Rassismus bleibt Rassismus – eine Replik (Update)

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Foto: F!XMBR

Thilo Sarrazin hat heute in Berlin offiziell seinen Fantasy-Roman vorgestellt. Nach Vorabdrucke im SPIEGEL und der BILD diskutiert Deutschland bereits seit Tagen über jüdische Gene, vererbte Dummheit und Rassismus. Natürlich meldet sich auch Methusalem Frank Schirrmacher zu Wort, Herausgeber der FAZ – und vermag seine Begeisterung für Thilo Sarrazin kaum zu verbergen. Schirrmacher schwadroniert über eine Neudefinition unserer Kultur, die intellektuellen Fähigkeiten Sarrazins und vergisst dabei den entscheidenden Punkt: Rasissmus bleibt Rassismus. Kameldung bleibt Kameldung. Auch wenn man es in Gold verpackt. Eine Replik.

Schon im ersten Absatz Schirrmachers fällt es schwer, ruhig und sachlich zu bleiben – fabuliert der FAZ-Herausgeber doch von der oft zitierten schweigenden Mehrheit: «Die Zahl der Menschen, die ihm hinter vorgehaltener oder nicht vorgehaltener Hand recht geben, ist beträchtlich.» Die so genannte schweigende Mehrheit musste schon oft für Tabubrecher herhalten, eine andere Form ist der berühmte Satz, «man wird es doch wohl mal sagen dürfen». Dass die schweigende Mehrheit fast ausschließlich von Rechtspopulisten und illustren Gestalten wie NPD-Mitgliedern genutzt wird, wird natürlich verschwiegen.

Der großartige Volker Pispers hat einmal zur schweigenden Mehrheit gesagt: «Die schweigende Mehrheit schweigt, egal was passiert. Ob in der Nachbarwohnung ein Kind misshandelt und totgeschlagen wird oder ob auf der Straße organisierte Verbrecherbanden jagt machen auf alle, die in ihren Augen anders oder abartig sind oder ob in der Straßenbahn eine wehrlose Oma von einer skrupellosen nachwuchskriminellen Bande bedroht und ausgeraubt wird. Ihr Lebensmotto: Weggucken, abducken und ja nicht aufmucken. Die einzigen Lebenszeichen, die es von dieser Spezies gibt, sind anonyme Anrufe zwecks Denunziation missliebiger Mitmenschen oder Strafanzeige von Unbekannt. Die schweigende Mehrheit besteht also vor allem aus Feiglingen, Duckmäusern und Mitläufern.» Damit ist eigentlich alles gesagt. Mit der schweigenden Mehrheit Thilo Sarrazin verteidigen oder gar politische Entscheidungen zu begründen ist in meinen Augen verwerflich und es erübrigt sich fast jegliche ernsthafte Diskussion.

Frank Schirrmacher wäre nicht Frank Schirrmacher, wenn er nicht maßlos übertreiben würde, das Problem sei nicht Sarrazin, sondern Deutschland, ja unsere gesamte Gesellschaft, Sarrazin sei nur unser aller Ghostwriter. Unter dem macht es ein Frank Schirrmacher nicht. Es ist unbestritten, dass Deutschland Probleme hat, was die Integration betrifft. Doch trifft dies ebenso auf die Umwelt– und Gesundheitspolitik zu, ja auf jedes politische und gesellschaftliche Feld. Das ist auch völlig normal, wir leben in einer Gesellschaft, die sich täglich fortentwickelt, in der es täglich neue Erkenntnisse zu gewinnen gibt – wer wie Schirrmacher nun die Probleme der Integration und die Herangehensweise des Thilo Sarrazin als «Neudefinition von Kultur» bezeichnet, verkennt unsere Gesellschaft, unsere Entwicklung und stellt sich mit Sarrazin auf eine Stufe.

Grotesk wird der Artikel Schirrmachers, wenn er Sarrazins Meinung zu Fakten deklariert. Während der SPIEGEL und die BILD Sarrazins Buch als Meinungsbeitrag verklären, legt Schirrmacher noch eine Schippe drauf und spricht von völlig korrekten Fakten. Selbstverständlich belegt Schirrmacher diese Fakten nicht – wie sollte er auch. Er kann es nicht. Es gibt mittlerweile genügend Artikel, die die so genannten Fakten des Herrn Sarrazin widersprechen.123 Weder ist der «weiße Mann» intelligenter als der «schwarze Mann», noch sind seine Berechnungen zur demografischen Entwicklung serös. Dies gibt Thilo Sarrazin im Buch selbst zu: «Es gibt keine wissenschaftlich zuverlässige Methode, Geburtenverhalten und Zuwanderung über mehrere Jahrzehnte verlässlich vorherzusagen.» Dumm nur, dass auf seine selbst ausgedachten Zahlen sein gesamtes Buch aufbaut. Es verwundert nicht, dass er mit seiner Schwarzmalerei in Methusalem Frank Schirrmacher einen dankbaren Abnehmer findet.

Bizarr wird der Artikel Schirrmachers, wenn er versucht, die Erbgut-These Sarrazins zu verteidigen. Es ist kein Zufall, dass entscheidende Begriffe, Namen und Quellen im Register nicht auftauchen, obwohl sie sich in den Fußnoten oder über Verweise rekonstruieren lassen. Das ist kein Versehen. […] In den Worten von Irving Fisher aus dem Jahre 1912, der zu den Befürwortern der neuen Einwanderungsgesetzgebung in Amerika zählte: eine Einwanderungsdebatte ist immer die Chance einer eugenischen Debatte. Sarrazin spricht, wenn er von Kultur redet, nicht vom Erbe, sondern vom Erbgut, und auch das ist Bestandteil demokratischer Diskurse vor exakt hundert Jahren.

Mal abgesehen davon, dass gerade Deutschland es besser wissen sollte – wie kann ein intelligenter Mensch wie Frank Schirrmacher einen Thilo Sarrazin verteidigen, mit dem Argument, politischer und wissenschaftlicher Diskussionen Anfang des 20. Jahrhunderts? Wir leben 100 Jahre später, im 21. Jahrhundert, haben neue Erkenntnisse gewonnen, gewinnen täglich neue hinzu. Wer sich auf Irving Fisher bezieht, zeigt in welcher Zeit er intellektuell stehen geblieben ist – zudem sollte angemerkt werden, dass Fisher nicht gerade für seine Einwanderungs– und Eugenikdebatte berühmt geworden ist, sondern für seine Preis– und Kapitaltheorie.

An dieser Stelle wird am deutlichsten, wie Menschen wie Sarrazin und Schirrmacher gesellschaftlich denken. Sie beziehen sich ausdrücklich auf einen Mathematiker, einem Neoklassiker. Der Mensch hat zu funktionieren, ist Kostenfaktor, hat zu produzieren. Der Mensch, mit all seinen Schwächen, darf nicht mehr Mensch sein. Im 21. Jahrhundert sollte anders über Menschen gesprochen werden. Der Mensch ist kein Kostenfaktor, man darf den Menschen nicht nach seiner Produktivität beurteilen. Das unterscheidet uns heute von Tieren. Ein Mensch ist ein Mensch – mit all seinen Stärken und Schwächen, egal ob Schwarz oder Weiß, Katholik oder Muslim.

Natürlich hat Schirrmacher auch etwas zu kritisieren – doch ist diese Kritik eher nebensächlich, er hätte sie auch in Fußnoten fassen könne. Wer er davon spricht, dass Sarrazin dem Begriff «eugenische Demographie» ins Sachregister hätte aufnehmen sollen, anstatt ihn «verschämt als Adjektiv im Strom der Gedanken untergehen zu lassen», dann ist das ein Nebenkriegsschauplatz um auch etwas kritisches sagen zu wollen. Die Intention ist klar: er will sich nicht vorwerfen lassen, dass er Sarrazins Buch ohne Wenn und Aber beklatscht und empfohlen hat. Der Versuch ist dermaßen durchschaubar, dass spätestens hier klar wird, dass Thilo Sarrazin und Frank Schirrmacher offenbar «Brüder im Geiste» sind.

Schirrmacher kommt zu dem Schluss, dass Sarrazin selbstverständlich kein Rassist sei, «da er sich auf die große Einwanderungs– und Intelligenzdebatte, die vor fast genau hundert Jahren in den Vereinigten Staaten stattfand.» Das ist schon sehr bemerkenswert, wie offen hier zugegeben wird, dass Schirrmacher und Sarrazin sich gedanklich in einem anderen Jahrhundert befinden, nicht auf der Höhe der Zeit. In den letzten 100 Jahren hat unsere Gesellschaft unzählige Erkenntnisse gewonnen, was die Integration betrifft. Doch nicht nur das: beispielsweise hat sich auch die Gesundheitspolitik entwickelt. Niemand würde heute mehr auf die Idee kommen, eine Gesundheitsreform auf eine Debatte der USA aus dem letzten Jahrhundert aufzubauen. Dass Sarrazin und Schirrmacher diese Argumentationslinie fahren, zeigt wie geschichtsvergessen sie sind und wie sehr sie im vergangenen Jahrhundert verhaftet sind. Ein moderner Staat ist mit den beiden Herren nicht zu machen.

Schirrmacher schreibt abschließend: «Es stimmt nicht, dass, wie Frau Merkel meint, Sarrazins Buch nicht „hilfreich“ ist. Es ist sehr hilfreich und wird einen Wendepunkt markieren. Es ist hilfreich, um wirklich zu verstehen, was auf dem Spiel steht.» Das halte ich für ein schweres Gerücht. Wenn Sarrazin seine kruden Thesen mit aktuellen wissenschaftlichen Fakten unterlegt hätte, wenn er nicht Religionen und Rassen vermischen würde, wenn er nicht diese panische Angst vor der Überfremdung durch Muslime verbreiten würde, dann wäre das Buch zumindest ein Diskussionsansatz. So muss man aber Frank Schirrmacher und Thilo Sarrazin ins Gästebuch schreiben:

Rassismus bleibt Rassismus.
Kameldung bleibt Kameldung.
Auch wenn man es in Gold verpackt.

Update: Man könnte meinen, Schirrmacher hat sich die Kritik hier und an anderen Orten zu Herzen genommen. Er hat einen zweiten Artikel veröffentlicht, bei dem er den Quatsch von «Fakten» und «Neudefinition der Kultur» beiseite lässt und den Biologismus des Herrn Sarrazin zerlegt. Das hätte ich mir schon im ersten Artikel gewünscht. Ich bleibe dabei: vom ersten Artikel, der in der FAS veröffentlicht wurde – und damit am Sonntag an den Frühstückstischen gelesen wurde – bleibt vor Allem der Gedanke hängen, eigentlich hat Sarrazin ja recht. Nichtsdestotrotz ist es natürlich sehr gut, dass Schirrmacher noch einmal klarstellt, dass Sarrazin die Menschen täuscht und den falschen Weg gegangen ist:

Thilo Sarrazin hat nicht ein Buch geschrieben, sondern mindestens drei Bücher, die den gleichen Titel tragen. […] Ein Kernsatz des Buches lautet: „Das Muster des generativen Verhaltens in Deutschland seit Mitte der sechziger Jahre ist nicht nur keine Darwinsche, natürliche Zuchtwahl im Sinne von ‚survival of the fittest‘, sondern eine kulturell bedingte, vom Menschen selbst gesteuerte negative Selektion, die den einzigen nachwachsenden Rohstoff, den Deutschland hat, nämlich Intelligenz, relativ und absolut in hohem Tempo vermindert.“ […] Das sind unerhörte Sätze. Und Sarrazin weiß das. Es ist schlichtweg unseriös, wie fahrlässig er mit seinen Quellen umgeht.

  1. taz: Inszenierung als Tabubrecher []
  2. SZ: Alle mal herhören: Das Ende naht! []
  3. SPIEGEL: Die Mär von der vererbten Dummheit []

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44 Antworten zu “Rassismus bleibt Rassismus – eine Replik (Update)”

  1. Urbster sagt:

    Volle Zustimmung.

  2. Moritz sagt:

    Rassismus bleibt Rassismus.
    Kameldung bleibt Kameldung.
    Auch wenn man es in Gold verpackt.

  3. Könnte glatt von mir sein. 😀

  4. Herm sagt:

    Sarrazin ist unerträglich, noch schlimmer ist allerdings das Forum was ihm einige Medien zur Meinungsverbreitung bieten. Ich verstehe allerdings noch nicht ganz, warum er überhaupt noch etwas zu sagen hat. Prinzipiell hätte man ihn doch schon nach seinen vorherigen Äußerungen mit Schimpf und Schande aus dem Land jagen sollen..

    Es kam letztens die Frage auf, was man derzeit verbrechen muss, um von der SPD aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Mit Blick auf Sarrazin konnte mir das noch niemand ernsthaft beantworten.

  5. no no sagt:

    Das Problem beginnt schon damit, dass rassistischer Müll unter Mitwirkung zahlreicher Medien unter dem Etikett «provokante Thesen» verkauft wird.

  6. to go sagt:

    Die schweigende Mehrheit findet in Umfragen zu 90%, daß auch ein Sarrazin sein «Meinung» ohne Konsequenzen frei äußern darf. :(

  7. Quatsch. Diese «Umfragen» werden von rechtsradikalen Portalen gefeatured und beworben.

    Ähnliches ist zu beobachten, wenn es netzpolitische Umfragen gibt. Da erreicht dann die Piratenpartei auch 80%.

    Hat nichts mit der Realität zutun…

  8. Anonymous sagt:

    Ich denke, Sarazin trollt nur zur Steigerung der Verkaufszahlen.
    D.h. man kann das Buch getrost ignorieren, es ist nicht so wichtig.

  9. […] Und Herr Schirrmacher, sie sollten sich besonders schämen. Es mag sein, dass Herr Sarrazin hier und da einige richtige Thesen aufstellt, doch nutzt er sie am Ende nur, um seinen rassistischen Thesen einen Schein von Seriösität zu verleihen. Es ist ein Taschenspielertrick, dem sie aufgesessen sind. Das hoffe ich zumindest für sie. Denn bei Rassismus gibt es kein “Ja, aber ganz Unrecht hat ja nicht….”. Mehr dazu bei F!XMBR. […]

  10. Deusi sagt:

    In der Frankfurter Neuen Presse hat heute ein Leserbriefschreiber festgestellt, daß Sarrazin der richtige Mann in der falschen Partei wäre…

    Es sind doch größtenteils die weißen Jahrgänge die ihm auf den Leim gehen.

  11. Florian sagt:

    Vielen Dank für diese sehr richtige Zusammenfassung von Schirrmachers Artikel.
    Lange Zeit lebte ich in dem Irrglauben, die FAZ sei einfach nur konservativ. Spätestens jetzt sehe ich sie aber auch nicht mehr als ernstzunehmende, seriöse Zeitung.

  12. Guy sagt:

    Schön, dass zumindest in Deutschland Aussagen wie die von Sarrazin für eine so große Aufregung sorgen. Bei uns in Österreich werden ähnliche und auch schlimmere Aussagen auf Wahlplakate gedruckt («Daham statt Islam») und die Partei erhält dann auch noch an die 30% der Stimmen.

  13. Monika sagt:

    Danke! Ganz schlicht und einfach. Mein größter Wunsch wäre, mit diesem Artikel würde sich ein Schlund auftun und den genannten Herrn und all seine «stillschweigenden» und «schlecht versteckten» Unterstützer verschlingen. Ein paar Kilometer Erde drauf, und Ruhe. Wird es aber nicht.Hoffentlich bleiben es Befürchtungen daß DIES nur der Auftakt für Schlimmeres ist.

  14. Stefan sagt:

    Ich habe jetzt Schirrmachers Artikel gelesen und bin einfach nur sprachlos, was Du daraus gemacht hast. Das ist Desinformation. 1.Schirrmachers Artikel hat die Überschrift: «Ein fataler Irrweg» — und damit meint er Sarrazin.
    2.Er weist nach, dass sich in dem Buch eine Ideologie des Biologismus verbirgt,die Sarrazin verbergen will. Und das was Du mit dem Register sagst ist nicht lächerlich. Schirrmacher zeigt, dass Sarrazin, der angeblich so gerne Klartext redet, alle Begriffe umschreibt oder im Register schlicht weglässt, mit denen man ihm und seinem Weltbild auf die Schliche kommen könnte: Degeneration, Eugenik etc.
    3. Schirrmacher zeigt, das «eine der Hauptthesen auf denen das ganze Buch fusst» nicht stimmt, die These von der Vererbarkeit der Intelligenz und er weist nach das Sarrazin Quellen unterdrückt oder Einwände nicht zitiert.
    4.Schirrmacher — und das regt Dich auf — sagt, Sarrazin sei kein «Rassist», aber doch nicht um ihn zu entlasten. Er beweist durch den Hinweis darauf, dass sich alles in der amerikanische Immigationsdebatte des Jahres 1914 findet, dass die gleichen Worthülsen («damals Italiener heute Türken») dort wiederfinden, und vor allem, dass es zu gar nichts geführt hat und abgeschafft wurde. Er sagt sogar, Sarratins würde es den Atem rauben, wenn sie wüssten, was seine Thesen für alle bedeuten.
    5. Und am Ende sagt er noch einmal: ein Irrweg, eine Fluch in die Biologie und sagt, dass Migranten über Bildung geweckt und erreicht werden können. Sarrazin ist ihm nur ein Beispiel dafür, «was auf dem Spiel steht» — und ich denke, es ist schlüssig, dass er damit die Demokratie meint.
    6. Es ist Schirrmacher der als erster gezeigt, dass einer von Sarrazins Hauptzeugen, Galton, der Erfinder der Eugenik war und das Sarrazin das verscheigt. Er zitier sogar einen Amerikaner von damals: demograhpische Debatte bieten die Chance zu eugenischen Debatten. Aber er warnt doch davor! Er sagt: ein Irrweg!
    Nur weil er nicht die Nazikeule herausholt, und ich finde das taktisch klug, kann man den Text doch nicht so missverstehen. Das ist die genialste Erledigung Sarazzins, die ich bisher gelesen habe. Und sie steht im Einklang mit dem was Schirrmacher ja wohl als Herausgeber mitverantworter: die Zerlegung in einer Rezension durch Geyer.

  15. Sprecher sagt:

    Dieser Hans Wurst hat schon mehr Aufmerksamkeit erhalten, als ihm eigentlich zusteht. Dass so jemand sich mit derartigen Elaboraten öffentlichkeitswirksam präsentieren kann und massiven Zuspruch erhält, lässt einen daran zweifeln, ob wir tatsächlich noch in einer Gesellschaft leben, die sich täglich weiterentwickelt und neue Erkenntnisse gewinnt.
    Der nächste Schritt ist natürlich die obligatorische Einladung bei Beckmann und Lesetour. Er will zwar die SPD freiwillig nicht verlassen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er sich schon auf den Fall eines Rauswurfes vorbereitet, um sich, ebenfalls öffentlichkeitswirksam, als politisch Verfolgter zu inszenieren

  16. Stefan, Du fällst voll auf die Masche Schirrmachers herein. Im ersten Teil seines Artikels stimmt er Sarrazin voll und ganz zu, er spricht sogar von Fakten, die niemand widerlegen könne.

    Heißt: hier wird vorab versucht, das Buch als Ist-Zustand zu etablieren, Fakten sind immer unbestritten. Im Übrigen habe ich Schirrmacher nicht ohne Grund Methusalem genannt — der Herr hat ein Buch geschrieben, was in die ähnliche Richtung geht. Nur fehlte bei ihm mehr oder weniger die muslimische Überfremdung.

    Nicht nur ich habe den Eindruck gewonnen, als zeige Schirrmacher im ersten Teil seines Artikels unverhohlene Freude, dass endlich mal einer die Wahrheit ausspricht.

    Sprich: er macht sich die Meinung Sarrazins zu eigen und bestätigt sie sogar.

    Im zweiten Teil zieht er Schlüsse, die Sarrazin nicht ausgeprochen hat — und bringt Kritik untern, die ehrlich gesagt nach dem ersten Teil nicht wirklich glaubwürdig klingt.

    Ich sage Dir: Schirrmacher stimmt Sarrazin in allem zu — höchstens gibt es Nuancen im Fazit und der Schlussfolgerung.

    Dass er Sarrazin nicht vorbehaltslos applaudieren darf, war auch Schirrmacher klar, so musste er Exkursionen in die Fußnoten unternehmen.

  17. Stefan sagt:

    Chris, glaube mir du irrst dich. Was die Fakten angeht so spricht Schirrmacher nur über die Statistiken «zur demographischen Lage der Nation». Da sagt er, dass stimmen. Und er sagt, was du auch sagst, dass wir ein Integrationsproblem haben. Aber das Entscheidende ist doch, dass er dann den Sarrazin wirklich zerlegt: «FLucht» in den Biologismus, kein Glaube an die Kultur, nur scheinbar ein Bildungsbürger, der Kultur durch Biologie ersetzen will, seinen Anhänger würden sich wundern, weil dieser Biologisms nicht vor Muslimen haltmacht sondern auch sie betrifft, Sarrazin glaubt nicht mehr an die verbindliche Kraft von Kultur, die Italiener, die Türken der USA, wurden durch Bildung integriert, nicht durch Biologismus («und das ist die Antwort an Sarrazin»), dann diese geniale Nachweis von Nazivokabular («Degeneration»), das sich nicht laut zu werden traut und schliessliche diese ganze unmissverständliche riesige Überschrift: «Ein fataler Irrweg». Es wäre schön, du würdest den Text noch mal lesen. Auch weissgarnix ist kein Idiot. Hier täuscht du dich wirklich. Im Radio hat Schirrmacher heute gesagt: das Buch sei in seinen demographischen Fakten interessant aber nicht neu, aber in seinem Biologismus gefährlich und ungenießbarer Brei.

  18. Allein der Satz, die «demografischen Fakten seien interessant» lassen mich aufhorchen. Dass er sich vom Biologismus distanziert — gut, aber noch lange nicht ausreichend.

    Die vermeintlichen Fakten in dem Buch sind nämlich keine, siehe Fußnoten oben. Glaubwürdig wäre Schirrmacher, wenn er die vermeintlichen Fakten widerlegt hätte, hat er aber nicht, weil er in der Vergangenheit ähnlich argumentiert hat.

  19. Stefan sagt:

    Will das hier nicht ausbreiten, er widerlegt die Hauptthese Sarrazins das Intelligenz erblich sei, er weist nach, dass er seine Nazi-Anleihen versteckt und mit demographischen Fakten ist doch nur der Bevölkerungsaufbau gemeint. Vielleicht wäre er besser beraten gewesen, am Ende vor dem Buch in einem glasklaren Satz zu warnen. Aber ich lese das als eine totale Erledigung des Herren «Klartext», dem Schirrmacher auf die Spur gekommen ist. Die taz hat den Fund mit der Eugenik ja übernommen: Sarrazin will eugenische Demographie, lt. Schirrmacher ein «fataler Irrweg». Aber er hat ihn enttarnt. So sehs ich. Und es tut mir leid, weil Ihr hier beide an einem Strang zieht, aber in unterschiedlichen Milieus publiziert. Sarazzin reibt sich die Haende.

  20. Marcel sagt:

    ich habe schirrmacher aber ähnlich gelesen. wenn man seine einlassung eindampfen will dann sagt er «ja, aber ganz unrecht hat er nicht». würde er wirklich so sehr zu sarrazin opponieren, wie du es verstehst, hätte ich eine viel klarere abgrenzung erwartet.

  21. Andreas sagt:

    >An dieser Stelle wird am deutlichsten, wie Menschen wie Sarrazin und >Schirrmacher gesellschaftlich denken. Sie beziehen sich ausdrücklich auf einen >Mathematiker, einem Neoklassiker. Der Mensch hat zu funktionieren, ist >Kostenfaktor, hat zu produzieren.

    Als Mathematiker fühle ich mich gerade beleidigt.

    Mal ganz unabhängig davon: bezieht sich das «Hallo Wanderer» eigentlich auf «Wanderer, kommst du nach Sparta…»?

  22. Andreas sagt:

    Hoppla, CRLF wird wohl nicht zu , sorry.

  23. Mal ganz unabhängig davon: bezieht sich das «Hallo Wanderer» eigentlich auf «Wanderer, kommst du nach Sparta…»?

    Nein.

  24. John Dean sagt:

    Ich glaube, Schirrmacher wurde gründlich falsch verstanden. Als er — im letzten Teil seines etwas länglichen Artikels — davon sprach, Sarrazins Buch sei ein Wendepunkt, an dem deutlich werde, was auf dem Spiel steht:

    Da hat er sich gegen Sarrazin gewandt.

    Gegen Biologismus. Gegen Rassismus. Gegen Wohlstandsklassismus.

    (und ja, Frank Schirrmacher hat viel zu vorsichtig und umständlich argumentiert — nun, aber vielleicht ist das auch notwendig, wenn man einmal bedenkt, an welche Kreise sich Schirrmacher richtet, welche Leute auf ihn hören und wie in diesen Kreisen gedacht wird, ja, und mit welcher geradezu irrwitzigen Behutsamkeit man dort auftreten muss, will in diesen Kreisen überzeugen, Irrtümer ausräumen und neue Gedanken verankern)

  25. Anonymous sagt:

    Warum gibt es im 20th Jahrhundert überhaupt noch Länder, Grenzen, Kriege, Ausbeutung, Verbrechen, Terrorherschaften, usw… ? Ganz einfach, weil mit aller zu verfügung stehender Gewalt und Mitteln dafür gesorgt wird das es so bleibt wie es ist. Und wenn dafür ein komplettes Volk vernichtet wird, Ein Land bleibt ein Land, sonst müssten ja alle Landkarten neu gezeichnet werden.

    Wie sagte Pispers so schön, ich bin mit mein bischen Mensch ein so beschäftigt, zum Deutsch sein komm ich ganz selten.
    Wir leben nunmal alle auf der gleichen Kugel, das sollte sich schön langsam mal rumgesprochen haben.

  26. HH-Typ sagt:

    Spätestens seit der bizarren Geschichte mit Tom Cruise halte ich Schirrmacher für mehr als leicht verwirrt.

  27. Ich sehe es vollkommen anders, denke da im Hinterkopf auch an die Achse Springer-Spiegel-FAZ.

    Und wenn man die anderen Artikel der FAZ zum Theme Sarrazin durchliest, schwingt da immer und überall der unterton mit, man wird es ja wohl mal sagen dürfen. Politiker, die Sarrazin kritisieren, werden selbst kritisiert.

    Nein, die FAZ ist voll auf Sarrazin-Linie…

  28. Franse sagt:

    Ich hab jetzt 5 Minuten dagesessen und mich gefragt, was eine Ka-meldung ist *lol* Bis ich draufkam, dass Kamel-dung gemeint ist.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei diesem traurigen Thema mal so herzhaft lachen kann :)

  29. bel sagt:

    ich möchte zu schirrmacher-debatte hier nur daran erinnern, dass es die faz und deren herausgeber ist, die einem vollkommen durchgeknallten eugeniker wie h. eine plattform bieten. und zwar wieder und wieder.
    zu sarrazin sag ich nur noch was, wenn ich dafür bezahlt werde.
    gri/unz.
    bel

  30. Anonymous sagt:

    Sarrazin: Aussen rot und innen braun!

  31. Anonymous sagt:

    Jetzt hat sich Herr Schirrmacher klar positioniert.
    Guckst du hier.

  32. Danke für den Hinweis, ich habe oben ein Update eingepflegt.

  33. mike sagt:

    Schirrmacher macht anscheinend mit bei der angeblich «notwendigen Diskussion». Doch diese Diskussion ist nicht notwendig sondern gefährlich irreführend. Ob und wie viel uns wer auch immer was kostet ist im großen und ganzen einerseits nicht messbar, irrelevant und unterliegt dem hoffentlich gesellschaftlichen, menschlichen Anspruch das in unserem Land alle mitkommen.

    Dadurch das Sarrazin diese Diskussion anfacht und Schirrmacher mitmacht, lenken sie ab. Von alle den anderen Dingen die man doch «mal sagen muss». Wir haben immer noch ein marodes Wirtschaftssystem mit Systemfehlern, wir haben eine gesellschaftliche Erosion an menschlichem Miteinander. Und eine Bundesbänker und ein «Sau durchs Dorf Treiber» tun so als reden sie übers Wetter.

    Sarrazin, Schirrmacher und der restliche bräunliche Brei führen doch erfolgreich alle an der Nase herum, getreu dem Motto: Haltet den Dieb.
    Und das nach alter Tradition: Sie lügen, und sie stacheln zum Rassismus auf.

  34. focion sagt:

    @stefan

    Volle Zustimmung

    @christian

    nochmal zur Erinnerung: der Artikel hatte die Überschrift:«Ein fataler Irrturm» etwas mehr selbstkritisches Hinterfragen schiene mir angebracht.

    Ich gehe davon aus, dass Du das Buch ebenso wie ich nicht gelesen hast. Ich habe den Vorabdruck im Spiegel, seine Interviews in Zeit und Welt und Beckmann gesehen.

    Aus keiner seiner Aussagen lässt sich meiner Ansicht nach der Rassismus Vorwurf begründen. Allenfalls könnte man ihn als islamophob und unterschichtenfeindlich bezeichnen. Und auch wenn ich persönlich, mich noergler anschliessend, behaupten würde, dass S. einen «protoeliminatorischen Antipauperismus» vertritt,

    Die feuchten Träume des Thilo S.

    denke ich, dass Schirrmacher die bis dato besten Beiträge der «Debatte» verfasst hat. Hätte er Kenntnis des verlinkten threads gehabt, wäre vielleicht nur ein Artikel notwendig gewesen.

  35. Grainger sagt:

    Sarrazin hat mit seinem Buch versucht, uns Scheiße als Schokolade zu verkaufen.

    Die braune Farbe stimmt ja schon, aber der Geschmack lässt doch sehr zu wünschen übrig.

  36. […] seine Aussagen richtig sind – sie sind es nicht, wie man hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier nachlesen kann -, sondern mit dem Umstand, dass sie Gehör finden. Und nicht nur […]

  37. […] Rassismus bleibt Rassismus – eine Replik (Update) und Wie die BILD einen Bürgerkrieg […]

  38. […] Volker Pispers, gefunden bei den Boot Record Fixern […]

  39. Dorian sagt:

    Sarrazins Buch, die Aussagen eines Gunnar Heinsohn und noch einige andere aktuelle Glanzstücke unserer «Elite» — die Meinung der Meinungsmacher entwickelt sich langsam aber sicher in eine Richtung die mir gar nicht schmeckt.

    Die Einwanderungsdebatte vor 100 Jahren in den USA — ein Detail welches hierzulande gerne untergeht: Im Rahmen der Eugenik, welche auch in den USA begeisterte Anhänger fand (nicht nur Fisher), kam es durchaus zu Zwangssterilisationen.

    Wenn sich jemand auf diese Zeit beruft, zeugt dies von mangelndem Geschichtswissen, sowie dem Umstand dass man nichts, aber auch rein gar nichts aus den Fehlern der Väter und Großväter gelernt hat.

    Danke für den Artikel — er spricht mir aus der Seele!

  40. Charles sagt:

    Kurios. Ich stimme Ihnen natürlich völlig zu, hatte Schirrmachers (ersten) Artikel allerdings als Kritik an Sarrazin verstanden.

  41. Anonymous sagt:

    Die Ruhe wäre total. Denn 80 Prozent der Bevölkerung würde unter der Erde begraben.

  42. […] Sarrazin hat heute in Berlin offiziell seinen Fantasy-Roman vorgestellt. Nach Vorabdrucke im SPIEGEL und der BILD diskutiert Deutschland bereits seit Tagen […]

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