Rechnerwartung und Fluxbox

Gestern wurde einer der Rechner gewartet und wenn ich schon dabei bin, gibts auch eine kleine Einführung in einen netten WindowManager, Fluxbox.
Fluxbox (Screenshots) ist ein recht einfach konfigurierbare WindowManager für X, unter BSD/Linux etc. Da gibts ein wenig eyecandy, wie Transparenzen, Skins, Tabs, custom Fonts, abgerundete Ecken etc. Schön dabei, man braucht nicht wie bei KDE oder Gnome mordsmäßige Ressourcen und hält sich auch eine Tonne Probleme vom Hals, die diese Desktop-Monster gerne verursachen, insbesondere bei Updates. Übrigens für mich ist das ein sogn. Desktop-System, für andere nicht, was übrigens nur die Sinnlosigkeit solcher buzz-phrases beweist :)
So ein WindowManager, soll eigentlich nur eines machen, Fenster verwaltungen und bei Bedarf(!) hübsch ausschauen. Was er nicht soll, die Oberfläche pervertieren, indem mir eine Legion von unnützer Software installiert wird, die spezielleren Lösungen ohnehin nie das Wasser reichen kann. Ok genug gezetert, ran ans Werk :)

Fluxbox kann man recht einfach installieren, in FreeBSD updatet man den Portstree und installiert fluxbox-devel, bei ArchLinux z.B. wirft man pacman an.

FreeBSD

# portinstall fluxbox-devel

… fluxbox-devel, weil dies die aktuell Version ist. Diese ist stabil, kommt aber dennoch als RC Kandidat daher.

ArchLinux

# pacman –Sy fluxbox

… damit wird erst einmal die Datenbank abgeglichen ( –y ) und letztendlich fluxbox mit allen Abhängigkeiten installier ( –S ). In beiden Fällen hat man danach einen lauffähigen WindowManager im System, der schon eine 08/15 Config liefert, ohne angepaßte Menues. Bei ArchLinux, muß man eventuell noch die community Quelle in /etc/pacman.conf freischalten. Falls dort Fluxbox nicht gefunden wird, genügt es bei der genannten Stelle die Raute zu entfernen.

Zur Kontrolle startet man Fluxbox einmal, ich tue dies via .xinitrc in ~/, andere vielleicht mittels ttys in /etc. Wenn nicht vorhanden, einfach mittels ee oder nano eine Datei eröffnen im Home-Verzeichnis,

exec fluxbox

darüber hinaus, können dort auch zuvor andere Programme stehen, z.B. der Messenger Psi oder der Systemmonitor gkrellm.

gkrellm &
psi &
exec fluxbox

Das & hinter den Befehlen sollte man nicht vergessen, sonst blockiert man den Task in der Shell und wartet ewig 😉

Ein beherztes startx in der Konsole sollte dann X starten und folglich auch Fluxbox. Wer einen grafischen Login benötigt kann sich mal gdm, xdm, kdm etc. anschauen … ich brauchs jedenfalls nicht.

Hat man sich satt gesehen, beenden wir X brutal mit [strg]+[alt]+[backspace] :), in der Konsole angelangt, schnell den root gemimt und ins versteckte Verzeichnis (bei ArchLinux bleibts auch als root versteckt) gewechselt.

# cd .fluxbox

dort residieren die beiden interessanten Dateien, menu und init. Erstere für die Menu-Einträge, letztere für die eigentlichen Funktionalitäten wie opaque move, antialiasing, wallpaper usw. Ein profaner Editor wie ee oder nano genügt, pico und natürlich gvim gehen auch 😉

Menu schaut folgendermaßen aus, alles recht einfach und übersichtlich …

[begin] (Olymp)
[exec] (urxvt) {urxvt –geometry 120×50 –fg green –bg black}
[exec] (opera) {opera}

[submenu] (ftp)
[exec] (gftp) {gftp}

[end]

[end]

Zwischen [begin] und [end], stehen die eigentlichen Anweisungen.

[exec] leitet den Menu-Eintrag ein, gefolgt von dem darzustellendem Namen im Menu mittels (opera), dem wiederum gefolgt von der eigentlichen Befehlskette in geschweiften Klammern, {opera}. Das sich dabei der jeweilige Befehl im Pfad befinden sollte, dürfte klar sein.
Unter-Menues leitet man mit [submenu] ein und beendet diese mit [end], dazwischen kommen die gleichen Einträge wie schon zuvor beschrieben. Optische Trenner, kann man z.B. mit [nop] (———-) in das Menue einfügen, der Inhalt zwischen den runden Klammern ist beliebig.
Das war es im Prinzip schon, zusätzlich kann man Menue-Einträge auch mit Icons versehen,

[exec] (opera) {opera} </home/user/icons/opera.png>

sprich man ergänzt einfach den Menue-Eintrag um diese hübschen Bildchen, die man natürlich zuvor entsprechend in irgendeinem Verzeichnis des jeweiligen Users abgelegt haben muß.

In der Datei ~/.fluxbox/keys, kann man Tastenbelegungen festlegen, sprich F1 = starte Opera. Klasse Sache, um den Desktop recht flink bedienen zu können. Die Konfiguration ist denkbar einfach,

Mod1 Tab :NextWindow
Mod1 Shift Tab :PrevWindow
Mod1 F1 :ExecCommand opera
Mod1 F2 :Workspace 2
Mod1 F3 :Workspace 3
Mod1 F4 :Workspace 4
Mod1 F5 :Workspace 5
Mod1 F6 :Workspace 6
Mod1 F7 :Workspace 7
Mod1 F8 :Workspace 8
Mod1 F9 :Workspace 9
Mod1 F10 :Workspace 10
Mod1 F11 :Workspace 11
Mod1 F12 :Workspace 12

[alt]+[F1], würde in diesem Fall opera starten.

Tja ansonsten bleibt noch die Datei init, da werd ich auch nicht auf jedes erdenkliche Detail eingehen, das würde hier auch den Rahmen sprengen, nur essentielle Dinge, wie Hintergrundbild usw.
Diese Datei kann man im Prinzip so lassen wie sie ist und ergänzt sie an folgenden Stellen,

session.screen0.antialias: true

…anstatt von false, true

session.screen0.rootCommand: feh –bg-scale /home/user/wallpaper/wallpaper.png

… die Zeile […]rootCommand: ist schon vorhanden, man ergänzt hier den Wallpaper-Anzeiger der Wahl, meinereiner verwendet da feh, aber auch Eterms esetroot ist eine Möglichkeit.

session.screen0.opaqueMove: true

… das triggern wir auf true, damit Fenster optisch hübscher, nicht nur mittels Rahmen verschoben werden 😉

session.screen0.menu.alpha: 154

… wer möchte kann auch die Menues transparent machen, sieht nett aus und mit Werten zw. 150–170 ist der Effekt auch gut nutzbar.

Darüber hinaus lassen sich in dieser Datei die Anzahl der virtuellen Bildschirme festlegen, wie man diese umschaltet (z.B. mittels Rad), ob die Fenster Tabs besitzen und wie diese angeordnet werden, etc. Da kann man viel rumbasteln, sollte aber dennoch nur eines nach dem anderen tun, um bei Fehlern noch das Problem ausloten zu können 😉
Styles werden bei Fluxbox unter BSD und ArchLinux diverse mitgeliefert, dürften für den Anfang langen. Kann man behände umstellen via Context-Menu -> Fluxbox-Menu -> System-Styles.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in der Fluxbox Wiki wohl genügend weitere Anhaltspunkte. Ein Tipp noch, notorische Mausschubser werden wohl den Desktop a la Explorer vermissen, dem kann abgeholfen werden mit Rox-Filer. Inzwischen zwar auch ein ausgewachsenes, aber dennoch leichtgewichtiges Desktop, bietet dieser aber die Möglichkeit der modularen Nutzung, sprich der Filemanager, zur lustigen Klickerei, kann ebenso in .xinitrc gestartet werden. rxvt (oder urxvt für Unicode) bzw. aterm, eterm liefern noch Shells die sich mit Transparenz verstehen und somit die Optik veredeln.

Viel Spaß mit dem produktiven Bantam-Desktop 😀

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4 Antworten zu “Rechnerwartung und Fluxbox”

  1. Chris sagt:

    Das hätte ich bei meinem letzten NIX-Ausflug gebraucht. Da hatte ich die Fluxbox nämlich getestet. Bin ich aber nicht wirklich mit zurecht gekommen. 😉

    Feine Sache das. :)

  2. itti sagt:

    fluxbox wurde nach anfänglichen ausflügen in gnome und kde2 vor jahren bereits mein favorisierter windowmanager… mit rox hingegen bin ich nie warm geworden. als terminal noch aterm und nen hotkey drauf… fertig.

    insofern gute entscheidung. wer keine angst vor configfiles hat soll sichs ruhig mal nach gutdünken einrichten.

  3. Sammy sagt:

    Ich habe eben Enlightenment unter FreeBSD 6.2 über die Ports installiert. Jetzt weiß ich aber nicht welchen Pfad ich in die ~/.xinitrc schreiben muss. Finde dazu auch nichts im Internet.
    Und wenn ich schonmal dabei bin, wie ist der Pfad für Fluxbox und wie finde ich generell den passenden Pfad zu einem wm heraus?

  4. Sammy sagt:

    Oh sorry, in meinem Wahn und der Vorstellung, dass ich nirgends etwas zu dem Thema finde, habe ich übersehen, dass Oli die Frage in obigem Artikel schon beantwortet hat. :) Danke

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