Podcast des Tages: SR 2 — Fragen an den Autor, Heribert Prantl — Der Terrorist als Gesetzgeber vom 21.09.08

PodcastWie der Zufall so spielt, habe ich gerade vor ein paar Tagen das Buch Der Terrorist als Gesetzgeber. Wie man mit Angst Politik macht von Heribert Prantl durchgelesen. Wie schon bei Peter Schaar — Das Ende der Privatsphäre: Der Weg in die Überwachungsgesellschaft war für den interessierte und kundigen Leser kaum etwas Neues dabei. Die Argumentationen und Sachverhalte wurden noch einmal ins Gedächtnis gerufen, an der einen oder anderen Stelle die Kenntnisse vertieft — wer aber für Datenschutz und Privatsphäre eintritt, sich mit der Thematik befasst, wer die Texte Heribert Prantl’s in der SZ verfolgt, für den hält das Buch kaum eine Überraschung bereit. Mit einer Einschränkung — und dass dieser Text, auf den er sich bezieht, leider nicht online in deutscher oder englischer Sprache auffindbar ist, ist umso tragischer: Osservazioni sulla tortura heißt die Streitschrift gegen die Folter von Pietro Vierri, die dieser im 18. Jahrhundert veröffentlichte.1 Prantl sieht erschreckende Parallelen zwischen damals und heute — damals war es die Angst vor der Pest, heute ist es die Angst vor dem Terrorismus. Damals wie heute reichte ein bloßer Verdacht und die Panik bricht los. Über Jahrhunderte wurde Folter von den sogenannten zivilisierten Ländern verachtet — heute sprechen diverse Kreise von einer Pflicht zur Folter, wenn man dadurch zum Beispiel Leben retten kann. Heribert Prantl hat am Wochenende Jürgen Albers Rede und Antwort gestanden.

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  1. Italiener hier? Hat wer Lust und Interesse, den Text zu übersetzen? []

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2 Antworten zu “Podcast des Tages: SR 2 — Fragen an den Autor, Heribert Prantl — Der Terrorist als Gesetzgeber vom 21.09.08”

  1. Oliver sagt:

    Wobei man hier ganz klar eines Unterscheiden muß den Begriff Folter innerhalb des zeitlichen Kontexts. Was wir heute unter Folter verstehen ist auch heute erst geächtet. Was ein paar wenige Jahrhunderte als geächtet galt und heute nur noch historisch in unseren Gefilden belegt ist, war der Schrecken der Folter einer Inquisition oder der ersonnenenen Methodik im 30-jährigen Krieg. Die Methodik die heute wieder etabliert werden soll bzw. schon angewandt wird ist noch gar nicht so alt und gehörte zuvor zum Repertoire der Exekutive. Mit viel Glück war diese Methodik also erst vielleicht nach dem Krieg im großen und ganzen wirklich tabu.

    Ich weiß auch nicht warum man immer derart in die Ferne schweifen muß, wenn das schlechte liegt so nah und in äußerst deutlicher Form — wenn nicht gar der Ausartung schlechthin. Selbst in der Hochzeit der Hexenverfolgung gab es kritische Stimmen gegen diese Art von Wahrheitsfindung und letztendlich war das Vorgehen diverser Größen jener Zeit selbst dem Vatikan zuwider. Christian Thomasius (17.Jhd.) veröffentliche De crimine magiae eine Arbeit die diese Art der Wahrheitsfindung quasi als nichtig erklärte und auch das Ende der Prozesse in unseren Kreisen beendete. Was jedoch als gemeinsamer Nenner über bleibt: die Gesellschaft ist das Übel und ein tatsächlich massives Problem entsteht, wenn die Führung diese Forderungen legislativ zementiert (Lynchjustiz ist selbst heute kaum vermeidbar, wenn der Mob Amok läuft). Die Stigmatisierung von Andersartigkeit, von Dingen die man nicht versteht, das vorschnelle Handeln ohne Nachzudenken — all das ist das Grundübel der Menschheit. Homo homini lupus.

    Btw. die wenigsten Deutschen würden frühere Texte korrekt verstehen, selbst wenn diese in «Deutsch» verfaßt sind. Verhält sich in anderen Sprache auf der Zeitreise nicht anders.

  2. Deutsche und Grundrechte…

    Ein sehr menschlicher und leidenschaftlich engangierter Anwalt spricht
    hier u.a. über die Grundrechte und ihre zunehmende Außerkraftsetzung:…

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