Peter Hogenkamp, ein vergessener Disclosure oder wie professionelle Blogger arbeiten

VodafoneEs muss schon sehr viel passieren, wenn die taz eine der zentralen Figuren der so genannten professionalen Blogosphäre, Sascha Lobo, mit einem Kommentar auflaufen lässt. Eigentlich ist die taz dafür bekannt, die Berlin-Mitte-Latte Macchiato-Blogger mit Anhang zu chauffieren und in Sphären zu heben, in denen diese ganz bestimmt nicht gehören. Die taz ist bisher dadurch aufgefallen, die PR-Außenstelle von Adnation & Co. zu sein. Sei es drum — man kennt sich, man verlinkt sich und trifft sich auf diversen Veranstaltungen. Geschenkt. Gestern aber hat die taz ein Porträt über den Zensurblogger Sascha Lobo veröffentlicht. Dieses Porträt ist nicht gerade schmeichelhaft.

Seit die Computergeneration als Wähler entdeckt wurde, ist auch Sascha Lobo auf einmal für die SPD zur wichtigen Figur geworden. Man fragt sich lediglich: warum? An der beruflichen Karriere von Sascha Lobo kann es eigentlich nicht liegen. […] Als wäre dies nicht genug, gilt auch die Werbekampagne als gefloppt. […] Bleibt Lobo also nach diesem erneuten kommerziellen Misserfolg der Rückzug in den Parteiauftrag. Vielleicht gewinnt Lobo ja ein paar Stimmen für die SPD. Oder man geht gemeinsam unter. Das sind alles kein schönen Worte. Aber ähnlich einem Blogartikel hat man entweder Spaß, sie zu lesen, oder sie fordern Widerspruch heraus. Ich bin eher jemand, der die Medien auffordern, offensiv ihre Meinung kund zu tun, wie es hier zum Beispiel die SZ tut,1 und nicht pseudo-objektiv, wie man es immer verkauft. Das hat dann meiner Meinung nach mit Glaubwürdigkeit zu tun — eine entscheidende Sache, die im Journalismus immer mehr verloren geht.

Aber auch darum soll es nicht gehen. In den Kommentaren der taz hat sich heute Peter Hogenkamp zu Wort gemeldet.

Das Buch «Wir nennen es Arbeit» (den Titel zu erwähnen ist natürlich völlig unnötig), das interessante und relevante Denkansätze darüber enthält, dass Arbeitsverhältnisse in Zukunft vielleicht anders sein könnten als in der Vergangenheit, zusammenzufassen als «in dem er über Latte macchiato trinkende Dauerchiller ohne festen Arbeitsvertrag sinnierte» zeugt von erschreckender Ignoranz.

Auch diese Kritik am Artikel kann man entweder teilen oder nicht — wie auch immer, nur eine entscheidende Sache hat Peter Hogenkamp vergessen, zu erwähnen: Er ist Geschäftspartner des Herrn Lobo bei Adnation. Fällt Sascha Lobo, fällt er mit. Holt Sascha Lobo aufgrund der immer noch anhaltenden Kritik keine Aufträge mehr an Land, erscheint auch im so genannten Blogwerk kaum noch Werbung. Mitgefangen, mitgehangen. So ist das mit unseren professionellen Bloggern: In seitenlangen Pamphleten fordern sie Transparenz und was noch nicht alles von den etablierten Medien, schaffen es aber selbst als Web-2.0-Enthusiasten nicht, ein Projekt am Leben zu halten — ganz zu schweigen von der eigenen Transparenz. Da vergisst man beim Kommentieren schon einmal entscheidende Hinweise.

Ich selbst habe die taz noch nicht einmal gekauft, wohl aber Peter Hogenkamp:

Ja nun. Ich habe die taz zuletzt 1989 im Zivildienst regelmäßig gelesen, und jedes Mal, wenn ich mich auf die Site verirre, weiß ich auch wieder wieso: Rote Gesinnung, wenig dahinter.

Ich frage den Herrn Hogenkamp jetzt gar nicht erst nach der bevorzugten Farbe — die Wortwahl, wenn auch auf die Überschrift der taz anspielend, lässt tief blicken…

  1. Würde man anstelle Meinung Blog drüber schreiben… []

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5 Antworten zu “Peter Hogenkamp, ein vergessener Disclosure oder wie professionelle Blogger arbeiten”

  1. «Ich bin eher jemand, der die Medien auffordert, offensiv ihre Meinung kundzutun»

    Sehr wahr. Ich hatte das vor einiger Zeit mal so beschrieben:
    «Leidenschaft, wie ich sie meine, macht aus einem guten Artikel einen großartigen Artikel.
    Diese Leidenschaft wächst mit der Erfahrung, wächst mit der Intuition.

    Wohlwissend, daß manch einer es unprofessionell findet, wenn Journalisten ihre Meinung kundtun, würde ich mir manchmal trotzdem eine etwas emotionalere Tonalität wünschen, eine Leidenschaft, die ich spüren und fühlen möchte, die ja nicht aufdringlich sein muß.

    Emotionalität ist Merkmal des engagierten Journalismus. Herzblut kann man nicht spielen. Passion ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Leidenschaftlich zu schreiben ist eine Kunst, die man nicht in der Journalistenschule lernt, sondern dorthin mitbringen muß.
    Man muß das Feuer gefühlt haben, das in einem brennt.

    Diese Leidenschaft fehlt mir in den meisten Blogs genauso wie in den allermeisten Artikeln in Zeitungen, Zeitschriften und Online.

    Wohl gemerkt: Ich möchte keine Stimmungsmache und kein tumbes Draufschlagen. Ich möchte intelligente, differenzierende Leidenschaft.»

    > Dort hatte ich mir sogar erlaubt, zu behaupten, Leidenschaft und eigene Meinung seien innerhalb von Objektivität möglich!

  2. Beim Kommentieren muss man keine Disclosures machen, beim Posten schon. Kann ja jeder googlen, wer ich bin, dafür schreibe ich ja meinen vollen Namen hin.

    » Fällt Sascha Lobo, fällt er mit.
    1. Solche Wenn-Dann-Kausalitäten gibt es im Leben deutlich seltener, als man denkt. Hier auch nicht. Adnation vermarktet Blogwerk nur in Deutschland. 2. Was heisst überhaupt hier genau «fällt»?

    Ich habe übrigens gar keine bevorzugte Farbe.

  3. Eine kleine Umfrage unter twitternden und befreundeten Journalisten ergibt: 2 für «Disclosure hier eher nicht nötig, weil Du dich nur auf die taz-Argumentation beziehst», zwei für «vielleicht nicht zwingend, aber wäre trotzdem sinnvoll gewesen». Kleines Sample, aber immerhin.

    Ich dachte, nach bestem Wissen und Gewissen, der volle Name sei bei einem Kommentar genug. Wenn ich nicht hier hätte landen wollen, hätte ich ja auch nur «Peter» schreiben können. Aber wenn’s ein Zweifelsfall ist — mache ich halt nächstes Mal einen Disclosure, hab damit nicht das geringste Problem.

    Insofern: Danke für die Anregung.

  4. Chris sagt:

    @Peter: Ich muss nicht googeln, das sagt mir meine innere Stimme — so war es zumindest mal beim Bloggen, also Transparenz zeigen.

    Eine kleine Umfrage unter twitternden und befreundeten Journalisten ergibt: 2 für “Disclosure hier eher nicht nötig, weil Du dich nur auf die taz-Argumentation beziehst”, zwei für “vielleicht nicht zwingend, aber wäre trotzdem sinnvoll gewesen”. Kleines Sample, aber immerhin.

    Im Ansatz schon der Fehler: befreundeten Journalisten. Was sollen die auch anderes sagen? 😉

  5. Hm. Muss mich exakter ausdrücken. Es war Twitter-Follower und –Followees. Drei von vier Antwortern habe ich nie gesehen.

    Unseren Blogwerk-internen «Disclosure-Beauftragten» Florian Steglich würde ich übrigens auch als im weiteren Sinne «befreundet» bezeichnen. Und der sagt oft etwas, also immer, wenn es nötig ist (so hoffe ich).

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