Selbstjustiz auf dem Weg zur Legalität

Bananenrepublik Deutschland | OpenClipArt.org | CC-Lizenz Und wieder sind wir der Bananenrepublik Deutschland einen Schritt näher gekommen — wenn wir nicht schon lange in eben dieser Bananenrepublik leben: Die Selbstjustiz wird zukünftig wohl legalisiert werden — aber wie soll es anders sein, nicht für den Ottonormalverbraucher, nein, die Industrie, um die pöhsen Kunden Kriminellen zu erwischen. Neben der Unterhaltungsindustrie fängt nun auch die Verlegerschaft an zu jammern, die pöhsen Raubkopierer würden ja illegal digitale Buchdateien und Hörbücher anbieten. Eine Lösung haben sie für das Problem auch gleich:

Nach Ansicht des deutschen Buchhandels müssen dazu insbesondere Internet-Zugangsanbieter stärker in die Pflicht genommen werden. Verlage sollen von ihnen laut dem Branchenverband direkt Auskunft über Personen erhalten, die in Tauschbörsen illegal digitale Buchdateien und Hörbücher anbieten.

Die gleiche Forderung hatten wir doch auch schon von den Kollegen der Film– und Musikindustrie. Das ist doch mal wieder was. Wieder ein weiterer Schritt, unser Grundgesetz, unsere Grundrechte ausser Kraft zu setzen. Unsere oberste Angestellte der Contentindustrie Bundesjustizministerin hat natürlich nichts dagegen:

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will mit ihrer Vorlage erstmals neben den eigentlichen Rechtsverletzern auch Drittparteien zur Auskunftserteilung verdonnern. Provider müssten demnach etwa bekannt geben, welcher Nutzer sich hinter einer IP-Adresse verbirgt.

Wenn man weiß wie unfähig die deutsche Industrie gerade im Umgang mit dem Web ist, insbesondere mit den eigenen Kunden, dann kann man nur das Schlimmste befürchten. Erst schaufelt man das Grab für die eigenen Kunden, indem man Existenzen ruiniert — durch völlig überhöhte Massenabmahnungen, Schadensersatzforderungen, etc. pp — und schon hat man sich selbst ruiniert, weil dann niemand mehr da ist, der die eigenen Produkte noch kauft. Eigentlich logisch, oder?

In Himmelhergottsnamen: Hier wird öffentlich von einer Lobbyistengruppe Zugriff auf Daten gefordert, die nicht umsonst nur per Gerichtsbeschluß rausgegeben dürfen, und was macht unsere obereste Jura-Studentin Bundesjustizministerin? Wird alles absegnen, mit dem Wissen, dass sie sich nach ihrer politischen Karriere um einen Job keine Sorgen zu machen braucht.

Weiterlesen bei Heise.de — Verleger fordern schrankenlosen Auskunftsanspruch gegen Provider

Zur Feier des Tages gibt es bei F!XMBR mal wieder ein neues Icon, damit wir zukünftig gleich wissen, in was für einem schwarz-rot-geilen Land wir leben, gefunden auf openclipart.org.

7 Antworten zu “Selbstjustiz auf dem Weg zur Legalität”

  1. Korrupt sagt:

    Lach nicht, aber beim Topiclesen war mein erster Gedanke, du meinst das da :)

    Zugegeben, ueber Zypries wunder ich mich nicht mehr.

  2. Chris sagt:

    Das auch fein. :)

    Aber leider viel zu wenig, siehe auch SZ-Artikel in den Linktipps.

  3. […] Leider habe ich gerade nicht viel Zeit fürs bloggen und krank bin ich auch noch, also nur kurz über jammernde Verlage, die auch Ansprüche an die ISPs stellen. Hier bei fixmbr und bei heise. […]

  4. […] Nachtrag: Der Chris schreibts nebenan etwas ausführlicher als ich mit meinen 4 Buchstaben und 3 Punkten. Und hat außerdem ein schickes Logo für unsere schwarz-rot-geile Republik gefunden. […]

  5. pascal sagt:

    wie im Artikelforum schon vermerkt wurde:

    Shit. Jetzt kann ich auch keine Bücher mehr kaufen!

    Das Internet ist also wohl das letzte Medium, alle anderen dürfen in Zukunft ignoriert werden. Irgendwie blöd, hatte ich doch vor, mich auch mal vor meinem repräsentativem Bücherregal interviewen zu lassen wenn ich dann mal $(HohesTier) bin. Muss jetzt wohl ausfallen, «Internet» als Backdrop sieht in Form von Computern bisschen doof aus, so als müsse man noch arbeiten…

  6. Oli sagt:

    Zypries — hatten wir ja schon mal, erinnern wir uns *gerne* dran, wenn auch sie weiter Karriere macht.

  7. RC sagt:

    Naja, ich denke es ist eben längst an der Zeit die Realitäten zu sehen. Nach und nach riechen hier immer mehr und mehr Gruppierungen ein Geschäft. Es fing an mit MI/FI und diversen Abmahnanwälten und setzt sich jetzt so fort. Die Verleger haben jetzt sicherlich Angst das sich ein neues Geschäftsfeld aufgetan hat und dort andere wie die MI alleine absahnen und wollen jetzt schlicht auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Firmen springen hier genauso mit auf den Zug auf, um den Anschluss nicht zu verpassen, wie sie damals aufgesprungen sind als es mit dem Web ansich losging. Oder eben allem anderen, was gerade in Mode gerät.

    Dumm «nur», dass sie für die normalen User das letzte halbwegs «freie» Medium, das es noch gibt, kaputtmachen.

    Und die Zypresse… Jedesmal wenn ich den Namen nur hör stellen sich mir schon die Nackenhaare auf — ARGH!

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