Privatsphäre

Oder via zünftigen Anglizismen privacy, dazu noch ein get und fertig ist unser Projekt .get privacy drüben. Irgendwo da las ich dann die Bemerkung zu sehr Weltuntergangsstimmung, da schreckt man ab, sensibilisiert jedoch nicht. Nun gut wer den Knall noch nicht vernommen hat und seit Jahrzehnten immer noch sensibilisiert werden muß, bei dem ist ehrlich gesagt Hopfen und Malz verloren.
Man kann natürlich alles und jeden verniedlichen, bis zur Unkenntlichkeit und noch weiter, aber was gewinnt man dabei? Ein sensibilisiertes Schultzerzucken, nun hab dich doch mal nicht so. Selbstredend existieren da auch recht junge Mitbürger, aber bei denen ist der Umgang mit den neuen Medien wiederum eher eine Selbstverständlichkeit, ergo sollte auch die Nutzung derselbigen eine Leichtigkeit darstellen. Wie man es auch dreht, manche Dinge brauchen eben klare Worte — Gruppenkuscheln bewirkt auf Dauer nur Lethargie!
Insofern, sieht man die ganze Sache locker, macht man sich mitschuldig …

24 Antworten zu “Privatsphäre”

  1. Kai Raven sagt:

    Da Du die Kids ansprichst. Ich habe gerade mit 10 — 18 Gymnasiasten zu tun. Sie haben — fast ausschließlich — nichts mit der Thematik Datenschutz, Privatssphäre, Grundrechte und Überwachung am Kopf. Wie ich ablesen kann, wird das auch nicht im Soziologie– oder Informatikunterricht thematisiert. Ich war schon beinahe froh, als ich bemerkte, dass Zwei mit Keyloggern herumspielten, was ein Anknüpfungspunkt war. Für diese Generation gibt es keine Angebote und Inhalte (inklusive meinereiner), die in irgendeiner Form attraktiv für sie wäre. Da fehlt gewaltig etwas — nenn’ es «Nachwuchsförderung» :)

  2. Oli sagt:

    Das ist wohl war, aber was hinderte *mich* z.B. daran bei dir zu lesen? 😉
    Aufgewachsen bin ich zwar mit dem Computer und diversen Onlinetätigkeiten wie Mailboxen, aber das andere kam irgendwie immer aus Interesse heraus. Ich will da auch gar nicht alle über einen Kamm scheren oder deine Aussage entkräftigen — aber woran hängts denn?
    Das technische Verständnis kann es nicht sein, da existieren genügend Bereiche in denen die heutige Jugend geradezu Wunder von Sachkenntnis an den Tag legt, Desinteresse an komplexer Materie wohl auch nicht.
    Also ist das Problem dort nicht im technischen Bereich zu suchen, sonderen im politisch/historischen Umfeld — die Fixierung auf Technik schreitet voran, man ist sich jedoch nicht bewußt wo der Haken bei der Sache ist, wo die eventuellen Fallstricke lauern. Denn letztendlich lernt Mensch immer aus Erfahrung und ein grobes Demokratie/Geschichtsverständnis sollte vorhanden sein.
    Da du Sozialkunde erwähnst denke ich mal das du das ebenso siehst.
    Aber ich sehe da keinen Ansatzpunkt, da dergleichen schon in der Schule versemmelt wird, sprich die Leute entwickeln eine Abneigung gegen gewisse Dinge.

  3. Kai Raven sagt:

    Das Interesse — Ja. Aber warum schreiben wir so viel dazu? Weil es uns selbst interesssiert und weil wir Interesse wecken wollen. Weißt Du, wieviele Interessen die Jugendlichen haben? Es gibt viele spezielle Angebote im Netz für Kinder ab 10 Jahren — nichts zu den angesprochenen Themenkomplexen. Und ich muss Dir sagen, was ich gesehen habe: Die hantieren mit ihrem mp3-Player, ihrem Handy und schalten den PC zum Zocken ein und das war’s im Groben auch schon. Das mit dem Technikverständnis halte ich bis auf Ausnahmen für einen Mythos.

  4. Oli sagt:

    Weißt Du, wieviele Interessen die Jugendlichen haben?

    Soll ich von mir ausgehen? 😀 Meine Interessen sind sehr breit gefächert und das seit meiner Jugend — aber ich behaupte auch nicht das wir hier die Genies herumlaufen haben, da wird wohl ein Überhang da sein die könnten, wenn sie denn wollten. Vielleicht paßt es so herum besser.

  5. Falk sagt:

    Trotzdem gehörts aber imho zur Erziehung dazu, dass man Kindern beibringt, nicht *alles* Jedem zu erzählen, zu schreiben etc. Aber dazu brauchts Eltern oder Bildungseinrichtungen, welche dazu befähigt sind, auch das *Warum* zu erklären 😉

  6. Oli sagt:

    Ob die Erziehung langt? Das wäre ein wenig einfach immer zu sagen, da haben die Eltern versagt — Staat reißt doch gerade heutzutage immer mehr die Kinder von daheim weg und die Medien z.B. tun ihr übriges. Nehmen wir die Ganztagsschule, wieviel bleibt da noch effektiv über zur Erziehung? Und wer beeinflußt wohl am meisten?

  7. Falk sagt:

    Deswegen ja auch der Zusatz «Bildungseinrichtungen». Imho hat man es sich da nämlich auch jahre– wenn nicht jahrzehntelang zu einfach gemacht und die Erziehung zum größten Teil den Eltern überlassen. Nur ist es doch imho ein gesamtgesellschaftliches Bedürfnis, seine Kleinen großzuziehen bzw. es sollte eins sein. An der heraufbeschworenen Misere ändert auch das neue Bildungsgesetz und die Ganztagsschulen nicht. Und letztendlich muss man ja davon auch ausgehen, dass die Bildung zwar Ländersache ist (im Übrigen für mich persönlich auch diskussionswürdig), aber die entsprechenden Gesetze ja durchaus dann auch im Kontext der «großen» Politik in Berlin zu sehen ist. Und da glaub ich ja mal kaum, das ein Staatsdiener Aufklärungsarbeit *gegen* Überwachung versucht.

  8. Falk sagt:

    Und wer beeinflußt wohl am meisten?

    Die hatte ich ganz vergessen 😉 In den meisten Fällen die Mainstream-Medien.

  9. Sammy sagt:

    Das mit dem Technikverständnis halte ich auch für einen Mythos. So wie ich das überblicke scheitern mindestens 90% der Oberstufenschüler am einrichten einer Firewall. Die, die könnten, bekommen in der Schule Programme zusammenklicken mit Delphi und Datenbankpraxis mit Access beigebracht.

    Aber Informatikunterricht ist gar nicht der Punkt. Die Schüler sind generell der Ansicht, dass man in der Schule nur irgendwelche alten Sachen beigebracht bekommt, die einen eh nicht zu interessieren haben. Von der Seite des Bildungssystems fehlt in den Gesellschaftswissenschaften ein Bezug zur Praxis/Gegenwart.
    Beispiel Geschichte –> Biedermeier
    Erzählt man einem Jugendlichen, damals haben sich die Menschen ins Privatleben zurückgezogen, weil ihre Freiheit stark eingeschränkt war. Dann erinnert der sich an den Politik-Unterricht und sagt sich «Ahh ja, uns kann das nich passieren, wir haben ja Demokratie, wir sind viel fortschrittlicher.» Da ist es kein Wunder, wenn es dann später heißt: «Privatsphäre? Überwachung? Na und? Wir leben doch in einem guten Land. Und irgendwelche Firmen deren Website ich ab und zu besuche sollen mir gefährlich werden? Son Quatsch, ich zock lieber noch ne Runde Counter Strike.»

    Manche schnell vergängliche Errungenschaften werden einfach als selbstverständlich dargestellt. Dem ist aber nicht so. Merken tut das die Masse aber erst wenn sie die Folgen spüren.

  10. Sammy sagt:

    Nochmal zu dem Erziehungs-Thema.
    Die Schule kann die Erziehung der Eltern nicht übernehmen. Nicht mal ansatzweise. Auch wenn alle bis um 17 Uhr in der Ganztagsschule sitzen, dort kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

  11. Falk sagt:

    Die Schule kann die Erziehung der Eltern nicht übernehmen.

    Nein, weder das eine noch das andere Extrem ist gut. Sondern das gesunde Maß an elterlicher Erziehung und der Ergänzung in Bildungseinrichtungen — begonnen beim Kindergarten. Man sollte ja auch nicht vergessen, dass ich selbst vom Prinzip davon ausgehe, dass in einer Familie *ein* Vollzeitjob ausreichen sollte, diese zu ernähren (aber da kann man glaub einen extre Beitrag mit anschliessender Diskussion drauss machen).

    dort kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben

    Hier stört mich grad der Wortteil «Schaden» 😉 Der Kai schrieb ja weiter oben schon etwas von «Interesse wecken». Und da muss ich sagen, das Interesse an vielen Dingen wurde bei mir sowohl in der Familie, als auch in der Schule geweckt. Wenn ich allerdings so die Lehrpläne mitverfolge heutzutage (ich bin da etwas vorbelastet: Mutter — Lehrerin, Tante — Direktorin einer Gesamtschule), dann seh ich dort enorme Defizite. Da wird in meinen Augen lediglich das Auswendiglernen gefördert. Damit weckt man kein Interesse oder erzieht sich mündige Bürger. Und eventuell ist ja genau *dies* auch gewollt (um mal den Verschwörungstheoretiker raushängen zu lassen). Und jetzt stellt man sich mal die übliche Situation heutzutage innerhalb von Familien vor und entdeckt dann einen fehlende(n) Gegenpol/Ergänzung zu dem, was in den Schulen gelehrt wird. Klar das diese jungen Menschen das Internet auch nur *konsumieren* und gar nicht in der Lage sind, da auch Chancen zu sehen. Geschweige denn die Gefahren…

  12. Sammy sagt:

    Ja so seh ich das auch. Das mit dem Schaden war darauf bezogen, dass es traurigerweise verdammt viele Kinder/Jugendliche gibt, in deren Kindheit so vieles falsch läuft/gelaufen ist. Klar man muss auch Interesse wecken und fördern, aber da steht man auf verlorenem Posten, wenn die bewusste Spaltung der Gesellschaft seitens der Regierung schon in der Schule praktiziert wird. Siehe z.B. hessische Bildungspolitik –> Gesamtschulen abschaffen, früher selektieren, Elite fördern…
    Kein Wunder, dass der Großteil resigniert, wenn nur 1/4 gefördert werden. Damit weckt man kein Interesse, außer bei denen, die es schon haben.

  13. Oli sagt:

    Nein, weder das eine noch das andere Extrem ist gut. Sondern das gesunde Maß an elterlicher Erziehung und der Ergänzung in Bildungseinrichtungen — begonnen beim Kindergarten.

    Na Falk sorry aber das wirds nie bringen, die paar Pädagogik Scheine im Lehramt befähigen in keinster Weise ein Kind zu erziehen. Zudem sieht man das oft genug an den eigenen Bälgern derjenigen oder gar Solisten die gar keine eigenen Kinder haben. Ein paar theoretische Faustregeln gemäß irgendwelcher Studien von ein paar Soziologen machen da eben auch nicht den Braten fett.
    Eltern können sicherlich viel falsch machen, sind ja auch nur Menschen — aber das dort eben ist Leben und sollte weitaus mehr als die Hälfte ausmachen in der Erziehung. Das andere ist graue Theorie fernab jedweder Realität und nur weil ich da ein schlaues Papier von irgendeinem schlauen Menschen zitieren kann, erziehe ich damit noch lange keine Kinder.
    Woher kommt der Glaube das Studien und Wissenschaftler die Grundlage für eine gute Erziehung liefern können? Nonsense!

  14. Falk sagt:

    Den Glaube an Scheine heg ich doch gar nicht. Befähigte Pädagogen sind imho immer noch Menschen aus dem Leben. Das es die gibt, ist irgendwo unstrittig. Das manche Lehrer unfähig sind genauso. Das hat mit blindem Glauben an Studium nichts zu tun. Sondern dann auch wieder mit Realitäten. Dem Bereich müsste viel mehr Beachtung geschenkt werden und zwar wirklich auch in der Form, dass die Ausbildung zum Lehramt mit auf dem Prüfstand steht. Allerdings schätz ich das auch wieder als das typische Henne-Ei-Problem ein, nur irgendwo muss man ansetzen oder man macht so weiter wie bisher.

  15. Oli sagt:

    Die Befähigung zum Erziehen kannst du aber keinem beibringen, weil da keine Mechanik zu grunde liegt.

  16. Falk sagt:

    Man kann aber befähigte Menschen schulen, damit sie noch besser werden. Musiker müssen auch üben 😉

  17. Oli sagt:

    Die Technik kann man schulen, nur können vielleicht, um mal ne Zahl zu nennen, 1000 klasse Gitarre spielen, aber nur 3–4 davon haben wirklich Talent 😉

  18. Sammy sagt:

    Überträgt man das auf die Lehrer siehts ganz schlecht aus. 😛

  19. Oli sagt:

    Die Pisastudie, inzwischen auch offiziell als Blödsinn geoutet, zeigte nur eines, der Schüler kann nur so schlau oder so *dumm* sein, wie der, der diesem die Dinge beibringt. Um es mal ganz profan auszudrücken. «Ausreißer» können auch mehr, hat aber wiederum nichts mehr mit der Schule zu tun. Das man den Schülern permanent den schwarzen Peter zuschob und das teils desaströse «Studium» im Bereich Lehramt völlig ausgrenzte, zeigt doch wie arg es um das Bildungssystem bestellt ist.

  20. Sammy sagt:

    Vor allem wird versucht es durch Zwangsmaßnahmen zu verbessern. Auf der Seite der Schüler, z.B. Zentralabi und auf der anderen Seite der Schulen, z.B. Pflichtfortbildungen für Lehrer oder die «Schulinspektion». Das liest sich schon fast wie die Karlsbacher Beschlüsse von 1819 in deren Rahmen an jeder Universität ein Beamter installiert wurde, der aufgepasst hat, dass auch nur «gutes Gedankengut» verbreitet wird.

  21. Kai Raven sagt:

    Ähm, was ich nur noch anmerken wollte: Mir ging es gar nicht so sehr um die Schule, die Lehrer, die Eltern und die Pädagogik als solche, sondern sowas wie z. B. diese «Blinde Kuh» Suchmaschine (oder wie die heißt) oder andere «Kidangebote», z. B. auch ein kinder– oder jugendlichengerechtes Faltblatt, dass obige Thematiken darstellt und für Schülerzeitungen interessant wäre. Das, was wir machen, ist imo schon viel zu abgehoben und «techniki» für Kinder, Jugendliche, Schüler. Ich meine, es gibt zig Initiativen, Organisationen, Privatleute und dauernd neue «schwergewichtige» «Bündnisse» und «Koaltitionen» von Bürgerrechtlern und Datenschützern — wobei ich persönlich mittlerweile fast die Krätze bekomme, wenn wieder so ein Ding aus der Taufe gehoben wird, während die Vorgänger einschlafen — die sich an erwachsene Netizens, politische Entscheidungsträger oder die Medienleute wenden, aber keine®, die/der was für die Kids zusammenbastelt . Da muss ich auch mal die Sache von Missi erwähnen, die Idee mit dem Kinderbuch mit Datenschutzthemen — so was hat eigentlich einen viel zu geringen Stellenwert. Und in ein paar Jahren werden die «Datenschutz-Opas» empört grummeln, warum die «junge Generation» nichts mitbekommt.

  22. Oli sagt:

    Kinderbuch? Nun kommt drauf an wo du anfangen möchtest, ich dachte jetzt da oben an Jugendliche. Anstelle eine solch speziellen Themas (wie abstrahiert man das überhaupt ohne die Info unnütz zu machen?), würde ich aber eher den Weg gehen (auch hier keine Lösung :D) den Kindern irgendwie die Lust am Lernen zu vermitteln.
    Lernen nicht in dem Sinn des schulischen Paukens, sondern selbständig Informationen zu finden, diverse Mittel zu nutzen, zu fragen wenn man etwas nicht weiß etc. Also die grundlegende Basis, Wissen ist Macht — wenn man dies vermitteln kann, ist der Rest ein Kinderspiel. Ansonsten doktort man an Symptomen herum ohne wirklich Erfolge zu erzielen.

  23. Sammy sagt:

    Die Basis, das ist wirklich ein sehr großes Problem. Da gibt es Defizite, die kann man gar nicht mehr fassen.

  24. Falk sagt:

    Lernen nicht in dem Sinn des schulischen Paukens, sondern selbständig Informationen zu finden, diverse Mittel zu nutzen, zu fragen wenn man etwas nicht weiß etc. Also die grundlegende Basis, Wissen ist Macht — wenn man dies vermitteln kann, ist der Rest ein Kinderspiel.

    Das unterschreib ich mal 😉

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