Schwarz-Grün und Stuttgart 21: Wette gilt

GERMANY/
Quelle | @stoltenberg

Stefan Mappus hat gerade im Stuttgarter Landtag seine Regierungserklärung zu Stuttgart 21 gehalten. Die wesentliche Nachricht, die von den Medien aufgegriffen werden wird: Heiner Geißler hat sich dazu bereit erklärt, zwischen Befürwortern und Gegner zu vermitteln. Sonst bleibt selbstverständlich alles beim Alten. Mappus hob die Vorteile von Stuttgart 21 hervor — und in Teilen seiner Rede konnte man die Verachtung der Gegner von Stuttgart 21 förmlich spüren. Wenn man Mappus über Stuttgart 21 reden hört, kommt dem Zuhörer unweigerlich ein berühmtes Zitat aus «Men in black» in den Sinn: «Die Besten der Besten der Besten, Sir.» Das typische neoliberale Geschwätz, Beschäftigung und Wachstum darf natürlich auch nicht fehlen. Wenn er auf die Gegner zu sprechen kommt, kann er sich kaum zurückhalten, die Verachtung kann man fast schon greifen. Es gehe nur um einen Bahnhof, und überhaupt, es fallen nur knapp 300 Bäume, die Stadt Stuttgart würde jährlich allein 800 Bäume fallen.

Die Regierungserklärung war aber nicht nur eine klare Ansage an die Menschen und Gegner von Stuttgart 21, sondern ebenso ein Koalitionsangebot an die Grünen. Wer erlebt hat, wie der konservative Hardliner Stefan Mappus den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stuttgarter Landtag, Winfried Kretschmann, hofiert und gelobt hat, der reibt sich verwundert die Augen. Die Strategie war leicht zu durchschauen: nach dem Flirt Kretschmanns mit der CDU gestern, folgt heute das klare Bekenntnis: ab März wird Baden Württemberg von Schwarz-Grün regiert.

Die Rede Mappus’ war nicht überraschend, der Name Geißler war in den letzten Tagen mehrfach gefallen, die so genannte Einladung zum Dialog ebenso ausgesprochen worden, das Werben pro Stuttgart 21 ist eine Selbstverständlichkeit für Stefan Mappus in seiner Lage. Die wirkliche Nachricht ist nicht Heiner Geißler, sondern die sich anbahnende schwarz-grüne Koalition. Hoffentlich lassen sich die Gegner von Stuttgart 21 nicht von der CDU und Heiner Geißler einlullen. Auf die Grünen können sie nicht zählen. Gestern hat es sich angedeutet, heute wurde es offensichtlich.

Ab März regiert Schwarz-Grün Baden-Württemberg.
Wette gilt.

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17 Antworten zu “Schwarz-Grün und Stuttgart 21: Wette gilt”

  1. Eine Schwarz-grüne Regierung — Hilfe!!! — man sieht ja in Hamburg was draus wird… Ich glaub ich wander aus…

  2. Lutz Horn sagt:

    Ich halte dagegen. Nach der Erwiderung von Kretschmann im Landtag halte ich Schwarz-Grün für unwahrscheinlich. Das, was Kretschmann und die Grünen von Mappus und seiner Krawall-CDU fordern, werden die nie liefern: vollständige und offene Fakten.

    Also, was ist der Einsatz?

  3. Urbster sagt:

    Ich tippe eher auf eine schwarz-rote kleine Koalition, denn in den nächsten Umfragen könnten die Grünen schon vor der CDU liegen, nicht zuletzt wegen letztem Donnerstag. Das hätte sowieso den Vorteil dass die SPD S21 unterstützt und der Graben zwischen beiden nicht so tief ist.

  4. Lol, die Grünen haben in Hamburg gegen die CDU und von Beust noch härter agitiert…

  5. Lutz Horn sagt:

    OK, dann gilt die Wette also :) Ich setzte eine Packung veganer Bio-Gummibärchen, Lieferung frei Haus.

  6. Stimmt…
    Auch weil die SPD warscheinlich nicht Junior Partner der Grünen sein will…

  7. gfs sagt:

    Da glaube ich nicht dran, eine Schwarz-Grüne Koalition in Verbindung mit einem wie auch immer gearteten «S21-Light» wäre für die Grünen politischer Selbstmord. Ergo: Ich halte dagegen. Mein Einsatz: Zwei aufgewärmte Grünmkern-Bratlinge.

  8. Ormus sagt:

    Die SPD hält sich aktuell aus dem Tagesgeschehen weitgehend zurück — wohl auch die beste Idee. So bleibt es bei einer guten Chance auf schwarz-rot.

    Ausserdem besteht Baden-Württemberg ja aus etwas mehr als Stuttgart und gerade ausserhalb von Stuttgart ist der Widerstand gegen Stuttgart 21 naheliegenderweise nicht so hoch. Der Kampf um die Stadt Stuttgart ist sowieso an die Grünen verloren, der Kampf um das Bundesland dagegen noch offen. Und es ist ja noch ein halbes Jahr Zeit, es sich mit dem Wähler zu verscherzen. Und das gilt für alle Parteien 😉

  9. ich sagt:

    Ich glaube einem nicht allzu kleinen Teil der Demonstranten ist es wurschd, ob schwarz, rot, gelb, grün oder schwarz-grün. Die haben von der Lügenbande, egal welche Farben sie trägt, die Nase voll und möchten deshalb lieber als letzter das Kreuzchen machen – ich spreche vom Volksentscheid. Mag aber auch sein, dass ich mich irre 😉

  10. ich sagt:

    und gerade ausserhalb von Stuttgart ist der Widerstand gegen Stuttgart 21 naheliegenderweise nicht so hoch.

    Vor dem Prügel-Donnerstag hätte ich Dir noch zugestimmt.

  11. […] dies auch jetzt wieder in Ordnung ist, unabhängig von der Lizenzbedingungen, die das Erlauben): Wie bereits erwähnt, ist Heiner Geißler im Streit um Stuttgart 21 als Vermittler eingeschaltet und von allen Seiten […]

  12. Optional sagt:

    Die Pazifisten-Partei, die den Nato-Austritt und die Abschaffung der Bundeswehr propagiert hat, und dann im Rahmen der ersten Regierungsbeteiligung im Bund den ersten deutschen Angriffskrieg nach 45 (mit) angeleiert hat?*

    Wenn das keine negativen Konsequenzen für die Wahlergebnisse der Grünen hatte, wie absurd ist dann die Vorstellung, die Zustimmung zu Stuttgart 21 hätte irgendwelche Folgen?

    *Es gibt noch einige andere Beispiele für die massive Verarschung der Wähler und ins Gegenteil verkehren der Programm-Aussagen der Grünen, aber ich belass es hier mal beim extremsten.

  13. Richard Pestemer sagt:

    Hallo liebe Stuttgart 21-Gegner!

    Es ist doch vollkommen egal, welche Koalition kommt. Hauptsache ist doch, dass der Baustopp durchgesetzt wird.

    Bitte hört auf damit sich dartig auf die Parteien zu fixieren.

    Selbst wenn Schwart-Grün in BaWü kommt, was soll´s wenn das Wahnsinnsprojekt vorher gestoppt werden kann.

    Und wenn Vermittlung einen Sinn machen soll mit dem Schlichter Geißler, dann tstsächlich nur, wenn bis zum Ende der Schlichtungsverhandlungen die Bauarbeiten ausgesetzt werden.

    Warum also alles komplizierter machen als es schon ist.

    In diesem Sinne wünsche ich uns einen möglichst schnellen Ergfolg!

    Und an Wetten, die uns nicht angehen, beteilige ich mich nicht!

  14. Solarix sagt:

    Gestern Abend in der Sendung «zur Sache Baden-Württemberg» hat sich die Kommende Landesregierung präsentiert und wer wirklich glaubt die Grünen würden den Bau stoppe, ist unglaublich naiv.

    Mappus und Kretschmann waren gestern Abend so harmonisch das dass ganze wie ein Bewerbungsgespräch aussah. Wer das nicht glaubt, kann sich die in der ARD Mediathek die gestrige Sendung ruhig zu Gemüte führen und sich ein eigenes Urteil bilden.

  15. Elmar Fässler sagt:

    Kretschman hat nur gesagt er würde schwarz/grün nicht ausschliessen. Im Artikel wird das anders dargestellt — das ist bullshiting!
    Meine Befürchtungen gehen allerdings auch stark in diese Richtung. Es wäre ein Desaster für die CDU wenn sie in BW die Macht verlieren würden. Sie werden den Grünen sehr schmackhafte Angebote machen, nur so können sie verhindern dass die Sauereien der letzten Jahre ans Licht kommen…

  16. Till sagt:

    Grün-rot oder schwarz-rot, eins davon wird es werden.

  17. Lenny sagt:

    Als ob die Grünen jemals gezögert hätten irgendeinen Grundssatz über Bord zu werfen, wenn diese dadurch an die Futtertröge kämen.

    Heute sagen die Grünen Nein, morgen Ja und übermorgen nennen Sie es «Sachzwänge»!

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