Privatisiert den Deutschen Bundestag!

Reichstag

Ganz Deutschland spricht von Privatisierung. Ganz Deutschland? Nein, ein von unbeugsamen Politikern bevölkertes Parlament hört nicht auf, den Privatisierern Widerstand zu leisten. Das Leben ist nicht leicht für die Privatisierer, die als Lobbyisten vor dem Deutschen Bundestag liegen. Wir möchten hier nun auf F!XMBR eine neue Debatte anstoßen. Ziel muss es sein, den Deutschen Bundestag zu privatisieren. Nun fragen sich die Leser dieses kleinen aber feinen Weblogs, wie wir zu der Meinung kommen, sind wir doch bisher eher mit Argumenten gegen die Privatisierungen in Erscheinung getreten. Gerne möchten wir das im Folgenden begründen. Auf in den Kampf, auf zur Privatisierung des Deutschen Bundestages!

Die Menschen in unserem Land würden von einer Privatisierung des Deutschen Bundestages profitieren. Keine Diskussion mehr um die Diätenerhöhung, keine Neiddebatte mehr, angestoßen durch die BILD-Zeitung. Ein betriebswirtschaftlich geführter Bundestag würde viele Probleme lösen. Wer erinnert sich nicht an die Privatisierung der Deutschen Post. Unrentable Filialen wurden geschlossen, Menschen mit Mitte 30 in den Vorruhestand geschickt — all diese Vorteile einer Privatisierung würden nun auch auf den Deutschen Bundestag zukommen. Büros der Abgeordneten — ohne Aussicht auf Rendite — könnte man schließen, ein zentrales Büro, eine zentrale Anlaufstelle für die Menschen in unserem Land, vielleicht an den Hauptbahnhöfen großer Städte, könnten eingerichtet werden. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

Der Staat muss in einer globalisierten Welt Unternehmer werden. Der Staat von heute ist nicht mehr dafür da, Almosen und soziale Geschenke zu verteilen. Er muss sich der Realität stellen. Das Demografie-Problem, die Globalisierung sind nur wenige Probleme, die gelöst werden wollen. Diese Probleme können nur von einem straff geführten Unternehmen bewältigt werden. Unser Land hat sich bereits aus diesen Gründen von der Post, von der Telekom getrennt. Um nicht auch noch die Bahn und die Wasserwerke zu verlieren, muss der Staat handlungsfähig gemacht werden. Darum: Verhindert die Privatisierung der Deutschen Bahn durch die Privatisierung des Deutschen Bundestages. Unsere Generation hat eine historische Verantwortung für alle nachfolgenden Generationen übernommen. Werden wir ihr gerecht. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

TiefenseeDer Steuerzahler, die Menschen in diesem Land sind heute finanziell völlig überfordert. Wir hinterlassen den nächsten Generationen einen wahnsinnigen Schuldenberg. Die Staatsverschuldung steigt stetig weiter, auch in den heutigen Zeiten des großen Aufschwungs, angestoßen durch die Agenda 2010. Der deutsche Steuerzahler würde so im ersten Schritt viel Geld sparen, in einem zweiten Schritt wären die zukünftigen Entscheidungen professioneller und man würde durch Fehlentscheidungen Milliarden sparen. Und dadurch, dass die Abgeordnete in Zukunft dem Zivilrecht unterworfen wären, könnte man sie zudem für Fehlentscheidungen haftbar machen. Das Parlament muss endlich auf professionelle Grundlagen gebaut werden. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

Die Privatisierung des Deutschen Bundestages wäre nur eine logische Folge der letzten Jahre. Schon heute werden unsere Abgeordnete von Unternehmen bezahlt, Firmen schicken eigene Mitarbeiter zur Lobbyarbeit in die Ministerien. die Rechtsabteilungen mancher Unternehmen schreiben heute das eine oder eigene Gesetz selbst, welches dann den Parlamentariern zur Abstimmung vorgelegt wird. Eine Privatisierung des Deutschen Bundestags würde eine neue Transparenz, eine neue Offenheit bedeuten. Was früher in verrauchten Hinterzimmern vereinbart wurde — der mit dem meisten Geld entscheidet — würde heute offenbar und offen für jeden Bundesbürger sichtbar werden. Die Investoren, die am meisten Geld bieten, würden ab sofort Eigentümer des Deutschen Bundestages. Geld bedeutet Erfolg. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

OettingerDer Deutsche Bundestag muss verstehen, dass er in keinem Elfenbeinturm fern der Menschen lebt. Er muss endlich Teil dieser kapitalistischen Gesellschaft werden. Die Abgeordneten haben die Bürger dieses Landes meistbietend den Kräften des Marktes unterworfen. Um nicht noch mehr als abgehoben zu gelten, müssen die Parlamentarier endlich zurück in den Schoß der Gesellschaft. Wenn der Deutsche Bundestag wieder in der Mitte der Menschen angekommen ist, wird er in Zukunft völlig anders wahrgenommen, wie es heute der Fall ist. Der wunderbare Kapitalismus muss auch für den Deutschen Bundestag gelten. Scheitert dieses Privatisierungsvorhaben, schreckt das immer mehr ausländische Investoren ab und wir würden unserem Land sehr viel Kapital entziehen. Dieser Blöße darf sich unser Land nicht weiter hingeben. Man muss den Hedgefonds und den Heuschrecken in unserem Land weiterhin die Tür aufhalten. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

Unsere Bundesregierung hat in dieser Zeit voller Globalisierung unfaire Vorteile gegenüber anderen Regierungen, wie zum Beispiel der in den Vereinigten Staaten von Amerika. Während in den USA knallhart finanzielle Kräfte das Land leiten, der Beruf des Lobbyisten hoch angesehen ist, herrscht bei uns teilweise eine Laissez-faire-Stimmung. Die Abgeordneten sind heutzutage für nichts verantwortlich, im Gegenteil: Nach einer gescheiterten Politikerkarriere finden sie oft in der freien Wirtschaft ein Auffangbecken vor. Dies würde nun abgeschafft werden, Unternehmen können schon im Vorfeld sehen, zu was die Parlamentarier fähig sind. Eine Anstellung in der Politik könnte man arbeitsrechtlich als Probezeit werten. Fairness in der westlichen Welt, auch innerhalb der Politik muss unser Anspruch sein. Wir müssen dadurch unsere Leitkultur stärken. Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

SchröderUnd um eines vorwegzunehmen: Die Sorgen, die nun mancher Bürger zwangsläufig am Horizont sieht, sind völlig unbegründet. Natürlich werden nicht von heute auf morgen die Büros unrentabler Abgeordnete geschlossen, natürlich fallen diese nicht sofort in Hartz IV. Auch fällt die Möglichkeit, mit seinen Kapitalvertretern in Kontakt zu treten, nicht einfach so weg. Im Gegenteil: Durch die geplante Zentralisierung wird eine neue Anlaufstelle für alle Bürger geschaffen. Menschen treffen wieder aufeinander, reden wieder miteinander, es entstehen neue Freundschaften. In unserem Land würde wieder eine neues Wir-Gefühl entstehen. Patriotismus für Deutschland. F!XMBR sagt: Lasst Euch von diesen linken Sozialromantikern nichts Falsches mehr einreden. Die Privatisierung des Deutschen Bundestages würde ausschließlich Vorteile bringen, Gelder für die öffentliche Hand, eine neue Kommunikationsstätte für die Menschen, Handlungsfähigkeit, Professionalität, Offenheit und Transparenz, Kapitalismus und insbesondere eine neue Form der Ehrlichkeit in Zeiten der Globalisierung. Wir haben eine historische Verantwortung. Lasst uns dieser Verantwortung gewahr werden.

Darum: Privatisiert den Deutschen Bundestag!

Bild Reichstag: James UK unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Bild Wolfgang Tiefensee: makeroadssafe unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Bild Günther Oettinger: GAP089 unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Bild Gerhard Schröder: kollege unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

12 Antworten zu “Privatisiert den Deutschen Bundestag!”

  1. Yehuda sagt:

    Deine Vorschläge klingen eigentlich ganz vernünftig, stellen aus meiner Sicht jedoch keine echte Reform dar. Die Privatisierung des Bundestages kann nur der erste Schritt auf dem Weg einer erneuten Feudalisierung unserer Gesellschaft darstellen. Durch eine Feudalisierung, würden die Feudalherren (=Unternehmen) sofort die Zügel in die Hand nehmen, Poliiker wären nun überflüssig. Eine Menge Einsparpotential und ein unerlässlicher Schritt in Richtung einer *straffen» Führung dieses Landes, wie ich meine. Deine eingeforderte Privatisierung riecht auffällig nach Gutmenschentum und überholter Sozialromantik. Es ist zwar der richige Ansatz, aber am Ende doch nur halbherzig…;-)

  2. tante sagt:

    In bestimmten Bereichen Deutschlands haben wir schon Feudalherren: Wenn eine ganze Region von nur einer Person/Arbeitgeber abhängt, dann ist das nicht anderes.

  3. Max sagt:

    Ich muss Yehuda zu stimmen, die skizzierte Privatisierung birgt große Risiken für die Meinugsbildung in der Deutschen Politik.
    So bietet sie keinen Schutz davor, dass unterpreviligierte Gesellschaftsschichten, deren Mitglieder einzeln sich eine Teilhabe an den politischen Vorgängen nicht leisten können, sich plötzlich zusammenrotten und allein aufgrund ihrer Anzahl die Mittel haben Einfluss auf die polischten Entscheidungsprozesse nehmen.
    Es wäre nicht hinehmbar, dass die Almosen die der Staat an diese wahren Heuschrecken verteilt seinen Untergang besiegeln.

    Auch verschonen diese Vorschläge eine Bastionen der Steuerverschwendung: Die Judikative.
    Hier muss mit der Abschaffung der öffentlichen Gerichtsbarkeit angesetzt werden, die Verdächtigen solltem dem geschädigten Unternehmen übergeben werden, das diese dann für den Sach– oder Humankaptalschaden in Regress nehmen kann.

  4. Callinator sagt:

    ist der bundestag nicht schon durch die ganzen lobbyisten privatisiert? 😉

  5. Chris sagt:

    Vielleicht sollten hier einige Herrschaften den Artikel nochmal lesen, vielleicht auch mal die Kategorien, in welche er einsortiert wurde. Ich kann nicht auch noch eine Titanic-Kategorie hier aufmachen.

    Ich setz hier demnächst nur noch YouTube-Videos rein, macht keine Arbeit, wie das Ding oben (3,5h Stunden Arbeit).

    Da fragt man sich wirklich, wer alles F!XMBR liest…

  6. Oliver sagt:

    >Da fragt man sich wirklich, wer alles F!XMBR liest…

    Wir unterhielten uns noch gerade gestern drüber, jedenfalls im groben 😀

  7. Chris sagt:

    Man kann es natürlich auch aus einem anderen Blickwinkel sehen — schon bei Orwells Krieg der Welten haben die Menschen gedacht, dass es wahr wäre und sie brachen in Panik aus. Nun will ich nicht behaupten, ich bin so gut wie Orwell 😀 aber wenn der Text oben als realer Vorschlag angesehen wird, dann trifft er perfekt ins Schwarze, perfekter gehts gar nicht.

    Nennt mich ab sofort George… 😀

  8. Oliver sagt:

    Ich denke für den Anfang langt auch Georgi 😀

  9. Chris sagt:

    Pah, für Dich Sie Geogi… :p

  10. Gangarth sagt:

    Ich finde den Text sehr gelungen. Da lohnt es sich also doch immer F!XMBR zu lesen. Mehr Texte von dieser Sorte bitte!

  11. Chris sagt:

    Danke. Ich hab jetzt mal Ernst gemacht, und den Vorschlag — vorerst nur — allen Bundestagsabgeordneten aus Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein unterbreitet. :)

  12. […] sagt mir das, wenn mir ein Bundestagsabgeordneter schreibt, dass er meine Mail als eine der merkwürdigsten in Erinnerung behalten […]

RSS-Feed abonnieren