Richard David Precht zum Thema ALG-II, vulgo HartzIV

Danke übrigens an Jürgen Fenn für den Hinweis auf diesen Clip, ich könnte selbst keine Minute Anne Will zuschauen, geschweige denn TV per se konsumieren. Dieser Clip jedoch, mit wenig Will und viel Precht, bringt die schwelende Debatte auf den Punkt: was der Gesellschaft fehlt ist eine Solidarität mit den Schwachen. Man könnte dies gar noch erweitern, was der Gesellschaft fehlt ist Solidarität per se und gerade in grenzwertigen Situationen zeigt sich wieviel Bestand zuvor in guten Zeiten erwirkte Werte tatsächlich besitzen.

, , , , , , ,

18 Antworten zu “Richard David Precht zum Thema ALG-II, vulgo HartzIV”

  1. Anonymous sagt:

    Danke für den Tipp!
    Precht schwafelt nicht in fernen Welten bodenloser Geistigkeit. Das macht ihn für mich sehr sympathisch.

    «ich könnte selbst keine Minute Anne Will zuschauen, geschweige denn TV per se»

    Dem stimme ich uneingeschränkt zu.

  2. dakira sagt:

    Wow. Danke fuer den Clip. Diesen Precht sollte man im Auge behalten. Hatte vorher noch nie was von dem gehoert.

  3. Martina sagt:

    Am besten ist seine letzte Einlassung, bevor die 5 Minuten Filmchen vorbei sind, nämlich, dass man als Bürger der Politik wohl künftig weniger zutrauen müsse als man es bislang getan habe, was aber nicht bedeutet, dass das Konstrukt abgeschafft werden soll. Diese Conclusio mit Blick auf das vorher von Precht Gesagte, fasst eigentlich alles zusammen.

    Ich bedauer es, dass es immer weniger Menschen gibt, die mit gekonnten Formulierungen so argumentieren können wie Precht und dass es deshalb immer weniger kompetente Stimmen gibt, die «aufwecken».

  4. CS sagt:

    Wunderbare Gedankengänge, die vieles in unserer Gesellschaft und in unseren Parteien erklären.

    Es erklärt, warum der Linke Flügel der Linkspartei Chancenlos ist, es erklärt, warum es in Berlin nicht voran geht, es erklärt, warum Guido teilweise recht hat.

    Precht hat mal wieder gezeigt, dass er einer der ganz großen ist.

  5. fishy_ sagt:

    Kann mich Anonymous nur anschliessen. Word up.

  6. Wolf-Dieter sagt:

    Der argumentiert ja logisch! Jungejunge.

  7. Anonymous sagt:

    Also, bei allem Respekt, natürlich argumentiert Herr Precht sehr gut, aber es ist ein wenig so wie bei dem Video von Christian Springer, wenn jemand das Selbstverständliche sagt, wird er derzeit gleichsam als «Messias» gefeiert.
    Um nicht missverstanden zu werden, ich finde das Video und noch mehr die Aussage von Christian Springer, wunderbar! Auch Herr Precht hat Recht.
    Aber zeigt uns das nicht, wie weit wir schon «runtergerockt» sind, dass wir das als so großartig empfinden? Das macht mir große Sorgen.

  8. olhe sagt:

    >dass wir das als so großartig empfinden? Das macht mir große Sorgen.

    Großartig? Nein, aber beachtenswert. Die übliche mediale Litanei zeugt ja durch die Bank vom Gegenteil. Warum also nicht die Ausnahmen hervorheben? Selbstverständlich ist es eben nicht und das ist exakt der Punkt, sonst würde es keinen Menschen interessieren.

  9. Anonymous sagt:

    Ja, da stimme ich dir absolut zu, aber ist das nicht genau furchtbar? Dass inzwischen die Selbstverständlchkeiten so bemerkenswert sind? Wo sind wir hingekommen?

  10. olhe sagt:

    Waren wir schon einmal anderswo? Ich kann mich nicht entsinnen, vice versa gab es gar noch weitaus radikalere Zeiten.

    Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören — in ihre Löcher.

    –F.J. Strauß, 1974

    Wir schauen heute eher noch «gemäßigtere Zeiten» mit einigen asozialen Untiefen.

  11. Anonymous sagt:

    Die Ansicht teile ich nicht. Auch wenn oder weil mir z.B. Bücher, wie die Triologie von Wolfgang Koeppen, durchaus etwas sagen. Denn die FJS Aussagen wurden vor einem ganz anderen Hintergrund getätigt. Da galt, aufgrund der Kriegserfahrung, das Grundgesetz doch noch etwas mehr (kleines Beispiel: 1961 hat das Bundesverfassungsgericht vehement verhindert, dass Herr Bundeskanzler Adenauer einen Staatssender etablieren konnte). Heute ist «Staatsferne» ein Witz (frag mal Roland).

  12. olhe sagt:

    >Da galt, aufgrund der Kriegserfahrung

    Aufgrund der «Kriegserfahrung» hatten wir auch diverse Nazis in der Regierung, andere Dinge wie Bafög etc. mußten erst erkämpft werden, dazu kam die Notstandsgesetzgebung deren Auswirkungen erst heute richtig spüren im GG, beim Schah-Besuch schaute die Deutsche Exekutive zu wie die sogenannten Jubelperser Demonstranten verprügelten, Brandts Radikalenerlaß, der quasi für einen Berufsverbot Linker im öffentlichen Dienst mißbraucht wurde usw. Brauchts noch mehr Beispiele? Ich könnte die Publikation damit vollschreiben und dazu gibts auch gerne Verweise auf entsprechende historische Fachliteratur, abseits der Wikipedia und anderer im Vergleich recht unvollständiger und oberflächlicher Netzquellen. Die Bundesrepublik wurde auf einer maroden Basis erbaut und einige Errungenschaften der post 68er werden nun wieder nach und nach demontiert. Mehr mediale Aufmerksamkeit heute, sollte nicht über ebensolche massive Fehlungen in 50ern/60ern/70ern hinwegtäuschen. Damals wurden teils Dinge toleriert, die _heute_ undenkbar werden.

    Das Netz ist eine großartige Sache, aber es neigt dazu durch die Omnipräsenz zuvor Geschehenes recht klein ausschauen zu lassen. Eine Generation wurde mit dieser historischen Bulimie bereits geprägt. Heute existieren sicherlich auch Zustände, die damals nicht denkbar waren, einfach deshalb weil einiges auch dem Kontext des jeweiligen Zeitgeistes geschuldet ist. Ich neige hierbei auch eher zu der antrainierten Historikerdenke, der Bürgerrechtler mit ganz viel Pathos und dem Blick mehr fürs Jetzt, kommt bei mir erst an zweiter Stelle.

    Das Deutsche Volk hatte sich nie wirklich Freiheit erkämpft, das macht sich dann leider auch recht schnell bemerkbar. Hinweise auf «Revolutionen» in Deutschen Landen brauchts übrigens nicht, ich sprach vom Kampf eines Volks für die Freiheit.

    Wer als glauben mag früher sei alles besser gewesen, bitte sehr. Auch Glauben kann motivieren und wenns der Aktivität hilft umso besser. Ich erlernte jedoch den Beruf eines Wissenschaftlers, nicht jenen eines Klerikers.

  13. Anonymous sagt:

    Auch hier stimme ich zu. Deshalb hatte ich ja auch Koeppen zitiert, der ganau dies auch bemängelt hat (Altnazis etablieren sich, keine wirkliche Erneuerung, alle buckeln irgendwie wie zuvor, nur jetzt für andre Herren.…)
    Bezog sich auch nur auf Strauss und die Frage, ob wir schonmal anderswo waren. Ja, waren wir, aber selbstverständlich nicht überall, s. Oben.
    Jetzt sind wir auch in diesen — wenigen — Punkten noch unten!

  14. Anonymous sagt:

    Danke für das gute Gespräch. Gute Nacht!

  15. Anonymous sagt:

    Ich hab mich schon 14 gefragt, warum es keine Intellektuellen mehr in der Politik gibt. Man darf darauf hinweisen, dass unter Schröder so Leute wie Ernst-Ulrich von Weizsäcker nicht mehr viel zu melden hatten. Der hatte sich kritisch gegenüber dem freien Markt positioniert und wollte Regeln für das Kapital. Das ging gar nicht mit Schröder…

  16. Anon2 sagt:

    ich finde er hat im grunde genommen irgendwie recht

    wenn ich so zurückdenke wie diese schwarz-gelbe-koalition sich immer weiter etabliert hat, den neid unter den menschen immer weiter geschürt hat.
    2013 oder so hatte ich immer noch so ein bisschen hoffnung dass sich was verändert. aber seit dem absenken der allgemeinen grundbedürfnisse zugunsten des wachstums und dem arbeitsmarktserweiterungsgesetzes mit den ganzen schönen «erweiterungen» ist die welt immer schlechter, hungriger, kälter

    wir wachsen, wir wachsen
    wars mal «wir weben»? keine ahnung, keine zeit mehr für unnötige information

  17. Harry sagt:

    Precht sagt, dass wir 800 tausend freie Stellen haben, aber 6,5 millionen Hartz IV Empfänger. Das war aber nur eine Momentaufnahme und Precht übersah, dass die Anzahl der Arbeitsstellen keine feste Größe ist.

    Außerdem übersieht er, dass die gesellschaft sehr wohl Solidarität mit den Schwachen hat. Jeder weiß, dass er schon Morgen selber schwach sein kann, also arbeitslos, krank, pleite, .…

    Umgekehrt kostet Armut einfach auch sehr viel Geld und schon alleine deswegen strebt die Gesellschaft nach weniger Armut.

RSS-Feed abonnieren