Schalke 04 kurz vor dem Exitus?

SchalkeErinnert sich noch wer an die Finanzprobleme von Borussia Dortmund? Die Borussen wollten sich die Macht im deutschen Fußball erkaufen und scheiterten kläglich. Knapp an der Pleite vorbeigeschrammt machen sie heute nur noch durch ihren Trainer Schlagzeilen und sind zu einer grauen Maus mutiert. Schalke 04 scheint nun auf ähnlichen Spuren zu wandern. Wenn man den Bericht Schalkes Finanznöte offenbar größer als bekannt im Handelsblatt liest, ist zu befürchten, dass es auf Schalke sehr viel schlimmer ausschaut, als vor Jahren noch bei Borussia Dortmund. Dass Schalke 04 finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, ist seit langer Zeit ein offenes Geheimnis. Die jetzt aber veröffentlichten Zahlen sind dramatisch.

Es drücken hohe Fixkosten:

  • Personalkosten:
    Ohne Sozialausgaben sollen diese 67 Mio. Euro betragen.
  • Zinsen:
    20 Mio. Euro Zinsen sollen jährlich für die Arena zu berappen sein.

Diese Kosten wären bei einem Verein wie Schalke 04 sicherlich nicht das Problem. Wenn alle Einnahmen auch wirklich dem Verein zugute kommen würden. Hier liegt die Crux der Schalker. Das Handelsblatt schreibt: Schalke hatte vor sechs Jahren seine Zuschauereinnahmen bis zum Jahr 2025 an den englischen Investmentbanker Stephen Schechter verpfändet und alte Bankschulden abgelöst. Problem zwei: fehlende Einnahmen. Erstmals seit acht Jahren spielt Schalke nicht international. Der magere achte Platz in der vorigen Saison und die Wirtschaftskrise verringern die Sponsoring-Einnahmen. Den Namen für das Stadion kann den Klub nicht mehr verkaufen, die Rechte hat sich bis 2015 die Brauerei Veltins gesichert. Die Einnahmen aus der Bandenwerbung liegen zum Großteil bei der Agentur Infront. Sogar künftige Zahlungen des Hauptsponsors Gazprom und des Trikotausrüsters Adidas in je mittlerer zweistelliger Millionenhöhe hat Schalke bereits an Investoren abgetreten.

Die Schulden der Schalker sollen mittlerweile bei 137 Mio. Euro liegen. Es gibt offenbar ein erhebliches Liquiditätsproblem. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland soll der Verein Rechnungen erst 30 Tage nach Zahlungsziel begleichen, bei der Tochter FC Schalke 04 Stadion Beteiligungs GmbH sollen es gar 48 Tage nach Zahlungsziel sein. Ein Drittel der Kunden muss angeblich sogar 120 Tage auf das Geld der Tochter warten. Da ist man froh, wenn man kein Dienstleister und Lieferant der Schalker ist. Von dem Dominoeffekt mal ganz zu schweigen. Wer auf sein Geld warten muss, der kann auch erst später seinen Verpflichtungen nachkommen.

Auf Schalke übt man sich in Durchhalteparolen. Die Lage ist eng. Doch keiner muss sich Sorgen machen. Schalke ist nicht in Not, so Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Selbst die Konkurrenz steht den Schalkern bei: Die Liga ohne Schalke wäre eine Katastrophe, wird ein Manager eines anderen Revierclubs zitiert. Und genau hier liegt ein weiteres Problem der hohen Herren im Fußball. Sie glauben, dass sich ohne sie die Kugel nicht weiter dreht. Das ist natürlich Unsinn. Es gab ein Leben vor Schalke 04, und es wird auch ein Leben nach Schalke 04 geben. Von den Gründungsmitgliedern der Bundesliga ist nur der HSV durchgängig erstklassig, es gab immer ein Auf und Ab — und man kann wirklich nicht behaupten, dass dies der Liga geschadet hat. Das Gegenteil ist der Fall: das macht das Spiel erst interessant.

Ruhrbaron Martin macht sich bereits Gedanken um die Rettung der Königsblauen: Schalke-Soli zahlbar in allen 18 Stadien? Oder Rupert Murdoch, der Besitzer des Pay-TV-Kanals Sky, leistet eine Sonderzahlung, damit die Schalke-Fans bei seinen Zuschauern bleiben? Und die Stadt Gelsenkirchen, die bekanntermaßen in Steuereinnahmen schwimmt? Ist Schalke 04 nicht der größte Arbeitgeber in der Stadt? Also ein Rettungsschirm, denn S 04 ist doch eindeutig «systemrelevant». Natürlich ironisch gemeint — und dennoch, es ist nicht auszuschließen, dass eben doch ein Rettungsschirm für Schalke 04 gespannt wird, sollte es im Winter wirklich hart auf hart kommen.

Sportpolitik bestimmt immer mehr das Geschehen auf dem Rasen, in den Stadien. Manager haben nicht nur die weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst, es beginnt schon im Kleinen, wie bei Borussia Dortmund oder aktuell Schalke 04. Die Leidtragenden sind die Fans, das Umfeld, die, die im Gegensatz zu den hohen Herren mit dem Herz dabei sind. Doch darf man nicht den Fehler machen, der Fans wegen einen Verein zu retten. Dann würde der Sport gänzlich ad absurdum geführt werden. Sollte Schalke 04 auf seinem Weg straucheln, muss der Verein fallen gelassen werden. Er muss sich selbst wieder hochrappeln, und wenn dies in unterklassigen Ligen geschieht. Alles andere wäre eine Verhöhnung des Sports. Soweit ist es aber noch nicht. Schau m’er mal, würde Kaiser Franz nun sagen…

Bild: Arne | CC-Lizenz

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20 Antworten zu “Schalke 04 kurz vor dem Exitus?”

  1. Yuggoth sagt:

    Fußball als Markenwert ist die Verhöhnung von Sport an sich,

    und Blasen haben die Angewohnheit zu platzen.

  2. Andi sagt:

    Hmm. Entweder meinst du eigentlich «Exitus», oder ich hab’ den Witz nicht verstanden…

  3. Chris sagt:

    Nein, ich meinte schon Exodus, Schalkes Auszug aus der Bundesliga

    Aber ja, Exitus würde auch sehr gut passen

  4. Andi sagt:

    Ah. Okay. :-)

  5. Chris sagt:

    Ich habe es geändert, man hat mich überzeugt, dass Exitus besser passt… :)

  6. André sagt:

    Hm, ob wir dann unseren Holtby zurück nach Aachen bekämen? Und den Moritz? Ach… und den Magath würden wir zu fairen Konditionen auch übernehmen. 😉

  7. Theman sagt:

    Hallo!
    Es geht das Gerücht um das Fußballvereine die von Magath trainiert werden nicht unbedingt Tore schießen aber die beste Fitness haben. -.-
    Da man aber Tore braucht um an der Spitze mitzureden wird das glaube ich nix mit Magath & Co.
    Ich komme aus der Ecke und hatte früher mal mit dem blau/weißen Verein zu tun, deshalb kenne ich den ganzen «Klüngel» dort ziemlich genau.
    Leistung mit Geld zu erkaufen hat noch nie geklappt.

  8. Daniel sagt:

    Fußballvereine die so Wirtschaften sollen ruhig untergehen.
    Bevor wir hier irgendwann Zustände wie europäischen Ausland haben wo Vereine bis in die Milliarden verschuldet sind oder Spielzeuge von Milliardären sind verzichte ich lieber auf Kultvereine wie Schalke. Und auf Kunstprodukte ala Hoffenheim kann ich auch gut verzichten.

  9. Stefan sagt:

    Wir müssen am Ende der Saison einfach nur Meister werden. Dann hat sich das Problem mit dem Geld erledigt. :-)

  10. Chris sagt:

    Und im Himmel ist Jahrmarkt… *duck*

  11. himynameis sagt:

    Widersprechen muss ich bezüglich dieser Aussage:

    «Von den Gründungsmitgliedern der Bundesliga ist nur noch der HSV erstklassig».

    Richtig ist, dass nur der HSV _durchgängig_ erstklassig ist, mit Berlin, Bremen, Dortmund, Frankfurt, Köln, Nürnberg, Stuttgart und eben dem HSV und Schalke sind doch einige immernoch bzw. wieder dabei (http://www.dfb.de/index.p.….id=82914). Das Auf und Ab ist hierbei wirklich nicht schlimm und auch unterhaltsam, aber würde Schalke wirklich dauerhaft von der Bildfläche verschwinden, wäre das doch ziemlich unschön. Das sage ich als Nicht-Schalkefan, zugegebenermaßen jedoch als Anhänger eines anderen Reviervereins.

  12. Chris sagt:

    Selbstverständlich hast Du recht, da habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich habe das korrigiert. Danke für den Hinweis.

  13. Raphael sagt:

    Die Zahlen des Handelsblatt sind wohl nicht so ganz neu und auch nicht besonders richtig, schau dir mal folgenden Artikel im Königsblog an. Geprüft habe ich beide nicht, aber ganz so eindeutig scheint das Problem bei Schalke jedenfalls nicht zu sein: Die exklusive Enthüllung des Handesblatts. Deinem Fazit würde ich aber dennoch uneingeschränkt folgen.

  14. Chris sagt:

    Dass die Probleme nicht neu sind, hat niemand behauptet — im Gegenteil. Und Du wirst mir nachsehen, wenn ich das Handelsblatt als seriöser ansehe, als die königsblaue Sonnenbrille… 😉

  15. Raphael sagt:

    Sicher, aber die Zahlen die Torsten zitiert sind aus der Studie, die auch das Handelsblatt zitiert und die Studie selbst kommt zu anderen Ergebnissen. Zudem widerstreitet Torsten das Problem ja auch gar nicht. Wie groß die Probleme sind, wird sich zeigen, dass dies immer mehr in den Vordergrund gerückt wird und weniger Fußball den Fuball ziehrt, hast du ja treffend dargestellt.

  16. Shiraz sagt:

    Mir tun vor allem die «kleinen» Lieferanten (Handwerker etc.) aus der Region leid, die auf ihr Geld warten müssen. Und das von einem Verein, der ja so furchtbar stolz auf sein Ethos als «Arbeiter-Klub» ist. Ganz mieser Stil ist das.

  17. Andreas sagt:

    Bin jetzt kein Schalke-Fan, aber mir würde es auch Lied tun, wenn Schalke für die 1. Liga keine Lizenz mehr bekäme oder sogar Insolvenz anmelden müsste.

    Auf der anderen Seite, finde ich, darf man so nicht wirtschaften.
    Wenn sich der Erfolg (internationales Geschäft) einstellt, dann ist alles gut, dann wurde wieder alles richtig gemacht.
    Aber darauf angeweisen zu sein, um zu überleben, kann nicht richtig sein.

    Da ich kein Schalke-Fan bin, bin ich da nicht so im Thema und einigermaßen überrascht.

  18. John Dean sagt:

    Man könnte den Eindruck haben, die kaufmännischen Verantwortlichen bei Schalke haben sich von sogenannten «Finanzinvestoren» (früher sprach man schlicht von Finanzhaien) über den Tisch ziehen lassen.

  19. vs sagt:

    ..weil ich zufällig heute auf diese Seite gestoßen bin:
    Die graue Maus ist Deutscher Meister 2011.. :)

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