Quo vaditis, Blogger?

«Wohin steuert die Blogosphäre. Ist es der schnöde Mammon, der antreibt oder gibt es noch Ideale unter Bloggern? Die Nachhaltigkeit ist mehr oder weniger gen Null strebend. Cui bono?»

Blogging

Wenn wir uns dieses von Pathos geprägte Bild eines Bloggers in deutschen Gefilden betrachten, so schauen wir die Speerspitze einer neuen Gesellschaft, die letzte Bastion gegenüber dem ausufernden datentechnischen Begehren der Politik, die Stimme der Vernunft gegenüber einer entrückten Gesellschaft, den Sargnagel der alten Medien, die digitale Bohème etc. pp., die Liste ließe sich endlos fortführen. In den Augen der anderen, dieser Mehrheit da draußen, ist man mehr vox clamantis in deserto, die Stimme eines Rufers in der Wüste.

Und doch, vieles davon sind valide Prädikate, wenn auch die Breitenwirkung eher als vernachlässigbar anzusehen ist. Der Mehrwert bleibt also aus und die Nachhaltigkeit ist mehr oder weniger gen Null strebend. Nicht so jedoch innerhalb dieser sogenannten digitale Bohème, in dieser Welt ticken die Uhren anders, alles ist dynamisch, will stetig neu definiert werden und wenn es nur eine Art Neusprech ist, die bekannte Dinge neu verpackt. Cui bono? Wem gereicht dies zum Nutzen? Einige wenige leben dies sicherlich, gehen einem Ideal nach, versuchen ihr Iota zu einer besseren Welt beizutragen und wenn nur zumindest gemäß unserem Motto: Wir schreiben hier nur, damit die Nachwelt sieht, dass nicht alle so waren. Das Gros jener aber, die sich Tag für Tag in den alten Medien die Klinke in die Hand geben und von diesen hehren Zielen der Blogosphäre fabulieren sind jedoch einzig und allein auf Aufmerksamkeit aus. Keineswegs Aufmerksamkeit für diese einst formulierten Ziele, nein Aufmerksamkeit für ihre Person — sei es um die eigene Publikation zu pushen oder die Karriere per se zu fördern. Monetäre Gesichtspunkte überwiegen, viel zu oft bleibt am Ende des Tages von so mancher Konferenz nur der schnöde Mammon über und eine mißbrauchte Community — Legionen willfähriger Lemminge.

Vielleicht bin ich auch ungerecht gegenüber jenen, dieses Prinzip Hoffnung ist schließlich ein nicht zu unterschätzender Faktor, umso liederlicher gereicht das Anliegen dieser Protagonisten, die sich höchstselbst zu Gurus küren und an die Spitze eine imaginären Bewegung setzen. Und nochmals, cui bono? Den Nutzen ziehen jene, der unwissende Antagonist ist diese Community, die teils gar mittels Schwarmintelligenz jenen Gurus überhaupt ein Bruchteil Restintelligenz zu vermitteln vermag. Ist das Ziel erreicht bleibt eine Öde über, der Kolateralschaden ist gewaltig, denn das Potential dieses Weltennetzes wird bis dato nur ansatzweise genutzt, schon wird es ausgebeutet von Glücksrittern jedweder Couleur, die frohlockend ihren Claim abstecken.

Der Blogger, falls er denn überhaupt einen Status in der Gesellschaft besitzt, gilt selbst in diesem Weltennetz als arroganter Einfaltspinsel, der mehr paraphrasiert, denn originären Inhalt produziert, der in fortwährenden Fehden mit anderen Bloggern sein Dasein fristet, der auf alles geringschätzig herabblickt und dafür auch noch mit klingender Münze entlohnt werden möchte. Nicht etwa 9 to 5, gemäß der üblichen Sklavenmentalität, nein frei und ungebunden, mit einem kontextsensitivem Regelsystem ausgestattet, welches um die Faktoren Lust und Laune bei Bedarf erweitert werden kann. Die Tragik des retiarius Michael Seeman aka mspro, der Vernunft als Sklavenmentalität abstraft und sich selbst der Tragik eines Spartacus ergibt, ohne jedoch jemals dessen Nachhaltigkeit in der Geschichte zu erlangen, jene Tragik tangiert nicht im mindesten. Es ist sein ureigenes Problem, sein höchsteigener Kontrollverlust, der just zum Realitätsverlust mutierte. Er zahlt nun Lehrgeld, wie schon viele andere vor ihm. Andere jedoch gaben sich jedoch nicht wie er dieser Lächerlichkeit preis, eben sein ganz persönlicher Kontrollverlust.

Vielmehr aber wiegt der zuvor erwähnte Kolateralschaden, der seitens solcher Zeitgenossen fortwährend gewirkt wird. Die noch recht junge Blogosphäre, die doch von vielerlei Idealen geprägt ist und selbst für manche ein Refugium gegenüber dem Alltag darstellt, erlitt abermals schweren und nachhaltigen Schaden. Es wird zunehmend schwerer Außenstehende für ernst gemeinte Ideen zu begeistern, ja gar mitzureißen. Zu sehr schwingt immer der Unterton dieser vom Ego Getriebenen mit, die im Mittelpunkt stehend ihre Prominenz mehr für biedere Zwecke nutzen und doch erst Dank dieser mißbrauchten Community zu dieser Prominenz gelangten.

Wie schnell der Dank der Menschen doch verweht und Undank wird.

–Sophokles

Bild: ein Netzkämpfer, der seinen am Boden liegenden Gegner attackiert, Wikimedia Commons, Public Domain

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7 Antworten zu “Quo vaditis, Blogger?”

  1. Thomas Bender sagt:

    Da man von einem Job alleine ja heutzutage nicht mehr leben kann, gehen viele Blogger auch noch den Zweitberuf «Schelmexperte» nach. 😉

  2. Ich habe nicht den Eindruck, dass es noch hilfreich ist, von «Bloggern» zu sprechen. Das verweist doch inzwischen wirklich nur noch (wenn überhaupt) auf die Software, die einer nutzt, um im Internet zu publizieren. Vielleicht noch auf die Regelmäßigkeit und die zeitliche Organisation der Website.
    Habe zwar auch kein Alternativangebot, nicht auf der selben Ebene jedenfalls. Würde aber für genauer hinschauen und spezifischere Begriffe plädieren. Viele sind z.B. Kolumnisten.

  3. Fenrir sagt:

    Schöner Artikel. Das Bloggen ist für viele –vermute ich mal-, eine Art Kompensation.
    Mich persönlich fasziniert dieses Medium. Und ich würde mir wünschen das mehr Menschen Bloggen. Nicht jene von der arroganten Sorte die nur bei mir lesen um mal wieder einen Komma oder Rechtschreibfehler zu finden.
    Ich finde das Bloggen interessant weil es kleine Geschichten erzählt. Menschliche Geschichten. Die arroganten Korinthenkacker lassen sich leider kaum vermeiden.
    Aber sie machen viel kaputt. Es ist einfach schade das Menschen, nur weil sie Fehler machen immer gleich in Grund und Boden gestampft werden. Das mit einer elitären Arroganz die ihresgleichen sucht.
    Keine Frage. Die Blogspähre ist oft genug im Elfenbeinturm. Nicht anders, wie so genannte Eliten draußen in der Welt. Warum freut man sich nicht einfach daran, dass Menschen etwas erzählen. Das ist doch der Sinn des Bloggens, nicht das eigene Ego.
    Findet zumindest Fenrir.

  4. Nun, es gibt die Fernsehprediger mit ihren kalkulierten Netzwerken & Rollenspielen und es gibt die einfachen Pro Bono Prediger. Letztere kommen mir etwas zu kurz, wenn wir schon prominent von den Stimmen der Rufer in der Wüste sprechen.

    Ich nehme übrigens gerne das Geld, aber ich predige ja auch nicht :)

  5. Oliver sagt:

    Zum Wohle der Öffentlichkeit, als jene die einem Ideal folgen, sind es wohl derer noch weniger.

  6. Sigh sagt:

    «…denn das Potential dieses Weltennetzes wird bis dato nur ansatzweise genutzt, schon wird es ausgebeutet von Glücksrittern jedweder Couleur, die frohlockend ihren Claim abstecken.»

    Die Entwicklung des Internets wird getrieben von Visionen, die abhängig sind von der technischen Realisierung, finanziellen Zwängen und wie sie von der Gesellschaft verstanden werden.

    Ein Blick in die Geschichte zeigt, das die Französische Revolution nicht auf Grund ihrer edlen Ziele ein Erfolg war — der gemeine Bürger konnte damals mit den edlen Absichten der Aufklärung nichts anfangen, sich aber sehr wohl über die Brotpreise und die Maßlosigkeit der Herrschenden aufregen.

    Dieser «Schmerz», der für Umwälzungen benötigt wird, ist heute (noch) nicht vorhanden.
    Mit dem Potential des Internets kann der gemeine Nutzer nichts anfangen. Er will sich nach einem harten Arbeitstag auch nicht mit den eheren Zielen beschäftigen, sondern ist Schlicht auf der Suche nach Ablenkung und Vergnügen.
    Infotainment, Social Networks, Gadgets — dies alles läßt sich auch wunderbar monetarisieren.
    Das Potential des Internets nicht. Ganz im Gegenteil. Es benötigt zuerst Geld für die Umsetzung und der Nutzen liegt in ferner Zukunft. Um dies zu begreifen braucht man langfristiges Denken und die Fähigkeit zu lernen.
    Was nützt die Schwarmintelligenz, wenn sie nur Kurzfristigkeit beherrscht. Realtime, Retweet und Multitasking eignen sich lediglich für Hirnfurze und solange sich der Mensch von technologischen Fortschritten so sehr blenden lässt, das er dabei völlig die Fähigkeiten seines eigenen Denkorgans vergisst, wird sich daran auch leider nichts ändern.

  7. Alex sagt:

    Ich habe vor kurzem auch ähnliche Gedanken niedergeschrieben. Viele, meist «große», Blogger leben durch den Blog meist nur ihre Egomanie aus, und wehe du kritisierst sie dann einmal, dann wird stets Arrogant rumgebasht und die Fanboys machen auch noch fröhlich mit, weils das Idol ja macht.

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