Sabine Christiansen — Die neoliberale Dampflauderei heute das letzte Mal auf Sendung

Es fällt mir schwer, auch nur ein gutes Wort über Sabine Christiansen zu schreiben, obwohl man das zum Abschied ja eigentlich als Zeichen des guten Willens tun sollte. Da bin ich aber nicht alleine — laut den Kollegen von DWDL werden die Fernsehzuschauer die gute Frau nicht wirklich vermissen — ganze 10% der berühmten Zielgruppe wird die Werbesendung der INSM hinterhertrauern. LobbyControl hat sich in der Vergangenheit besonders mit der Werbesendung auseinandergesetzt und kam zu dem Schluß:

Im Zeitraum unserer Studie konnten wir bei den Gästen ein deutliches Übergewicht der Unternehmer und Wirtschaftsverbände gegenüber den Gewerkschaften sowie marktliberaler Sozialstaatskritiker gegenüber Befürwortern des Sozialstaats feststellen. […] Außerdem sind die Interessenverflechtungen […] mit der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft oder der Versicherungsbranche, nicht kenntlich gemacht worden.

Erstmals hat LobbyControl nun auch die kpl. Studie Schaubühne für die Einflussreichen und Meinungsmacher — Der neoliberal geprägte Reformdiskurs bei Sabine Christiansen zum Download freigegeben. Ist ja nicht so, dass da wieder linke Verschwörungstheoretiker am Werke sind — die ganze Sache ist fundiert recherchiert, mit einer Studie belegt, worden. LobbyControl spricht von 4 grundsätzlichen Problemfeldern, die alle ineinander übergreifen:

  1. Elitäres und einseitiges Gästespektrum
  2. Einseitiges Themenspektrum
  3. Neoliberal geprägter Reformkurs
  4. Mangelnde Transparenz

LobbyControl fordert eine Neuausrichtung unter der Moderatorin Anne Will — allein mir fehlt der Glaube. Die ARD-Oberen werden auch weiterhin wissen, wie sie ihre Interessen durchsetzen werden. Zur Not läuft es wie bei Christiansen, auch sie wurde mit der Eintrittskarte zur Berliner (Polit-) Schickeria auf Linie gebracht, könnte man zumindest so sehen, ist selbstverständlich nur eine Vermutung. 😉

In ihrer letzten Sendung ist im Übrigen nur ein Gast geladen — Bundespräsident Horst Köhler. Damit schließt sich der Kreis. Der neoliberale Vorkämpfer der letzten Jahrzehnte in unserem Land gibt in der Sendung Einblick in sein Seelenleben, die wie keine zweite zur neoliberalen Dampfplauderei verkommen ist. Hier wurden Wahlen entschieden, hier konnten aufrechte deutsche Minister wie Wolfgang Clement den Mob gegen die Parasiten unserer Gesellschaft losschicken. Bei Sabine Christiansen wurde der Regierungssturz von Rot-Grün zu Schwarz Gelb vorbereitet. Allein das Volk spielte nicht mit und seit der Wahl 2005 geht es nun mit der Sendung bergab. Ich werde ihr keine Träne hinterherweinen — im Gegenteil: Sabine Christiansen war ein dunkles Kapitel der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in unserem Land.

LobbyControl — Sabine Christiansen — Mitgestalterin des neoliberalen Zeitgeists

LobbyControl — Sabine Christiansen — Schaubühne der Einflussreichen und Meinungsmacher

NachDenkSeiten — Suche Sabine Christiansen

Horst Köhler — Eine etwas andere Biographie

Tagesspiegel — Schulden ohne Sühne

NachDenkSeiten — Die Bundespräsidenten-Partei stellt auf dem DGB-Bundeskongress ihr Parteiprogramm vor

Eine Antwort zu “Sabine Christiansen — Die neoliberale Dampflauderei heute das letzte Mal auf Sendung”

  1. Grainger sagt:

    Sabine Christiansen habe ich mir nur selten angesehen, noch seltener habe ich eine Sendung von Anfang bis Ende durchgehalten.

    War mir einfach zu niveau– und kritiklos, ein vollkommen kritikloses Abnicken der Thesen ihrer Gäste, die Moderatorin (was schon geschmeichelt ist, eine echte Moderation hat ja eigentlich nicht stattgefunden) war bestenfalls Stichwortgeberin.

    Genausogut hätte man die Gäste einfach plaudern lassen können und Frau Christiansen wäre herum gegangen und hätte (am besten wortlos) Getränke und Knabbereien serviert.

    Wäre ihrer Ausbildung als Stewardess auch sehr viel näher gekommen, möglicherweise war sie eine gute Stewardess, eine gute Moderatorin war sie jedenfalls nicht.

    Ich ahbe die Hoffnung, das Anne Will den Job besser macht, denn immerhin ist sie vom Fach.

    Naiverweise erwarte ich halt immer noch, das ein Profi einen besseren Job abliefert als ein Laie und eine Journalistin eine bessere Moderatorin abgibt als eine fliegende Kellnerin.

    Ob ich damit richtig liege muss sich natürlich erst noch erweisen.

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