Qualitätsjournalismus beim SPIEGEL

Jaja, der SPIEGEL mal wieder: Killerspiele und kein Ende. Beckstein, Beckstein, alles muss versteckt sein hat sich mal wieder hervorgetan, alles zu verbieten, was er nicht versteht (dunkle Zeiten kommen da in Erinnerung). Nun liegt konkret ein Blaupause für ein Gesetz gegen Strategie Killerspiele vor:

Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt– oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, […] herstellt, bezieht, liefert […], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft.

Dass unsere Führer in der Politik nicht wirklich Ahnung haben von dem, was sie da faseln, wird insbesondere in der Killerspieldebatte klar. Populismus pur, wie es die BILD nicht besser machen könnte, und von solchen Leuten wird über das Leben der Menschen in unserem Land entschieden — erschreckend. Der SPIEGEL tut sein übriges als Handlanger dieser Idiotie — mit einem feinen Screenshot aus Counterstrike. Das Blut spritzt. Ähm, Moment, das Blut spritzt? Genau, in völliger Unkenntnis der Lage, oder war es Absicht, nimmt man den nächstbesten Screenshot, völlig vorbei an der Realität. Hm, ich überlege gerade, wann ich das letzte Mal einen Ego-Shooter gespielt habe, bei dem Blut ohne Bloodpatch geflossen ist. Muss Jahre her sein. Muss irgendwie mit unserem Jugendschutzgesetz, das zu den härtesten besten geachtetsten der Welt zählt, zusammenhängen… 😉

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25 Antworten zu “Qualitätsjournalismus beim SPIEGEL”

  1. Euro sagt:

    Werde wohl mal Selbstanzeige erstatten, bevor es zu hart wird. Hatte meinen Söhnen erzählt, wie «Räuber und Gendarm» gespielt wird. (Verbreitung eines Killerspiels). Naja und Doom und GTA haben die auch durch.
    Der eine ist Landschaftsgärtner geworden, mit dem Hang zum Rettungssanitäter seit dem Zivildienst, der andere lernt Altenpfleger, nach einem freiwilligen sozialen Jahr in einer solchen Einrichtung. Selbstverständlich auch Kriegsdienstverweigerer. Muss ich mir Sorgen machen? Weil die so gar nicht gewalttätig geworden sind?

  2. Euro sagt:

    Da fällt mir ein: Zivildienst? Drückeberger? Hat nicht der Spiegel getitelt mit: «Die Deutschen müssen wieder das Töten lernen» im Hinblick auf Afghanistan? Ja — was denn nun?

  3. Grainger sagt:

    Wir sollen friedliche Lämmer sein, die sich aber bei Bedarf (und nur dann) von jetzt auf nachher in gnadenlose (und am besten ebenso guttrainierte wie keine Fragen stellende) Tötungsmaschinen verwandeln.

    Danach sollen wir auf Knopfdruck wieder zu pazifistischen Gutmenschen mutieren, die bestenfalls mal eine Lichterkette für den Weltfrieden bilden oder gemeinschaftlich ein paar Friedenslieder singen (aber auch das nur um den Anschein von Demokratie zu wahren). 😀

    Ja wo soll denn das Tötungstraining herkommen wenn wir jetzt noch nicht mal mehr «Killerspiele» spielen dürfen? 😀

    Noch nicht mal mehr auf auch nur «menschenähnliche Wesen» sollen wir virtuell ballern dürfen, das schließt ja dann sogar einen Großteil der ganzen Alien-Szenarios aus (die sind doch auch meistens zumindest humanoid und somit menschenähnlich).

    Affen sind auch menschenähnlich, geht also auch nicht.

    Ich sehe schon eine Welle von Shootern auf uns zukommen, in denen man auf böse Kühe, Pferde, Hunde und Katzen schießt.

    Da wird dann aber der Tierschutzbund sicherlich Einwände dagegen erheben.

    Der nächste logische Schritt ist dann das man nur noch auf abstrakte geometrischen Formen schießen darf, hat aber den Vorteil das man auch keinen leistungsfähigen PC mit entsprechender 3D-fähiger Grafikkarte mehr braucht, da reicht dann wieder ein C64. 😀

  4. kobalt sagt:

    Wie soll das Verbot denn durchgesetzt werden?
    Wenn die Kidies die Spiele nicht mehr im Laden kaufen können, laden sie sie aus dem bösen, bösen Internet oder bekommen sie von Freunden raubmordkopiert.
    Verbote sind Käse. Rauschgifte sind verboten, Ladendiebstahl ist verboten, Kinder zu ficken ist verboten — und die Sachen passieren trotzdem.

  5. Oli sagt:

    Wenn die Kidies die Spiele nicht mehr im Laden kaufen können, laden sie sie aus dem bösen, bösen Internet oder bekommen sie von Freunden raubmordkopiert.

    Nun dann läßt man z.B. die Industrie direkt Auskunft beim Provider einholen und man geht über zum lustigen IP sammeln. Damit bekommt man zwar nicht jeden, aber man kann Angst verbreiten :)
    Klappt schon, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und mit der aktuellen Gesetzeslage beschäftigt sich in der Regel auch niemand in der Bevölkerung.

  6. Grainger sagt:

    Verbote sind Käse. Rauschgifte sind verboten, Ladendiebstahl ist verboten, Kinder zu ficken ist verboten — und die Sachen passieren trotzdem.

    Mord ist auch verboten, trotzdem werden Menschen ermordet.
    Deiner Argumentation zufolge könnte man das ja dann auch gleich legalisieren.

    Verbote sind nicht grundsätzlich sinnlos, allerdings auch nicht grundsätzlich sinnvoll.

    Es kommt eben immer darauf an und eine menschliche Gesellschaft braucht ganz einfach gewisse Regularien.

    Die typisch deutsche Regulierungswut (die die EU aber scheinbar nur allzu bereitwillig übernommen hat), die aber immer am liebsten für alles und jedes ein Gesetz, eine Vorschrift oder zumindest eine Verordnung braucht treibt aber manchmal schon seltsame Blüten.

  7. kobalt sagt:

    @ Oli:
    Angst ist natürlich ein starkes Argument.

    Als ich neulich Anonym.OS testete und meine bessere Hälfte das sah, rief sie, auf den Desktophintergrund deutend,: «Was ist das denn? Der Typ ist ja maskiert, mit sowas will ich nichts zu tun haben!«
    Sie weiß nicht, was Anonym.OS ist, aber sie hat schonmal Angst davor, daß die Freunde&Helfer hier klingeln könnten.
    Gleichzeitig erfreut sie sich aber an bestimmten mp3-Dateien, die ich auf meinem Rechner für sie *ähm* zur Verfügung stelle.

    Menschen sind also nicht nur von Angszt geprägt, sondern auch durch Eigennnutz, weswegen ein Verbot der sogenannten Killerspiele diese nicht verschwinden läßt.
    Ich nehme an das solche Verbote nur deshalb von Politikern gefordert werden, weil dieses Verhalten dem Wahlvolk vorgaukelt, einen handlungsfähigen Politiker gewählt zu haben.

  8. kobalt sagt:

    @ Grainger:

    Um Mord, Totschlag, etc. wirksam zu bekämpfen muß ein Wandel im Bewußtsein der Menschen stattfinden. Themen müssen diskutiert werden. Der Typo der da Amok lief, lief ja nicht Amok, weil er dieses bestimmte Spiel gespielt hat. Er hat ja auch Brot gegessen und Nachrichten geschaut und Zeitung gelesen.
    Die Nachrichtensendungen sind voller blutiger Leiber und in den Zeitungen stehen jeden Tag Greuelmeldungen, doch fordert niemand, diese realistischen Darstellungen realer Gewalt aus den Medien zu verbannen.

    Was ich sagen will ist, daß ein Verbot der Killerspiele an der beabsichtigten Wirkung, nämlich der Bekämpfung der Ursachen des Amoklaufens, vorbei geht. Es ist beinahe, als hätte es den Film «Bowling for Columbine» nie gegeben.

  9. cblue sagt:

    Dabei fand ich SpOn in der ganzen Sache bislang super. Soweit ich mich erinnere, schrieben die ziemlich schnell über Forscher, die sich gegen die Aggro-These aussprechen. Klasse auch, wie dort erklärt wurde, dass man in der ersten gefundenen Schul-Map nicht in «der» Schule spielte. Und als doch die richtige Map entdeckt wurde, gab’s meines Wissens einen Text darüber, dass tausende solcher Maps im Netz kursieren — aber es deshalb eben nicht gleich tausende Amokläufe gibt, die man auf diesen Maps angeblich proben könnte.
    Generell hab ich die Berichterstattung nach dem Erfurt-Amoklauf als sehr viel schlimmer im Gedächtnis. Da gab’s nicht nur blutige Screenshots aus CS, da wurden auch die Spiele durcheinandergewürfelt — und Soldier-of-Fortune-Screenshots (einzelne Körperteile abschießbar) als CS-Screenshots verkauft. In irgendeinem Text über eine Lan-Party stand: «Und dann bricht die virtuelle Hölle los…» Sowas hab ich bis jetzt gar nicht gesehen.

  10. Oli sagt:

    Dabei fand ich SpOn in der ganzen Sache bislang super.

    Die bedienen immer schon, ebenso wie das Print-Magazin, alle Kunden und da gibts ja nicht nur alte Säcke, die nichts mit Killerspielen zu tun haben, sondern auch Jüngere möchtegern-Linke die bedient werden sollen. Zukunftsabsicherung halt …

  11. Euro sagt:

    Was sagen denn eigentlich die Lobbyisten von Electronic Arts u.a. zu den Verbotsbestrebungen? Die brauchten das Zeug doch einfach nur nicht mehr zu produzieren.
    Virtuelle Kinderschänderspiele gibt es (meines Wissens zumindest) doch auch nicht.
    Wo ist das Problem?
    Das Problem besteht eben darin, dass nach Trockenlegung dieses vermeintlichen Sumpfes trotzdem wieder einer Amok läuft — und wer soll dann die Schuld bekommen? Dann kann man doch auch gleich weiter dran verdienen.…
    Was mich (ohne subjektive Bewertung dieser Spiele!) einfach ankotzt ist die Bigotterie dabei. Ich kann mir gut vorstellen, dass konservative Politiker, die mit Verbotsforderungen in der ersten Reihe stehen, im Aufsichtsrat von Firmen sitzen, die diese Spiele produzieren. Recherchiert hab ich das noch nicht.

  12. cblue sagt:

    «…sondern auch Jüngere möchtegern-Linke…»

    Will sagen, ich bin ein junger Möchtegern-Linker? ;D

    Jedenfalls stehen dann ja in dieser Sache immer noch mehrere Pro-Spiele-Texte einem Anti-Spiele-Screenshot gegenüber. Und: unter dem Screenshot steht «unzensierte US-Version».

  13. Oli sagt:

    Ich hatte Spiegel mal viele Jahre im Abo, insofern … Erfahrung fällt ja nicht so vom Himmel :)

  14. spiefelwuetz sagt:

    Wenn ich das alles, was hier und anderswo zu dem Amoklauf geschrieben und gesagt wurde, mal so Revue passieren lasse, fällt mir auf, daß der Focus immer auf das Ereignis schlechthin gerichtet ist und die «Erklärungsmuster» der einen immer wieder mit den gleichen «Gegenerklärungsmustern» der anderen neutralisiert werden. Daß aber dieses System (euphemistisch Marktwirtschaft genannt) in seiner jetzigen entwickelten Form ein einziger Amoklauf ist wird garnicht mehr wahrgenommen.
    Beispiele, die Gewalt oder gewaltähnlich sind? Gerne:
    – 5 Mio Menschen (mit einer gigantischen Dunkelziffer) werden daran gehindert, ihr Einkommen selbst zu verdienen
    – 2,5 Mio Kinder leben auf Sozialhilfeniveau, eine unbestimmte Zahl noch darunter
    – 900.000 Menschen mussten mit Stand Sept. ´06 ergänzendes ALG II zu ihrem Einkommen beantragen und gelten deshalb trotz Job als arm
    – ein noch gut funktionierendes Gesunheitswesen für alle soll durch eine «Reform» nur noch für eine betuchte Klientel attraktv werden
    In der Aufzählung feht noch die eine oder andere Katastrophe, so die Misere der Vorschulkinder-Betreuung, die Ergebnisse der Pisa-Studie(n), eine Medienlandschaft, die m.E. kurz vor der Gleichschaltung steht, der wachsende Einfluß braunen Gedankenguts bis in die Mitte der Gesellschaft usw.,usf.
    Ach so, Killerspiele, braucht´s die da eigentlich noch ?

  15. mike sagt:

    Genau, in völliger Unkenntnis der Lage, oder war es Absicht, nimmt man den nächstbesten Screenshot, völlig vorbei an der Realität.

    vs:

    Szene aus Computerspiel Counterstrike (unzensierte US-Version)…

    Nunja, ich gebe zu, dass ich hier auch wieder mal nicht ganz auf der Höhe bin, da ich Spiele generell eher selten spiele, aber da korreliert mal wieder irgend was nicht. Sei es, das der Spiegel da nachgearbeitet hat, sei es, dass hier nicht genau gelesen oder geschaut wurde, wäre schön, wenn’s da noch ne Erklärung gäbe, was
    «nächstbester Screenshot» heisst, wo doch der Screen eindeutig untertitelt ist.

  16. Oli sagt:

    Ich würde mal behaupten da prangte mal ein anderes Bild, sonst wäre es ja Unsinn — habs aber jetzt nicht mehr genau in Erinnerung.

  17. Chris sagt:

    Das Bild war immer da, nur die Betitelung nicht…

    … oder ich habs in meinem Alter übersehen. 😀

    Letztenendes aber auch egal lieber mike: Dann halt anders: Es macht wirklich Sinn, die deutsche Gesetzgebung anprangern zu wollen mit Screenshots aus der US-Version, die hier nicht erhältlich ist, oder halt nur Ü18, per illegalem Patch, whatever…

    Soweit, so klar, mitgedacht? Danke. :)

  18. cblue sagt:

    Naja, die Gesetzgebung wurde ja nicht angeprangert, sondern nur neutral die Forderung Becksteins vorgestellt, vermengt mit Teilen der Erfurt-Debatte und möglichen Gefahren im Internet. Klar, es wäre ideal gewesen, schon in dem Text Gegenstimmen zu haben. Aber als es die gab, wurde der Artikel auf der Startseite durch einen neuen ersetzt. In sofern: Ja, Qualitätsjournalismus beim Spiegel! Ich seh das Problem nicht, auch wegen der vielen Pro-Texte vorher. Das Foto passt hervorragend: Es zeigt «Computergewalt», die Beckstein verbieten will, aber mit dem Hinweis, dass es die so nur in der unzensierten Version aus Übersee gibt.
    Sicher finden es viele klasse, wenn der Über-Online-News-Seite auf die Finger geklopft wird. Berechtigt wäre es aber bei anderen, z.B. dem ARD-Brennpunkt am Abend nach dem Amoklauf. Der dort befragte Experte hatte Mühe, die Brutalo-Gamer-Thesen des Interviewers zu widerlegen. Hab mich gefragt, wozu der überhaupt eingeladen wurde.

  19. Chris sagt:

    Sorry, aber das ist Quatsch cblue. Ich kann doch nicht um deutsche Verhältnisse — meinetwegen — darzustellen, einen Screenshot dabeipacken, der die US-Verhältnisse aufzeigt. Hat nicht viel mit dem deutschen Spiel zu tun.

  20. cblue sagt:

    Das ist es ja: Mit dem Bild wurden nicht die deutschen, sondern die US-Verhältnisse gezeigt.

    Worauf ich hinaus wollte und will: Das Bild, nur das eine kleine Bild, nicht mal der Text, zu dem es gestellt wurde, ist ein Ausreißer in einer Serie von meiner Meinung nach hervorragenden Texten, die die Verbotsrufe als plump entlarvt.

    Btw: Im neuen Text zum Thema gibt’s wieder ein harmloses Pic:
    http://www.spiegel.de/pol.….,00.html

  21. Chris sagt:

    SPIEGEL liest hier mit. 😉

    Und gut, wir sind einer Meinung — das ist doch schon mal etwas. 😀

  22. cblue sagt:

    Ehrlich? Bemerkenswertes Radar…

    Und: «Schönes Spiel.» 😉

  23. Oli sagt:

    Das Radar funktionierte schon damals als man Wikipedia Texte ohne Quelle veröffentlichte, nachdem ein paarmal herumgemeckert wurde — änderte man es mal nebenher.

    http://www.rochuswolff.de.….0.51.40/

    hier z.B., inzwischen lernte man ja 😉

    Anfangs dachte man noch, merkt doch eh keiner 😀

  24. mike sagt:

    Ok, so rum macht’s dann Sinn 😉

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