R.I.P. Telepolis

TPDie Telepolis hat jahrelang mein Online-Leben begleitet. Doch in den letzten Monaten, vielleicht sogar im letzten Jahr ist ein eklatanter Rückgang der journalistischen Qualität zu beobachten, sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ich erinnere mich an teils inhaltlich lächerliche Artikel über das Google-Copy-Paste-Syndrom, die nur ein Ziel hatten: Ein Buch zu verkaufen. Ich erinnere mich an einen Artikel, der Schäubles Behinderung ansprach, ohne weitere Argumente, ich erinnere mich an abhängige Journalisten, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde und ich denke zurück an unzählige Jabber-Gespräche, die mit den Worten begannen, was hat die Telepolis heute schon wieder für Mist geschrieben. Ganz in dieser Tradition gibt es heute einen Artikel in der Telepolis: Macht’s gut und danke für den Blog! — von der guten Alexa Weyrauch-Pung.

Die gute Alexa rechnet ab — mit der deutschen Blogosphäre, und zuerst scheint es so, als hätte sie in den letzten Tagen vielleicht die eine oder andere Diskussion verfolgt, evtl. sogar hier mitgelesen — nur habe ich bei der guten Dame ein Problem: Wo ist der Inhalt, wo ist die Substanz? Wo nicht nur auf F!XMBR offene Diskussionen auf fundierte Artikel folgten, findet sich bei der guten Dame von der Telepolis — nichts, rein gar nichts. Gerne begründe ich das natürlich, um nicht auf ihr Niveau zu rutschen. :)

Die ganzen ziellos zusammengeschriebenen Wörter lassen jemandem, der sich ein wenig mit Blogs und dem Drumherum auskennt, die noch wenig vorhandenen Haare zu Berge stehen. Die Unfähigkeit zeigt sich gleich im ersten Absatz. Selbst am Gymnasium im Deutschunterricht hätte es früher geheißen, 6, setzen! Den ersten Absatz hätte man gut in einem Satz zusammenfassen können. Bloggen wird in Deutschland immer beliebter oder Ganz Deutschland bloggt oder auch Alle bloggen nur ich nicht (weil ich nicht schreiben kann). Das schafft die gute Alexa nicht — wahrscheinlich musste sie nur ihren inhaltsleeren ersten Absatz aufblähen. Dass sie in diesem ersten Absatz auch noch Technorati und deutsche blogcharts falsch schreibt, geschenkt, zeigt aber, dass sie keine Ahnung hat von, dem, was sie da zu schreiben versucht.

Auch im zweiten Absatz kotzt sich die gute Alexa darüber aus, wer bloggt, von Verwirrten ist die Rede, okay, damit disqualifiziert sich eigentlich jeder Journalist selbst, aber die gute Alexa ist schwer beleidigt, darf sie doch nicht der Blog sagen, nun ja, es heißt ja auch das Blog. Es darf natürlich nicht der Hinweis auf das Telemediengesetz fehlen, der Hinweis auf Abmahnungen — und wie war das noch im ersten Absatz? Und es ist irgendwie sinnlos, in einem Artikel wie diesem hier zu den Aufgezählten auch Links zu setzen — gut, es folgen Links zum law blog von Udo und zu iRights.info. Ja, da hat sie wohl recht, die gute Alexa, schon irgendwie sinnlos, der ganze Text. Mensch Alexa Du, das wird ja richtig tiefgründig, ich bin fast beeindruckt. 😀

Was dann folgt ist an Substanzlosigkeit nicht zu überbieten. Die Mär von der Gegenöffentlichkeit wird ausgepackt — und das Bloggerland nun abgebrannt sei, weil sich Blogger ja kaufen lassen — in verschiedensten Formen. Die gute Alexa hat auch gleich Beispiele zur Hand: Google, Amazon, eBay. Okay, ich sprach oben davon, dass sie vielleicht irgendwie die Diskussionen mitverfolgt hat — dem ist anscheinend nicht so. Mensch Baby, wenn man schon so einen Artikel verfasst, dann sollte man sich informieren, recherchieren, und auch die betreffenden Leute ansprechen, sei es die Kollegen von adical, Shoppero, anderen Werbemöglichkeit und auch deren Kritiker. Lass mich raten: Ein Kollege hat in den Raum geworfen: In der Blogosphäre wird über käufliche Blogger diskutiert. Du hast geantwortet: Moment, ich lackiere eben meine Nägel zu Ende, dann tippsel ich ein paar Zeilen, hihi, die mache ich fertig, hihi.

Liebe Alexa, die Informationen, die aus Deinem Artikel hervorgehen sind gleich Null, selbst die Beispiele der Werbemöglichkeiten sind seit Wochen überholt. Sprich, Du hast keine Recherche betrieben, Du kennst Dich Null mit dem Thema aus. Der ganze Artikel ist substanzlos, selbst mit einer oberflächlichen Überprüfung kann man Dich der Lächerlichkeit preisgeben. Es ist nichts weiter als profanes Bloggerbashing. Das können andere weitaus besser. 😉

Der letzte Absatz allein zeigt die gesamte Qualität, die uns die gute Alexa hier präsentiert. Einfach übersetzt: Get a life. Schon zu Web 0.0-Zeiten, im Usenet, hätte die gute Alexa da jede Menge Plonks für eingesteckt. Im Web 1.0, zu Forenzeiten, hätte sie die Trollkappe aufgesetzt bekommen. Und heute? Im Web 2.0? Da zieht Ihr ein einfacher Blogger die Ohren lang und macht sich über sie lustig. Tut das nicht weh, liebe Alexa? 😀

Solche Texte, wie der von Alexa Weyrauch-Pung, so inhaltsleer, so substanzlos, profanes Bashing über Thema XYZ, gibt es in den letzten Monaten häufiger auf der Telepolis und bei Heise. Wir verlinken hier noch sehr oft auf die genannten Publikationen, doch meist reicht eine profane Verlinkung nicht mehr aus. Ein eigener Text, eine eigene Meinung, eine Neubewertung, eine neue Recherche der initialen Information ist oftmals dringend nötig — denn meist ist Heise nur noch eines, eben die initalie Information, nicht mehr. Braucht es mehr Beweise, als das die gute Alexa Weyrauch-Pung auf der Telepolis Artikel pro Grundeinkommen verfassen darf (Gegenargumente: NachDenkSeiten.de) — ohne jeglichen Hinweis darauf, dass sie selbst Mitglied des Netzwerkes Grundeinkommen ist?

Ach geht doch weg, Ihr macht Euch lächerlich…

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14 Antworten zu “R.I.P. Telepolis”

  1. derhans sagt:

    Tja, wo du recht hast, hast du recht. Telepolis lässt tatsächlich schon seit einiger Zeit gewaltig nach… schade eigentlich

  2. karl sagt:

    ich fürchte fast, der text sollte eher so etwas wie eine glosse sein, so ein wenig spritzig, mit witz und so. Irgendwie ist das sogar gelungen. Ich habe beinahe gelacht und kann mir nicht vorstellen, dass da ernsthaft über kommerzialisierungstendenzen in der blogosphäre geschrieben werden wollte. Hoffentlich nicht.

  3. Chris sagt:

    Der Test ist einfach scheiße. :) Da muss man nun auch nichts reininterpretieren, wie es auf anderen Blogs geschieht — sie wollte einfach mit dem Hinweis Get a Life ein wenig bashen…

  4. karl sagt:

    Ja, saublöder text, keine frage und bashen wollte sie sicher auch. ich hoffe halt tatsächlich, dass es eine missglückte glosse ist und keinerlei absicht dabei war, irgendwelche journalistischen kriterien zu erfüllen. das wäre dann tatsächlich eine bankrott-erklärung von tp. vielleicht will ich es nur noch nicht einsehen, weil ich über tp vor jahren mal gelernt habe, dass es auch im netz gutes zeug zu lesen gibt. Quasi initiation :)

  5. Jens sagt:

    Hehe, die Autorin sollte mal lieber nicht in den Blogs lesen.

  6. Pottblog sagt:

    Herzlichen Glückwunsch Telepolis!…

    Die Telepolis ist als eines der führenden Online-Magazine hierzulande bekannt. In letzter Zeit häufen sich meiner Meinung nach die Artikel dort, über deren Sinn man sich streiten kann.
    So auch der aktuelle Artikel Macht’s gut und D…

  7. tboley sagt:

    Mhm, heise.de meide ich schon seit einigen Monaten — der RSS-Feed ist keiner (da gibt es bei Golem mehr) und in den Kommentaren tummeln sich üble Trolle. Einzig Telepolis war noch lesenswert. Mit diesem Artikel ändert sich das endgültig.

    Wenn es denn eine Glosse sein sollte, dann wohl die schlechteste, die mir bisher über den Weg gelaufen ist. Allerdings, und dafür sprechen nicht nur die Beobachtungen von Chris, sieht es meiner Meinung wirklich wie ein Niedergang aus. Und, was macht man als «Journalisten-Ratten» auf einem sinkenden Schiff? Man pinkelt anderen, in diesem Fall den Bloggern, noch mal ans Bein…

  8. […] Für Telepolis schrieb Alexa Weyrauch-Pung ohne erkennbaren Anlass einen erstaunlich substanzlosen, inhaltsarmen und fröhlich durcheinandergewürfelten Artikel, in dem sie die Toleranz “im Deutschland der Blogger” förmlich herausforderte. Sie schrieb darin über “diverse Dons und Verwirrte” und verwendete das Wort “Bloggerfängerei” sowie das Wort “Bloggerland” im Zusammenhang mit dem Wort “abgebrannt”. Einigen Bloggern war es, Toleranz hin oder her, nicht möglich, gelassen zu reagieren und sahen darin gar den Versuch, herauszufinden, “wie lange es dauert, bis alle Blogger auf den Barrikaden sind”: Der Schreiberin Arbeitgeber wurde “Schweinejournalistenverein Heise” genannt, gewisse Kommentatoren fanden den Text “tüpisch frau mit doppelnamen: unbefriedigte emanze kotzt sich in der öffentlichkeit aus” und wieder andere sahen darin schon im Frühling gefüllte Sommerlöcher oder schrieben nichts mehr als: “Was für ein gestammelter Unsinn!”. Pottblog.de konstatierte, dass es für Telepolis billiger geworden wäre, wenn sie den Sermon auf “Ich mag keine Blogs” zusammengekürzt hätten. Nicht ganz entschieden werden konnte die Frage, ob das Niveau des Texts eher auf der Stufe der 3. Klasse oder eher auf der Stufe der 10./11. Klasse anzusiedeln sei. Fazit: “Auf einem gut besuchten Weblog hättest Du es mit diesem Artikel und seiner löchrigen Argumentationskette jedenfalls sehr, sehr schwer.” Und:”Aber bitte nicht so banal: das kann ja jeder Blogger besser ;)”. Eine längere Analyse des Textes bei fixmbr.de. […]

  9. Also meiner Meinung nach beinhaltet der kritisierte Artikel eine herrliche Ironie, ob freiwillig oder unfreiwillig sei dahingestellt. Und es würde mich auch nicht wundern, wenn in ein paar Tagen von Telepolis die Meldung kommt: Wir wollten die Blogger-Szene mit einem schon fast dadaistisch formulierten Beitrag testen und sie sind darauf reingefallen. Alle.

  10. Chris sagt:

    Blödsinn. Ich schrieb es oben:

    Der Test ist einfach scheiße. 😉 Da muss man nun auch nichts reininterpretieren […] sie wollte einfach mit dem Hinweis Get a Life ein wenig bashen?

    Hinterher kann man viel schreiben — das macht alles gar nichts, denn da stehen ja nun auch genug andere Vorwürfe. *g*

  11. Falk sagt:

    Alle? Wer oder was ist die Blogger-Szene? *duck und wieder wech*

  12. Oliver sagt:

    >Wir wollten die Blogger-Szene mit einem schon fast dadaistisch formulierten Beitrag testen und sie sind darauf reingefallen.

    Vice versa kann man dies auch als gelungenen Test sehen inwieweit die alten Medien ticken, würden sie denn zu solchen «Tests» greifen. Zudem schreibt ja TP immer noch von Fall zu Fall nette Artikel, es hängt halt vom Schreiber ab, aber allgemein zehren sie doch massiv von Blogs, ob nun im In– oder Ausland. Insofern müssen sich sich auch eine harsche Kritik gefallen lassen … man schreibt dort ja auch nicht unbedingt in Ponyhof-Manier.

  13. […] weh im Zusammenhang mit tp eingehen, die eine oder andere Perle kann man gelegentlich noch finden auch wenn der Tenor in diesem F!XMBR Artikel schon längst Programm ist. Auch interessiert es mich weniger, welch abstrusen Sinngestaden der dortige Autor bei diesem und […]

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