Petition gegen das Leistungsschutzrecht gescheitert

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Christoph Keese, Propagandaminister des Axel-Springer-Konzerns, war am 11. Oktober diesen Jahres glücklich, die Petition gegen das Leistungsschutzrecht war gescheitert Bruno Kramm der Piratenpartei hatte sie beim Deutschen Bundestag eingereicht.

Vermeintlich objektiv gesehen hat es also nicht einmal die Piratenpartei geschafft, Ihre Mitglieder zu mobilisieren, nach dem grandiosen Erfolg der sogenannten Netzgemeinde gegen die Vorratsdatenspeicherung war diese wieder in den Schlaf der Gerechten gefallen. Keese schreibt auf seinem Blog einen Unsinn zusammen, den es nicht lohnt, hier zu zitieren.

Sind die Piraten, ist die sogenannte Netzgemeinde gescheitert? Nein. Als ich die Tage einen Artikel von Thomas Knuewer las, fand ich nicht nur mich darin wieder, sondern auch eine Menge Bekannte und Kontakte. Thomas schreibt: Fragte man vor einigen Wochen, warum so viele jene Petition gegen das Leistungsschutzrecht nicht zeichneten, gab es erschreckende Antworten wie “Lass die Verlage vor die Wand fahren”.

Ich selbst habe die Petition auch nicht mitgezeichnet, obwohl politisch interessiert und Gegner des Leistungsschutzrechts. Ich würde mich freuen, wenn die Politik, die Verlage und Medien zur Besinnung kommen würden — doch wie wurde uns im Kindesalter beigebracht: Wer nicht hören will, muss fühlen.

Ich versuche meine Leute im realen Leben, unsere Leser hier auf F!XMBR, auf Google+, auf Twitter den Wahnsinn eines Leistungsschutzrechts zu erklären, ich schreibe Artikel, die in Google News gelistet werden, wenn auch nicht Mitglied einer Partei, bin ich doch politisch in gewisser Weise tätig. Und doch habe ich die Petition nicht mitgezeichnet.

Wer nicht hören will, muss fühlen. Sollte das Leistungsschutzrecht trotzdem kommen, bei dieser Bundesregierung muss man damit rechnen, kann ich mich entspannt zurücklehnen — und die meisten der 21.000 Menschen, die die Petition mitgezeichnet haben, ebenso. Ein paar Linklisten werden verschwinden, Rivva und die Perlentaucher werden überlegen, wie es weitergeht, die Welt wird Deutschland auslachen, sind wir heute noch im digitalen Mittelalter, landen wir mit dem Leistungsschutzrecht in der digitalen Steinzeit.

Aber: das Leistungsschutzrecht wird mittel-, wenn nicht sogar kurzfristig den gleichen Weg gehen wie die Netzsperren. Erst wird es gefeiert werden, ein paar Monate später will es wieder Niemand gewesen sein. Die Folgen des Leistungsschutzrechts sind  jetzt schon absehbar, Google hat zwei Möglichkeiten:

1. Google News wird in Deutschland eingestellt. Je nachdem wie das endgültige Gesetz ausschaut, wird Google seinen Dienst Google News einstellen, so dass der Google-Traffic ausschließlich nur noch über die Suche kommt, oder, wird das Gesetz weit gefasst, bleibt Google nur die zweite Wahl:

2. Google wird die Medien, die sich auf das Leistungsschutzrecht berufen, aus dem Index entfernen. Wie wir wissen, ist dies in Belgien bereits geschehen — innerhalb kürzester Zeit kamen Verlage und Medienhäuser wieder kleinlaut angekrochen und baten darum, wieder aufgenommen zu werden (siehe auch meine Dystopie).

Sollte das Leistungsschutzrecht kommen, wird es in den ersten Wochen sicherlich nicht schön werden, doch ich bin schon fast der Meinung, dass Verlage und Medien den zwangsläufigen Tritt in den Bobbes brauchen. Ohne Wenn und Aber.

Wer die letzten zwei Tage am Rechner verbracht hat, die Artikel zum Leistungsschutzrecht gelesen hat, der verliert jeglichen Glauben an eine neutrale, unabhängige und objektive Presse. Wäre ich zynischer als ich es ohnehin schon bin, würde ich sagen, ja, ich will das Leistungsschutzrecht, lass sie doch untergehen. Doch wahrscheinlich habe ich da noch mehr Skrupel als die Protagonisten auf Seiten der Verlage. Ich versuche, weiter zu überzeugen. Und wenn es dann nicht klappt?

Dann schaue ich mit einem lachenden und weinenden Auge zu.
Dann geht sterben. Aber bitte langsam und qualvoll.

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4 Antworten zu “Petition gegen das Leistungsschutzrecht gescheitert”

  1. Lars sagt:

    Der einzige Grund warum ich traurig wäre, wenn die Verlage gegen die Wand fahren, sind die Journalisten und sonstigen Mitarbeiter der Verlage. Sie leiden unter ihren Besitzern und Chefredakteuren…

  2. Maxim sagt:

    Zunächst ein Dank an die Autoren, wobei es mir ganz besonders die Artikel von Christian angetan haben. Ihr beweist eine Weltsicht, wie sie sicherlich heute häufig (in der Piratenpartei?) zu finden, aber selten zu lesen ist. Macht bitte weiter so.

    Zum Thema LSR hast du — wie fast immer — Recht. Sollen sie doch den Karren mit 300 Sachen vor die Wand fahren. Und mit einer anderen Sache hast du auch Recht, am Ende will es niemand gewesen sein.
    Leider wird die zweite Renaissance der Verlage im Internet — wie sie wohl kommen wird — auch keine Veränderung in den Köpfen der Besitzer bringen, sondern nur einen winzigen Fleck auf einem riesigen Ego hinterlassen.

  3. vera sagt:

    Was @Lars sagt.

  4. Dennse sagt:

    Ich gebe dir in deinem Artikel voll und ganz Recht.
    Leider müssen wir bedenken das wir in Deutschland leben. Innerhalb weniger Tage wird es Subventionen für bankrotte Verlage geben und die Haushaltsabgabe (GEZ) wird verdoppelt und auf Print ausgeweitet.


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