Roland Koch bitte zurückgetreten

Ich hatte hier schon über Roland Koch geschrieben. Meine Vermutung vor 4 Tagen: Medial hochgepuschter Müll, auch wenn ich Roland Koch nicht wirklich leiden kann. Heute sieht die ganze Geschichte anders aus. Roland Koch soll nun ebenso in einem Untersuchungsausschuß bereit sein, unter Eid auszusagen. Der Haken: Im entscheidenen Punkt hat der gute Mann einen Blackout. SPIEGEL Online schreibt:

Auch Koch hat seine Bereitschaft zum Eid bekundet , beruft sich aber an einer entscheidenden Stelle auf eine Erinnerungslücke. […] Ich bin nicht in der Lage, mich an die Frage der dritten Lesung zu erinnern.

Na das ist doch mal spannend. Kann er sich nicht erinnern, weil er dann wissentlich unter Eid die Unwahrheit sagen würde? Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass genau das der Fall ist. Alle Indizien weisen darauf hin, dass die Freien Wähler die Wahrheit sagen, dass hier Roland Koch unliebsame Konkurrenten aus dem Weg räumen wollte.

Bleibt unter dem Strick nur eines: Ein sofortiger Rücktritt. Meiner Meinung nach war Koch schon nach seiner Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft — die eindeutig braune Ressentiments schüren sollte — als Politiker untragbar. Ich hoffe, nun kommen einige Herrschaften zur Einsicht und schicken ihn in die Wüste.

11 Antworten zu “Roland Koch bitte zurückgetreten”

  1. Falk sagt:

    Ich bin nicht in der Lage, mich an die Frage der dritten Lesung zu erinnern.

    Und als nächstes dann:

    Ich hab mein Ehrenwort gegeben.

    Passt schon…

  2. Grainger sagt:

    Koch hat ja schon verschiedentlich Erinnerungslücken gehabt.

    Jemand der an einer derart fortgeschrittenen Demens leidet sollte vielleicht keine verantwortungsvollen Tätigkeiten mehr ausüben.

    Vielleicht wäre aber die Medizin an ihm als Studienobjekt interessiert, Demens an sich ist ja kein so seltenes Krankheitsbild, aber eine derart selektive Demens könnte durchaus von wissenschaftlichem Interesse sein.

    Ist vielleicht eine Berufserkrankung, Politiker scheinen häufiger als Angehörige anderer Berufsgruppen an selektiver Demens zu leiden.

  3. EuRo sagt:

    Hatte da Siggi Freud seine Hand im Spiel oder war das Absicht:
    «Bleibt unter dem Strick nur eines: …»?

  4. Hansi Schnier sagt:

    Unabhängig von den aktuellen Schlagzeilen: Für mich ist Roland Koch der Franz-Josef Strauß der Gegenwart. Die beiden erinnern mich an Mc Carthy, Richelieu oder Alkibiades, ohne dass man auch nur einen von ihnen sehen würde, stellte man sie nebeneinander. Oder, anders gesagt: kleinkarierte, rechte Dünnbrettbohrer.

  5. Oli sagt:

    Also McCarthy der «Schläger» und Richelieu war ja ein ganz passabler politischer Taktiker — Koch?

  6. Pepino sagt:

    «Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort…»

  7. Hansi Schnier sagt:

    Sag ich ja, man würde Koch neben den genannten nicht erkennen; einmal wegen seiner Bedeutung und zum zweiten wegen seinem Format. Was ich meine: Er hat etwas diabolisches, eine Veruchtheit eines deutschen Kleinbürgers, der sich als Großbürger fühlt (Kanther wäre auch ein solcher Kandidat), ein moderner Anachronismus mit einem Zug — wie gesagt — diabolischem. Es ist der Grundzug Charakter, wie sie große Literatur braucht; während Richelieu die künstlerische Literatur beflügelte und durch die Zeit strahlt, und Mc Carthy sich noch für einen ausgebufften Krimi im Zeitgeist verbrennen lässt, reicht es bei Koch lediglich für einen faden Nachgeschmack dessen. Hinzu kommt eine erschreckende Eindimensionalität, eine Oberflächlichkeit, die den anderen beiden abgeht; sie bündeln in sich die Widersprüche des Zeitgeistes in ihrem Amt und ihrer Person, sie sind zugleich die These und Antithese, zu der die Gesellschaft eine Synthese finden mußte. Koch ist jedoch noch nicht einmal das; er verkörpert einen opportunistischen Kleingeist, dem der Rest der Gesellschaft außerhalb seines Wählerspektrum herzlich egal ist.

  8. Oli sagt:

    Während man aber McCarthy im Nachhinein gut analysieren konnte, geht das bei Koch im Moment recht schlecht, da alles nur mediale Kluft darstellt die uns da entgegen weht. Zudem mag man die McCarthy Ära als solche titulieren, aber auch nur damit sich die Gesellschaft aus der Verantwortung stehlen kann. Zeitgeist schaffte ihn, nicht er schaffte den Zeitgeist. Sprich jedes Volk bekommt die Führer die es verdient — irgendwie ist es immer der kulminierte Wille eines Großteils des Volkes.
    Herausragende Gestalten im zeitlichen Kontext, sind also immer Kinder/Gefangene ihrer Zeit.

  9. Grainger sagt:

    Trotzdem dürfte eines klar sein:

    Koch wird aus der ganzen Affäre (mal wieder) unbeschadet hervorgehen.

    Das hat in Deutschland aber auch schon Tradition:

    - FJS mit seiner HS30– und der Lockheed-Affäre (um nur die zwei bekanntesten seiner vielen Affären zu nennen)
    – Parteispenden– und Ehrenwortaffären, für die sich noch nicht mal ein ehemaliger Bundeskanzler zu schade ist
    – vorsätzlich gefälschte Gutachten (z.B. Transrapid)
    – Bestechung und Bestechlichkeit
    – aktuell die Diskussion bzw. Verfassungsklage um den sog. gläsernen Abgeordneten (gegen den gläsernen Bürger hat scheinbar keiner was, aber sobald es einen selbst betrifft wird man vom Saulus zum Paulus)

    Die Liste liese sich fast unbegrenzt fortsetzen, geschadet hat es bisher fast keinem der Täter (ich verwende den Begriff Täter ganz bewußt).

    Bestenfalls gibt es einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß, der viel Zeit und Geld verplempert und im Prinzip auch nur abwarten will bis Gras über die Sache gewachsen ist.

  10. Greg sagt:

    Ich werde für ihn zurücktreten. Vielleicht werde ich dann später mal Bundesverteidigunsminister oder so…

  11. […] FAZ. Und wir alle kennen diesen Herrn ja zu genüge, er ist Inbegriff des Fremdschämens, der Prototyp eines CDU-Mitglieds, Speerspitze und Dolchstoß der Union gleichermaßen – Hesse möchte man […]

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