Fragen beabsichtigt, Teil des Lernprozesses. Man kann also einen Erfolg verzeichnen, denn eben diese Reaktion zeigt, daß nun eben jener erwünschte Lernprozeß in Bewegung gesetzt wurde, welcher als Basis für ein ganzes Spektrum an weiterführenden Informationen dienen kann.

Konsequenterweise muß auch erwähnt werden, daß dies alles natürlich immer eine Gratwanderung darstellt. Abstrahiere ich zu stark, vermittle ich dem Wissbegierigen eventuell den Eindruck einer absoluten Information, sprich mit endlichem Charakter. Abstrahiere ich jedoch zu wenig, ersteht der Eindruck eines Fasses ohne Boden, sprich unendlichem Charakter, der Wissbegierige blockt automatisch ab, fühlt sich massiv überfordert. So oder so erreiche ich also nichts, wenn ich denn in Extreme abdrifte. Der goldene Mittelweg ist gefragt. Und genau ab diesem Punkt muß man selbst Konsequenz zeigen: «bis hier hin und nicht weiter», der Rest wird individuell vermittelt, indem man auf den Wissbegierigen eingeht. Da draußen wäre dies das persönliche Gespräch, vice versa im Netz der Chat, die Mail, ein Blog/Forum — eben ein Medium, welches die Diskussion ermöglicht.

Auch darf man einen Punkt nicht unterschlagen, die Persönlichkeit des Lernenden. Mitunter sehen es einige als Bloßstellung an, werden öffentlich ihre «Wissenslücken» zur Schau gestellt. Auch darüber erlaube ich mir ob des warum kein Urteil, aber wenn dies tatsächlich das einzige Hinderniss darstellt, welches dem Lernaufwand entgegensteht, nun dann geht man eben persönlicher auf denjenigen ein. Der Lernprozeß endet nie, auch somit kann man selbst lernen Wissen gekonnter zu vermitteln bzw. zu individualisieren.

Last not least bleibt eine Sache über: man hat sensibilisiert, man weiß auf der anderen Seite, daß Lernen essentiell ist, um nicht am Ende der informationstechnischen Nahrungskette zu rangieren. Aber wieviel muß man erlernen? Es endet nie wirklich, man lernt immer hinzu und muß es auch, gerade im informationstechnischen Bereich kommen permanent neue Technologien zum Einsatz und damit einhergehend auch neue Fallstricke. Auch sollte man sich bewußt sein, mag man auch selbst kein Interesse haben weiteres Wissen zu akquirieren, so läuft dort draußen definitiv jemand herum, der genau eben dies tut und vielleicht nicht unbedingt zum Wohle der Menschheit.

Bleibt die Quellenkritik. Warum? Nun eine Quelle des Wissens mag gut sein, aber dies kann man nur beurteilen, wenn man auch in der Lage ist zu vergleichen und seine eigenen differenzierenden Schlüsse daraus zu ziehen. Ansonsten driftet man in «Glauben» ab, gibt sich hahnebüchenen Verschwörungstheorien hin, gewinnt also nichts außer teils «krankhafter Paranoia». Wobei auch dies wie immer eine Gratwanderung darstellt, nicht jede Information kann exakt belegt werden, man kann sich dieser aber mittels diverser Quellen konsequent annähern. Letzteres ist von immenser Wichtigkeit, denn die Welt besteht zwar grundlegend aus 0 und 1, aber wer sich schon mal mit digitalen Schaltungen beschäftigte, weiß wie komplex man dieses 0 und 1 miteinander verknüpfen kann und daß fuzzy logic letztendlich diese Unschärfe beschreibt, die das Leben erst derart komplex macht.

Sensibilisierung ist keine Einbahnstraße, auf beiden Seiten muß der Wille dazu vorhanden sein. Einerseits der Wille zum Lehren und zum Eingehen auf das Gegenüber, zum anderen der Wille neues Wissen erlangen zu wollen und nicht auf halber Strecke ob einigen Unbills stehen zu bleiben.

Artikel: Original .get privacy, überarbeitet 2007 für F!XMBR, nochmals überarbeitet 2010 für akephalos.de

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Eine Antwort zu “Sensibilisierung: Schutz, Datenschutz, mündiges Verhalten”

  1. kobalt sagt:

    Es geht nichts über Beispiele. Die meisten von denen, die nichts zu verbergen haben, schließen die Klotür wenn sie, ähem, defätieren und sie haben Jalousien oder Gardinen vor dem Schlafzimmerfenster.

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