R.I.P. Readers Edition

Am Anfang war das Wort — tja, und irgendwann kam die Readers Edition. Ich schrieb zum Start:

Ich werd mit dem Projekt nicht warm, muss daran liegen, dass ich es ein wenig wie Marco sehe: Netzeitung sucht 20 Mio. Content-Sklaven. Wieso soll ich für eine Zeitung bloggen?

Tja, es haben sich doch ein paar Content-Sklaven gefunden, die geschrieben haben, und irgendwie war das ganze Trauerspiel dann doch nicht so erfolgreich — so beeilte sich die Netzeitung die Readers Edition loszuwerden und verkaufte sie an den ehemaligen Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Maier. Das war schon ein bombastischer Erfolg für die Netzeitung. Und irgendwie, als ich es gelesen habe, zuckte ich nur mit den Schultern, und beeilte mich, weiter zu surfen — who cares? 😉

Ich habe die Readers Edition nie richtig verfolgt, sie war einfach zu schlecht, ohne Esprit, ohne eigene Identität, gefüllt mit Belanglosigkeiten und Langeweile. Wenn ich mal zufällig über einen Link gestolpert war, habe ich kaum einen Artikel zu Ende gelesen.

Heute dann bin ich über den Don mal wieder auf das Projekt aufmerksam geworden. Was der Don dort beschreibt, lässt mich nur mit dem Kopf schütteln:

Ich konnte mich unfreiwillig von der inkompetenten Arbeit eines ?Autoren? und eines ?Moderators? selbst überzeugen, als ich eine falsche Tatsachenbehauptung nach Meinung des Zweiteren selbst mit Ersterem abklären sollte, als wäre die Readers Edition gar nicht betroffen. Angesichts des damals unvollständigen Impressums der Readers Edition, der presserechtlichen Verantwortung und deren fahrlässigen Umgang mit meinem Urheberrecht am Buchcover, für das andere durchaus schon mal Rechnungen bezahlten, war irgendwie klar, dass dort Sachverstand und Kontrolle Mangelware sind.

Das ist unglaublich — da zeigt fast jedes privatgeführte Weblog mehr Verantwortung. Auch innerhalb der Readers Edition, der — es widerstrebt mir zu schreiben — Redaktion scheint es leicht zu kriseln — hat man doch fast alle Autoren gefeuert. Mal so nebenbei, in einer Art und Weise, die jegliche Kinderstube vermissen lassen — wenn man daran denkt, dass es mal die Content-Sklaven waren, die den Laden mit (schlechten) Inhalt gefüllt haben. Das hat nicht wirklich Stil, um es mal diplomatisch auszudrücken. Dementsprechend sind auch die Reaktionen.

Steffen und Peter schreiben:

Verwunderlich ist neben dem Tonfall gegenüber den Ehrenamtlichen (?Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit diesen Aufgaben so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre.? und ?Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich.?) auch das Vorgehen an sich.

Florian tippselt:

Ein solches Maß an Ignoranz, Überheblichkeit und Perhorreszenz seitens der neuen ?Redaktionsleitung? waren der Höhepunkt eines Weges, der aus verschiedenen, in letzter Zeit aufgekommenen Faktoren leider unweigerlich auf dieses Ende hinauslaufen musste.

Prinz Rupi weiß, dass der Krieg schon länger läuft:

Der Eigentümer der »Readers-Edition« hat heute ohne Vorankündigung alle alt gedienten Moderatoren gefeuert. Damit erreicht das Tauziehen hinter den Kulissen um die Veränderungen bei dem im Sommer 2006 mit großem Enthusiasmus begonnen Projekt einen neuen Tiefpunkt.

Fairerweise zum Schluß dieser Zitatorgie, die Readers Edition selbst:

Zum 1. Februar 2007 wird jetzt eine Regelung offiziell, die Bernhard Fütterer schon am 11. Januar 2007 im Readers Edition Blog angekündigt hatte. Ab sofort sind jetzt Ursula Pidun und Bernhard Fütterer als ?Chefmoderatoren? der Readers Edition verantwortlich für noch mehr Qualität, mehr Relevanz und mehr Nutzen.

[…]

Wer zukünftig als Moderator im Bereich Moderation mitarbeiten will, braucht natürlich die entsprechende Ausbildung, Qualifikation, Erfahrung, Talent, einen RE-kompatiblen Themenschwerpunkt und ein planbares Zeitbudget.

Ja ne is klar. Wer macht das — erst recht nachdem, was geschehen ist — ohne Honorar? So langsam wird das ganze Projekt anrüchig, so zumindest mein Eindruck. Und die Qualität — wie immer schlecht, langweilig, belanglos. Nicht ein interessantes, besonderes Thema ist dort aktuell zu finden. Auf jedem privaten Weblog ist mehr zu finden — R.I.P. Readers Edition.

8 Antworten zu “R.I.P. Readers Edition”

  1. Oli sagt:

    I see 😀 die weitere Entwicklung ging irgendwie an mir vorüber 😀

  2. Grainger sagt:

    Ich habe das Projekt so gut wie gar nicht beachtet und hätte Chris nicht ein paar Worte darüber geschrieben wäre es wohl gänzlich an mir vorbei gegangen.

    Wird wohl auch zukünftig auf kein gesteigertes Interesse von mir stoßen, was den Betreibern vermutlich aber auch ebenso egal ist wie mir selbst.

    Das Anforderungsprofil für eine «ehrenamtliche» und unentgeltliche Tätigkeit ist aber schon happig, wer so etwas verlangt muss für gewöhnlich dafür bezahlen oder zumindest gemeinnützig oder wohltätig sein. 😉

  3. Manueller Trackback vom BLOGSDORFER ANZEIGER zum Thema:

    http://frieling.blog.de/2.….~1647054

    (evtl. vollständigen Link kopieren)

  4. Chris sagt:

    Aha, ich bin ja der Meinung, der Link existiert schon oben im Artikel, kann mich aber auch irren. 😉

  5. Meine Stellungnahme zur Readers Edition……

    Eigentlich wollte ich in meiner Prüfungsphase nicht bloggen, die aktuellen Veränderungen bei der Readers Edition dürfen jedoch nicht unkommentiert bleiben:
    Sehr geehrte Frau Pidun, sehr geehrter Herr Dr. Maier, sehr geehrter Herr Martin,…

  6. […] Vorgänge führten bei FIXMBR zu dem Schluss: “Tja, es haben sich doch ein paar Content-Sklaven gefunden, die geschrieben […]

  7. […] Wie bereits berichtet, wurde die Readers Edition von der Netzeitung an den ehemaligen Chefredakteur Michael Meier verkauft. Die Zukunftsaussichten für die Readers Edition sind meiner Meinung nach nicht wirklich prickelnd — und mit dieser Meinung stehe ich auch nicht alleine da. Ein wenig untergegangen in diesen Tagen sind die Folgen für die Netzeitung selbst: Ein Chefredakteur geht, zwei neue kommen, wie Alexander zu berichten weiß. Er verweist auf einen Kommentar in der Readers Edition, der nichts gutes für die Zukunft der Netzeitung erahnen lässt. […]

RSS-Feed abonnieren