Payback – warum Frank Schirrmacher Recht hat

PaybackFrank Schirrmacher hat ein Buch geschrieben. Das ist nun wirklich keine Neuigkeit — doch geht es dabei um das Thema, was uns, die junge Generation und die jung Gebliebenen täglich beschäftigt: der Computer, das Internet, die sozialen Dienste, das Multitasking. Nun gilt Frank Schirrmacher als Vordenker unserer Zeit, als Intellektueller. Selbstredend hat Schirrmacher mit seinen Gedanken großen Protest ausgelöst, die so genannten Netizens waren erbost, schüttelten über den Alten, der nichts versteht, den Kopf. Ich habe diese Texte weitestgehend nicht gelesen, bei Artikel von Thomas Knüwer beispielsweise weiß man, was drin steht, ohne sie gelesen zu haben. Wer sich auch nur annähernd mit dem Internet und seinen Möglichkeiten und Folgen kritisch beschäftigt, wird verspottet — das Jubelpersertum über das Netz, Twitter, Facebook und Co. kennt in solchen Beraterkreisen keine Grenzen. Man will schließlich davon leben.

Zustimmende Artikel muss man mit der Lupe suchen, wie zum Beispiel von Thomas Strobl auf WEISSGARNIX. Diese Artikel standen eher auf meiner Leseliste, sie erweitern meinen Horizont, ohne eine Voreingenommenheit auszulösen, die Gefahr ist bei Frank Schirrmacher gewiss nicht gegeben. Nachdem Schirrmacher seine Rundreise durch Fernsehen und Radio abgeschlossen hat, die Werbekampagne für das Buch nach gefühlten Monaten ein Ende gefunden hat, war es nun an der Zeit, sein Werk endlich zu lesen. Ganz in Ruhe, ohne den typischen Pawlowschen Beißreflex der Netzgemeinde. Schon nach wenigen Seiten habe ich das Gefühl, als sei die Reaktion der Netizens eine Ironie der Geschichte. Die breite, meist unfundierte Ablehnung des Buches, ohne es auch nur im Ansatz verstanden zu haben, scheint Schirrmacher zu bestätigen.

Schirrmachers Kopf kommt nicht mehr mit, so beginnt er seine Bestandsaufnahme der heutigen Zeit. Viele Nachrichtenströme fließen auf ihn ein, der RSS-Feed, Twitter, Facebook und Co. — immer mit der Angst lebend, die entscheidende Nachricht zu verpassen. Dieser ersten Bestandsaufnahme kann und wird niemand widersprechen können. Ich konnte keine Stelle finden, an der ich laut hätte Nein rufen können. Im Gegenteil. Oft habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich mit dem Kopf genickt habe. Das Internet, unendliche Weiten, viel Trash, aber auch großes Wissen, eine riesige Chance für die Menschen, allerdings nur, wenn wir unser Denken und Handeln nicht gänzlich den Maschinen überlassen, sondern wir selbst bleiben, Mensch bleiben, mit all seinen Schwächen. Wer will dem schon ernsthaft widersprechen?

Unser Denken verändert sich. Bei der großen Anzahl von Informationen können wir täglich den einzelnen Artikeln und Hinweisen weniger Aufmerksamkeit schenken, wie es früher der Fall war, als es nur wenige Medien gab. Flüchtig wird gelesen, Artikel müssen uns in den ersten Zeilen überzeugen und fesseln, sonst verlieren sich die Worte im Dickicht anderer unwichtiger Informationen. Schirrmacher spricht von ständiger Alarmbereitschaft, die entscheidende Information zu überlesen, zu übersehen. Verliert der Mensch, die Fähigkeit zu erkennen, was wichtig und unwichtig für ihn selbst ist? Schirrmacher sieht darin ein großes Problem und zitiert Daniel Dennett: Es könnte sein, dass wir ertrinken […] dass wir seelisch überwältigt werden, dass wir uns nicht den großen, bösen Manipulationen unterwerfen, sondern nichts anderem als irgendwelchen unwiderstehlichen Liedchen, Signalen und Einzellern.

Auch hier bleibt die Feststellung: Wer will hier Schirrmacher schon widersprechen wollen? Gerade wir Blogger kennen das zu Genüge: Artikel, die uns Stunden kosten, die Recherche, die Worte zu digitalem Papier gebracht, oftmals länger als die Leitartikel der Kollegen der Print-Publikationen, rufen oftmals weniger Reaktionen hervor, als ein Video von YouTube, welches wir auf Twitter gefunden haben. Und wenn es doch Kommentare gibt, gehen diese manchmal nur auf die Überschrift und den ersten Absatz ein — die letzten Absätze werden überlesen, ignoriert, es folgen Fragen, die schon beantwortet wurden. Es kommt Kritik, die nichts mit dem Artikel zu tun hat.

Der meistgelesene und –kommentierte Artikel F!XMBRs der letzten Monate ist ein simples YouTube-Video zum Tode Michael Jacksons. Politische Artikel und Denkanstöße werden, wenn überhaupt, von einer überschaubaren Anzahl von Lesern konsumiert und kommentiert. Es ist kein Zufall, dass mit netzpolitik.org ein Weblog an der Spitze der deutschen blogcharts steht, welches in der Regel einen Absatz aus einem anderen Medium kopiert und wenige Sätze eigene Denkleistung hinzufügt. Auch Nerdcore, Platz zwei der deutschen blogcharts, besteht aus kopierten Videos, Bildern und kaum Eigenleistung. Allein an diesen genannten Beispielen zeigt sich, dass Schirrmacher mit seinen Worten nicht so ganz unrecht hat — der vermeintliche Erfolg der Kollegen scheint ihm auch an dieser Stelle Recht zu geben.

Schirrmacher gibt mitnichten dem Internet die Schuld, oder verflucht es, wie es an vielen Stellen kolportiert wird. Er schreibt: Es gibt auf die Krise nicht die naheliegende Antwort, dass Google oder das Internet uns dumm machen. […] Nach fünfzig Jahren Fernsehen können wir immerhin noch die Frage stellen, ob Fernsehen uns verblödet. […] Selbst die schlechtesten Texte im Internet haben vermutlich nicht die gleiche Wirkung wie der Trash im Privatfernsehen. Das Problem ist für Schirrmacher tiefgründiger: Unser Denken verändert sich, unsere Fähigkeit, Wissen und Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, allgemein unsere Fähigkeit zu lesen. Auch hier mag man ihm nicht widersprechen wollen. Wie oft bemerken wir Blogger, dass Artikel, auf die wir verlinken nicht gelesen oder verstanden werden? Für viele Leser, und da nehme ich mich auf anderen Publikationen nicht aus, reicht es aus, einen Satz zum verlinkten Artikel zu lesen, mit der Meinung, man wisse nun, was die FAZ oder die SZ geschrieben hat. Oftmals laufen Kommentare auf, die das Gegenteil dessen angreifen, was im verlinkten Artikel beschrieben wird. Vom Verständnis für die eigenen Artikel ganz zu schweigen.

Die Vielzahl von Informationen, die täglich auf uns einströmen, haben im realen Leben dramatische Folgen. Im Internet wird dieses Phänomen Google-Copy-Paste-Syndrom genannt — doch hat uns dieses Phänomen auch andernorts im Griff. Ärzte kopieren Diagnosen ihrer Patienten, ohne individuell auf ihre Krankheit einzugehen. Wer kennt dieses Vorgehen nicht? Auf der Arbeit die eigenen Symptome den Kollegen erklärt, können diese in der Regel schon voraussagen, welche Medikamente der Arzt am nächsten Tag verschreiben wird. Das Google-Copy-Paste-Syndrom ist somit nicht ein Phänomen des Internets, es ist ein Problem der gesamten Gesellschaft. Schirrmacher sieht die Gefahr, dass wir für die Technik arbeiten, statt dass die Technik für uns arbeitet. Unendliche Informationen prasseln auf uns ein, doch sie führen uns zu nichts mehr hin.

Schirrmacher ist mitnichten der Technikverweigerer, wie verächtlich von manchen Netizens geschrieben. Unsere Gesellschaft hat bisher noch jede neue Errungenschaft überlebt, wie er anmerkt, sei es nun Radio oder Fernsehen. Das Problem sieht er an anderer Stelle: Wir haben uns bereits vom Computer abhängig gemacht. Behördliche Kommunikation ist bald über das Internet möglich, es sei hier auch von meiner Seite aus an die Deutsche Bahn erinnert: Wer am Schalter beraten werden möchte und dort sei Ticket löst, muss bereits einen Aufschlag zahlen. Schirrmacher sieht das Problem auch darin, dass wir keine Pause einlegen, kein Nickerchen machen können. Der Strom der Informationen fliest weiter. Was verpassen wir in dieser Zeit? An dieser Stelle zeigt sich der Medienschaffende Schirrmacher: Es passiert bei mir immer häufiger, dass ich in meinem Feedreader alle Nachrichten als gelesen markiere, ohne sich auch nur kurz angeschaut zu haben.

Ich habe keine Angst, eine Nachricht zu verpassen. Nicht ich finde die entscheidende Nachricht, die Nachricht findet mich. Die Medien (und auch viele so genannte Top-Blogs) wetteifern darum, wer welche Nachrichten zuerst bringt um Leser und Verlinkungen abzugreifen. Wenn Techcrunch eine Exklusiv-Meldung bringt, kann man Wetten darauf abschließen, welches so genannte Web-2.0-Blog die Meldung als erstes übernimmt. SPIEGEL Online, die digitalen Ressorts der anderen Medien übernehmen später ebenfalls mit eigenen Artikeln. Hier zeigt sich meines Erachtens die Krise einer ganzen Branche: Man vertraut nicht mehr auf die eigene Stärke, sondern auf die Geschwindigkeit. Dieses Wettrennen wird man nicht gewinnen können. Nichtsdestotrotz kann ich natürlich die Haltung Schirrmachers verstehen, auch wenn ich es anders handhabe. Als Herausgeber der FAZ hätte Schirrmacher hier die große Chance, einen anderen Weg zu gehen, wegweisend für eine ganze Branche. Ich kann monatlich auf allen Medien die neueste Arbeitslosenstatistik lesen, jedoch selten die Bereinigungen der Politik. Die Headline und die Geschwindigkeit bestimmt das Geschäft.

Schirrmacher selbst sieht Google, das Internet und seine Möglichkeiten nicht als das Böse an: Im Netz gibt es Blogs und geschriebene Gedanken, Lichtblicke und Geistesblitze von großer literarischer Qualität. Wem es ernst damit ist, die Welt verstehen zu wollen, dem dürfte keiner dieser Blogs entgehen, jeder einzelne wäre es wert, Aufmerksamkeit zu bekommen. Google macht nicht dumm, wir nutzen es laut Schirrmacher nur nicht richtig. Twitter und Facebook sind nicht zu verdammen, sie wetteifern nur um Aufmerksamkeit und lenken von wirklich wichtigen Dingen ab. Wer kennt es nicht: Vor Facebook und Twitter gab es die etablierten Medien, Blogs und E-Mails, heute sind unzählige Kanäle, Kommunikationsströme hinzugekommen. Die Verlinkungen untereinander der deutschen Blogs untereinander sind in den deutschen blogcharts nachzulesen. Auch hier scheint die Realität Schirrmacher zu bestätigen. Die Kurve zeigt immer weiter nach unten.

Multitasking ist Körperverletzung. Eine scheinbar einfache These, die Schirrmacher mit Fakten und Verweisen auf Studien untermauert. Wer kennt es nicht: Per Copy & Paste die Information ins falsche Chat-Fenster kopiert, die Lacher hat man auf seiner Seite. Ich würde nicht so weit wie Schirrmacher gehen. Doch dürfte niemand verneinen, dass mit mehreren geöffneten Fenstern die Aufmerksamkeit leidet, man wird immer öfter abgelenkt. Während man an einem Artikel schreibt, meldet sich Twitter oder der Feedreader – und schon ist der gerade noch ausformulierte Gedanke vergessen. Schirrmacher resigniert an dieser Stelle: Die Menschen müssen etwas lernen, das sie nicht lernen können. So schwarz würde ich es nicht sehen — es ist eine Frage des Setzens der eigenen Prioritäten. Oliver drückt es immer so aus: Man muss sich den eigenen Katalysator so einrichten, dass man mit dem Informationsstrom leben und arbeiten kann, ohne abgelenkt zu werden. Diese Aufgabe gilt es, zukünftig zu bewältigen.

Die Menschen sind abhängig vom Computer geworden. Angefangen von einfacher Mathematik bis zu den Programmen und deren Algorithmen der internationalen Börsen, die uns aktuell in die Weltwirtschaftskrise geführt haben. Menschen haben vor dieser Maßlosigkeit gewarnt, nicht aber Computer. Kein PC hat im Voraus errechnet, was sich in den letzten Monaten ereignet hat. Niemand wird ernsthaft bestreiten können, dass dies ein Problem ist, was uns alle ernsthaft betrifft. Schon früh in der Schule darf mit einem Taschenrechner gearbeitet werden, Google recherchiert für uns, Amazon sagt uns, welche Bücher wir lesen sollen und die Wikipedia vermittelt uns Wissen. Viele Menschen verlieren hier Tag für Tag ein wenig mehr ihre Selbstständigkeit. Die Selbstständigkeit zu denken, zu handeln, sich selbst. Schirrmacher klagt das Internet wegen dieser Entwicklungen nicht an, er weist auf die Gefahren und Folgen hin. Er sieht durchaus große Chancen und Möglichkeiten, jedoch sollte man die Schattenseiten nicht verschweigen.

Schirrmacher stellt eine interessante These auf: Der Mensch nähert sich immer mehr dem Computer an, will immer perfekter und effizienter werden, der Computer soll immer mehr dem Menschen angepasst werden. Künstliche Intelligenz und Gefühle werden in jedem guten Science-Fiction-Roman einem Computer zugeschrieben, die Zukunft erscheint so jedem technologiebegeistertem Menschen rosarot. Eine durchaus fatale Entwicklung. Johann Wolfgang von Goethe schrieb einmal: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Nichts ist in unserer heutigen Gesellschaft so sehr verloren gegangen, wie dieser einfache Satz. Wer in der Wirtschaft nicht funktioniert, verliert seinen Job. Wer Gefühle zeigt, wird verspottet. So einfach und doch so fatal.

In der Diskussion rund um die Netzsperren und die Vorratsdatenspeicherung wurde der Netzgemeinde, gerade von konservativen Politikern, immer wieder vorgeworfen, dass wir im Netz mehr Daten hinterlassen, als die besagten Instrumente erfassen würden. Ein so genanntes Totschlagargument — inhaltlich vermochte kein Politiker die Instrumente verteidigen, so griff man die Kritiker an und stellte sich als unglaubwürdig dar. Auch Schirrmacher weist auf diese Punkte hin, jedoch nicht um die Netizens anzugreifen, sondern um zu zeigen, was in Zukunft passieren kann: Algorithmen werden vielen Menschen in Zukunft das Denken abnehmen. Der Computer entscheidet, was wir lesen, essen und trinken und er macht am Abend Partnervorschläge während wir alleine vor dem Monitor sitzen.

Schirrmacher vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass die strikten Datenschutzvorschriften immer weiter zu bröckeln beginnen. Was heute an vielen Stellen noch anonym gespeichert wird, ist in Zukunft namentlich den einzelnen Nutzern zuzuordnen. Auch in diesem Punkt wird niemand die Gefahren abstreiten können. Wir unterwerfen uns selbst einer fortwährenden Rasterfahndung — um gleichzeitig gegen die Vorratsdatenspeicherung zu demonstrieren. Dass Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung staatlich verordnet wurden, wir freiwillig handeln, ist dabei unerheblich. Freiwilligkeit hin oder her, die Gefahren sind gegeben. Das wird Niemand ernsthaft abstreiten wollen.

Schirrmacher betätigt sich in Payback an vielen Stellen als Datenschützer, vielleicht ohne es zu wollen. Er verweist darauf, dass es an jeder Stelle Datenbanken gibt, beim Arbeitgeber, den Krankenkassen, den Behörden — zusätzlich hinterlassen wir selbst unzählige Spuren im Netz. Was passiert, wenn all diese Daten zusammengeführt werden? Sehen wir dann ein Abbild unserer Selbst? Oder ist es nur ein von Algorithmen bestimmtes mathematisches Bild unsers Ichs? Besteht das Bild, was andere Menschen von uns bekommen bald nur noch aus Nullen und Einsen? Die Gefahren, die Schirrmacher beschreibt, sind bekannt und nicht von der Hand zu weisen. Täglich weisen Datenschützer auf diese Problematik hin. Gerade diese Gefahren werden Netizens nicht ernsthaft bestreiten können.

Natürlich kann man Schirrmacher auch an einigen Stellen Übertreibung vorwerfen. Wenn er das Internet und seine Entwicklung mit Darwin vergleicht, die Sucht und die Suche nach Informationen mit der Tierwelt gleichsetzt, wer zu langsam ist oder zu viel Energie einsetzt, verliert. Doch darf man nicht vergessen, dass hier der Medienschaffende Schirrmacher spricht. Verschläft die FAZ eine wichtige Information, lesen die Besucher bei den Mitbewerbern und werden auch in Zukunft zuerst bei der SZ oder auf anderen Publikationen vorbeischauen. Hier zeigt sich, dass sich das Selbstverständnis einer ganzen Branche ändern muss. Nicht die Schnelligkeit darf entscheidend sein, sondern die Qualität. Die Frage ist, ob der Mensch dafür bereit ist. Schirrmachers Fragen, Anmerkungen und Thesen gehen durchaus in diese Richtung. Doch fehlt meiner Ansicht nach der Mut, dies umzusetzen. Schirrmacher ist in der Position, genau hier gegen zu steuern. Er weiß um die Problematik, jedoch sehe ich bei der FAZ nicht den Ansatz, etwas zu ändern. Warum nicht?

Schirrmacher sieht große Probleme darin, dass nicht nur unsere Aufmerksamkeit leidet, sondern auch unsere Rest-Aufmerksamkeit von Unbekannten gesteuert wird. Googles Page Rank bestimmt, welche Seiten bei der Google-Suche auf der ersten Seite landet, wer bereits Besucher hat, darf sich auf noch mehr Besucher freuen. Wir weisen auf F!XMBR immer auf eines hin: die Quellenkritik. Wir fordern unsere Besucher nicht nur auf, die etablierten Medien zu hinterfragen, auch F!XMBR hat selbstverständlich nicht die Weisheit gepachtet. Um sich ein umfassendes Bild zu machen, müssen mehrere Quellen gelesen werden. Wir haben es wie folgt formuliert: Du kannst gerne den im Artikel angegebenen Links folgen, sehr oft machen sie eine Geschichte erst rund, sind weiterführende Informationen, nicht nur Quellenangabe. Die Menschen müssen lernen, zu einem Thema mehrere Quellen zu lesen, nicht nur flüchtig einen Artikel.

Schirrmacher erkennt die Problematik, schlussfolgert an dieser Stelle aber nicht. Die etablierten Medien haben es immer noch nicht verstanden, dass Links zu anderen Publikationen einen Mehrwert für den Leser darstellen. Wer auf einer Publikation interessante Links findet, wird wiederkommen. Auch die FAZ muss noch sehr viel lernen. Um im Bild Schirrmachers zu bleiben: Wenn das menschliche Tier bei der FAZ nicht nur die Nahrung zum Überleben findet, sondern auch ein Dessert, wird sich am nächsten Tag bei ihr einfinden. Eine Publikation verliert durchs Verlinken keine Leser, es gewinnt neue hinzu, Stammleser kommen wieder. Hier bestände die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit, von der Schirrmacher viel spricht, auf die eigene Publikation zu lenken.

Leider verliert sich Schirrmacher in der Mitte seines Buches zu sehr auf Verweise, Erklärungen und Studien über die künstliche Intelligenz von Computern. Niemand, der sich heute ernsthaft mit der Thematik beschäftigt und die neuen Errungenschaften auch emotional verteidigt, würde behaupten wollen, dass der Computer bald auf einer Stufe mit den Menschen stehen wird. Der Computer ist Werkzeug und erleichtert an vielen Stellen mittlerweile unser Leben. Nicht mehr und nicht weniger. Die Frage ist nicht, ob wir uns dem Computer unterwerfen, sondern wie wir den Computer effizient für uns arbeiten lassen. Fast scheint es, als sei der Computer für Schirrmacher mehr, als dieser für die Netizens ist. Es bleibt aber festzuhalten, dass ein Computer schlicht und ergreifend Werkzeug ist und das Leben erleichtert. Viele Menschen müssen nur lernen, mit ihm umzugehen. Und genau das ist eine der Herausforderungen unserer Zeit.

Schirrmachers Payback endet im zweiten Teil in einem Plädoyer, wieder die Kontrolle über sich selbst zu gewinnen. Wichtige Informationen müssen von unwichtigen getrennt werden — es versteht sich von selbst, dass er mit wichtigen Medien durchaus die FAZ meint, die sich von anderem Trash abgrenzen will und muss. Und wieder haben wir es mit dem Medienschaffenden Schirrmacher zu tun, der es ebenso wie seine Kollegen bis heute nicht geschafft hat, ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Er brandmarkt die Kostenloskultur im Netz und stellt mit Trüffeln von Lidl und Hershey einen doch eher lustig anmutenden Vergleich an.

Die Lösung der Probleme, die er durchaus korrekt beschreibt und darlegt, kann nicht Paid Content sein. Ob nun der Springer-Konzern oder auch die FAZ eine Bezahlschranke installieren — der teilweise fragliche Inhalt bleibt der selbe. Ich bin durchaus der Meinung, dass Frank Schirrmacher und seine Kollegen in all den Leitartikeln mit verantwortlich sind für die derzeitige Weltwirtschaftskrise. Nicht nur Computeralgorithmen haben diese ausgelöst, auch die unerschüttliche Unterwerfung dem Marktradikalismus und dem Neoliberalismus gegenüber haben ihr Scherflein zur aktuellen Krise beigetragen. Man könnte ein ähnliches Buch schreiben, wie es Schirrmacher getan hat — mit der Thematik Marktradikalismus und Neoliberalismus. Auch hier hat sich der Mensch unterworfen, ohne nachzudenken und kritisch zu hinterfragen.

Doch Schirrmacher wäre nicht Schirrmacher, wenn er die Probleme nur aus Sicht des FAZ-Herausgebers sehen würde. Er beschreibt, wie Menschen kreative Lösungsvorschläge finden, wenn ihnen unterschiedliche Möglichkeiten gegeben werden und keine absoluten Lösungswege. Payback ist ein Plädoyer für die Kreativität der Menschen, sich nicht dem Algorithmus des Computers zu unterwerfen. Payback ist nicht die Verteufelung der neuen Zeit, des Computers, der sozialen Dienste, wie es aus vielen Kanälen schallt. Es ist ein Plädoyer an uns, wieder die Kontrolle über unsere Gedanken und unser Handeln zu übernehmen.

Ich stehe wahrlich nicht im Vedacht, Frank Schirrmacher nahe zu stehen. Politisch lehne ich seine Ansichten mit jeder Faser meines Körpers ab. Während des Hessen-Wahlkampfes 2008 habe ich ein satirisches Bild erstellt, das vielleicht die Grenzen überschritten hat. Frank Schirrmacher hat mir über die FAZ und FAZ Media zwei Abmahnungen zukommen lassen. Ich habe es damals nicht öffentlich gemacht, sondern habe mich mit der anwaltlichen Vertretung Schirrmachers gütlich geeinigt, wie es unter Menschen möglich sein sollte. Meine Erwarung an das Buch war sicherlich durch diese Erfahrungen und Ansichten geprägt. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich begründen würde, warum Frank Schirrmacher eben doch nicht der Vordenker unserer Zeit ist, für den er gehalten wird. Diese Erwartung war offenkundig falsch.

Payback zeigt eindeutig, warum Frank Schirrmacher eben doch als einer der Vordenker unserer Gesellschaft gilt. Seiner Bestandsaufnahme wird an den meisten Stellen niemand widersprechen können — und sein Plädoyer für die Rückgewinnung des eigenen Ichs ist schlicht und ergreifend richtig. Nicht die Information ist wichtig, der Mensch ist es. Nicht der Computer ist menschlich, wir sind es. Wer die ständigen Alarmmeldungen von RSS-Feed, Twitter und Facebook einfach mal ausschaltet, lenkt seinen Blick und sein Handeln wieder auf das Wesentliche: sich selbst. Payback ist ein Plädoyer, den Menschen wieder die freie Wahl zu lassen, sie nicht von Computern abhängig zu machen, nicht in Algorithmen zu leben.

Die Antwort auf unsere Fragen, auf Familie und Freund, hält nicht der Computer bereit, auf dem ich gerade diese Zeilen tippe. Die Antworten finden ich in mir selbst, bei meiner Familie und meinen Freunde. Das Bild, welches der Computer und Algorithmen von uns abbilden, entspricht nicht der Realität. Viele Menschen müssen lernen, dass Google nicht die Wahrheit kennt, sondern nur Nullen und Einsen gespeichert hat, dass die Wikipedia durchaus Fehler beinhaltet und das der Tweet vom Freund abhängig von Stimmung und Erfahrung ist — am nächsten Tag kann die Welt schon wieder anders ausschauen. Wir müssen durchaus lernen, unsere Aufmerksamkeit wieder zielgerichtet einzusetzen.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. Payback ist kein Buch über die Verteufelung des Computers. Im Gegenteil. Frank Schirrmacher liefert ein Plädoyer ab, damit wir uns wieder auf das Westentliche konzentieren: uns selbst, das Menschsein. Es liefert selbstverständlich keine Patentlösung, wie wir unsere Aufmerksamkeit wieder zielgerichtet einsetzen können — doch in dieser Diskussion befindet sich das Netz seit Jahren. Payback ist ein wertvoller Diskussionsbeitrag eines Schriftstellers, den ich mit diesem Buch ein stückweit neu kennengelernt habe. Payback ist ein interessantes Buch, welches zum Nachdenken anregt. Nachdenken über die heutige Zeit, unseren Umgang mit dem Computer, den sozialen Diensten und den vielen unbekannten Freunden. Nachdenken aber insbesondere über uns selbst.

Der Computer wird niemals den Menschen ersetzen können.

Frank Schirrmacher — Payback

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34 Antworten zu “Payback – warum Frank Schirrmacher Recht hat”

  1. Andreas sagt:

    Ich halte diese Analyse für hochinteressant. Vor allem der Nachweis, dass die Schirrmacher-Rezeption bestätigt, was Schirrmacher schreibt. Auch mir ging es so, nachdem ich das Buch gelesen habe. Und ist das nicht ungeheuerlich? Entweder sind Knüwer,Lobo und Konsorten einfach nur überschätzte PR Leute in einem Mikrokosmosos und die schätzungsweise 250tsd Leser des Schirrmacher Buchs stehen ganz woanders — oder das Netz ist immer seltener einer MEdium der Auseinandersetzung. Selbst die Gedanken sind nur copy und paste.

  2. Detlef Borchers sagt:

    Schöner Text, der sich mehr mit meiner (parteilichen, da mittlerweile für Schirrmacher arbeitend) Lektüre deckt als das Gelästere im Netz. Irritiert hat mich jedoch der Absatz zu Paid Content, denn dazu steht IMHO nichts in Payback. Oder ich habe es freudianisch überlesen. Die Konsequenz aus dem Buch ist ja nicht, dass die FAZ auf Bezahlcontent setzt, wenn einige Artikel hinter der Paywall liegen.

    Die Konsequenz ist, dass Leute wie die im Buch zitierten, dass Gelernter, Shirky oder Rieger, Kurz und Kuri in der FAZ über das Internet und das Denken reflektieren und dies bei FAZ-Lesern ankommt und aufgenommen wird, manchem Gegrummel über die Internet-Lastigkeit zum Trotz.

    Wenn im Zusammenhang mit Internet und Journalismus der Zukunft und FAZ der Zusammenhang zum FAZ-Herausgeber Schirrmacher geschlagen werden kann, dann vielleicht wegen der Tatsache, dass das Blatt die einzige größere Publikation ist, die nicht diesen Unsinn vom Leistungsschutzrecht der deutschen Verleger mitmacht –Detlef

  3. Chris sagt:

    @Detlef: Ich mag bei der von Schirrmacher angesprochenen Kostenlos-Kultur ein wenig fehlinterpretiert haben. Vielleicht sind bei dem Wort die Alarmglocken bei mir zu sehr angesprungen… 😉

  4. Solarix sagt:

    @Andreas,

    natuerlich ist das Netz vor allem ein Copy and Paste Medium geworden. 😉
    Individuelle Erarbeitung von Wissen gibt es ganz ganz selten..

    Auch die meisten Blogs sind entweder belanglos, oder langweilig. Bei mir sind so viele Blogs aus dem RSS Feed geflogen, ich les nur noch ca fünf Blogs konstant. Die Selbstvermarkter Lobo und Co müsen natuerlich gegen ein hinterfragendes Werk wettern, immerhin geht es um Ihr Handwerk. 😉

  5. Marc sagt:

    Vielen Dank für diese Rezension!
    Bislang hatte ich das Buch eher als «alte Leute beschweren sich über das Internet»-Buch wahrgenommen. Es hatte bei mir den Eindruck eines überhaupt nicht lesenswerten und wenig durchdachten Buches erweckt. Was sich nun doch deutlich geändert hat.
    Es macht den Eindruck einer kritischen Bestandsaufnahme des momentanen Internets.

  6. Jürgen sagt:

    Danke für Deine ausführlichen Gedanken zu Schirrmachers neuestem Werk. Bekanntlich war ich in fünf Teilen und zwei Nachträgen in meinem Blog ja zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen. 😉

    Ernsthaft: Ich finde Schirrmachers „Payback“ eher peinlich, denn von der Technik versteht er gar nichts, was ihn aber nicht davon abhält, ständig auf allen Kanälen das Gegenteil zu verkünden (und keiner traut sich darauf hinzuweisen, daß der Kaiser auch diesmal wieder keine Kleider trägt). Es bedarf keiner Erörterung, daß ich nicht ernsthaft an einem Text schreiben kann, während ich gleichzeitig von meinen E-Mail-, Twitter-, Newsgroup– und Jabber-Clients beschallt, beblinkt oder sonst abgelenkt werde. Achtsamkeit. Darauf sind wir doch schon längst gekommen, auch ohne den Herrn S. und sein fahrig zusammengeschriebenes 200-Seiten-Stück.

    Die entscheidende Frage ist aber, ob man es der FAZ irgendwann einmal anmerken wird, daß wenigstens einer ihrer Herausgeber mal etwas länger über die heutige Medienlandschaft nachgedacht hat als möglicherweise manch anderer unter den „Medienschaffenden“. Hier legst Du den Finger in die Wunde der Kulturindustrie, die schon seit ganz langer Zeit sich selbst gleichgeschaltet hat, indem sie gegenseitig voneinander abschreibt, und zwar ganz egal ob Print oder Online. Und das nun immer schneller, auch noch im gegenseitigen Wettlauf.

    Allein, ich glaube es nicht, daß die FAZ sich mit ihrem Online-Auftritt hier ausklinken wird. Daß man sich traut, insgesamt sehr viel weniger zu bringen und dafür anteilmäßig (noch) mehr Eigenes, selbst Recherchiertes. Qualität vor Quantität.

    Problematisch ist nicht, daß man eine wichtige Nachricht überlesen oder im Tickerstrom verpassen könnte. Wenn sie wirklich so wichtig ist, wird sie mich auch erreichen, das glaube ich mittlerweile auch. Problematisch ist es vielmehr geworden, überhaupt noch ein Medium zu finden, in dem etwas wirklich „Relevantes“ drinsteht, von dem ich noch profitieren könnte.

    Deshalb besteht die Aufgabe darin, sich seinen eigenen „Medien-Mix“ immer wieder neu zusammenzustellen und so sorgfältig wie möglich aus der großen Zahl (nicht: aus der Vielfalt) an Quellen auszuwählen und sie zutreffend zu verstehen, sie so kompetent wie möglich einzuordnen. Beschränkung, also, und immer mal wieder auch Abschalten sind angesagt.

    Sein Buch hätte er also besser „Pause“ nennen sollen. Oder „Log out“, wenns denn schon was Denglisches sein soll.

  7. Karpfenpeter sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Bei dem Absatz über permanente Ablenkung seitens Twitter, Facebook und RSS habe ich mich gefragt, wie oft ich selbst wohl abgelenkt würde, wäre ich der Autor dieses länglichen Artikels gewesen.

    Permanente Ablenkung ist ein riesiges Problem in unserer Zeit, welches aufgrund seiner wahren Ursachen typisch für die selbige ist.

    Eine Anmerkung noch: Im Artikel steht:
    «Ein so genanntes Totschlagargument – inhaltlich vermochte kein Politiker die Instrumente verteidigen, so griff man die Kritiker an und stellte sich als unglaubwürdig dar.»

    Müsste es nicht heissen: «…und stellte >SIE< als unglaubwürdig dar…».

    Viele Grüsse, Peter

  8. stabil sagt:

    Zum Thema Quellenkritik.
    Ich denke, dass viele keine Quellenkritik betreiben, weil diese als zu aufwendig erscheint. Die wesentliche Information wurde bereits aus dem Hauptartikel gezogen und jedes Folgen eines weiterführenden Links würde zu viel Zeit kosten. Zeit, die man lieber in das Lesen eines weiteren Leitartikels oder einer zweiten Schlagzeile investiert. Man will offenbar lieber von allem etwas wissen, aber nicht von einem alles. Oder anders formuliert: Es reicht mittlerweile völlig aus, eine Schlagzeile zu kennen und vielleicht noch zwei, drei weitere diesbezügliche Informationen, um in einem Gespräch mitreden zu können. Tiefer gehendes Wissen, Hintergrundinformationen werden nicht abgefragt, interessieren nicht, sind unwichtig. Sind zu anstrengend zu bekommen, zu mühsam zu vermitteln.
    Wenn es ein grundlegendes Phänomen gibt das für unsere gegenwärtige Gesellschaft kennzeichnend ist, dann ist es die Oberflächlichkeit. Wie schon richtig erkannt wurde: Masse und Schnelligkeit wird Vorzug vor Fundiertheit gegeben. Es verwundert nicht, dass dafür auch niemand etwas zahlen will. Wenn bei mir monatlich die Le Monde diplomatique im Briefkasten liegt, dann kann ich mich drauf verlassen, gut recherchierte und mit Quellen belegte Artikel lesen zu können. Dafür zahle ich gern. Und mitnichten wandere ich deswegen zu den genannten Quellen ab. Im Gegenteil. Die LMD bildet meinen monatlichen Startpunkt.

    Will man also die Leser zu mehr Quellenkritik animieren, sollte man ihnen zuerst einflößen, dass es absolut kein Muss ist, von allem immer alles zu wissen. Man sollte sie animieren, sich besser auf zwei, drei ausgesuchte Interessengebiete konzentrieren und dort vertieft nach Information suchen. Die wichtigen Schlagzeilen bekommt jederman auch so mit. Da muss kein gegenseitiger Austausch stattfinden. Auf die Hintergrundinformationen kommt es an! (Siehe das verlinkte Beispiel der tagesschau zu den Arbeitslosenzahlen. So etwas hat heutzutage ja schon Seltenheitswert). Hier ist Austausch nützlich und wichtig, um Nachrichten wieder einordnen zu können. In Zeiten in denen «Nachrichten» oftmals von PR-Agenturen verfasst werden, ist Hintergrundwissen unerlässlich, um trotz dieser Nebelkerzenwürfe klar zu sehen.

    Wir werden zu einem «Jack of all trades and master of none». Besser wäre doch sicher «Jack of some trades and master of them.»

  9. […] Literatur, Medien, Meinung, Netzkultur von jfenn am 5. April 2010 Danke für Deine ausführlichen Gedanken zu Schirrmachers neuestem Werk. Bekanntlich war ich in fünf Teilen und zwei Nachträgen in meinem […]

  10. vera sagt:

    Ich habe es jetzt bis gut zur Hälfte gelesen und gebe Dir in vielem Recht. Was mich aber gewaltig stört, ist der Kulturpessimismus, der irgendwie in Mode zu sein scheint. Ich würde mir ein mit derselben Verve geschriebenes Buch wünschen, das sich mit den Chancen und Möglichkeiten der Internetkultur beschäftigt, ohne direkt mahnend den Zeigefinger zu heben. Vielleicht ist das wirklich eine deutsche Eigenart.

  11. Oppel sagt:

    Ich finde, das ist enorm wichtiger Beitrag von Chris — gerade weil Chris aus einer ganz anderen Ecke kommt. Und es stellt sich die Frage, ob wir es mit einem Netzdiskurs zu tun haben, in dem es um Erkennen geht oder in dem es immer mehr nur noch um PR geht. Natürlich muss jemand wie Knüwer oder Sixtus das runterschreiben,denn allein durch das Runterschreiben empfehlen sich solche Leute ja als Berater bei verunsicherten Unternehmen.
    Faktum ist, dass die Amerikaner Schirrmachers Beitrag viel früher verstanden haben. Offenbar sind wir in Deutschland immer noch in einer Konsumideologie, soll heissen: die meisten, die schreiben sind Berater, abgeschossene Journalisten, Werber etc. Statistisch auffällig, aber eben überhaupt nicht statistisch repräsentativ. Ich allerdings fand Schirrmachers Thesen zum Gedanken_Darwinismus am interessantesten. Zuviel Infos für zuwenige Gehirne, Verknappung der «Nahrung», also Ressource Aufmerksamkeit führt zum Überleben der Stärksten (nicht Gedanken sondern Insitutionen a la Google). Die Banalrezeption a la Lobo hat Schirrmacher Recht gegeben.

  12. olhe sagt:

    @Solarix: Da hast du aber noch richtig Schwein, daß du dann doch ab und an ein Lebenszeichen von dir gibst 😀 😉

  13. olhe sagt:

    @vera: allgemein mag dies so in diversen Bereichen stimmen, im Kontext des Webs und der dort angestimmten «Ponyhof-Mentalität» halte ich diese Kritik jedoch für verfehlt. Vieles könnte man einfach mal so machen, wie z.B. in den Staaten in derlei Gefilden üblich, mitunter käme sogar Inhalt dabei heraus, andererseits wünscht man sich in den Staaten auch mehr Bewußtsein gegenüber Risiken und Nebenwirkungen. Meine Präferenz steht klar fest, ich bevorzuge die Staaten und halten mich auch im Web zum Gros in englischsprachigen Gefilden auf, aber einfach mal so tauschen möchte ich ebenso wenig — die goldene Mitte wäre mir persönlich lieber. Klar ist eines festzuhalten, während man in Deutschland noch die Methodik wieder und wieder diskutiert, ist man dort schon bei den Inhalten angelangt. Der regeltreue Preuße findet halt in Deutschland eher Gehör als denn dieser kreative Schöngeist …

  14. olhe sagt:

    @Jürgen:

    Problematisch ist nicht, daß man eine wichtige Nachricht überlesen oder im Tickerstrom verpassen könnte. Wenn sie wirklich so wichtig ist, wird sie mich auch erreichen, das glaube ich mittlerweile auch. Problematisch ist es vielmehr geworden, überhaupt noch ein Medium zu finden, in dem etwas wirklich „Relevantes“ drinsteht, von dem ich noch profitieren könnte.

    … dies sollte ich mir ausdrucken und rahmen lassen :-)

  15. […] Fenn in einem Kommentar auf […]

  16. Jürgen sagt:

    @olhe: Danke. :-) Ich mache mal den Amazon: Wenn Dir der Absatz gefallen hat, könnte Dir auch dieser Blogbeitrag zusagen. 😉

  17. georgi sagt:

    …das Jubelpersertum über das Netz, Twitter, Facebook und Co…

    Twitter, Facebook? Was macht man denn damit? Brauch ich das? Das habe ich alles noch gar nicht. Handy benutze ich selbst nur gezwungenermaßen. Sonst hätte ich keines. Meine letzte SMS ist schon ein paar Jahre alt. Sascha Lobo kenne ich nicht und interessiert mich nicht. War das nicht dieser Irokese aus der vodafone-Werbung? Chris hatte doch alle Blogger, die darin mitgemacht haben, heruntergemacht. Daher kenne ich diesen Sascha Lobo überhaupt nur. Was interessiert mich da Frank Schirrmachers selbstverschuldete Reizüberflutung? Werde sein Pamphlet daher bestimmt nicht lesen.

    Na ja, RSS-Feed ist recht nützlich. Ein paar vernünftige und kluge Seelen bevölkern das WWW, deren persönliche Ansichten ich durchaus schätze. Zu diesen zählt der schon erwähnte Thomas Strobel, aber auch A. Müller/W. Lieb (Nachdenkseiten), J. Jahnke und noch paar andere, die wirklich etwas zu sagen haben. Das Internet tritt also gerade nicht so sehr als unheimliche Maschine an mich heran, die mich steuert und versklavt, sondern als Medium, die von lebendigen Menschen betrieben wird, über und mit denen man streiten kann oder auch nicht. Die entpersönlichende Wirkung eines Jobcenters ist wohl entschieden dramatischer. Der Schirrmacher nimmt sich wohl etwas zu wichtig.

  18. Robert B. sagt:

    Zu aller erst möchte für diese Rezension danken – als das Buch frisch auf den Markt geworfen wurde, machte es auch auf mich den Eindruck, dass ein „alter Herr sein Verzweifeln vor der Technik“ niedergeschrieben hat, obwohl ich damals schon einigen der in der (gedruckten) Presse zitierten Gedanken zustimmen konnte. Diese Rezension zeigt oberflächlich erst einmal wieder, dass man die Schirrmacher’sche FAZ nicht in eine Schublade stecken kann, was mit den Blogs auch schon teilweise abzusehen war. Als – zwar im Grunde links-orientierter – regelmäßiger Probeleser der Zeitung wären mehr Hintergründe wünschenswert, der Platz im Blatt ist da. (Da haben natürlich Wochen– oder Monatszeitungen oder –magazine schon Vorteile, wie stabil korrekt nennt.)

    Mit den diversen und immer neuen Technikspielereien, die einem ins Internet ziehen, ist es doch im Grunde wie mit der Mode oder neuem Spielzeug: Wenn sie neu sind, sind sie das Coolste auf der Welt™ und nach kurzer Zeit setzt die Routine bis hin zur Langeweile ein. Alleine von den ganzen Spielzeugen, die unter dem Artikel stehen, benutze ich ab und zu für meine Radiosendung gerade einmal zwei: Identi.ca und Twitter, wobei Twitter schon von Identi.ca gefüttert wird. Vom Rest habe ich schon einmal etwas gehört, sehe aber keinen Nutzen für mich: Wenn etwas wirklich gut ist, kommt es im Grunde ja auch zu einem. Aber auch „meine beiden Spielzeuge“ haben recht schnell ihren Reiz verloren, der Platz reicht gerade einmal für den Titel der Sendung zuzüglich der Podcast-URL. Nach meinem Eindruck sind Dents und Tweets RSS der „Generation Webbrowser“, die statt Lesezeichen (so 90er) Google benutzen – ganz abgesehen davon, dass wohl 99% der Internetnutzer noch nie etwas davon gehört haben. Aber mir scheint schon, dass für viele diese ganzen Spielereien schnell zur lästigen Pflicht werden: Twittern, Taggen, so genannte Freundschaften in so genannten sozialen Netzen pflegen, … Man sollte viel mehr „um den Block“ oder durch den Wald statt irgendwelchen Trends hinterher rennen (sagt einer, der auch viel im Netz unterwegs ist, aber lieber im so genannten Real Life mit Freunden oder auf dem Rad unterwegs ist).

    RSS ist auch noch ein gutes Stichwort für eine sinnvolle Technik, die schnell eine unübersichtliche Spielerei wird und auch da kann ich aus meiner Erfahrung dem Artikel voll zustimmen: Ich habe angeblich (sagt mein Dateimanager) einen RSS-Reader auf der Festplatte, aber schon länger nicht mehr angefasst. Irgendwann sammeln sich dort einfach viel zu viele Feeds und man surft stattdessen die interessanten Seite manuell an. Und auch dabei gilt wie oben beschrieben: Die interessanten Informationen finden mich.

    Aber zurück zu Tweets und Copy&Paste: Ich weiß leider auch nicht, wie und wann die Quellenkritik verloren gegangen ist, aber eine gute Übung dürfte sein, nicht einfach Links zu präsentieren, sondern den zentralen Inhalt der verlinkten Quelle in einem Absatz zusammenzufassen. Natürlich sind Links eine ausgesprochen sinnvolle Sache – Querverweise kennt man beim Schreiben schon lange – aber wie oft versucht man sich bereits aus dem Linktitel den Inhalt zusammen zu reimen? Hier sind nach meiner Ansicht beide Seiten gefragt: Der Autor sollte zusammengefasst Hintergrundinfos liefern, der Leser aber auch selbst recherchieren. Und genau so kann der herkömmliche Journalismus durchaus überleben: komplexe Dinge erklären und es akzeptieren, dass Leser mehrere Quellen konsultieren. Also dem Leser bei der Quellenkritik helfen.

    Vier Absätze und über eine halbe Stunde später (ich habe mal darauf geachtet), möchte ich mit einer Beobachtung von soeben schließen: Multitasking ist sinnlos. Wenn ich – wie oft – noch woanders quergelesen oder den Instant Messenger angeschaltet hätte, wäre nicht so viel herumgekommen wie jetzt. An der Arbeit ist daher das Emailprogramm mittlerweile oft aus oder auf lautlos, der Browser nicht gestartet, kein IM im Hintergrund. Ansonsten schafft man es spielend, einen ganzen Tag nichts zu schaffen.

    Frank Schirrmacher ist gewiss eine streitbare Person, und Ypsilantis Abschuss nehme ich ihm heute noch übel, aber mit der Quintessenz des Buches scheint er sehr Recht zu haben. (Und genau hier zeigt sich auch wieder, wie träge der Leser ist: Dieses Fazit basiert alleine auf dem Artikel, dessen Urheber ich leichtfertig Vertrauen schenke. Aber wer weiß, was ich als nächstes lese …)

    P.S.: Ich verstehe das Goethe-Zitat auch auf das gesamte Leben bezogen – Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein, im Feierabend, Urlaub, etc. Nicht nur das sich den Medien, sondern auch dem Marktglauben, Unterwerfen ist ein großes Problem unserer Zeit.

    P.P.S.: Jetzt habe ich ganz schön oft zwischen diesem Eingabefeld, dem Artikel und den Kommentaren hin– und hergescrollt.

  19. Tobi-Wan sagt:

    Lieber Chris, Dein auf Schirrmachers neuestes Werk begründetes Essay ist eine sauber formulierte gedankliche Meisterleistung, die mir wieder vor Augen geführt hat, warum ich fixmbr.de trotz der mich öfters störenden Polemik gerne besuche! Eine solch unvoreingenommene, differenzierte Auseinandersetzung mit «Payback» habe ich bisher nirgendwo anders gelesen. Die in diesem Buch aufgeworfenen und von Dir unterstützten Thesen (Informationsüberflutung, Abhängigkeit von der Technik, «Geschwindigkeit vor Qualität» als Medien-Motto) beinhalten zentrale Probleme unserer Generation, über deren Lösung es sich nachzudenken lohnt.

  20. Ich würde mir ein mit derselben Verve geschriebenes Buch wünschen, das sich mit den Chancen und Möglichkeiten der Internetkultur beschäftigt

    Gibt’s sowas noch nicht? Dann ist’s ja höchste Zeit. Meine Titelidee: «Heimat Internet».

  21. olhe sagt:

    >Heimat Internet

    … ohne volkstümlichen Pathos:

    Weinbergers Everything is Miscellaneous sollte da Abhilfe schaffen und dem Machwerk Schirrmachers gekonnt Paroli bieten. Ich empfand es als äußerst gekonnt geschrieben, würdig dem Zeitgeist Internet. Es zeigt den wahren revolutionären Charakter des WWW auf, was anders ist, warum letztendlich auch konservative Medienvertreter an diesem Netz der Netze scheitern, ebenso wie z.B. Herr Schirrmacher.

  22. Chat Atkins sagt:

    Das Kernproblem, das ich mit Schirrmacher habe, ist sein dingliches Verständnis von Information: Im Netz kann nun mal keinerlei Information vorhanden sein, da finden wir lauter Zahlen und Kombinationen aus 26 Buchstaben. Information ist etwas, was UNSER KOPF ständig selbst leistet und was strikt auch nur in unserem Kopf existiert. Das sagt uns jedenfalls die neuere Gehirnforschung. Hier ist Schirrmacher nicht auf dem Stand der Wissenschaft.

    Bestenfalls erzeugt all der Lärm und Noise der Reize und des Blinkyblinky im Netz BEI IHM dann anhaltende Informationsverwirrung, weil IN SEINEM KOPF ständig verschiedene und widersprüchliche Frames — also Sinngebungsangebote — aktiviert werden. Wenn jemand mit Widersprüchen nicht leben kann und ein ‘geschlossenes Weltbild’ quasi als kognitives Geländer fürs Leben benötigt, dann mögen die beschriebenen Folgen eintreten.

  23. Sehr gute und ausführliche Darstellung, doch möchte ich noch einen Aspekt ergänzen, den Schirrmacher gerne anführt und den ich auch persönlich als sehr wichtig erachte. Er warnt nicht nur davor, dass uns Algorithmen das selbständige Denken abnehmen (und wir es dadurch zunehmend verlieren), sondern auch davor, dass die algorithmische Auswertung der Daten aller Nutzen es mehr und mehr ermöglichen, aus dem Nutzungsverhalten eines Individuums Schlüsse auf dessen sonstigem Verhalten sowie dessen zukünftigem Verhalten zu ziehen — mit entsprechenden Möglichkeiten für Vorschläge und Unterstützung z.B bei der der Suche, aber vor allem auch Konsequenzen für Werbung, Risikoeinstufungen, Preismodelle, Beurteilung durch andere — bis letztendlich der Frage nach dem freien Willen (vgl. z.B. Interview mit N. Carr: «The way we predict our own life, the way we are predicted by others, through the cloud, through the way we are linked to the Internet, will be matters that impact every aspect of our lives.»). Zwar ist es schön, dass mir Amazon Bücher empfiehlt, die mir gefallen könnten. Doch erachte ich es für sehr bedenklich, wenn andere mir mein Leben für die nächsten 10–20 Jahre vorhersagen wollen bzw. mich bereits heute entsprechenend einordnen.

  24. In der Tat gab und gibt es viele Techies, die die Internetwelt oft zu positiv sehen, manchmal etwas lebensfremd:

    Noch vor 10 Jahren stritt ich mit technikaffinen Leuten über Wert und Unwert der E-Mail. Damals waren die Technikaffinen sehr euphorisch. Kritik an den Schattenseiten der E-Mail erschien ihnen altbacken und kulturpessimistisch. Ich habe seinerzeit im Büro gearbeitet und mich täglich durch hunderte, meistens völlig überflüssige Mails gewühlt. Für mich hatte die E-Mail als Arbeitsmittel damals sowohl Schatten– als auch Sonnenseiten. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis die Schattenseiten der E-Mail zum Thema für die Ratgeberbücher wurden. Heute gilt die E-Mail auch als Zeitfresser.

    Es gab aber auch früh den internettypischen Kulturpessimismus: die DAUs machen das Netz kaputt. Staat und Wirtschaft treiben Schindluder mit den Daten und höhlen die Privatsphäre aus.

    Man muss also gerechterweise sagen: die blanke Euphorie war es nie, ein bißchen Ambivalenz war immer dabei.

  25. Yuggoth sagt:

    wenn man den rückwärtsgewandten, bürgerlichen primitivismus in seinem kulturpessismus nicht für bare münze nimmt, ist es doch ein gutes buch mit schönen denkanstößen.

    wäre schön, wenn jmd das ding in eine progressive richtung umschreibt.

  26. anselm sagt:

    «Politische Artikel und Denkanstöße werden, wenn überhaupt, von einer beschaulichen Anzahl von Lesern konsumiert und kommentiert.«
    Der Autor meint offensichtlich: überschaubar.
    Mehr braucht man zu dem ganzen Problem nicht zu sagen.

  27. Angelika Zumrot sagt:

    FAZ — WERBEMASCHINE und alle machen mit?.… seitdem dieses buch, ( ich bin übrigens keine bloggerin und auch kein großer internetfan– oder ablehner) , auf dem markt ist, versuchen teile der FAZ (welche wohl) immerwieder die nicht anspringende diskussion um das buch in gang zu bringen. will das eigentlich keiner wahrhaben? sage es mal so: schirrmacher versucht doch immerwieder durch groß angeworfene themen zu imponieren. «der meinungsmacher…?» «Die FAZ als Machtorgan.» aber auch diese zeiten sind vorbei. die berliner seiten war einen flop. aber schirrmacher durfte immer weitermachen… warum eigentlich? ich sehe es noch vor mir: genom entschlüsselt! sonderdruck.… vielleicht hat er eben diese narrenkappe bekommen, damit die faz auch mal etwas verrücktes tut, mal etwas total verrücktes… zukunftsmusik statt geschichtsverwischung. beides mit demselben effekt. und dass er bei Reich-Ranicki immerwieder in den FAZ gemeinschaftsbunker ruft,… auch einsehbar… leider aber auch soooo langweilig. und das scheint mir jetzt auch mit seinem buch passiert zu sein. seine eigene kapitulationserklärung ist natürlich nur geschickte geschäftemacherei. das thema hätte eigentlich gut zünden können, aber hat es eben nicht. und deshalb sollte sich auch kein blogger bedanken, und zufälligerweise landet dieser artikel dann bei google-news auf der startseite.… ach ja? na wie geht denn das?… auch so einsehbar. wirklich schade.… jedenfalls muss man sich um dieses buch ab sofort nicht mehr kümmern. es wird auch in ein paar wochen nicht mehr zünden. und soviel ablehnung gab es auch nicht wie es jetzt gerne manche behaupten möchten. das buch ist ganz einfach langweilig und überflüssig. ein flop ! viele grüße ! A-Z

  28. Medienjunkie sagt:

    Während man an einem Artikel schreibt, meldet sich Twitter oder der Feedreader – und schon ist der gerade noch ausformulierte Gedanke vergessen.

    Das ist doch nichts, was erst durch das Internet oder Web 2.0 existiert. Schon mal erlebt: Man schreibt an einem Artikel/Brief/whatever, plötzlich klingelt der Postbote, und schon ist der schönste Gedanke weg.
    Ansonsten zitier ich mal Rainald Goetz aus der letzten Harald Schmidt-Show: «Das Problem ist doch nicht, was das Internet mit Schirrmachers Kopf macht, sondern mit der Gesellschaft.»

  29. Thomas sagt:

    Diese Rezension ist dem, was in traditionellen Medien veroeffentlicht wurde so haushoch ueberlegen — ganz zu schweigen von Lobo,Kruse etc. Auch wer Schirrmacher beu Illner sah und zuhoerte muss erkennen, dass er der einzige Etablierte ist, der kapiert worum es hier geht. Sehr gut seine Frage an Aigner, ob sie auch vor de Maiziere warne, das gespann kurz/schirrmacher ist einfach spanne d. Und das chris so klug schreibt, macht die Debatte, die so carta-schwatzhaft wurde ganz neu. Tolle syntgesen,

  30. Wiggerthaus sagt:

    Der Don hat heine sehr gute Ergänzung geliefert. Sowohl auf der Blogbar wie in den Rebellen ohne Markt. Und beides zusammen versöhnt fast wieder mit der Netzintelligenz: Chris und der Don, beide überragen die Debatte turmhoch. Schirrmachers Buch ist überhaupt nicht gelesen worden, aber scheint einigen Leuten klar gemacht zu haben, das ihr Geschäftsmodell vielleicht bald auf Grund geht.

  31. vera sagt:

    Irgendwie beschäftigt mich der Gedanke, wie die Selbstdarstellung Schirrmachers, die ich zur Zeit als sehr ambivalent erlebe, meine Rezeption des Buchs beeinflusst. Hm — ich stell mich dann, glaub ich, mal im Halbkreis auf -

  32. Blaubart sagt:

    Als ich das Buch gezeigt bekommen habe und den Klappentext gelesen hatte, hielt ich es für ziemlich überflüssig und uninteressant. Nach diesem sehr interessanten Beitrag werde ich es jetzt doch lesen, vielen Dank für die Anregung!
    PS: Ich hab imr das Blog jetzt mal makiert und hoffe, dass es noch mehr so gute Beiträge hier zu finden gibt.

  33. julian sagt:

    Ich habe, nicht zuletzt wegen diesem Artikel, das erste Drittel des Buches gelesen. Es ist wahrlich nicht so schlimm, wie ich gedacht habe.
    Es gibt sicherlich einige interessante Gedanken. Der alarmistische Unterton, und die übertreiberische Sprache gehen einem aber gehörig auf die Nerven.
    Auch das heranziehen von vermeintlichen Belegen, was dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich verpassen soll, ist manchmal vollkommen irrelevant.
    Was sagt schon die Menge der Texte in exabyte aus, irgendwelche Rechnungen über die Anzahl von SMS eines Kindes? Nichts. Anekdoten sind keine Daten, und Studien ohne Kontext zu zitieren ist auch sinnlos.
    Bei manchen Sprachbildern fasst man sich auch an den Kopf. Nicht nur bei dem schon beschriebenen Darwin vergleich, sondern auch bei der Übersetzung von «feed-back» in «rück-Ernährung», was erstens falsch, und auch kein «Lieblingswort der Informatiker» ist. Falls er Feedback-Netze der künstlichen Intelligenz meinen sollte, dann ist das auch nichts anderes, was sich in unserem Hirn befindet. Er meint aber wohl das Feedback, was ich hier gerade mache, also kommentieren. Irgendwelches Halbwissen wird so zusammengeklöppelt, dass es für die These und ein Wortspiel passt.
    Mein Hauptkritikpunkt ist, dass (zumindes der Anfang) des Buches eben keinen offenen Diskurs über die Zukunft anregt, sondern sich vor allem über die Veränderungen beklagt. Etwas mehr Nüchternheit, und auch die bisherigen Wertemuster hinterfragendere Auseinandersetzung wäre hilfreicher.
    Schliesslich stand auch schon mal das Schreiben unter dem Verdacht schädlich zu sein:

    «In parallel with modern concerns about children’s overuse of technology, Socrates famously warned against writing because it would «create forgetfulness in the learners’ souls, because they will not use their memories.«

    Don’t Touch That Dial!

    Ehrlich gesagt habe ich gerade gar keine Bock mehr weiterzulesen …
    Es ist nicht so, dass das Buch keine Substanz hätte, aber der schreibstil nervt gewaltig.
    Es liest sich so, als ob ein Journalist einen auf Wissenschaftler machen will, und das geht schief.
    Da lese ich doch lieber Don Alphonso 😉

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