Roland Koch und die Freien Wähler

Seit Tagen nun schon schaue ich mir das Schauspiel rund um den Ministerpräsidenten Hessens an. Roland Koch, so der Vorwurf, soll die Freien Wähler erpresst haben. Ein Sommerlochthema, so kurz vor dem CDU-Bundesparteitag, auf dem Koch zum Vize von Wir brauchen mehr Sicherheit-Angela Merkel gewählt werden soll.

Das hessische Kommunalwahlgesetz sollte geändert werden, so dass auch zukünftig die kleinen Parteien in den Genuss kommen würden, Geld für Wählerstimmen zu bekommen — insbsondere hätten hier die Freien Wähler profitiert. Die hessische CDU soll dies in Aussicht gestellt haben, in Person von Roland Koch und seinem Innenminister Bouffier. Die beiden Herrschaften sollen dafür aber etwas gefordert haben: Den Verzicht der Freien Wähler an den Landtagswahlen teilzunehmen, was besonders der CDU geschadet hätte.

Mittlerweile ist die Affäre (medial) hochgebauscht worden. Die Freien Wähler wollen, wenn es die Situation erfordert, notfalls unter Eid aussagen. Roland Koch wiederum spricht von Tatsachenverdrehung. Nicht verwunderlich (oder doch): Die SPD und die Grünen sind am Überlegen, einen Untersuchungsausschuß einzuberufen.

Was bleibt unterm Strich? Auf meiner persönlichen Hitliste der unsympathischsten Politiker steht Roland Koch sicherlich ganz weit oben — doch in diesem Fall habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als würde das alles ein wenig von den Freien Wählern und der BILD hochgespielt werden. Auch die Tatsache, dass SPD und Grüne (noch) so ruhig sind, und nur am Überlegen sind, einen Untersuchungsausschuß einzuberufen, lässt einige Rückschlüsse zu. Vielleicht lesen ja ein paar Hessen (Alarm — die Hesse komme :D) mit, und können ein wenig mehr dazu sagen, als ein (weit entfernt lebender) Hamburger Jung.

3 Antworten zu “Roland Koch und die Freien Wähler”

  1. Grainger sagt:

    Ich bin zwar Hesse aber objektiv zu bleiben fällt mir nicht leicht.

    Denn obwohl unsere politische Landschaft quer durch alle Parteien nicht gerade arm ist an echten Unsympathieträgern ist mir Roland Koch nun doch noch mal ganz besonders unsympathisch.

    Zutrauen würde ich ihm ein derartiges Angebot an die Freien Wähler aber allemal und wenn das tatsächlich so war braucht man das imho gar nicht erst hoch zu spielen, so etwas ist ein Skandal erster Güte.

    Unterm Strich betrachtet ist das nämlich nichts anderes wie Stimmenkauf.

    So etwas muss brutalst möglich (Zitat Koch, allerdings in anderem Zusammenhang) aufgeklärt werden, hätte ein politischer Gegner so gehandelt wäre doch gerade Koch der Erste der das fordern würde.

    Ich will hier keinem was unterstellen, aber lückenlose Aufklärung tut Not und falls die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen müssen auch polititsche und personelle Konsequenzen gezogen werden, ansonsten können unsere Parteien zukünftig die Wahlergebnisse ja gleich untereinander aushandeln und der Meistbietende erhält die gewünschten Stimmen.

  2. Falk sagt:

    Lückenlose Aufklärung? Aber doch immer nur bei den «Anderen» — und seit man sich auf ein Ehrenwort berufen darf hierzulande, hat sich das Thema eh erledigt. Der Koch wixt sich auch nach oben, da wird nüx aufgeklärt werden.

  3. […] Ich hatte hier schon über Roland Koch geschrieben. Meine Vermutung vor 4 Tagen: Medial hochgepuschter Müll, auch wenn ich Roland Koch nicht wirklich leiden kann. Heute sieht die ganze Geschichte anders aus. Roland Koch soll nun ebenso in einem Untersuchungsausschuß bereit sein, unter Eid auszusagen. Der Haken: Im entscheidenen Punkt hat der gute Mann einen Blackout. SPIEGEL Online schreibt: […]

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