Post von der SPD

 
Plakat: BUTTER. für die SPD. Satirische Verfremdung: Wir kümmern uns

Wer mit dem Gedanken spielt, dieses Jahr die SPD wählen zu wollen, sollte mal folgende Zeilen lesen, die ich gestern in meinem Briefkasten gefunden habe.


Nur vorweg — das Austrittsschreiben aus der Partei liegt schon ausformuliert auf meinem Rechner. Es wird rausgehen, aber nicht jetzt, sondern zu einem Zeitpunkt, den ich für richtig halte.

Dennoch — und dies ist nicht der Grund für meine Mail: Hier […] bewirbt sich XYZ, 30 Jahre, und nichts beruflich auf die Beine gestellt, um einen Platz im Europaparlament! XYZ, ich kenne ihn persönlich, ist ein Parteisoldat par excellence! Intrigant, gewunden, aalglatt lackiert und geleckt — der auf keinen Fall meine Stimme erhalten wird. XYZ hat ganz subtil und sowas von billig den UBV […] dazu gebracht, ihn zum Kandidaten für das EP zu nominieren.

Ich kam in die Sitzung und wurde um meine Stimme gebeten. Als ich darum bat, dies erstmal mit meinem Ortsverein abzuklären, sagte er mir, dass der OV in diesem Punkt kein Mitspracherecht hätte, außerdem die OV-Vorsitzenden ihn schon längst bestätigt hätten (Vorher hatte die Sitzung der OV-Vorsitzenden stattgefunden). Dann fragte ich ihn, was ihn denn für das EP qualifiziere, welche berufliche Erfahrung er nachweisen könne und ob nicht die Wahrscheinlichkeit bestehe, dass er sich auf einen rundum-Versorgungsposten zurückziehe.

Er beantwortete mir die Fragen wie gelernt — viele rundum Füllwörter ohne Inhalt. Dann kam es zur Abstimmung, bei der ich mich enthielt! Das Ergebnis meines Benehmens: Bei der nächsten UBV-Wahl wurden im Hintergrund Allianzen geschmiedet. Ortsvereine, die vorher mit uns auf einer Linie standen, wandten sich von uns ab. Und da begriff ich die Niederträchtigkeit der Partei! Bist du nicht für mich, sind wir gegen dich! So einfach.

XYZ bat mich «händeringend», mich erneut zur Wahl zu stellen. Man brauche kompetente Frauen usw pp. Also lies ich mich nach heftigen Diskussionen breit schlagen und reichte «freiwillig» meine Kandidatur ein. Das Ergebnis? Ganz einfach: lediglich 7 Stimmen für mich aus einem Plenum von rund 110 Personen. Und der Grund kam auch schnell zu Vorschein: Sein OV ging zu vielen anderen Ortsvereinen und schacherte um Stimmen. Stimmen für Kandidaten, die XYZ sich ausgesucht hatte und propagierte.

Er hoffte wohl, mich so öffentlich vorführen zu können — was aber nicht gelang, weil ich eigentlich gar nicht gewählt werden wollte und mir auch das öffentliche Ansehen egal ist.

XYZ wird IMHO deshalb garantiert zu den Kandidaten gehören, die ihre EP-Apanage kassieren, sich ein schönes Leben machen, keine Ahnung von nix haben und die große Klappe riskieren!

Deshalb werde ich am 7. eine Partei wählen, von der ich weiß, dass sie Stimmen braucht.

Du bist Deutschland, Du bist Sozialdemokrat

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6 Antworten zu “Post von der SPD”

  1. Anonymous sagt:

    Vielleicht gibt es noch andere Gründe, warum man nur 7 von 110 Stimmen bekommt.

  2. Frank sagt:

    Ich denke mal, das es im Grunde nicht um die 7 Stimmen geht, sondern eher um das Grundsätzliche.
    Ich bezweifle aber ehrlich, dass es in den anderen großen Parteien anders abgeht.

  3. Chris sagt:

    @Anonymous: Da mir namentlich alle Beteiligten bekannt sind, kann ich das so gut wie ausschließen. Natürlich schaut man auch Bekannten nur vor dem Kopf — aber ich denke schon, dass ich das sehr gut beurteilen kann.

    Und wie Frank schon gesagt hat, geht es nicht um die 7 Stimmen, sondern grundsätzliches Verhalten in der SPD.

  4. Tja, so ist Politik. Und genauso funktionieren auch Vereine, egal ob Sport– oder Tierschutzvereine. Da mache sich mal niemand etwas vor. Es geht immer um Ansehen und Macht. Ich möchte dies damit nicht entschuldigen, aber es wäre falsch, sich über das Wesen von Parteien und Vereinen etwas vorzumachen. Wer sich wie die Mailschreiberin etwas darüber vormacht, hätte so oder so keine Zukunft in einer solchen Organisation.

  5. Wolf-Dieter sagt:

    Das ist nicht die erste intrigante Aktion innerhalb der SPD, von der ich gelesen habe.

    Aber wenn die SPD wenigstens was Inhaltliches anzubieten hätte, so wie früher — nichts dergleichen! Wie in einem früheren Kommentar vorausgesagt: nach Schröders Abtritt kam der ganz dicke Katzenjammer.

    Na den haben sie jetzt.

    Meine Stimme haben die ehemaligen Sozialdemokraten längst verloren.

  6. Hartmut sagt:

    Zwei Fliegen mit einer Klappe ! Eigentlich wollte ich heute nicht wählen, ABER :
    Wenn ich nicht wähle könnte es dazu führen das der Genhofer auf Grund der geringen Wahlbeteiligung, doch noch einen Vasallen nach Strassburg schickt.
    Dann bin ich auf die Piraten gestoßen. Die sind der Reiszweck im Schlauch von Wolfgang Paraschäubles Rolli — also ab dafür — Wählen gehen !

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