Qualität statt Quantität

In den naturwissenschaftlichen Themen sei die Wikipedia stark, sagte Wales. In den Geisteswissenschaften sehe das anders aus. «Obwohl wir so gut wie die Britannica sein wollen, haben wir dieses Ziel noch nicht erreicht.«
Silicon.de

Meine Worte schon seit ein paar Jahren, aber derartiges verhallt sehr gerne und wird hierzulande nur allzu gerne mit Nestbeschmutzung abgetan. Technik ist weitaus leichter verifizierbar und es liegt in der Natur der Sache das viele Geisteswissenschaftler, sprich Profis, eher ein gespaltenes Verhältnis zu Technik haben — ist leider so.

Altertum verleitet einige oft wirklich zu altertümlichem Denken. Ich sehe anders als in dem Web 2.0 bla bla, auch wenn O’Reilly z.B. das Wiki-Konzept dazuzählt, in der Wikipedia wirklich eine große kulturelle Chance. Dazu gehört jedoch weitaus mehr Qualität und vor allem die Partizipierung aller! Im Moment sind dort im geisteswissenschaftlichen Bereich zuviele Laien am Werk, der gute Wille zählt, jedoch auch die Qualitätskontrolle ist von Nöten. Insbesondere sollte man auch ein Auge auf die geistigen Brandstifter werfen, die nur allzugerne derartige Plattformen nutzen, um ihre debilen Ansichten — nicht unbedingt offensichtlich — unters Volk zu bringen.
Sorry an alle Schreiber denen ich damit auch pauschal auf die Füße trete, aber die Quintessence gerade in diesem Bereich ist nicht so rosig. Mein Rüffel geht da inbesondere auch an die Herren Professoren, der erwähnten Fakultäten — alleine für eine saubere Präsentation des Fachbereichs im Netz fehlt in der Regel die Einsicht. Eure Abneigung gegenüber Technik ist einfach nur lächerlich und die Weitergabe an die Studenten fatal! Damit schadet man dem eigenen Fach und der Kultur an sich. Mich wundert es ganz und gar nicht mehr, warum vielen Teilen der Bevölkerung der Sinn für derlei Dinge fehlt. Arroganz allein und Verleugnung von Fortschritt, hält solche Bereiche auch nicht am Leben. Die Wikipedia in diesem Bereich ist quasi ein weiteres öffentliches Notsignal, es herrscht Handlungsbedarf.

4 Antworten zu “Qualität statt Quantität”

  1. […] Gleichermaßen fördere ich auch die Wikipedia inklusive Mitarbeit, kritisiere diese jedoch auch an ihrer Basis. Weil ich letzteres tue, würde ich dennoch nie das Kippen dieses Mediums fordern, aber ich denke konstruktive Kritik fördert einen bewußteren Umgang mit Information, bei den Machern, sowie den Lesern. Kritik ist also kein Totschlagargument, um eine Sache vernichtend ins Aus zu kicken, Kritik ist für mich die Möglichkeit ein Projekt in die Richtung Selbstkritik zu schubsen, so das dieses eventuell besser daraus hervorgeht. […]

  2. Euro sagt:

    Da sehe ich einen Zielgruppenkonflikt. Denn genau, wie die Profi-Denker ein gespaltenes Verhältnis zur Technik haben, dürften es auch die angehenden haben. (Obwohl Philosophen ja eigentlich auch im weitesten Sinne Systemanalytiker sind…)
    Mein ureigenstes Problem ist ein anderes: Viele Dinge sind bereits als Grundlagen da. Und gerade in den Geisteswissenschaften ist ein Fortschritt nur durch das Aufbauen auf Vorhandenes zu erzielen. Anders als einen Motor, den ich in der Garage zerlegen kann, komme ich an geisteswissenschaftliche Grundlagen aber nicht heran, weil sie mit Rechten belegt sind. Ich darf in der Wikipedia nur bereits gedachtes veröffentlichen, wenn ich es mit meinen eigenen Worten tue (sagt mein Anwalt). Ansonsten laufe ich Gefahr, mit irgendwelchen Urheberrechtsgeschichten zu kollidieren.
    Seit 3 Jahren versuche ich eine Site wiederzubeleben, die 2004 eingedampft wurde, nachdem sie jahrelang wirklich wichtige Arbeit genau in dem im Artikel geforderten Kontext geleistet hat; vermutlich aus rechtlichen Gründen. Ich spreche von der Mauthner-Gesellschaft.
    Ich besitze wie viele aus der Zeit einen Spiegel der Site. Laut Anwalt darf ich das alles nur dann veröffentlichen, wenn ich es in eigenen Worten nacherzähle.
    Ich finde aber, geisteswissenschaftliche Abhandlungen gehören der Menschheit und dürfen keiner «Nutzungsgebühr» unterworfen werden. Das ist das genaue Gegenteil des Gutenberg’schen Gedankens.
    Wissen für alle und nicht nur für eine inzestiöse Geldelite.
    Die Mauthner-Seiten stehen im Netz, sind aber nur über User/PW zu erreichen.
    Alles bei mir zu erfragen.

  3. Oliver sagt:

    @euro ich würde ja jetzt nicht drüber lästern hätte ich das eine nicht hautnah über viele Jahre erlebt und auch abgeschlossen und das andere, genau das Gegenteil also, begonnen 😉

    >Denn genau, wie die Profi-Denker ein gespaltenes Verhältnis zur Technik haben,

    Sie hatten es nie, sie haben es heute. Als die Archäologie bzw. insbesondere die Vor-u. Frühge. umgesetzt wurde, bediente man sich «High-Tech» der damaligen Zeit als Hilfswissenschaft. Über die Jahrzehnte blieb dies jedoch auf der Strecke und ich könnte heute die eigentliche Profession archäologisch ergründen 😉

  4. Grainger sagt:

    Technik ist weitaus leichter verifizierbar und es liegt in der Natur der Sache das viele Geisteswissenschaftler, sprich Profis, eher ein gespaltenes Verhältnis zu Technik haben — ist leider so.

    Das trifft aber umgekehrt teilweise auch zu.

    Ich bin ja eigentlich BWLer (auch wenn ich in diesem Bereich nur noch am Rande tätig bin), betrachte mich selbst aber als einen Menschen mit einer starken Affinität zu Technik und Naturwissenschaften (im weitesten Sinne).

    Ich habe ein eher gespaltenes Verhältnis zu manchen Geisteswissenschaften, über so manches läßt sich sicher trefflich (und endlos) philosophieren, einen Unterschied (bei was auch immer) wird es aber kaum ausmachen.

    Andererseits, gerade im akademischen Betrieb verkommt manches schon mal zum Selbstzweck, das trifft zwar auch auf die naturwissenschaftlichen Bereiche zu, aber nach meinem subjektiven Eindruck (nach ein paar Jahren Berufstätigkeit im universitären Bereich) sind die Geisteswissenschaften dafür noch etwas anfälliger.

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