Schäuble ist mir egal

Schily ebenso, Kanther, als auch alle anderen Innenminister zuvor. Gemeinsamer Nenner war immer, das unter deren Federführung diverse haarsträubende Dinge auf den Tisch kamen, die jedoch letztendlich mit Bundesrat und Bundestag abgesprochen werden mußten. Ein dummer Spruch alleine langt also keineswegs, die gabs auch schon in vielfältiger Natur in der Geschichte der BRD, dazu gehören auch die willigen Vollstrecker.

Würde Schäuble beispielsweise zurücktreten, würde sich nichts ändern, eine neue Galleonsfigur würde den Platz einnehmen, Dinge die schon vor Schäubles Amtszeit in Kraft traten weiterhin laufen. Problem also, die Inkompetenz der Politiker insgesamt, mit Worthülsen spielt man, man schafft einen legislativen Kontext, der dank Inkompetenz erst seine verherrende Wirkung in der Praxis entfaltet. Auf dem Papier wirkts vielleicht für so manchen Politprofi relativ harmlos, die Kritik also auch, gemäß deren Meinung, komplett verfehlt.

Einen Bärendienst erweist man der Sache an sich, ergibt man sich den fortwährend irgendwelchen Superlativen oder auch generalisierende Induktionen. Mielke 2.0, SSchäuble, Stasi 2.0, 3.0, 4.0, viertes und fünftes Reich etc. sind kontraproduktiv auf Dauer, man relativiert bis zum Erbrechen, es kotzt die Allgemeinheit an, man betrachtet all dies nur noch oberflächlich, nebenher werden die initial namensgebenden Sachverhalte degradiert zu Allerweltsgeschehen. Buttons jedweder couleur tragen ihr übriges dazu bei, es wird ein Datenschutz-Happening, bei dem jeder mal die Faust empor streckt und Farbe bekennt, mittels ebensolcher Worthülsen wie in der Politik usus und in schillernden Farben wie beim Karneval. Nutzen gleich Null!

Dabei wollte man doch mal etwas erreichen, etwas bewegen. Nur was? Was war es denn noch? Die Verunglimpfung einer Person? Oder war es nicht eher eine intelligente Auseinandersetzung mit den Thematiken Datenschutz, Privatssphäre, staatliches Begehren? Wo sind die Fakten? Man sieht nur den Karneval durch die Blogs ziehen, jeder Jeck haut mal den Lukas und angeführt wird der Paradewagen mit einer Figur Schäubles. Auch hier, Nutzen gleich Null!

Oh ja es ist natürlich weitaus einfacher mit den Pauschalitäten um sich zu werfen, Aufreißer sind nett, wenn jedoch auch Fakten en detail folgen, eine Auseinandersetzung mit der Materie — erst dann und nur dann erfolgt eine nachhaltige Bewegung, die irgendwie etwas bewirkt. Dazu aber müßte man sich mit der Geschichte beschäftigen, mit der Materie des Datenschutzes etc. Das kostet Zeit, Mühe, die hat man nicht — der Button langt, die Worthülse ebenso.

Last not least bemerkt man überhaupt nicht mehr die schleichend um sich greifende Debilität, die stetige Annäherung an jene Prinzipien, die man doch bei den Berliner Politprofis so arg verteufelt. Man wirft diesen Inkompetenz vor, mangende Kenntnisse der Materie, mangelndes Geschichtsbewußtsein … und man selbst? Man kontert mit eben diesen Tugenden eines debilen Limbus. Nutzen auch hier wiederum gleich Null.

Was kostet es wohl an Mühe den Verblödungsstrahler mal eine Stunde früher auszuschalten und sich mit eben dieser Materie auseinanderzusetzen? Man muß diese nicht studieren, man kann ganz einfach den Politprofis mal zur Abwechslung mit Intelligenz kontern. Das wirkt bestimmt nachhaltiger. Die Mühe ist es halt, die Zeit — aber wenn einen die Sache tatsächlich kümmert, dann opfert man diese gerne, denn etwas wichtigeres kann es nicht geben!

Anstatt sich hier auch gleich eventuell ausufernden Kommentaren hinzugeben, von wegen nicht jeder hat Zeit, Volk hat Angst und anderem Dummfug — setzt euch hin, sofern ihr einen Blog habt und füllt diesen mit Material. Denkt drüber nach, schreibt drüber, setzt euch kontroversen Diskussionen aus, denn echte Meinung wird diese immer hervorrufen. Vergeudet nicht die Zeit in Kommentaren, vertieft euch in die Materie und packt das Übel bei der Wurzel — die Kosmetik die im Moment betrieben wird kann das Disaster auch nicht mehr verbergen.

4 Antworten zu “Schäuble ist mir egal”

  1. Hagbart sagt:

    Hallo,

    zunächst möchte ich mich für deine sehr informative Internet-Seite bedanken.

    Ich werde mal die Zeit verschwenden und ausufernd kommentieren 😉 (okay, doch nur kurz :-).

    Du redest davon, dass es einfach ist mit Pauschalitäten um sich zu werfen, aber Fakten nachhaltiger greifen. Leider bist du in der Hinsicht nicht konsequent. Gleich in den ersten Absätzen folgerst du, dass Innenminister immer vom gleichen bürgerrechtlich und verfassungsbedenklichen Schlage sind. Das ist kein Naturgesetz. Ich verweise hier auf den Innenminister a.D. Gerhart Rudolf Baum, der heute noch aktiv für die Bürgerrechte eintritt. Also bitte nicht die Fehler machen, die du kritisierst.

    Interessant finde ich die Meinung eines Bekannten, der sagt, dass zu weiten Teilen die Handlungsdynamik nicht von den Innenministern selbst ausgeht, sondern vom Appart der Ministerialbeamten, die nicht selten mehrere Legislaturen den selben Posten besetzen.

    Damit dies deutlich wird: Unsere Meinungen haben eine große Schnittmenge. Das was hier im Staat derzeit geschieht ist beängstigend. Es ist nicht der «Internationale Terror» (FUD-Begriff), sondern der Terror des Staats gegen unbescholtene Bürger.

    Eines noch: Du kritisierst Superlative, dann streich bitte dieses unsägliche Wort «letztendlich» aus dem Wortschatz. Letztlich ist kurz, verständlich und ziemlich präzise ;-).

    Grüsse,
    Hagbart

  2. Oliver sagt:

    >Gleich in den ersten Absätzen folgerst du, dass Innenminister immer vom gleichen bürgerrechtlich und verfassungsbedenklichen Schlage sind

    Ich folgere von den markanten Punkten her und resümiere auch in Galleonsfiguren — sprich die Innenminister sind im Prinzip weniger wichtig als das dahinter stehende Parlament.
    Markante Punkte, nicht Minister(!), wäre der Radikalenerlaß, Notstandsgesetz usw. diverse Dinge die Manfred Kanther den Titel Sheriff einbrachten, Otto Schily ähnliche Tadelungen wie jetzt Schäuble.

    >Interessant finde ich die Meinung eines Bekannten, der sagt, dass zu weiten Teilen die Handlungsdynamik nicht von den Innenministern selbst ausgeht,

    Text gelesen da oben? Ich hoffe doch, denn darum dreht es sich, DAS IST DIE QUINTESSENZ!

    > Also bitte nicht die Fehler machen, die du kritisierst.

    Bitte zuerst lesen.

    >Gleich in den ersten Absätzen folgerst du, dass Innenminister immer vom gleichen bürgerrechtlich und verfassungsbedenklichen Schlage sind.

    Ich würde jetzt glatt mal über den Begriff gemeinsamer Nenner nachdenken, dieser ist zwar relativierend, jedoch nicht omnipotent — da ich weder kleinster, noch größter davorstellte. ZUDEM BETONE ICH DIE UNWICHTIGKEIT DIESER MINISTER.

    Desweiteren rede ich schon in der Überschrift von der Unwichtigkeit dieser. Was du zudem als positiv bezeichnest ist Auslegungssache, im Zweifelsfall bestätigen Ausnahmen dann die Regel. Wir haben hier zudem eine andere Auffassung von Freiheit, nicht diese beschützende, zensierende Freiheit der Politik.

    >Letztlich ist kurz, verständlich und ziemlich präzise ;-).

    Ich spiele mit Sprache, falls du der Seite ob meiner Tonart auch noch zukünftig geneigt sein wirst bzw. in älteren Texten, sofern Muse besteht, stöberst, dann solltest du dies erkennen. Das ist meine Eigenart und kein Bullshit übertreibender Natur. Von Polemik spreche ich mich nicht frei, aber wir haben hier nahezu jedwede Problematik angesprochen, mal kurz, oft aber mehr als ausführlich. Um zu verstehen was hier steht, sollte man zumindest zwei, drei längere Texte älteren Datums kennen.

  3. Jens sagt:

    Wes Geistes Kind Schäuble und Co. sind, kann man(n) –frau natürlich auch– hier (elo-forum.net) nachlesen bzw. betrachten.
    Ich verstehe auch nicht mehr, warum sich einige von Guantanamo distanzieren wollen, schließlich waren wir schon weiter und wahrscheinlich wollen wir auch noch weiter kommen.
    Wem das zu zynisch ist, sei es drum, aber vielleicht hilft ja der Spruch «und willst Du nicht mein Bruder sein, …».

  4. Oliver sagt:

    Ach Gott, ich sag nicht das das nicht schlimm ist und vor allem unmenschlich ist. Aber das gabs auch schon zuvor, Masseneinsperrungen (ja okay früher vielleicht eher mal 1-2h in den bequemen Einsatzbus) in derlei Art, Demonstranten denen die Kabelbinder bis zum Abwinken zugeschnürrt wurden, ein Knüppel in den Magen oder gar in die Fresse. Aber es ist alles nichts neues und ein Teil davon erlebte ich auch schon mal. War aber schon lange her, Nebenschauplatz, nicht interessant genug, vor Jahren. Man braucht halt ein paar schmackige Begriffe, Symbole, Berlin oder ein anderes Ballungszentrum und dann läuft alles. Heute Links, morgen Rechts.
    Jeder Depp mit ein klein wenig Plus an Intelligenz kann die Schaumschläger da draußen in die gewünschte Richtung polarisieren — einzig das hat man bewiesen.

    Weißt Solidarität ist schön und gut, aber Solidarität mit Debilen? Vergiß es. Ach der Herr arrogante Arsch? Japp, immer dazu bereit mein Hirn anzustrengen, den willigen Mob hatten wir schon desöfteren und da kam nie was bei raus.

    Jeder bekommt halt das was er verdient, das Gros der Leute eben diese Regierung. Wo war vor einem Jahrzehnt der Aufschrei? Als manche Politiker sich immer rechtslastiger zeigten? Das waren Testballons, wie weit man gehen kann — wo heute mal eine kleine Empörung im Gange ist, hätte derjenige — von Vertuschung mal abgesehen — vor zwei Jahrzehnten sein Amt verlassen können. Heute langt eine Entschuldigung und ein wenig bla bla. Wer tolerierts? Genau das Volk, wer hat ein passenden Spruch auf Lager gen Beamte, gen Studis, gen Arbeitslose … überhaupt gegen jeden? Das Volk. Wo soll die Solidarität herkommen? Der Button vereint, das gemeinsame Feindbild und man ist zu blöde den Wald vor lauter Bäumen nicht zu erkennen?

    Japp, auch das macht Sinn. Jetzt spürt man Volkes Power, mal ehrlich bei den 68ern war mehr los, ohne Netz und doppelten Boden und da gabs weitaus härtere Maßnahmen. Einiges wurde bewegt, vieles wurde seit den 80ern wieder rückgängig gemacht — Stück für Stück. Wer schreit? Keiner. Wer relativiert? Das Volk.

    Hast du denn schon einmal eine Demo erlebt, Übergriffe gibts selbst oft genug bei reinen Sitzblockaden und wenn nicht gerade Krawallbrüder unterwegs sind juckt es nicht einmal die Presse. Klar bei den Kerzenketten-Demos gibts das nicht. Müßte ich dann nicht eher sagen von meiner Erfahrung her, Volksrepublik 3.0 oder Kuba³? Man man — ich sehe null und nichts an Änderungen, weil einfach dagegen ohne zu Wissen was Sache ist nichts bringt.

    Aber hey das ist (noch) ein freies Land, ich kann meine Meinung sagen und andere können ihre gleichgeschaltete, einprogrammierte Meinung wiedergeben — auch das geht. Versuch das mal in Guantanamo oder stell dir mal so Sprüche zu Zeiten der Gestapo bzw. der Stasi in einem entsprechenden Gefängnis vor. Nicht mal ein Hauch davon spüren *wir* (und damit meine ich mich auch) Wohlstandsärsche!

    Wir können uns der Anfänge erwehren, aber wir sollten nicht in Worthülsen ersaufen wie die Politiker die wir doch so arg tadeln ob ihres einsilbigen Wortschatzes.

    Ich sah schon Rechte die man mit Intelligenz rumreißen konnte und auf der anderen Seite funktioniert das ebenso. Man ist nie richtig da, nur weil man einfach mal dagegen ist.

    Mama, Mama, wenn die doof sein dürfen, dann darf ich es auch

    Und der hier, der Spiegelfechter ist jemand der aktiv denkt und sich mit der Sache beschäftigt. Aber das ist dem Gros der Deppen da draußen ohnehin zuviel zum lesen.

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