Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Rangliste der Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen (ROG) hat heute die neue Rangliste der Pressefreiheit von 169 Ländern veröffentlicht. Deutschland landet immerhin auf Rang 20, nur knapp geschlagen von Trinidad und Tobago oder ehemaligen Ostblock-Staaten wie Ungarn oder Tschechien. Die Politik in Deutschland wird ob dieses beschämenden Ergebnisses wieder jubeln — stehen 149 Länder doch noch schlechter da, als die gute, alte Dame Bundesrepublik Deutschland. Alarmierend sind die Zeilen von ROG über unser ach so freies Land trotzdem:

An der Lage in Deutschland hat sich wenig verändert. Erneute Ermittlungsverfahren gegen Journalisten wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat, gesetzliche Regelungen und Vorschläge, die den Quellenschutz aushöhlen, Drohungen und Übergriffe gegen Journalisten, die im rechten Milieu recherchieren sowie Einflussnahme auf Redaktionen durch Anzeigenschaltungen haben zu Punkten geführt.

Wenn 2008 die Vorratsdatenspeicherung in Kraft tritt, die ja nun auch für Journalisten gilt, stellt sich die Frage, ob dieser Angriff auf die Bürger und das Grundgesetz auch Einfluß auf das Ranking im nächstes Jahr haben wird. Das wäre dann doch spannend zu beobachten.

Am Ende der Rangliste stehen alte bekannte. Auf Platz 164 ist Myanmar/Birma/Burma zu finden — und falls jetzt jemand denkt, da war doch mal was: Stimmt — ein paar Blogger haben sich da in Szene gesetzt, einen Tag später war es für 99% der Leute, wie von uns vorausgesagt, schon wieder vergessen. Myanmar/Birma/Burma liegt noch einen Platz hinter China, hey, da war doch auch was. Und ich werde wieder auf unsere adical-Kategorie verweisen: Deutsche Blogger haben für die Unterstützer dieses Mörderregimes Werbung gemacht. ROG kommentiert die Zustände in China:

Bedauerlich ist auch, dass China (163.) noch immer ganz unten steht. Weniger als ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking ist es fraglich, ob die so oft versprochenen Reformen umgesetzt und inhaftierte Journalisten freigelassen werden.

Wieso sollten die versprochenen Reformen umgesetzt werden? Tante Merkel und auch andere westliche Regierungen verdienen an China, mit China, verdammt viel Geld — auf dem Rücken derer, die sich nicht wehren können. Die Sklavenarbeiter, die Kinderarbeiter des Mörderregimes in Peking. Dass dieses dann versucht, Presseberichte zu verhindern, kritische Journalisten ins Gefängnis steckt und den Schlüssel verliert, das ist nur die Folge westlicher Politik, westlicher Geschäfte mit China. Solange es Profiteure dieses Systems gibt, seien es deutsche Blogger, deutsche Unternehmen oder auch deutsche Politiker, besteht für die chinesische Regierung kein Grund, irgendetwas zu ändern — im Gegenteil. Durch das Handeln der (Geschäfts-) Partner wird offenbar, dass diese Handlungen nicht kritisch gesehen werden, sondern akzeptiert, sogar gefördert werden. Für die eigene Geldbörse.

Überraschend für mich war, dass der fast schon totalitäre Überwachungsstaat Großbritannien nur Platz 24 einnimmt — ich hätte ihn viel weiter hinten erwartet. Man kann es aber auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Wir sind ganz nahe dran, an dem britischen Überwachungsstaat, er liegt nur 4 Plätze hinter uns. Unser Bruder im Geiste, die USA, verweilen auf Platz 48 — man könnte auch hier meinen, da geht noch was. ROG schreibt:

Der Blogger Josh Wolf kam nach 224 Tagen Haft frei. Der sudanesische Kameramann von Al-Dschasira, Sami Al-Haj, wird seit Juni 2002 in Guantanamo festgehalten. Im August dieses Jahres wurde der Journalist Chauncey Bailey in Oakland erschossen. Der Quellenschutz ist weiterhin gefährdet.

Interessant ist, dass — international gesehen — Blogger vermeintlich an Relevanz zunehmen (Kommentare zum Komödienstadl deutsche Blogosphäre werden gelöscht). ROG widmet den Bloggern einen eigenen Absatz, sind diese in anderen Ländern doch besonderer Verfolgung ausgesetzt:

Das Internet wird stärker zensiert, so ROG. Mehr und mehr Regierungen erkennen die Schlüsselrolle des Webs im Kampf für Demokratie und entwickeln immer ausgefeiltere Zensurmethoden. In repressiven Staaten sind Blogger und Internetjournalisten inzwischen genauso Zielscheibe von Repressionen wie schon die traditionellen Medien.

Mindestens 64 Menschen sind derzeit weltweit wegen Veröffentlichungen im Internet im Gefängnis. China bleibt mit 50 Inhaftierten Vorreiter bei dieser Form der Unterdrückung. Acht Internetdissidenten werden derzeit in Vietnam festgehalten. In Ägypten erhielt der Blogger Kareem Amer vier Jahre Haft, da er Präsident Mubarak und den Einfluss des Islam an den Universitäten kritisiert hatte.

In westlichen Ländern, Geld regiert die Welt, läuft die Zensur dann ein wenig profaner ab und landet nicht auf dem Radar von Reporter ohne Grenzen. 😉

Ich sehe solche Rankings mit gemischten Gefühlen. Sei zeigen immer nur Ausschnitte, sie verschweigen, dass die Unterdrückung von Völkern in anderen Ländern nur aufgrund westlicher Unterstützung möglich ist, sie zeigt nicht auf, dass in westlichen Ländern ebenso grausam mit den Menschen umgegangen wird. Die Rangliste ist praktisch eine Zusammenfassung der Pressemitteilungen von Reporter ohne Grenzen mit Bezug Pressefreiheit, dazu ist sie gut — sich gewisse Vorgänge mal wieder bewusst machen, sich den einen oder anderen Namen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Der größte Schwachpunkt ist und bleibt jedoch: Selbst die Länder auf den vorderen Plätzen haben Leichen im Keller, nicht nur eine, und können sich so — mit Alibi Reporter ohne Grenzen — als Sieger fühlen und den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Man denke nur an unser Land oder auch an Großbritanien. Das sollte nicht vergessen werden. 😉

ROG — Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht

ROG — Rangliste der Pressefreiheit 2007

,

3 Antworten zu “Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Rangliste der Pressefreiheit”

  1. Oliver sagt:

    Solange Trash-Kommentatoren nicht einmal die Grundbegriffe verinnerlichen bzw. überhaupt irgendeine Art von Niveau aufbringen können, solange Blogger Spielchen treiben je nach Couleur, solange das Gros immer etwas «wichtigeres» zu hat, solange wird sich auch nicht viel ändern.
    Zum Verständnis von derlei Dingen und das da mehr ist als S/W Denken, fehlt vielen halt der Grips. Von daher sind derlei Hinweise von ROG oder Amnestie leider oft genug für den Arsch. Traurig aber wahr …

  2. dakira sagt:

    Weiss schon jemand was zu der Berichterstattung der Medien zu «unserem» 20. Platz?

    BTW: Das neue Design ist sehr angenehm.. gefaellt mir gut!

  3. Oliver sagt:

    Die westlichen Nationen, die schon «Demokratie» besitzen, hören weder auf ROG noch Amnestie, im Gegenteil man weist diese oft genug verbal in ihre Schranken. Insofern Ignoranz.

RSS-Feed abonnieren