Raider heißt jetzt Twix. Und Steinmeier ist Oppositionsführer.

Die Kanzlerin fast aller Deutschen, Angela Merkel, hat heute ihre Regierungserklärung abgegeben. Es erübrigt sich zu sagen, dass die Rede langweilig, voller Worthülsen, ohne Esprit gehalten war – viel schlimmer noch, sie vernebelte die wahren Pläne von Schwarz-Gelb: Die Folgen der Krise werden die einfachen Leute tragen müssen, nach der Rente mit 67 folgt eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters, die Atomkraft wird eine Renaissance erleben und zuletzt werden natürlich die freiheitlichen Rechte der Bürgerinnen und Bürger weiter eingeschränkt – selbstverständlich zu unser aller Sicherheit. Viel Angriffspunkte für die Opposition. Nach unserer Kanzlerin trat Frank-Walter Steinmeier ans Pult und er besaß tatsächlich die Frechheit, so zu tun, als wäre er Oppositionsführer und als hätte es die letzten 11 Jahre nicht gegeben.

Die etablierten Medien überschlagen sich, sind voll des Lobes, der Steinmeier kann es, ist die Quintessenz der Politredakteure. Auch wenn ich Frank-Walter Steinmeier in vielen Dingen zustimmen könnte, er sprach von neuen Mauern, die hochgezogen werden würden, Merkel und Westerwelle seien Traumtänzer und nicht zuletzt würde Schwarz-Gelb das Land weiter spalten, so stellt sich doch die Frage nach der Glaubwürdigkeit. Der Autor dieser Zeilen und viele andere Publikationen weisen auf diese Probleme seit Jahren hin – Jahre, in denen Steinmeier genau diese Politik an entscheidender und verantwortlicher Stelle geplant und umgesetzt hat. Und jetzt will diese Person den Menschen in diesem Land erzählen, was Schwarz-Gelb alles falsch macht, wohlwissend, dass es nur eine Fortführung der eigenen Politik ist?

Die Chuzpe, mit der sich Frank-Walter Steinmeier nach dem Wahldesaster bei der Bundestagswahl selbst zum Fraktionschef ausgerufen hat, war schon kaum in Worte zu packen. Dieses Verhalten zeigt er nun auch als Oppositionsführer. Frank-Walter Steinmeier ist neben Gerhard Schröder wie kein zweiter, für die soziale Spaltung der Gesellschaft, das Aufkündigen des Solidaritätsprinzip und das Hoffieren der Heuschrecken in diesem Land verantwortlich. Nebenbei hat er die altehrwürdige Partei der Sozialdemokraten in den Abgrund geführt. Und dieser Herr stellt sich nun als Hüter des Sozialstaates dar? Raider heißt jetzt Twix. Und sonst ändert sich nix. Genauso verhält es sich mit Frank-Walter Steinmeier. Gestern noch war er der Agenda-2013-Mann, heute ist er Oppositionsführer. Der Inhalt ist und bleibt der gleiche. Sollte Steinmeier noch einmal in die Verlegenheit kommen, Verantwortung zu übernehmen, wird er seine zutiefst dem Sozialstaat zuwider laufende Politik fortsetzen. Frank-Walter Steinmeier ist ähnlich glaubwürdig wie ein Mensch, der unter Pseudologie leidet. Ich kann mir nicht erklären, wie die versammelte Presse einem Menschen zujubeln kann, der die sozialen Verwerfungen der letzten 11 Jahre zu verantworten hat.

steinmeierverantwortung 

Bilder: Agenda 2013

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6 Antworten zu “Raider heißt jetzt Twix. Und Steinmeier ist Oppositionsführer.”

  1. DocJott sagt:

    «Nach unserer Kanzlerin trat Frank-Walter Steinmeier ans Pult und er besaß tatsächlich die Frechheit, so zu tun, als wäre er Oppositionsführer und als hätte es die letzten 11 Jahre nicht gegeben.»

    Viel schlimmer sind aber doch die anderen SPDler, die das mit sich machen lassen. Es spricht Bände, dass niemand den Mut hat, sich gegen Steinmeier zu stellen und eine echte Alternative zu bieten. Falls er bis zur nächsten Wahl durchhält, was ich befürchte, bin ich schon auf den nächsten Wahlkampf gespannt. Spätestens dann wird die SPD das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit verlieren.

  2. MNB sagt:

    @DocJott: Schau dir die letzten BT-Wahlen an, schau dir die Regierungsbildung in Thüringen an. Wie oft denn noch? Da ist nichts mehr mit «spätestens». Die SPD HAT ihr Glaubwürdigkeit bereits verloren. Der Punkt ist durch! — Wenn schon, dann geht es um Wiedererlangung.

    Mit dem Mauerfall-Jahrestag im Hinterkopf erinnert mich das an den Sturz von Honecker, als dessen Nachfolger man Krenz präsentierte. Und mit der Inthronisierung von Steinmeier, Gabriel & Co: mehr Verachtung der Parteibasis und der Stammwählerschaft gegenüber kann man besser nicht dokumentieren.

    Der Punkt mit «noch ein Schritt», «spätestens» etc. ist durch. Jetzt heißt es Neuanfang oder Marsch in die dahinvegitierende Drittklassigkeit.

  3. Phil sagt:

    Hintergründe zum aktuellen System von Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger.

  4. Norbi sagt:

    Vollumfängliche Zustimmung zu diesem Artikel.

    Ich hätte kotzen können, als ich mir die heutige Ansprache von diesem Knilch zu Gemüte geführt habe. Führt sich auf, wie der Rächer der Enterbten und ist doch eigentlich nur beleidigt, weil er selber nicht mehr mitspielen darf, bei der Abschaffung der Solidargemeinschaft.

    Natürlich hat er Recht mit dem was er sagt, aber aus seinem Munde klingt es wie blanker Hohn.

  5. Anonymous sagt:

    I refuse him silently.

    Die taktisch und rhetorisch bessere Rede kam ohnehin von Trittin.

  6. urb sagt:

    Absolut ins Schwarze :-) treffende Montagen! Das Problem Steinmeier ist ein europaweites Problem der Sozialdemokratie, dass sie von der FDP jetzt links überholt wird. Gruß urb

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