Respekt Handelsblatt!

Vor ein paar Tagen noch wurden den Lobbyisten vom Handelsblatt jegliche journalistische Kompetenz und Objektivität abgesprochen. Zu Recht. Die vermeintliche Kritik an der Piratenpartei war nicht viel mehr als eine (fremdfinanzierte?) Propaganda-Show, ein Angriff auf die Freiheit des Internets, ein Angriff auf Urheber und Kreative — einzig die Verwerter sollten geschützt werden.

Heute sieht die Situation schon anders aus. Schon seit Monaten beherrscht das Handelsblatt das Prinzip «Zuckerbrot und Peitsche» perfekt: Erst darf ein CDU-Hinterbänkler wie Ansgar Heveling eine befremdliche Kriegserklärung veröffentlichen, später lässt das Handelsblatt Frank Rieger darauf antworten.

Netzaktivisten waren damit weitestgehend zufriedengestellt, richtete sich ihre Wut doch vielmehr gegen Heveling als gegen das lobbyistische Kampfzentrum aus dem Vorort Kölns, Düsseldorf.

Bei der widerlichen Kampagne «Mein Kopf gehört mir» ist es nun ähnlich. Erst die Kampagne, dann die Kritik, nun werden kritische Reaktionen auf der Webseite veröffentlicht, ein Pirat interviewt, der sich ebenso kritisch äußern darf — und alle rufen Respekt Handelsblatt!.

Dabei ist dieser Unsinn nur die Fortführung der Kampagne — das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche wird hier perfektioniert. Die Kampagne als Heftbeilage hat andere Medien, die Politik, viele Entscheider erreicht. Darauf werden sich politische Forderungen und Entscheidungen in der Zukunft beziehen. Nicht aber Twitter-Witze und ein Interview mit einem Piraten.

Die Netzcommunity freut sich, manch zitierter Twitterer über seine 5 Minuten Ruhm, die Lobbyisten des Handelsblattes aber werden ihr Ziel erreichen: Kampagne, Shitstorm, vermeintlich auf die Kritiker zugehen. Nicht nur, dass hier Journalismus vorgegaukelt wird, man erreicht das Kampagnenziel unter freundlicher Mithilfe derer, die man angreift.

Es ist zu vermuten, dass die Kampagne von einer Werbeagentur begleitet wird. Stellt sich nur die Frage, wer sie finanziert. Folge dem Geld ist auch hier des Rätsels Lösung. Es ist nicht zu vermuten, dass das Handelsblatt diese Kampagne selbst finanziert. Das Handelsblatt steht spätestens mit dieser Kampagne auf einer Stufe mit illustren Vereinen wie der INSM. Journalisten darf und sollte man die Damen und Herren aus dem Kölner Vorort nicht mehr nennen. Naja, Hauptsache Twitter wird bemüht, kritische Tweets veröffentlicht und Piraten interviewt. Dann ist ja alles wieder gut.

Respekt Handelsblatt!

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