Pottermore.com — Der Sprechende Hut hat Dich Slytherin zugeteilt

pottermore_01

Als Joanne K. Rowling Mitte des Jahres Pottermore.com ankündigte war die Aufregung groß. Eine virtuelle Zauberwelt sollte es werden, ein soziales Netzwerk für Harry-Potter-Fans. Ich habe die Gelegenheit nutzen können und mich zwischenzeitlich in einer kurzen Phase für einen Betatest registrieren können. Gestern bekam ich eine E-Mail, ich solle doch mal wieder vorbeischauen. Viel erwartet habe ich nicht. Und doch könnte Pottermore.com eine Spielwiese für eine ganze Generation junger Menschen und Junggebliebener werden.

Wenn sich der Nutzer einloggt, kann er Kapitel für Kapitel der Harry-Potter-Romane nachspielen, man fühlt sich durchaus in die Bücher zurückversetzt. Man geht zu Beginn in der Winkelgasse einkaufen, bei Ollivander sucht der Zauberstab seinen Besitzer, der Sprechende Hut verteilt die Nutzer in die vier Häuser von Hogwarts. Innerhalb dieser Häuser sammeln alle Nutzer zusammen Hauspunkte, man lernt zaubern, kann andere Nutzer zu Zaubererduellen herausfordern, braut Zaubertränke, sammelt Schokofrosch-Karten und kann wie auf Google+ und Facebook Freundschaftsanfragen verschicken.

Das ist bei Pottermore.com aber alles sehr dezent gehalten — im Vordergrund steht das interaktive Erleben der Harry-Potter-Romane. Joanne K. Rowling ist offensichtlich die führende Kraft im Hintergrund. Sie begleitet den Nutzer mit Videoeinspielungen und hält in jedem Kapitel ein besonderes Highlight bereit: Unzählige Hintergrundinformationen, wie sie die Harry-Potter-Romane entwickelt hat, was sie zu dem einen oder andere Charakter denkt, wie sich die Personen aus der Harry-Potter-Welt von einem Namen auf einem Blatt Papier zu einer festen Größe entwickelt hat. Diese Dinge nachzulesen macht mir als Leser aller sieben Romane besonders Spaß.

Nun wird Pottermore.com von vielen jungen Nutzern besucht werden. Der Datenschutz ist dabei strikt geregelt. Auch wenn bei der Registrierung der Name verlangt wird, er wird nicht überprüft, ist der entscheidende Punkt: Es wird einzig und allein mit einem Pseudonym gearbeitet. Mein Pseudonym ist beispielsweise GhostSun16. Hätte ich dies gerade nicht öffentlich gemacht, würde niemand wissen, dass ich mich hinter diesem Namen verberge. Unter meinem realen Namen werdet Ihr mich nicht auf Pottermore.com finden. Das Spielerlebnis scheint im Vordergrund zu stehen — auch wenn sicherlich in Zukunft Sony und Rowling einen Shop zu Pottermore.com starten werden.

Wo auf den ersten Blick Licht ist, ist natürlich auch Schatten: Die technische Infrastruktur stellt Sony bereit. Sprich: Das gesamte interaktive Harry-Potter-Erlebnis ist in Flash gehalten. Nun kann und muss man damit umgehen, wenn man sich auf solche Dinge einlässt — bei den Spielen auf Google+ und Facebook ist es genauso. Doch bei Pottermore.com gibt es ein riesiges Problem: Die Usability ist schlicht und ergreifend grottig. Zudem macht es den Eindruck, als hätte Sony Pottermore.com noch nicht viele Ressourcen freigeschaltet: Die Ladezeiten der Seiten machen einfach keinen Spaß. An diesen Punkten muss noch gearbeitet werden.

Nun war ich ja doch schon etwas älter, als ich die Harry-Potter-Romane gelesen habe. Ich habe aber eine ganze Generation gesehen, die mit Harry Potter, Hermine Grainger und Ron Weasley aufgewachsen ist. Eine Generation, die sich heute wünscht, dass Blade doch bitte in Twilight auftreten möchte. Die Frage ist, ob man jetzt noch diese Generation für dieses interaktive Erlebnis begeistern kann. Kann man. Obwohl die Registrierung noch geschlossen ist, haben bei den wenigen Möglichkeiten, sich anzumelden, schon knapp 500.000 Nutzer die Möglichkeit genutzt und sich registriert.

Jedes einzelne Erlebnis kann auf Pottermore.com kann geliked werden — harmlose Text mit wenig Inhalt kommen auf Likes im fünfstelligen Bereich. Wenn an der Usability gearbeitet wird, ist Pottermore.com für eine große zahlungskräftige Nutzerschaft verdammt heißer Scheiß. Wir sind mit Star Wars aufgewachsen und saugen heute noch jede Information auf, die wir finden können. Die jüngere Generation ist mit Harry Potter aufgewachsen. Und sie werden es nutzen. Bleibt nur die Frage: Wann kommt StarWarsmore.com?

Pottermore.com
Mein Nick: GhostSun16

pottermore_02

pottermore_03

pottermore_04

pottermore_05

pottermore_06

pottermore_07

pottermore_08

pottermore_09

pottermore_10

, , , , , ,

9 Antworten zu “Pottermore.com — Der Sprechende Hut hat Dich Slytherin zugeteilt”

  1. Grainger sagt:

    Ich habe irgendwie nie den Zugang zu Harry Potter gefunden. Der erste Roman gehört zu den wenigen Büchern, die ich nie bis zum Ende gelesen habe, ich nach etwas weniger als der ersten Hälfte gelangweilt aufgegeben.

    Den ersten Film habe ich zwar in Gänze gesehen, aber was ich gesehen habe, hat mich auf jeden Fall nicht dazu motivieren können, mir die weiteren Verfilmungen anzusehen.

    Wohlgemerkt: ich behaupte nicht, dass Harry Potter zu langweilig, zu schlecht oder zu abgelutscht sei. Sondern nur, dass das eben nicht mein Ding ist.

    Liegt vielleicht auch daran, dass ich wirklich schon sehr vieles an Fantasy und Science Fiction gelesen habe und das dadurch zum Einen meine Ansprüche gewachsen sind und mir zum Anderen vieles recht bekannt vorkommt. Das ist aber vermutlich in jedem belletristischen Genre so, mit dem man sich mal intensiver beschäftigt hat, wirklich neue Ideen sind selten und die immer gleichen Themen in mehr oder weniger originellen Variationen langweilen irgend wann.

    Immerhin scheint Frau Rowling an Geschäftstüchtigkeit nur noch von Georg Lucas übertroffen zu werden. Beide sind beim Melken der Ergebnisse ihres kreativen Schaffens überaus erfolgreich.

  2. Thaniell sagt:

    @Grainger: Nur traue ich Rowling etwas mehr Liebe zu ihren Figuren und den Willen damit primär die Geschichte erlebbar und nur sekundär weiteres Geld zu machen zu.

    Im Übrigen, könnte es sich lohnen sich durch die ersten 3 evtl. 4 Bücher zu «quälen», gerade die ersten beiden sind ja nicht wirklich dick, und dann zu schauen ob man Lust auf mehr bekommt. Später wird die Geschichte imho interessanter und es sind weniger die kindlichen «ah» und «oh» Momente die das Buch bestimmen (wobei ich auch in den ersten Büchern schon die Seitenhiebe auf die englische Version des Biedermanns und andere Klischees stellenweise recht nett fand). Aber ja, ist nicht jedermanns Ding.

  3. Peter sagt:

    Wow, das klingt wirklich extrem… überflüssig. Als gäbe es nicht schon genug virtuelle Welten, in denen man seine Lebenszeit verplempern kann. Aber wem sowas Spaß macht… :-)

  4. vera sagt:

    Slytherin. Soso.

  5. Der dunkle Lord wird zurückkehren…

  6. Ellen sagt:

    Jo ist eine tolle, liebe und sehr ehrliche Frau. Glaubt was ihr wollt, ich weiß dass es ihr nicht um Geld geht, sondern um ihre Welt und ihre Charaktere, die sie liebt und zum Glück mit uns teilt <3 Und das wissen viele Millionen andere Fans auch.

    @Grainger
    Die Seite ist komplett kostenlos.

  7. Manuel sagt:

    @Ellen: Klar ist die Seite kostenlos, anders wäre es wohl auch kaum durchsetzbar. Der Trick steckt allerdings darin das ganze mit einem Shop zu verknüpfen wie anegekündigt. Stichwort: «Virales Marketing» 😉

  8. Sonnenstrahl sagt:

    «Trick» hin oder her: Niemand muss etwas kaufen, um dabei sein zu können. Dass Rowling dennoch eine clevere Geschäftsfrau ist, sollte inzwischen nicht mehr überraschend sein.

    (für mich waren ihre Bücher ja eigentlich «nur» unterhaltsame Schulromane mit einem Schuss Charaktersatire, Schulromane, die v.a. das Thema der Freundschaft verhandeln, das Zurechtfinden der Schüler in Schule und Gesellschaft, das mutige Umgehen mit Schwierigkeiten und Herausforderungen, sowie das Heranwachsen dabei)

    Aber selbst dann, wenn man Rowling ausschließlich als Geschäftsfrau ansieht (ich fände das etwas unfair), dann hat sie ihren Potterfans nur die Kosten von ein paar Büchern (in einem excellenten Englisch) und Filmen verursacht — und im Gegenzug viel Freude gebracht. Ganz nebenbei kann sich Rowling erhebliche Verdienste bei der Vermittlung der englischen Sprache zugute halten. Unter den Potterfans gibt es jedenfalls wirklich viele, die inzwischen ganz vorzügliche Englischkenntnisse haben!

    (wer jetzt FDP-like nur an «die» Wirtschaft und Vorteile für Bestverdiener denkt: das ist auch ausgesprochen gut «für den Standort Deutschland» — ich schreibe das, weil das Blog FIXMBR wegen eines aktuellen Konfliktes gerade von Hundertschaften von FDP-Jüngern bevölkert wird)

    Rowling hat Lesebegeisterung in einer Generation ausgelöst, die von Bildungsexperten — was das Buch betrifft — teils schon abgeschrieben war. Und auch, wenn der greise Papst und sein katholischer Apparat vor der «Hexerei» in den Potterromanen gewarnt hat, sie vermittelte ihren jungen und jung gebliebenen Lesern indirekt ein eine gute Portion Menschenliebe und Mitmenschlichkeit. So ganz nebenbei.

    Jetzt fehlt eventuell noch der große Erzähler bzw. die große Autorin, welche/r junge Menschen für Ingenieurskunst, Erfindungen und Chemie begeistert…

  9. sproinx sagt:

    ich selbst bin ein großer potterfan und finde dass die seite eine super idee ist um noch mehr über hogwarts und die charactere zu erfahren, die man in all den jahren doch lieb gewonnen hat.

RSS-Feed abonnieren