Scheibenkleister

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Was da in letzter Zeit in und um Blogs zu hören ist, ist doch nicht mehr schön. Selbst was ich da schrieb ist so gesehen crap, nicht vom Inhalt, aber von der Gesamtheit her betrachtet. Was bringts denn sich über das Rauschen am Rande des Netzes permanent zu echauffieren? Gar nichts, eben. Man wird verbissen und mutiert vielleicht letztendlich zu einem permanent Verbissenenen der gar nicht mehr loslassen kann, Verbissenheit wird zum Lebensinhalt und der Rest folgt daraus. Muß nicht sein, oder? Deswegen schweifen wir hier auf F!XMBR oder auch manch andere _normale_ Blogger anderswo gerne mal weit ab bzw. lassen ganz ruhen.

Raus in die Natur ist dabei immer eine gute Sache, nicht zwanghaft umherschleichen, sondern genießen, abschalten, die Seele baumeln lassen wie Chris desöfteren zu sagen pflegt. Ich bin wirklich keiner der Reallife und virtual Life trennt, beides gehört bei mir untrennbar zusammen. Jedoch vermeide ich es auf Dauer, mittels Vielfalt meiner Interessen, irgendeiner selbstgeschaffenen Monokultur zu erliegen, in diesem Fall hier die verbissene Suche nach Ungemach, den es zu tadeln gilt. Shit happens und zwar tagtäglich, wirklicher Mist der einem durch Mark und Bein gehen kann, Blogs hingegen wohl kaum. Man kann mal aufmerksam machen, vielleicht irgendwie sensibilisieren, um einigen eine andere Sicht der Dinge zu präsentieren, ein Blick unter die Haube eben. Aber rein zum Selbstzweck? Geh weg, rein zum Selbstzweck ist Idiotie, wenn dann sollte es um die Sache gehen zu welcher man selbst eine Überzeugung besitzt. Alles andere wäre auf Dauer auch wenig glaubhaft, allenfalls probater Stoff für die Popcorn-Fraktion des Netzes, im Reallife auch gemeinhin als Voyeure bezeichnet.

Natürlich kann man auch meinen neuerlichen wannabe-rant als gepflegtes Abwatschen gen Großbloggertum ansehen, kann man, muß man aber nicht. Es ist eben jenes Niveau zum Verständnis das wir hier voraussetzen und das oft zum Unmut einiger gereicht, sind sie denn nicht in der Lage diesem adäquat zu folgen. Das man dann behände ob des eigenen Unverstands eine Abwehrhaltung einnimmt ist verständlich, das wir den Bissen, dem Gebelle aus der Ecke mit ebensolchem Ungemach begegnen wohl auch. Derjenige, der da auf der Strecke bleibt wird den rant mit Substanz und den rant einfach um des rants Willen nicht unterscheiden können, da wird auch die oben gemachte Aussage meinerseits wirkungslos verpuffen. Aber das nur am Rande, des allgemeinen Verständnisses wegen.

Bevor also Artikel, Texte, Postings, profane Aussagen die Klasse von sermons of hate erreichen, sollte man die Notbremse ziehen. Bei mir ist es ein hartes Training bzw. das Verweilen im Schoße von Mutter Natur, fernab von Streß und kleingeistigem Gerangel. Und selbst dort kann einem Ungemach wiederfahren, das zum heftigen Zetern verleitet. Aber dann wiederum ist es persönliches Ungemach, ein tatsächliches Ärgerniss, nicht ein herbeizitiertes ob des Abwatschens willens.

Das erwähnte Großbloggertum befindet sich imo unlängst auf einer Einbahnstraße, man kann dort zwar noch die Notbremse betätigen, aber dann gibts einen gewaltigen Unfall. Das Bremsen auf freier Strecke, ohne andere zu gefährden, ist dort nicht mehr möglich. Und der Sog, der ist gewaltig, gar viele normale Blogger lassen sich da mitreißen mit ihrem kleinen Wägelchen und bemerken gar nicht wie sie meist nur als Zunder gereichen und nach Zweckerfüllung auf der Strecke bleiben.

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Also ab und an mal abspannen, raus in die Natur, Laptop, Handy, GPS Geräte usw. zurück lassen und genießen. Der frisch getankte Sauerstoff hilft mitunter gar zu ganz formidablen Gedankengängen, vor dem nächsten rant. Denn dieser kommt bestimmt, dieses mal vielleicht aber um der Sache willen, nicht nur just for fun :)

4 Antworten zu “Scheibenkleister”

  1. soeren onez sagt:

    Solch einen Artikel hatte ich auch schon im Kopf, sozusagen um wieder ins Bloggen einzusteigen, wenn ich wieder daheim bin. Abschalten, mal was anderes schreiben, was nichts mit dem Bloggen zu tun hat, wohl nicht mal auf dem Blog erscheinen wird, hat gut getan. Dazu die wunderschöne Natur der hohen Tatra. Unglaublich.

    Ich werde sicher auch wieder viel mehr Energie haben, nicht nur zum Bloggen, auch die Uni braucht unbedingt mehr Aufmerksamkeit, als sie letztes Semester von mir bekommen hat.

    Ich finde es auch ungemein wichtig sich nicht nur aufzuregen und kritische Artikel zu schreiben. Ganz im Ernst, mich interessiert das ganze Linux/BSD-Geschreibsel von euch überhaupt nicht, was daran liegen kann, dass ich noch nie mit Linux gearbeitet habe, wird irgendwann nachgeholt, wenn ich mit dem Mac-Gedöns einigermaßen klar komme. Aber ohne das würde ich meinen, ihr hättet ein schweres Problem, wirklich. So gut und wichtig Kritik ist, so wichtig ist auch die interessierte Perspektive dahinter. Deshalb fand ich es wirklich schade, wenn auch verständlich, dass ihr .get privacy zugemacht habt. Es hat anders fokussiert und hat dadurch vieles klarer gemacht, was man hier vielleicht nur zwischen den Zeilen mitlesen kann.

    Wie auch immer, ich sage es nochmal, weil du den Satz vergessen hast;) Bloggen macht unglaublich viel Spaß! Gerade auch weil man eben schreiben kann was man will (rechtliche Einschränkungen beachtend) und es eben einem selbst überlassen bleibt ob man mal ranted ohne Sinn und Inhalt, oder den nächstbesten Vollspaten zerreißt. Sublimieren ist wichtig und im Ernst, so gut wie mit einem Blog kann ich das nur mit Sport. Allerdings kann ich nicht immer Fussek spielen, das machen meine Knie nicht mit.

    Btw. wollt ihr euer Kommentareingabefenster nicht mal etwas größer gestallten, wenn man mal einen etwas längeren Text schreiben möchte, dann suckt das doch ganz gewaltig und zweizeiler sind ja nun nicht eure Favoriten. Ein bisschen breiter und höher würde mir wirklich helfen!

  2. Oliver sagt:

    >Bloggen macht unglaublich viel Spaß!

    Nein nicht vergessen, nicht beachtet. _Schreiben_ macht unglaublich Spaß und das kann ich überall tun 😉

    >und es eben einem selbst überlassen bleibt ob man mal ranted ohne Sinn und Inhalt, oder den nächstbesten Vollspaten zerreißt.

    Das schrieb ich ja auch, aber es sollte nicht in eine Monokultur ausarten und den Lebensinhalt ausmachen. Explizite Beispiele erspare ich mir, weil es von der Sache an sich ablenkt.

  3. soeren onez sagt:

    Schreiben sicher, aber Bloggen auch. Ohne das erste wollte ich nicht leben, ohne das zweite würde mir aber dennoch etwas fehlen. Und deinen Rantansichten stimme ich voll zu.

    Eins noch, auch wenn die Natur ein schönes Gegenbeispiel zum Bloggen abgibt, kann so vieles eine schöne Erweiterung abgeben. Vielen Bloggern würde ich z.B. empfelen, ab und an mal die universitäre oder städtische Bibliothek aufzusuchen, das ist nicht nur was anderes, als im internet zu lesen, es ist für mich jedenfalls unglaublich schön. Nur mal angemerkt, denke, da tickst du ähnlich.

  4. Chris sagt:

    Wie wahr — man muss auch andere Dinge tun, sonst wird man wahnsinnig. So lustig vorgestern doch wahr (Abmahnartikel) — ist das ganze doch mit unheimlich viel Stress verbunden. Die Anfeindungen, unzählige Kommentare, die gelöscht wurden — Kommentare, die bewusst gesetzt wurden, um mich rechtlich in die Shayze zu reiten. Die Diskussionen. Der pure Wahnsinn. Lynchmob — mehr ist für mich ein großer Teil der deutschen Blogs nicht mehr.

    Manchmal diversen Damen und Herren auf die Füße treten — okay, ganz witzig. Aber dann *muss* unweigerlich wieder etwas anderes her. Sei es die DOSBox, ein Spaziergang oder mal ein Tag mit gar keinem Artikel. Dieser Gegenpol ist wichtig.

    Ich möchte einfach nur meinen Spaß — dazu gehört manchmal das Kitzeln diverser Profis, aber auch die anderen Dinge, die diverse Herrschaften gar nicht zur Kenntnis nehmen. Oder auch als Teil des ganzen, aber enorm wichtig, die Jabbersitzungen mit Oliver um die eine oder andere Sache Revue passieren zu lassen und über diverse Sachen zu lachen, lästern und was sonst noch. 😉

    Natürlich gibt es Leute, die nehmen nur die kontroversen Artikel wahr — bitteschön, sollen diese Herrschaften doch in ihrem kleinen Kosmos leben bleiben. Who cares.

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