Oliver Kahns öffentliche Bewerbung

ArenaDa war er wieder, der Titan. Kurzzeitig hatte Oliver Kahn heute Josef Fritz von Seite 1 der Online-Medien verdrängt. Die BILD richtete einen Live-Ticker ein und alle anderen folgten: Deutschlands Welttorhüter war zurück. Was war passiert? Oliver Kahn hat sich in Rheda-Wiedenbrück mit Schalkes Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies getroffen. Er soll Nachfolger vom entlassenen Schalke-Manager Andreas Müller werden. Mehrere Stunden wurde verhandelt, bis Claus Tönnies vor die Kameras trat: Kahn ist ein geiler Typ und wir sind total d’accord. Wir haben ein Konzept besprochen und das passt alles gut. Es gab in der Vergangenheit schon weitaus zurückhaltende Äußerungen, die dann zu einem unterschriebenen Vertrag geführt haben. Der Titan also zukünftig Manager auf Schalke? Mitnichten. Sein Auftritt heute war nichts weiter als die öffentliche Bewerbung auf den Manager-Posten beim FC Bayern München.

Uli Hoeneß wird im Sommer als Manager von Deutschlands erfolgreichsten Fußball-Club aufhören und in den Aufsichtsrat wechseln. Dieser Schritt wurde schon vor längerer Zeit angekündigt. Es war zu der Zeit, als Oliver Kahn noch beim FC Bayern seine Brötchen verdiente und sich niemand Jürgen Klinsmann als Bayern-Trainer vorstellen konnte. In diesen Monaten war es fast schon ausgemacht, dass Oliver Kahn Nachfolger von Uli Hoeneß wird. Der FC Bayern hat für die Seinen schon immer gesorgt — der Erfolg gründet sich auch auf die unglaubliche Kompetenz neben dem Platz. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Gerd Müller — alles Namen, die für glorreichen deutschen Fußball stehen und heute die Geschicke des FC Bayern leiten. Die Aufnahme Oliver Kahns in das Bayern-Management war da nur die logische Folge.

Doch dann kamen Verena Kerth und Jürgen Klinsmann. Nein, nicht gemeinsam. Oliver Kahn produzierte kurz vor Ende seiner Karriere mehr Schlagzeilen neben dem Fußballplatz als auf dem grünen Rasen. Ein Ferrari hier, ein Date mit Verena Kerth dort, die Ehefrau wurde verlassen — aus dem Fußballer Oliver Kahn wurde der B-Promi Oliver Kahn. Jürgen Klinsmann verbannte ihn zu der WM 2006 auf die Bank — sicherlich der emotionale Tiefpunkt in Kahns einzigartiger Karriere. Doch Oliver Kahn zog sich aus diesem Sumpf an den eigenen Haaren wieder heraus. Sein Handshake bei der WM 2006 mit seinem großen Konkurrenten Jens Lehmann ist heute legendär, er kehrte zu seiner Frau zurück, wurde TV-Experte und aus dem gehassten Bayern-Torwart wurde deutschlandweit ein angesehener Sportsmann. Doch in der Folge sprach niemand mehr davon, dass Oliver Kahn Uli Hoeneß beerben würde.

Die Diskussionen hätten durchaus wieder aufgenommen werden können — auch wenn Oliver Kahn den FC Bayern München letzte Saison verlassen hat. Nicht nur als Fußballer, als der unglaubliche Hulk Torwart-Titan, sondern auch insgesamt als Angestellter. Doch wieder kam ihm Jürgen Klinsmann dazwischen. Als neuen Bayern-Trainer und Nachfolger von Otmar Hitzfeld präsentierte die Bayern-Führung den ehemaligen Bundestrainer, der Oliver Kahn vor der WM 2006 so schändlich ausgebotet hatte. Damit war vorerst klar — für Oliver Kahn gibt es kurzfristig kein zurück zum FC Bayern. Wieder war es Jürgen Klinsmann, der Oliver Kahn einen Strich durch dessen Lebensplanung machte.

Oliver Kahn konzentrierte sich in der Folgezeit auf seine Aufgabe als TV-Experte, vermarktete sich selbst in Asien, schrieb mit mäßigem Erfolg Bücher und gab hier und da ein Interview zum aktuellen Fußballgeschehen. Heute dann der große Knall und die Verhandlungen mit dem FC Schalke 04. Oliver Kahn war nach seinem Wechsel vom Karlsruher FC zum FC Bayern immer mit Leib und Seele Bayer. Wenn ein Spieler den Club in den letzten zwei Jahrzehnten verkörpert hat, dann dieser Oliver Kahn. Es ist schwer zu glauben, dass er nun plötzlich sein Herz an den Ruhrpott-Club verloren haben soll. Vielmehr ist es ein Hilferuf, die öffentliche Bewerbung an die Bayern-Führung: Seht her, ich bin wieder da und bereit. Was wird er FC Bayern tun? Jürgen Klinsmann steht besonders bei den Fans auf der Kippe — und wie schnell die Ich-AG Klinsmann ein Experiment beendet, hat er oft genug bewiesen. Wenn der FC Bayern München Eier hat, dann trennt er sich zum Saisonende von Jürgen Klinsmann, stellt Oliver Kahn als Nachfolger von Uli Hoeneß vor und leitet damit eine neue Ära ein. Oliver Kahn hätte damit sein Ziel mit der heutigen öffentlichen Bewerbung an den FC Bayern München erreicht. Es ist bereit — aber nicht für den FC Schalke 04. Er ist bereit für den FC Bayern München.

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7 Antworten zu “Oliver Kahns öffentliche Bewerbung”

  1. Marcel sagt:

    und ehrlich, wer will schon nach schalke? :)

  2. Cartagena sagt:

    Na Tönnies meint ja so wörtlich: «Schalke ist eben ein geiler Klub, da wollen viele hin.» 😀

  3. Chris sagt:

    Naja, Schalke ist ähnlich zu bewerten wie Zahnschmerzen…

  4. Cartagena sagt:

    Nee, Zahnschmerzen kann man behandeln 😉

  5. Chris sagt:

    Gut, Schalke behandelt sich diese Saison selber. Zweistelliger Tabellenplatz… 😀

  6. phoibos sagt:

    röhr von gran canarien, erholt und ausgeruht 😀

    also, mal ehrlich: eigentlich will man doch weder auf schalke noch nach bayern. pauli rockt!

    und für chris: Die Toten Hosen — Bayern 😛

  7. Andreas Müller sagt:

    Wolfgang Tilly
    wäre eine gute Wahl als Manger des FC Schalke 04.
    Aber doch bicht der
    KAHN
    WER WILL DEN SCHON

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