Rechtsstaat ade?

Die Phono-Verbände plädieren dafür, den Richtervorbehalt zu streichen, weil unter anderem zu befürchten sei, dass eine wirksame Verfolgung dem Rechteinhaber wegen der «immensen Kostenbelastung» unmöglich gemacht werde.

golem

Chancen auf Erfolg hätte man wohl mit diesem Vorhaben, betrachtet man denn die allgemeine Situation in der Politik: Korruption, Inkompetenz und Machterhalt — ein Demokratie meuchelndes Triumvirat. Der Staat muß seine Bürger schützen, auch gegen Angriffe die auf die Unterwanderung von freiheitlich, demokratischen Prinzipien abzielen. Wo bleibt der mündige Verbraucher? Das Gezetere hilft nichts, man muß diese Industrie treffen wo es eben schmerzt, beim Gewinn — sprich Kaufverweigerung. Erst eine Pleite dieser Industrie kann einen Neuanfang bedeuten.
Man jammert ob des Politikers Schäuble und übersieht dabei, wie die Industrie mit ihren Lobbyverbänden die Rechtsstaatlichkeit stetig unterwandert.

11 Antworten zu “Rechtsstaat ade?”

  1. Falk sagt:

    Nein, übersehen nicht, aber es wird dem kaum Gehör geschenkt. Hatte mich da gestern auch schon ziemlich kopfschüttelnd zu geäußert. Ich wäre ja für ein Verbot von Interessenverbänden, speziell und im Besonderen in dem Bereich. Und Kaufverweigerung? Herrje, solang der Lemming da draussen sich von Popsternchen blenden lässt, wirds dazu nicht kommen. Der wirklich mündig Verbraucher hat schon längst Alternativen dazu.

    Allerdings macht Golem im letzten Satz prompt genau DEN Fehler und spricht von Rechteinhabern. Ähm, nein, da gehts um die Rechteverwerter und um sonst Niemanden.

  2. icke sagt:

    Kaufverweigerung betreibe ich schon seit Jahren, auch wenn es mir teilweise wirklich schwer fällt.
    Mein Bundestagsabgeordneten habe ich auch schon angeschreiben. Jetzt fehlt mir noch eine Unterschriften Aktion in meiner Sammlung. Habt Ihr vielleicht eine auf dem Schirm, die sich konkret um dieses Thema dreht?

  3. Oliver sagt:

    >auch wenn es mir teilweise wirklich schwer fällt.

    Ich muß es sagen, es fällt mir von Jahr zu Jahr leichter, eben ob der schwindenen Qualität. Jüngere Generationen werden es da zugegebenermaßen schwerer haben.

    @falk

    >Der wirklich mündig Verbraucher hat schon längst Alternativen dazu.

    Kaum. Ich kenne viele Leute die nicht dumm sind, denen aber diese Netzaktivitäten in jenem Bereich völlig unbekannt sind.

    Und ich denke auch nicht das Golem da ein Fehler mit der Begrifflichkeit hat, denn schaut man sich die Situation in D an, so besitzt die Industrie nicht nur die Rechte an der Sache, sondern sie *besitzt* auch meist den Künstler. Rede ich von Rechtverwertern verharmlost das imo die Sache gewaltig hierzulande.

  4. Falk sagt:

    Nein tut es nicht, diese Industrie besitzt die Verwertungsrechte, aber sonst nichts. Denke an dem Punkt sollte durchaus etwas Genauigkeit vorherrschen, sondern prügelts wieder auf die falschen ein. Und ja, auch Urheber haben das Recht, solche Verträge abzulehnen und wenn etwas wirkungsvoller als die Kaufverweigerung wäre, dann das Ausbleiben von Werken zum Verwerten. Aber der Traum wird wohl eher einer bleiben.

  5. Oliver sagt:

    Die Korinthenkackerei ist doch zwecklos und vor allem kontraproduktiv, wenn gar nur irgendwelchen Juristen dienlich, wenn genau eben diese Industrie Künstler samt Inhalt mit Knebelverträgen in der Hand hat. Der Urheber hat Rechte und darauf scheißen wir mal auf gut Deutsch ganz gepflegt, weil sie nämlich nur interessieren, wenn ein dicker, fetter Verein dahinter parkt, sprich die nötige Finanzkraft besitzt.
    Und ich gehe da entgegen dir bei Künstlern aus musikalischen Gefilden (erzähl mal einem begnadeten Musikstudi etwas von CC *leben* bzw. Studium finanzieren), sowie Malerei von einer völlig anderen Annahme aus — will derjenige davon *leben* führt nur ein Weg an CC und Co vorbei. Das ist in anderen Bereichen anders, da dort wiederum andere Prinzipien greifen. Ergo hat letztendlich der Künstler, aus genau diesen Bereichen, im Prinzip keine andere Möglichkeit.

    Und wenn man das eben so sieht, sind alle Rechte eben bei der Industrie, dem Label oder soll ich dir jetzt zahllose Beispiele aufzählen die genau das belegen? Quer durch die Geschichte der Musik– u. Filmindustrie oder auch im Bereich der Malerei. Man schiebt eben genau durch die *theoretische* Trennung von Verwertern und Inhabern, die in diesen Bereichen faktisch nicht existent ist, die Schuld dem Künstler in die Schuhe.
    Da gehts um einen Job, nicht ums Hobby, um Existenz, wenn man denn diese Kunst ausleben will und nicht nur auf nem Hinterhof-Gig nach dem 8h Job betreiben möchte.

  6. Falk sagt:

    Diese Korinthenkackerei[sic!] find ich bei Weitem nicht kontraproduktiv. Denn dazu zählt eben, dass das öffentliche Bild von Künstlern gemeinhin seit einigen Jahren stark durch das Erscheinungsbild der diversen Industrieverbände geprägt ist. Speziell bei Musik *mussten* Ende der 90er die Labels (also die Verwerter) aus ihrem Schattendasein treten und haben maßgeblich ihren Anteil an der Meinung: «Die verdienen doch eh alle genug Geld, warum soll ich mir dann noch CDs kaufen»-Mentalität. Da seh ich durchaus eine Wechselwirkung.

    Zum Rest hab ich mich oft genug auch geäußert, dass ich mitnichten wem das Geldverdienen abspreche, aber das Gleichgewicht sich zu Gunsten von einigen wenigen Verwertern der Industrie verlagert und dies mit Sicherheit auch dazu führt, dass immer mehr (auch potentiell gute) Künstler den von dir angesprochenen 8-h-Job ausüben *müssen*, um trotzdem Kunst machen zu dürfen.

  7. Falk sagt:

    Nachtrag: Von ihrer Musik leben im Übrigen nur 5% aller Musiker weltweit. Die restlichen 95% wollen aber eventuell auch Geld verdienen und könnens trotz (oder wegen) der Industrie nicht?

  8. Chris sagt:

    Der Rechtsstaat *wird* zu Grabe getragen — daran besteht für mich kein Zweifel. Das Abgreifen der Industrie auf unsere persönlichsten Daten wird kommen — und ich bete zu Gott, dass es dann irgendwo zum Super-GAU kommt, und so das Thema in die öffentliche Wahrnehmung gerät. Denn mit Schäuble oben rechs, gleichzeitiger Werbung für Yahoo, erreicht man nicht wirklich was — die Leute müssen am eigenen Leib spüren, was passiert, wenn eine zügellose Idustrie losgelassen wird.

    War das jetzt zu hart? Nö, realistisch.

  9. […] Zeit einen Riegel vor. Das ist jedenfalls dort Alltag, hier hingegen … nun man kennt es und hierfür wird wohl kaum einer einen Riegel vorschieben, zumindenst nicht in unseren […]

  10. Tom sagt:

    Nein, es wird nicht übersehen, das die Industrie versucht, durch Lobbying Einfluss zu nehmen. Das ist eigentlich jedem bekannt. Selbst Politikern, die sich wenigstens halbwegs dagegen verwehren sollten.
    Es sind in der Tat «solche Politiker» wie exakt Herr Schäuble, die den innenpolitischen Hardliner und Kriminalitätsbekämpfer spielen, aber im gleichen Atemzug den Schwarzgeldkoffer des Waffenhändlers vor der Steuer in Sicherheit bringen, die ein demokratisches System korrumpieren! Schäuble gehört in der Knast, nicht in Regierung.

  11. […] so wird vermutet, könnte so einige Kosten sparen. Datenschützer und ein kleiner Teil der Blogosphäre greifen das Thema auf ? eine größere öffentliche Debatte scheint sich allerdings bislang nicht […]

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