Schleichwerbung in Blogs

spam_viagra
Foto: Simon Willison | CC-Lizenz

Wöchentlich schlagen hier Anfragen von irgendwelchen SEO-Agenturen auf, die auf F!XMBR werben wollen, natürlich ganz diskret. Sascha Pallenberg von netbooknews.de und anderen Bloggern wurden nun einige Unterlagen zugespielt, die zeigen, wie es so läuft im weltweiten Netz. Dass es so läuft, ist nicht wirklich eine Überraschung, überraschen tut eher, dass immer wieder Leute gibt, die für ein paar Silberlinge rechtliche Konsequenzen riskieren. Im aktuellen Fall steht eines der bekanntesten deutschen Blogs im Mittelpunkt: Basicthinking (aus SEO-Gründen 😀 kein Link). Sascha schreibt, dass «Christoph Berger, Geschäftsführer der Onlinekosten GmbH» mehrere deutsche Blogger kontaktiert hat. In den E-Mails und auch Telefonaten ist eine Kooperation mit Basicthinking in Aussicht gestellt worden.

Natürlich schlagen in den Kommentaren gleich die üblichen Verdächtigen auf, die sich teilweise mit Abzocke im Netz sehr gut auskennen und werfen Sascha vor, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Der Vorwurf: Linklift & Co. würden ähnlich verfahren. Die Vergleiche sind hanebüchen und treffen nicht wirklich. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob alles (halbwegs erkennbar) transparent abläuft oder es um organisierte Schleichwerbung handelt.

  • In Artikeln sollten passend Keywords verpackt werden, ohne den Affiliate-Hinweis.
  • Die Blogger wurden zu absoluten Stillschweigen verpflichtet, bei einer Vertragsstrafe von 5.001 Euro.
  • Intransparenz ist Grundlage dieses Geschäftsmodell, man kann also von Schleichwerbung sprechen.

Stillschweigen über Schleichwerbung scheint hier das Geschäftsmodell zu sein. Egal, wie man zu Linklift & Co. steht, diese Links erkennt man sofort — sogar Amazon-Links erkennt man, selbst wenn diese nicht gekennzeichnet sind. Allerdings muss Sascha auch mit dem Mücke-Elefanten-Vorwurf in gewisser Weise leben. Er nennt keine Blogs, die sich an diesem offensichtlich schmierigen Geschäft beteiligt haben. Der taz sagte er: «Die Blogger sind da nur Instrument und Opfer, die nützlichen Idioten.» Das sehe ich nicht so. Jeder, der so ein Geschäft eingeht, weiß, was er tut — diesen Bloggern ging es ums Geld. Sie haben es gerne genommen und ihre Leser auf den Arm genommen, sogar ausgenutzt.

Ich finde es sehr schade, dass hier nicht Ross und Reiter genannt wurden. Basicthinking und die Onlinekosten GmbH werden wohl reagieren, die Geschichte negieren — und so wird bei vielen der Gedanke zurückbleiben, «da war ja nichts». Mich würde ja mal der rechtliche Aspekt interessieren, ob die Vertragsstrafe von 5.001 Euro wirklich bei solchen Geschäften greift. Eigentlich sollten solche Verträge nichtig sein, sprich: weder hat der Blogger Anspruch auf das Geld, noch muss er Repressalien fürchten, wenn er die Sache öffentlich macht. Das Frage kann letztlich aber nur ein Anwalt beantworten.

Da war was. Da ist was. Nicht nur im etablierten Journalismus. So blauäugig sollte Niemand sein. Ich zitiere einfach mal — um diversen Kommentaren zuvorzukommen — Jörg-Olaf Schäfers: «Wir reden hier nicht über den Nettigkeiten, sondern über so unnette Dinge wie Schleichwerbung, unlauteren Wettbewerb und Steuerhinterziehung.» Lasst uns wetten: es wird insbesondere von denen kleingeredet, die aus dem SEO-Dunstkreis kommen und versuchen, im Internet Ihre Leser abzuzocken? Okay, so eine Wette würde kein Wettbüro der Welt mehr annehmen… 😀

Warum gibt es auf F!XMBR keine Werbung? Wir sind wohl zu teuer… 😀

netbooknews.de — Basicthinking, Onlinekosten GmbH und der Keyword-Spam
netzpolitik.org — Interview: Sascha Pallenberg über Schleichwerbung in Blogs

, , , , , , , , ,

12 Antworten zu “Schleichwerbung in Blogs”

  1. linuxnetzer sagt:

    Ein interessanter Nebeneffekt dieser ganzen Geschichte, die nun durch die Blogosphäre geistert, ist die Wiederauferstehung des Begriffes «Schleichwerbung». Ein Begriff, der (so scheint es mir zumindest) längst dem Untergang geweiht war und tief im letzten Jahrhundert durch Begriffe wie «product placement» substituiert zu werden schien. Eigentlich ein schönes Wort, das ganz un-rhetorisch und direkt einen Vorgang beschreibt. Nämlich dass sich jemand etwas heimlich erschleicht (was ihm eigentlich nicht zusteht).

  2. rene sagt:

    »>Ich finde es sehr schade, dass hier nicht Ross und Reiter genannt wurden.

    Ich auch. Nur etwas anders: Warum macht Pallenberg das? Etwa weil er ein goldenes Gemüt hat? Oder weil er die deutsche Blogosphäre retten will?
    Wohl kaum!

    Aber vielleicht erfahren wir es in den nächsten Wochen — nämlich dann, wenn ein weiteres Projekt von Ihm an den Start geht.
    Bessere Werbung geht nicht. Oder soll ich besser schreiben: Bessere Schleichwerbung geht nicht?

  3. Ariane sagt:

    Also wirklich wundern tut mich das Ganze ja nicht^^

    Aber die Blogger, die sich darauf eingelassen haben, nun als arme Opfer darzustellen, finde ich schon eine arg schräge Argumentation. Die haben das doch unterschrieben und wussten, worauf sie sich einlassen.
    Gerade wenn die beteiligten Blogs als ausführende Organe nicht genannt werden, könnten sie jetzt ja eigentlich fast seelenruhig weitermachen und das Page-Ranking nach oben treiben.

  4. @rene: Die Mutmaßungen sind Unsinn. netbooknews.de ist mittlerweile so bekannt, falls ein neues Projekt kommt, reicht dort ein Artikel, ein Tweet mit über 12.000 Follower und die Nachricht ist raus. Was so eine Meldung dann mit gekaufter Schleichwerbung zutun haben soll, erschließt sich mir nicht. Hier soll nur getreten werden. Das altbekannte Spiel: der Überbringer der schlechten Nachricht wird geköpft. Aber das kennen wir ja…

  5. Millus sagt:

    Als Blogger nutze ich die üblichen Werbemittel wie Google Adsense, Trigami und Co. — gegen Werbung habe ich nichts, da ich ja selber Werbung produziere, aber gegen solche merkwürdigen Verträge schüttel ich auch nur den Kopf.
    Ich arbeite auch im Medienbereich und Verschwiegenheitsverträge sind oft üblich, aber wegen einem Link oder solche Art von Werbung ist schon etwas frech.
    Aber man darf sowas nicht zu sehr auf die große Glocke hängen, das wird jetzt wieder so künstlich hochgepusht, weil wohl kein besseres Internetthema nach Assange zu finden war.
    Ich amüsiere mich nur noch über die empörten Blogger und den ganzen Hype. Ist fast wie RTL Dschungelcamp.
    :)

  6. Millus sagt:

    ui hier gibt es smypathische Smileys… so nebenbei gesagt
    :)
    :)

  7. […] diese die „Beziehung“ zum Unternehmen nicht nur transparent machen. II. Resumee Wie manch anderer auch –bin ich der Meinung, dass man es sich mit der Aussage, dass es so etwas schon immer gegeben hat, […]

  8. Peter sagt:

    @linuxnetzer
    Auch wenn es manchmal etwas hölzern klingt (Ein großer Telekommunikationsanbieter mit Sitz in Bonn… z.B.), über den Seiten «Verlagssonderveröffentlichung» steht oder sie einen dezenten schwarzen Rahmen, unterbrochen durch das Wort «Anzeige» haben — ich bin froh, das etliche Tageszeitungen sich noch an diese Prinzipien halten. «produkt placement» ist natürlich Schleichwerbung. Und wenn das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen sagt, die Sendung hätte man anders nicht produzieren können, dann gehört sie in das Privatfernsehen, fertig. Denn da wissen alle, woran sie sind.
    @Autor des Beitrages
    Aber hier geht es ja um die «Blogosphäre». Und da zeigt sich in dieser Geschichte, das ein System ohne transparente und verlässliche Einnahmequellen für Missbrauch besonders anfällig ist. Wer über Jahre mit viel Liebe und etlichen Risiken ein Blog betreibt, will eben irgendwann auch mal daran verdienen. Ich entschuldige damit nichts. Aber man muss die Gefahr zur Kenntnis nehmen.
    Deswegen ist mir ein funktionierendes Micropayment im Netz noch immer lieber all das ewige Geschwafel von den «kostenlosen» und «frei verfügbaren» Inhalten, die im besten Fall einem Selbstdarstellungsbedürfnis entspringen, aber wohl auch oft von Partikularinteressen gesteuerte Desinformation sind. Und mit deren Rezeption man Lebenszeit vergeudet.
    Und wenn es gute Ausnahmen gibt, ist deren Lebenszeit leider häufig begrenzt.
    Ich bleibe deshalb vorerst ein Fan der Printpresse wie auch des guten alten Stimmzettels, den man nicht durch einen Wahlcomputer ersetzen sollte.

  9. ZachSeinBlog sagt:

    Schleichwerbesumpf – Update…

    Wie ich schon im letzten Post andeutete verdienen sich scheinbar alle anderen Blogger – außer mir – an unmoralischer Schleichwerbung offensichtlich so reich, dass sie ihren täglichen Bedarf an Koks und Nutten schon gegen 10 Uhr morgens gest…

  10. […] Bewertung bei Schleichwerbung über Links BLOGGERGATE – WAS SIND DIE KONSEQUENZEN? Schleichwerbung in Blogs „Bloggergate“: Keyword-Spam in Blogs, Basic Thinking im Zentrum Share Wenn dir dieser […]

  11. Gaston sagt:

    Ich glaube, das sich einige dieser Blogger nicht bewusst sind, was eine kleine Unterschrift unter solch einem Vertrag bedeutet.

    Gerade die Anlage1 zu dem Kooperationsvertrag knebelt einen so, das ich da für einfache kleine Blogs erhebliche Schwierigkeiten sehe, vor allem, wenn ein Konkurrent des beworbenen darauf aufmerksam wird. Durch den Vertrag sehe ich den Status des «Privaten Blogs» nicht mehr und damit hat man einen Rattenschwanz hinter einer kleinen Unterschrift, bis hin zum Finanzamt.
    Und ehe man sich versieht untersteht man durch die Unterschrift dem Pressegesetz seines Landes, da ein Blog auch als «Redaktionell» betreut gelten kann.
    Und dann unterliegt man z.B. dieser Bestimmung des «Landespressegesetz Baden-Württemberg»:
    § 10 Kennzeichnung entgeltlicher Veröffentlichungen.

    Hat der Verleger eines periodischen Druckwerks oder der Verantwortliche (§ 8 Abs. 2 Satz 4) für eine Veröffentlichung ein Entgelt erhalten, gefordert oder sich versprechen lassen, so hat er diese Veröffentlichung, soweit sie nicht schon durch Anordnung und Gestaltung allgemein als Anzeige zu erkennen ist, deutlich mit dem Wort «Anzeige» zu bezeichnen.

    Das kann teuer werden, wenn man sich dann an den «Kooperationsvertrag» halten muss, würde ich mal einschätzen. Also auf der einen Seite der «Kooperationspartner», der eine Strafe von 5001,– Euro vorsieht, wenn man klar macht, das man hier «Werbung» in den Text einbindet. Auf der anderen Seite die Konkurrenz und der Gesetzgeber, die Ihre Interessen/Aufgaben vertreten.

    Von daher ist es wirklich eine Frage, ob nicht zumindest Teile des Vertrages nichtig sind, wie es oben im Text steht.

    Für mich ist klar, wenn ich mir meinen Blog, so wie er jetzt ist nicht mehr «leisten» kann, dann ist eine Vermarktung für mich nicht die Lösung. Da ist mir meine Unabhängigkeit und das Recht mich allein in die Scheiße zu reiten viel zu wichtig. 😉

  12. Wer die beteiligten Blogs nennen möchte, mache das bitte unter seinem Namen und nicht feige anonym. Danke…


RSS-Feed abonnieren