Open Source? Hacker? Träumerei?

Und zwar in puncto Hacker, Linux, Open Source & Co. Dachte ich anfangs noch das da ein wenig humorvoll auf diese Thematik eingegangen wird von [[wikipedia:de:Juli Zeh]], so bin ich am Ende angelangt eher der Ansicht das die Einarbeitungszeit, in diese doch recht komplexe Thematik, wohl relativ kurz ausfiel. Frau Zeh kann diverse Auszeichnungen vorzeigen, allesamt der Literatur zugeordnet und ist mitunter auch eine hochkarätige Schriftstellerin. Das kann ich nicht beurteilen, aber die Auszeichnungen gibts ja nicht mal eben so.

Zeh beginnt mit der Spezifizierung des typischen Hacker-Bilds in der Bevölkerung, gekrümmte Haltung, Chips-Tüten, Cola-Dosen, abgedunkeltes Zimmer, Fixierung auf … achtung nicht den Monitor, sondern die Maus, kurzum Mein Freund F. ist ein Neandertaler des Informationszeitalters.. Nebenbei, so ein zünftiger Hacker1 hackt auf der Tastatur umher und sieht meist die Maus überhaupt nicht.

Die Lebensweise dieses fiktiven Freunds wird mittels anarchistischer Gepflogenheiten gezeichnet, Sie tragen Kopfhörer und Kassengestell. Ja solche Leute kennen wir alle zu genüge und man bezeichnete diese gerne als Nerds, irgendwann in grauer Vorzeit genannt 60er oder 70er und die Anekdote mit MIT und Hackern ist auch ganz nett, aber nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß. Solche Frickler, Hacker, die mittels Intelligenz viele Situationen meistern können und sich der Freiheit verschrieben haben, ich glaube das sollte doch die Grundeigenschaft der Menschheit darstellen. Mitunter ein Grund, das wir überhaupt die Höhlen verließen. Ja gut dann war halt da noch der Eisenbahnclub des MIT Instituts und die nannte man Hacker und wenn sie nicht gestorben sind, dann steuern sie noch heute Züge :)

Das oberste Gebot der Open-Source-Idee sieht auf den ersten Blick weniger wie eine ethische Überzeugung als eine technische Richtlinie aus […]

Beinahe getroffen und doch haarscharf vorbei, das kommt dabei heraus, wenn man Hacker mit Programmierern vermengt. Natürlich ist beides möglich, jedoch keineswegs die Regel im atheistischen Open Source Land. Denn für den Hacker haben gemeinhin freizugängliche Informationen oberste Priorität, ebenso wie die Freiheit an sich, während es den pragmatischen Open Source Vertreter — sprich Programmierer — in der Form gar nicht gibt. Nimmt man Linux als Basis, schwingt zu 99% die GPL mit, die General Public License, und diese besitzt eben eine ethische Grundlage. Die Lizenz ist Programm und die weitverbreiteste, die GPL, verinnerlicht eben ein höheres Anliegen als nur profane Technikhörigkeit. Nochmals zum notieren, dem Hacker2 gehts generell um freien Informationszugang und Freiheit im Allgemeinen, der Open Source Programmier mit GPL-Affinität möchte die Welt verbessern, indem er einem Teil des omnipotenten Systems, gemeinhin die Apple/Windows-Welt, die Antriebskraft raubt — sprich Open Source.


* Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
* Alle Informationen müssen frei sein.
* Mißtraue Autoritäten — fördere Dezentralisierung
* Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Rasse, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung.
* Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
* Computer können dein Leben zum Besseren verändern
* Mülle nicht in den Daten anderer Leute
* Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen
Hackerethik

Die Definitionen bezüglich Hacker könnte man endlos fortsetzen, die Basis sollte jedoch nun verständlich sein. Eines noch, man sollte nie Hacker == Cracker setzen, das gibt böses Blut. Denn letztere sind analfixierte Scriptkiddies die Schaden anrichten oder ihre größte Tat darin sehen Dinge zu stehlen. Aber auch das nur nebenbei, falls auch in diesem Gebiet, irgendwer mal den Erklärbär mimen möchte. Keine Korinthenkackerei, sondern nur eine exakte Definition — denn welcher Profi im Journalismus möchte sich denn schon mit kleingeistigen Bloggern gleichsetzen lassen? Eben und diesen Respekt sollte man auch anderen zollen, indem man sich frühzeitig in puncto diverser Begrifflichkeiten informiert.

Indem mein Freund F. bei seiner Tätigkeit das Lustprinzip über das Erwerbsprinzip stellt, betreibt er die Re-Individualisierung seiner wichtigsten, nicht erneuerbaren Ressource: Lebenszeit.

Nun man kann sehr wohl mit Open Source Geld verdienen und man tut es auch. Beinahe die Hälfte der Open Source3 Programmierer verdienen damit ihr Geld — kaum zu glauben, ist aber so. Oh Schreck, auch hier wieder die Diskrepanz in der Begrifflichkeit Hacker und eben Open Source Programmier. Und letztere kommen auch mit Familie etc. daher, sind also kaum die Anfangs gezeichneten Soziopathen. Meine echten Freunde wären gegenüber diesem fiktiven Freund übrigens in höchstem Maße beleidigt, aber auch das nur ganz am Rande.

Open Source oder nennen wir es in dem Fall freie Software ist keineswegs das Verdienst von Linus und seinem Kernel Linux, denn Linux ist nur ein Kernel. Userland drum herum wird durch GNU gebildet und existierte schon lange davor, seit ungefähr mitte der 80er. Da sollte mal Hurd als Kernel draufgepackt werden, klappte aber irgendwie nie, ergo entschied man sich den Linux Kernel zu nehmen. Nebenher sollte man auch noch BSD erwähnen das sein Scherflein dazu beitrug und zuvor existierte. Dessen sehr liberale BSD-Lizenz ist auf das Anfangs erwähnte MIT-Institut zurückzuführen (MIT-Lizenz).

Allenfalls rückte also dieser Kernel Open Source und vor allem die FSF mit ihrer GPL mehr in die breite Öffentlichkeit, was man wiederum aber der Fachpresse anlaßten kann, diese informierte sich zuvor einfach nur ungenügend.

Den Initiator der freien Softwarebewegung erwähnte ich schon, Richard Stallman, nicht zu vergessen den recht pragmatischen Open Source Verfechter Eric Raymond, der gemeinhin auch als Hacker gilt, in Open Source aber nur den rein technischen Vorteil sieht, keine ethischen Grundlagen etc. Und last not least die vielen anderen Beitragenden im Vorfeld von Linux.

Neben weiteren konfusen Beschreibungen diverser Hacker-Grundlagen, die zwar prinzipiell korrekt sind aber in diesem Kontext höchst irreführend, bringt die gute Frau auch noch ein einleuchtendes Beispiel, woran es denn bei Open Source eventuell haken könnte, die Wikipedia. Da wirken viele, viele Menschen mit und da ist ja schon einmal Chaos vorprogrammiert — dennoch funktionierts, schließt sie. Das ist korrekt aber ähnlich als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, den irgendwie existiert im Open Source Bereich keine wirkliche Anarchie, Linus behält auch die Hoheitsrechte beim Kernel, dennoch können viele partizipieren und bei BSD existieren diverse Hierarchien, die aufsteigendes Chaos im Keim ersticken. Darüber hinaus disqualifiziert man sich recht schnell im Open Source Bereich, wenn man denn nicht zuverlässig ist bzw. nichts kann. Anders da die Wikipedia, aber auch das ist ein anderes Thema und das sollte nur diesen völlig fehlgeleiteten, wenn auch gut gemeinten, Vergleich aus der Welt räumen.

Während ich F.?s gekrümmten Rücken betrachte, esse ich die letzte Chipstüte leer. So also sieht ein Bewohner der Insel der Seligen aus. Höchstwahrscheinlich werden Typen wie F. die Welt nicht in einen Paradiesgarten verwandeln.

Ein polemischer, gut gemeinter Ausklang eines humoristischen Textes? Vielleicht, dann sollte man aber dennoch zuvor die Hausaufgaben machen und sich der doch recht umfangreichen Recherche hingeben. Insgesamt erweckt der Text jedoch den Eindruck das diese von Soziopathen getragene Open Source Bewegung, initial mehr eine technische Ausrichtung besitzt, drunter aber auch die Weltverbesserer mimen, jedenfalls in ihrer eigenen kleinen Welt. Merke: Open Source ist ersteinmal ein ebenso schwammiger Begriff wie Fahrzeug. Denn wir sind uns doch alle einig, so richtig vergleichen kann man ein Fahrrad kaum mit einem Auto, oder? 😉 Sicherlich werde ich hier auch einige Details übersehen haben, aber im Groben sollte die Richtung klar sein. Im Anhang gibts dazu noch ein paar Quellen :)

Das diese Zeichnung *irgendeiner* Open Source Ausrichtung, der ich mir in diesem Text nicht so wirklich gewahr wurde, keine Träumerei darstellt, sondern schon lange massive Realität darstellt ist der Autorin anscheinend nicht bewußt.

Im Verlagshaus der Zeit wird mitunter auch viel Open Source angewendet und zumindest der Server laufen unter einem Debian Linux. Ich denke mal da existiert noch lange keine Weltdominanz, jedoch hat dieses Open Source in seiner *Gesamtheit* der Welt schon einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten verpaßt. Und btw. große Konzerne beschäftigen sich nicht mit Träumen und da Open Source dort ein Thema ist, ist es auch ein mind. zur Hälfte professionell getragene Angelegenheit.

Vielleicht bin ich auch übers Ziel hinaus geschossen und spiele den versenfenden Blogger, aber ich sehe mich eher als jemanden der seit 10 Jahren in Open Source involviert ist und auch aktiv an DesktopBSD mitwirkt, insofern sei mir die herzzereißende Korinthenkackerei vergönnt. Zuoft wurden in den Medien durch mangelnde Recherche bestimmte falsche Definitionen irgendwelcher Begrifflichkeiten in die Hirne von Otto-Normal-Verbraucher eingebrannt, als das man da noch einfach Schulter-zuckend drüber hinwegsehen könnte.

Fazit: Man kann folgendes über behalten, ein Hacker ist nicht notwendigerweise ein Open Source Programmierer, ein Kernelhacker z.B. ist nicht gleich einem dieser zuvor beschriebenen Hacker gleichzusetzen, nicht einmal im Ansatz. Open Source definiert sich teils durch Ethik, teils durch Pragmatismus, teils durch Lizenzen, teils durch völlig unterschiedliche Entwicklungsmodelle. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr verfängt man sich in philosophischen Gefilden, fernab der Technikgötter. Spinnen wir das ganze weiter, so ist diese Bewegung eventuell ein Auftakt zu Open Content und dieser verändert schon gerade in diesem Augenblick massiv die Gesellschaft. Allenfalls bemerkt man die massive Aggression der konservativen Kräfte, die da eine gewaltige Gefahr sehen. Aber der Weg, der Weg ist schon vorgezeichnet.

Und in aller Kürze noch, das ist kein Gebashe oder eine historische Zusammenfassung, nein sondern nur eine Verdeutlichung, das man dieses Gebiet nicht derart einfach abhandeln und dabei allerlei Begriffe vermengen kann. Da kommt sonst nichts bei raus, mehr soll dieser Text nicht zeigen.

Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa falls ich Blogmensch da völlig den innewohnenden Humor mißverstanden habe.

  1. The ?hacker culture? is actually a loosely networked collection of subcultures that is nevertheless conscious of some important shared experiences, shared roots, and shared values. It has its own myths, heroes, villains, folk epics, in-jokes, taboos, and dreams. Because hackers as a group are particularly creative people who define themselves partly by rejection of ?normal? values and working habits, it has unusually rich and conscious traditions for an intentional culture less than 50 years old. ESR Jargon File []
  2. Als Hacker ist man natürlich an Freiheit interessiert und da kann einem das Monopolgebaren der Firma Microsoft schon gehörig auf den Geist gehen. Das sollte dich aber nicht davon abhalten, dich auch mit dem Betriebssystem Windows auseinander zusetzen, wahrscheinlich hast du es eh schon auf deinem Rechner, wenn das ein PC ist. Dann aber treffe deine Wahl bewusst. Lass dir nichts einreden, forsche und lerne alles kennen. Es gibt auch deshalb so viele verschiedene Betriebssysteme, weil es so viele verschiedene Hacker gibt. CCC []
  3. The basic idea behind open source is very simple: When programmers can read, redistribute, and modify the source code for a piece of software, the software evolves. People improve it, people adapt it, people fix bugs. And this can happen at a speed that, if one is used to the slow pace of conventional software development, seems astonishing. OpenSource.org []

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2 Antworten zu “Open Source? Hacker? Träumerei?”

  1. Chris sagt:

    Fein, sehr fein. Als Du mir gestern den Link rübergebeamt hast, musste ich ja doch schmunezeln, nicht weil der Text der guten Frau bewusst lustig geschrieben wurde, sondern weil er unbewusst lustig, nicht ernstzunehmend wirkt. Der Text beweist, dass Auszeichnungen nicht wirklich Auszeichnungen sind, hat die gute Frau davon doch ein paar.

    P.S. Dein Text ist weder Gebashe noch Korinthenkackerei

  2. Grainger sagt:

    Die Beschreibungen von Frau Zeh passen doch bestens in das von Hollywood geprägte Klischee eines Hackers und mich beschleicht der Verdacht, das eben diese Hollywood-Filme die Hauptinformationsquelle der Autorin waren.

    Für eine Glosse mag es ja reichen Klischees humorvoll zu bedienen, aber ich fürchte das soll eher einen Versuch in ernsthaftem Journalismus darstellen.

    Und sehr viel mehr als einen missglückten Versuch kann ich leider nicht erkennen.

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