Quo vadis Netzeitung?

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Wie bereits berichtet, wurde die Readers Edition von der Netzeitung an den ehemaligen Chefredakteur Michael Meier verkauft. Die Zukunftsaussichten für die Readers Edition sind meiner Meinung nach nicht wirklich prickelnd — und mit dieser Meinung stehe ich auch nicht alleine da. Ein wenig untergegangen in diesen Tagen sind die Folgen für die Netzeitung selbst: Ein Chefredakteur geht, zwei neue kommen, wie Alexander zu berichten weiß. Er verweist auf einen Kommentar in der Readers Edition, der nichts gutes für die Zukunft der Netzeitung erahnen lässt.

Mit der Readers Edition hat die Netzeitung auch einen Chefredakteur verloren. Und zwei neue ?Führer? bekommen. Und damit fängt die Scheiße quasi an: Die Netzeitung setzt künftig auf ?Bild?-Sprache und –themen (s. ?Blasen ist Macht?-Artikel u.a.). Die Redaktion mag das nicht, aber die neuen Chefs fordern strikt die Einhaltung ihrer neuen Regeln. Das heißt: Weg von harten News und Interviews, hin zu, wie aus der Redaktion zu hören ist, ?spielerischem Boulevard?. Damit soll sich die Klickrate immens verbessern. Denn seit die Netzeitung vor kurzem fast alle freien Mitarbeiter gefeuert hat, ist die Artikel-Produktion stark zurück gegangen. Die neuen Chefs sind zum Erfolg verdammt. Das lassen sie ihre Mitarbeiter auch spüren. Die Netzeitung sei ?keine soziale Wärmestube?, polterte NZ-Chef Matthias Ehlert diese Woche. Und: ?Wir (er und Michael Angele) sind die Chefs, wem das nicht passt, der kann sich einen anderen Job suchen.? Ergo: Ein rauher Wind weht nicht nur bei der Readers Edition? Aber das nur so nebenbei?

Wie Alexander schon anmerkt, ist zu vermuten, dass der Kommentar aus dem Inneren der Netzeitung selbst kommt — unter solchen Bedingungen lässt sich ja ganz hervorragend arbeiten, vor allen Dingen die Kreativität wird aufs Äusserste gefördert. Kann jemand die beiden neuen Chefredakteure mal auf einen Fortbildungskurs zur Mitarbeiterführung schicken — wenn es denn so sein sollte, wie dargestellt?

Aber: Aus dem anonymen heraus schießt es sich immer leicht, oftmals ist es aber auch die einzige Möglichkeit, um diverse Dinge anzupangern. Schauen wir doch mal, inwieweit der Boulevard-Vorwurf zutrifft:

fixmbr.de

Der Vorwurf lässt sich heute, in dieser Bestandsaufnahme, nicht bestätigen. Topthema ist Aussenminister Steinmeiers Antwort auf Putin bei der Unsicherheitskonferenz in München. Der Rest ist wie gewohnt in Themenbereiche aufgegliedert. Herausstechen tut zur Zeit sicherlich, auch farblich, das Interview mit DonAlphonso. Ein Thema sicherlich für die Blogosphäre — sonst wird es kaum jemanden interessieren. Zum Boulevard kann ich für mich sagen, dass sich der Vorwurf nicht nachvollziehen lässt — man kann ja meiner Meinung nach die alte (Netzeitung) bleiben, und trotzdem auch über den Tod Anna Nicole Smith’ berichten. Das ist hier auch passiert. Inwieweit die anderen Vorwürfe zutreffen, das kann natürlich nicht beurteilt werden.

Durch Alexander bin ich aber auf eine andere, neue Rubrik der Netzeitung aufmerksam geworden — die Kolumne Blogblick, eine kleine Rundschau durch die Blogosphäre, wie sie andere Zeitungen, Zeitschriften auch schon in ihr Repertoire aufgenommen haben. Ganz ehrlich: Meiner Meinung nach ist das mit der größte Crap, den ich journalistisch je gelesen habe. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Fast zusammenhanglos werden ein paar Sätze aneinandergereiht, es werden, so hat man den Eindruck, wahllos Links zu den bekannten deutschen Blogs hinterlegt, und das ganze hat thematisch gesehen nicht einen Strang. Ganz grausamer Journalismus, und das von der Netzeitung, von der man eigentlich erwarten kann, dass sie besseren Einblick in die Blogs hat. Kein Vergleich zu dem grandiosen Hal Farber mit seiner wöchentlichen Kolumne Was war. Was wird. Aktuell schreibt Hal über den BGH, der zu entscheiden hat, ob Körperfresser per Bundestrojaner auf die heimischen Rechner eingeschleust werden dürfen. Und auch die Kolumne der Frankfurter Rundschau — Blogosphäre — ist, mal abgesehen von dem individuellen Namen, der Netzeitung weit voraus.

Fazit: Die Vorwürfe treffen, was den Boulevard angeht, augenscheinlich nicht zu — internen Einblick habe ich nicht, so dass die restlichen Vorwürfe erstmal im Raum stehen bleiben, ohne dass sie verifiziert oder widerlegt wurden. Allerdings lässt die neue Kolumne über Kleinbloggersdorf sehr schlechtes erahnen — ich war erschrocken über so eine grausame journalistische Leistung. Da ist mehr Qualität und Substanz auf 90% der Blogs in Deutschland zu finden. Quo vadis Netzeitung? Die Zukunft wirds zeigen, aber egal, welchen Humbug Ihr da in Berlin macht, lasst doch Golem.de bei den — teils peinlichen — Spielchen aussen vor — denn um das Projekt wäre es wirklich schade.

Eine Antwort zu “Quo vadis Netzeitung?”

  1. […] bleiben soll, dass auch das vormalige Flagschiff von Herrn Maier, die Netzeitung, zuletzt ein wenig in unruhige Gewässer geschippert […]

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