Schafft den Journalismus ab!

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Foto: F!XMBR

Ich gehörte immer zu den Menschen, die gesagt haben, dass ein guter Journalismus für eine funktionierende Demokratie unerlässlich ist. In einer Demokratie gibt es unterschiedliche Meinungen, man kann sich gegenseitig kritisieren, um Argumente und Ziele streiten. Meinungsvielfalt zeichnet eine funktionierende Demokratie aus. Heute sage ich bei allem gebotenem Respekt und trotzdem mit aller Ernsthaftigkeit: Schafft den Journalismus ab!

Einen tiefen Riss in die Glaubwürdigkeit des hiesigen Journalismus hat die sogenannte Debatte um das Leistungsschutzrecht hinterlassen. Wenige Alibi-Artikel, meist der Online-Redaktionen, konnten die mächtige Phalanx, angeführt von der «Bild»-Zeitung und der «FAZ» nicht stoppen. Wenn auch zum Schluss leicht verwässert, kann nicht darüber hinweg gesehen werden, dass das Leistungsschutzrecht mittlerweile Gesetz ist. Das war und ist es immer noch: Irrsinn.

Kurz nachdem die Programme Prism und Tempora bekannt geworden waren, eilten, meist konservative Journalisten, herbei und erklärten den millionenfachen Verstoß gegen unsere Grund –und Freiheitsrechte zu «realpolitischen Erwägungen», zu einem «Sieg der Bürgerrechte» und Kritik daran zu «Antiamerikanismus». Dass mittlerweile auch Kritik an Prism und Tempora erscheint, ist nicht auf kritischen Journalismus zurückzuführen, sondern weil auch Politiker abgehört werden und der Verdacht der Wirtschaftsspionage im Raum steht. Nie äußerten sich die Medien klarer: Die Bürgerinnen und Bürger sind egal, sobald es aber gegen die selbsternannte Elite des Landes geht, wird vermeintlich die Stimme erhoben.

Der bisher erfolgreichste Artikel der GröNaZ ist mein Artikel zu Adblock Plus. Kurz zusammengefasst: Ich hatte ein Gesetz erfunden, welches ab sofort den Einsatz von Adblock Plus und ähnlichen Tools illegal macht. Erfolgreich machte den Artikel, dass viele Leser glaubten, er wäre ernst gemeint. Mein Fazit bis vor wenigen Tagen, insbesondere nachdem ich die Kurzstudie von Transparency gelesen hatte: Die Menschen trauen den Medien und Politikern mittlerweile alles zu.

Nun lese ich bei Thomas Knüwer, dass eben genau das geplant ist: Zumindest Adblock Plus soll verboten werden. Die gewählten Waffen: Das Urheber– und das Wettbewerbsrecht. Adblock Plus soll seine marktbeherrschende Stellung ausnutzen. Darüber kann man vielleicht noch diskutieren und den Machern diverse Auflagen machen. Die zweite Argumentationslinie jedoch ist genau die, die ich mich auf der GröNaZ ausgedacht habe: «Die Unverletzlichkeit unserer Angebote in ihrer Gesamtheit muss zum Thema werden». Das sagt Christian Röpke, Geschäftsführer von «Zeit Online». Ein nicht genannter Verlagsmanager ergänzt: «Wenn mir ein Schaufenster bei Karstadt nicht gefällt, kann ich es ja auch nicht so einfach zupinseln.»

Es reicht. Der Rechner wird mittlerweile als ausgelagertes Gehirn bezeichnet. Was auf meinem Rechner geschieht, entscheide ich. Ich entscheide, was wie angezeigt wird. Und kein notleidender Verleger und sogenannter Journalist, der seinen Job verfehlt hat. Das Leistungsschutzrecht war nicht nur ordnungspolitischer Irrsinn. Prism und Tempora sind die Bankrotterklärung einer ganzen Branche. Die Pläne gegen Adblocker sind ein direkter Angriff auf unsere Persönlichkeit, unsere Arbeitsmittel, unsere Freizeit, unser Leben. Es ist ein direkter Angriff auf uns Menschen, nicht auf eine Maschine. Wenn es der Journalismus nicht zeitnah schafft, sich neu zu erfinden, ist er schlicht und ergreifend überflüssig. Und es bleibt nur die Forderung:

Schafft den Journalismus ab!


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