Reichtum

Die Reichen produzieren Armut in zweifacher Weise: einmal absolut, weil sie Arbeiter dazu zwingen, Luxusgüter herzustellen, was notwendig eine Verringerung der Produktion der lebensnotwendigen Güter bewirkt, die aufgrund der mit jeder Verknappung einhergehenden Preissteigerung unbedingt auf Kosten der wirtschaftlich Schwachen geht. Zum anderen relativ, weil der Anblick bislang unbekannter Luxusgenüsse, den Armen dazu bringt, sich für unglücklich zu halten.

Jean-Jacques Rousseau

7 Antworten zu “Reichtum”

  1. Syrabo sagt:

    Sehr wahre Worte, zuerst las ich sie auf dem RSS-Reader und dann den Rest hier und jetzt weiß ich, ich hatte sie schon mal gelesen, vergessen und jetzt mit wieder die Bestätigung des heutigen Wertverständnisses: Es hat dann etwas an Wert, wenn es knapp ist.

  2. Bruno sagt:

    «Erbaue dich nicht an den Schwächen anderer»

    Die Pflanzen und die Tiere waren schließlich zuerst «da», darum haben die Menschen eigentlich nicht«s zu melden !

  3. Oli sagt:

    Ich denke schon, der Mensch muß nur einsehen das er nicht mehr als ein Tier ist und alle Bestandteile Natur bilden, ergo auch das Tier Mensch 😉

  4. Grainger sagt:

    Man darf aber nicht vergessen das zu Rousseaus Zeiten bei nahezu allen wichtigen Produkten des täglichen Lebens die Nachfrage das Angebot bei weitem überstieg.

    Massen– und sogar Überproduktion war ebenso unbekannt wie Massentierhaltung und Hochertragslandwirtschaft, an so ziemlich allem herrschte Mangel.

    Und wenn die Produktionskapazitäten noch nicht mal ausreichen um die Grundbedürfnisse für weite Teile der Bevölkerung zu befriedigen entzieht natürlich jede Produktion von (im Grunde überflüssigen) Luxusgütern dem Produktionsprozeß wertvolle und anderweitig besser genutze Kapazitäten.

    In einer Volkswirtschaft wie der unseren (oder der EU), die jedes Jahr ein paar hundert Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet nur um die Marktpreise stabil zu halten kann man von Produktionsengpässen eigentlich nicht sprechen.

    Andererseits hat Rousseau bei einer globalisierten Betrachtungsweise natürlich auch heute noch recht:

    der Reichtum der westlichen Industrienationen ist zu einem großen Teil nichts anderes als exportierte Armut, wir sind u.a. deswegen reich weil wir dafür sorgen das die anderen arm bleiben.

    Und statt Luxusgüter wie Plasmafernseher zu produzieren wäre es natürlich sinnvoller z.B. Nahrungsmittel, Wasserpumpen oder Medikamente für die Länder der Dritten Welt herzustellen.

    Heutzutage sind wir die bösen Reichen.

    Da mag ein bißchen Fairtrade-Kaffee unser Gewissen beruhigen, aber mehr auch nicht.

  5. Oli sagt:

    Wird man in BWL zum Lemming ausgebildet?

  6. Grainger sagt:

    Eher nicht. 😀

    Das ändert aber nun mal nichts daran das wir als Einwohner der Industrienationen mehr als nur den uns «zustehenden Anteil» an den Ressourcen dieser Welt verbrauchen.

    Manche (wie die USA als die größten Verschwender der Welt) sicherlich mehr als andere (wie vielleicht Deutschland mit einem etwas größeren Umweltbewußtsein), aber das grundsätzliche Problem bleibt bestehen.

    Mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung des Reichtums dieser Welt bedeutet aber zwangsläufig weniger für uns, da braucht man sich nichts vorzumachen.

    Klar kann man auch immer auf die anderen zeigen udn beispielsweise:

    ? die USA als Meister der Ausbeutung anprangern (wie schon erwähnt) oder
    ? die auch bei uns wiederum vorhandene Ungerechtigkeit bei der Verteilung unseres Reichtums (was den Ländern der Dritten Welt aber wie ein Streit von Dieben um die Verteilung der Beute erscheinen muss)

    aber das ist doch letztendlich nur Schönfärberei.

    Ich habe auch keine Patentlösung anzubieten, der reine Kommunismus marxistischer Ausprägung mag sich theoretisch wie eine ideale Lösung anhören, scheitert in der praktischen Umsetzung aber genauso wie der Kapitalismus (der ja nun mehr und mehr die Ausprägung eines Raubtierkapitalismus annimmt und beginnt seine Jungen zu fressen).

    Ich finde aber es kann nichts schaden sich zumindest ab und zu mal klar zu machen das man selbst von der weltweiten Ausbeutung der Dritten welt auch ganz schön partizipiert.

  7. spiefelwuetz sagt:

    …wäre es natürlich sinnvoller z.B. Nahrungsmittel, Wasserpumpen oder Medikamente für die Länder der Dritten Welt herzustellen.

    @Grainger, du meinstest sicher in den Ländern der Dritten Welt herzustellen. Was z.B. Lebensmittel- Lieferungen der Fa. Ne**lè in einigen Ländern Afrikas angerichtet haben, ist ja hinreichend bekannt. Und bei der Lieferung von abgetragenen Wohlstandsfummeln vulgo «Altkleidersammlung», ist in vielen Entwicklungsländern die traditionelle Textilindustrie plattgemacht worden.

    …der reine Kommunismus marxistischer Ausprägung mag sich theoretisch wie eine ideale Lösung anhören, scheitert in der praktischen Umsetzung aber genauso wie der Kapitalismus…

    @Grainger, Kühne Behauptung, man hat es ja noch garnicht versucht. Bitte nicht mit Sowjetunion oder DDR kommen, das war allenfalls so eine Art Staatskapitalismus.

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