prognostizierte Kauflemminge

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rechnet für das laufende Jahr mit einem doppelt so starken Anstieg des privaten Konsums wie bislang angenommen. In ihrer neuen Konsumklimastudie korrigierten die Nürnberger Marktforscher ihre Wachstumsprognose von bisher 0,5 auf 1,0 Prozent.

tagesschau.de

Los los, Positivstimmung machen, damit sich ein nachhaltiger Effekt einstellt und die Leute ob des Herdentriebs tatsächlich in einen Kaufrausch verfallen.

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Quelle: jjahnke.net

Immer noch versuchen Regierung und Medien, die Konjunktur auf der psychologischen Seite anzuheizen, was eher Unsicherheit verrät.

Auch hier bitte den gesamten Text lesen, um die Aussage und die Grafik vollends einordnen zu können!

10 Antworten zu “prognostizierte Kauflemminge”

  1. Falk sagt:

    Also mir fielen da zwei andere Grafiken sofort ins Auge. Einerseits die weitere Stagnation der Nettogehälter (-0,4), damit verbunden ein geringerer Konsum der Privathaushalte, einer stark ansteigenden Sparquote (in schlechten Zeiten sparen gelle) aber auch stark ansteigende Unternehmergewinne.

    Und jetzt erzähle mir auch nur Einer hierzulande, dass Politik fürs Volk gemacht wird. Oder wie schrieb ich das Gestern schonmal: «Über neunzig Prozent unserer Berufspolitiker sind Anwälte. Und Anwälte vertreten von Berufs wegen immer die Interessen derer, die sie bezahlen…»

    Und wir sind das einzige Land in der EU, wo die Gehälter derzeit real sinken. Gute Nacht Deutschland!

  2. Oliver sagt:

    >Also mir fielen da zwei andere Grafiken sofort ins Auge.

    Deswegen auch mein Hinweis bezüglich des gesamten Textes, ich kann ja hier nicht eben mal alles herüberkopieren.

    Stagnation der Gehälter hat ja «nichts» mit dem Konsum unmittelbar (ja zum Teil auch) zu tun, man kann sich heute prima verschulden und viele tun es auch, wenn eine derartige Psychologie zieht. Das ist noch ein viel größeres Problem.
    Die gesamte Masse des Volkes wird wohl jetzt nicht frohlockend zur Bank springen, aber einige Teile tun es und zahlen später die Zeche.

  3. Falk sagt:

    Der Einzelhandel lahmt seit 2000. Das ist ein Fakt, der sich nicht wegreden lässt. Was das unterm Strich bedeutet, kann sich jeder halbwegs klar denkende Mensch auch vorstellen. Und auch mit «Schulden machen» ist irgendwann bei Jedem Schluss. Es wird gespart (im doppelten Sinne des Wortes) und das nicht zu knapp. Investitionen durch Firmen? Auf ganz niedrigem Niveau — jetzt fehlt nur noch der Schuldige, damit diese neoliberale Scheisse noch paar Jahre so weitergehen kann.

  4. Oliver sagt:

    Geh ich von ein paar Jahren aus okay. Und ich will mich auch gar nicht zuweit rauslehnen, bin ja in Teilen auch betroffen bzw. manchmal auch ursächlich — wenn auch im geringem Umfang.

    Vor 20 Jahren z.B. hatten noch nicht viele *durchschnittliche* Familien mehrere Autos, Computer (oder gar mehrere), Urlaub in viele schöne Länder etc. Der Einzelhandel mag stagnieren, aber das hat nicht nur mit der Geiz-ist-Geil Mentalität zu tun (die sich in anderen Bereichen als Kauflemminge äußern), sondern auch mit einer Marktsättigung.

    Handys, Computer … da geht der Markt zurück. Weil man hat und viele brauchen nicht dauernd neue Ware usw. Das muß man wohl auch mit beachten und beileibe nicht nur als Randerscheinung. Wo einerseits der Geiz herrscht — meist bei Lebensmitteln — wird in anderen Bereichen wie Urlaub, Auto massiv geklotzt. In Frankreich beispielsweise kann man eine weitaus höhere Tendenz zu einer größeren Verweildauer eines Autos erkennen als in Deutschland, ebenso ist dort auch immer noch mehr der Kleinwagen vorherrschend.
    Sicher, Menschen denen es bei uns wirklich dreckig geht, wirds nie besser gehen und das sind eben die tatsächlich Leidtragenden, die ich auch damit ansprach. Die Große Masse ist es eben nicht, das sind diejenigen die «mitspielen».

  5. Falk sagt:

    Klar sprechen wir hier von einem Rückgang auf hohem Niveau. Allerdings durfte ich ja den Rückgang bei Konsumgütern und des damit einhergehenden Investitionsrückgangs im mittelständischen Bereich, speziell Einzelhandel, am eigenen Leib spüren. Was unterm Strich zur Folge hatte, dass auch ich mir Ausgaben durchaus mehrfach überlege. Und bei solchen Betrachtungen sprech ich halt nicht von den Menschen, die eh schon fast nichts bis nichts in der Tasche haben, sondern durchaus von den Millionen Arbeitnehmern, die sich für diesen «Luxus» jeden Tag 8–16 Stunden ausbeuten lassen. Auch die klotzen schon lange nicht mehr und ob in einem Haushalt nun 2 oder 3 PC stehen, ist für mich persönlich kein Kriterium.

  6. EchtEiche sagt:

    Gedanken zum Wochenende…

    Ich mein mir geht diese Debatte vom anspringenden oder nicht anspringenden Konsum sowieso schon eine Weile auf den Keks.
    Weil es ja um Menschen geht die «zuviel» Geld haben und mit dieser freien Masse an Moneten frei entscheiden ob sie es ausgeben o…

  7. Sammy sagt:

    Die schönen Meinungsumfragen in Führungskreisen, aus denen man schöne Psychoklima-Indices errechnet, spiegeln sowieso nur die Unternehmersicht der Lage wieder. Und die haben bekanntlich ganz eigene Interessen. Z.B. das pumpen der Gewinnquote. Zudem haben diese den größten Einfluss auf die Politik.

    Ich habe immer Probleme mir vorzustellen, wie jemand ohne den geringsten Zweifel eine wichtige politische Entscheidung trifft, bei der ganz klar ist, dass sie die Lohnquote schmälert.
    Die Politik und Wirtschaft weiß doch selber ganz genau um die ungerechte Verteilung, aber man findet das natürlich super. Ich meine, das kann doch ncht sein. Freuen sich die meisten noch einen Ast ob der Diskriminierung?

  8. Grainger sagt:

    Tatsache ist doch, das wir in Deutschland bei vielen Konsumgütern ganz einfach Marktsättigung erreicht haben.

    Im Bereich der sog. «weißen Ware» (Kühlschränke, Waschmaschinen, Trockner, usw., also alles was traditionell weiß emailliert ist) schon vor vielen Jahren, da wird ohnehin fast nur noch defektes Gerät nachgekauft.

    Außerdem macht es sich heute auch bemerkbar, das viele zuerst mal einen Single-Haushalt gründen bevor sie dann nach ein paar Jahren evtl. doch mit einem Partner eine gemeinsame Wohnung beziehen.

    Da hatte man zwar eine gewisse Zeit lang einen Anstieg bei den Haushaltsneugründungen (mit dem dazugehörigen Umsatz bei der Erstausstattung), aber später (wenn zwei Haushalte zusammen ziehen) dann eben entsprechend weniger.

    Tatsächlich ist dann vieles doppelt vorhanden und wird vermutlich zu einem guten Teil gebraucht verkauft (einen zweiten Fernseher kann man ja ins Schlafzimmer stellen, aber wer braucht schon zwei Waschmaschinen oder Wäschetrockner).

    Und von den Freaks, die sich

    - alle sechs Monate das neueste Handymodell kaufen müssen,
    – die zwei Mal im Jahr ihren Computer auf den neusten technischen Stand aufrüsten oder
    – sich immer die neueste TV-, DVD– und Surround-Technologie ins Heimkino stellen

    gibt es eben auch nicht unendlich viele (davon, das man sich das alles auch erst einmal leisten können muss, ganz abgesehen).

    Für mich persönlich kommt noch hinzu das der Preisverfall bei neuer Technologie immer schneller wird, ich kaufe mir doch keine Unterhaltungselektronik als First-Buyer zu Schweinepreisen, wenn ich 1–2 Jahre später die (oftmals wesentlich ausgereifteren) Nachfolgemodelle für einen Bruchteil des Preises bekomme.

  9. Dr.Dean sagt:

    Wenn die Leute real mehr Geld in der Tasche haben, dann geben sie es auch aus. Meiner Erfahrung nach. Ich erinnere mich da z.B. an eine Lebensphase bei mir, wo ich mit mit unsäglichen Mengen aln Musikelektronik und Synthesiezer eindeckte.

    Einige Jahre später errechnete ich als Hartvierling bei jedem Lebensmittel-Einkauf die Kalorien pro Euro. Tja, und heute überlege ich wieder, ob Grünmetallic die optimale Automobilfarbe sei.

    Was ich damit sagen will: Die Wünsche wachsen in der Regel ganz problemlos mit den Möglichkeiten, diese umzusetzen.

    Insoern führe ich die Krise im Einzelhandel — zu einem sehr großen Anteil — auf die fortgeschrittene Neoliberalisierung unseres Landes zurück, genauer gesagt, auf die stagnierenden oder sogar sinkenden Realeinkommen.

    Ich bin davon überzeugt, dass eine Wirtschafts– und Sozialpolitik, die allein auf die sogenannten «Angebotsfaktoren» orientiert ist, eine wohlfahrtsmindernde Fehlkonstruktion ist.

    Im Übrigen führen Mehrausgaben für Militär, Geheimdienste und EU-Subventionitis nicht unbedingt zu einem Plus an verfügbaren Einkommen in der Bevölkerung, und dies gilt erst recht, wenn die Steuer– und Abgabenstruktur immer einseitiger von den Arbeitnehmern zu tragen ist.

  10. Oliver sagt:

    >Wenn die Leute real mehr Geld in der Tasche haben, dann geben sie es auch aus.

    Logisch, oft langt aber auch der Glaube. Und last not least sind es einfach diverse Faktoren die da mitspielen, die eigene Börse, der Glaube an die Situation im Land oder eben der Unglaube, die Marktsättigung, schwindende Qualität der Produkte ob irrsinnig günstiger Preise, die Sucht eben dieser niedrigen Preise *alles* besitzen zu müssen (ja der Vergleich mit vorherigen Jahrzehnten in der BRD tut Not) andere Prioritäten (Urlaub etc. statt hochwertiger Nahrung), usw.
    Rechnet man das alles zusammen, findet man leider kein so richtiges Feindbild, wie immer gerne propagiert, sondern man findet eine Menge Fehlentscheidungen, die von der einen oder anderen Seite getätigt werden. Über bleibt dabei nur ab und an ein Überhang von besonders schädlichem Einfluß. Das der Staat, die Industrie besonders gut zulangen können ist klar, aber es sind nicht die einzigen die da Zünglein an der Waage spielen.
    Sorry wenn ich denke und nicht immer der Gruppe der Jubelperser hinterherhechele, die ihr Feindbild schon beim Blick in die Börse und dem eigenen Konsumverhalten ausgemacht haben. Wie gesagt wir haben bedürftige Menschen, dazu zähle ich insbesondere Hartz4 Empfänger dazu, aber es sind beileibe nicht *alle* Menschen in Deutschland, die sich da dem Wehklagen anschließen.
    Jemand der nichts hat ist ein Spielball der Wirtschaft, jemand der ein wenig etwas hat kann in der Masse durch sein Konsumverhalten vice versa Zünglein an der Waage spielen und die Wirtschaft treffen. Einfaches Spiel, mag nur kaum einer mitspielen …

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