Offener Brief an W&V: W&V Society

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Sehr geehrte Frau Buckley,
Sehr geehrter Herr Korosec,
Sehr geehrter Herr Meitinger,

Sie kennen mich nicht, doch das beruht bislang auf Gegenseitigkeit. Ich muss Ihnen gestehen, dass mich Ihr Blatt bisher nicht interessiert hat. Das heißt, einmal schon, Sie wissen schon, die Selbstreferenzialität von uns Bloggern. Dies war aber die Ausnahme, seien wir ehrlich, Werbung bedeutet nichts anderes, als Menschen von Dingen zu überzeugen, die sie nicht brauchen — um nicht das Wort Abzocke gebrauchen zu müssen. Dementsprechend habe ich bisher auch Ihr Blatt eingeordnet. Ich gestehe Ihnen aber selbstverständlich zu, dass Sie diese Dinge anders sehen. Das gehört sich in unserem Land so.

Heute bin wieder einmal auf Sie gestoßen: die geschätzten Kollegen vom Clap-Club haben da einen interessanten Artikel veröffentlicht. Wissen Sie, ich denke, dass man das Clap-Magazin kaum beschreiben kann, man muss es lesen — in es eintauchen — um es zu verstehen. Und dann kann man nicht anders, als es zu mögen und auf die nächste Ausgabe zu warten, fast schon zitternd vor dem Briefkasten. Peter Böhling und Daniel Häuser versuchen den Menschen hinter der Schlagzeile dem Leser näher zu bringen, der Mensch, das wirkliche Sein steht dabei im Vordergrund, die Schlagzeile ist unerheblich. Das schaffen die beiden ganz hervorragend, immer mit der richtigen Portion Humor, einem Augenzwinkern, ohne den Gegenüber bloß zu stellen. Das schaffen nur die wenigsten Redakteure in der Medienbranche — mit dem Clap-Magazin haben Peter Böhling und Daniel Häuser etwas Einmaliges geschaffen.

Mir war bekannt, dass Peter Böhling und Daniel Häuser in der Vergangenheit in Ihrem Haus angestellt waren. Im Mai 2006 haben die beiden offensichtlich ein Konzept vorgestellt, welches wohl in Ihrem Haus abgelehnt wurde. Ich zitiere, die Screenshots nebenan sind ein wenig klein geraten, wir werden alle nicht jünger:

Entwicklung eines vermarktungsfähigen Magazinkonzeptes als Supplement zur W & V.

Lücken füllen, die der Werbe– und Medienmarkt bisher offen lässt:
branchenspezifische Aufarbeitung von People, Hintergrund, Entertainment.

Ein People-Magazin, das abbildet und aufzeigt, was im Markt bisher nicht zu sehen/ zu lesen gibt. Es bedient sowohl generische Interessen und Vorlieben der “Fach”-Zielgruppe (einerseits Neugier, Eitelkeit, Schadenfreude und andererseits Humor und geistigen Witz) als auch unbefriedigte Affinitäten (wie Design, Style und Ästhetik)

- Supplement (Größe, ähnlich wie bei compact, innovation), d. h. nur in Kombination mit EFV-Titeln erhältlich.
- eigenständig, d. h. optisch und inhaltlich unabhängig vom Mutterblatt  W & V und den anderen EFV-Titeln. Eigenständige CI, Farbgebung, Bildsprache und Sprachstil.

Am 29. Oktober erscheint nun W & V Society. Ich zitiere:

W&V Society – das Lifestyle-Magazin von Werben & Verkaufen

Wo W&V aufhört fängt W&V Society an. Nicht Kampagnen, Marktanteile, Tools und Umsätze stehen bei W&V Society im Mittelpunkt, sondern die Menschen dahinter. Jene Macher, die mit ihrer Leidenschaft, ihrer Inspiration und ihren Ideen die Branche voran treiben.

W&V Society beschreibt das Lebensgefühl einer ganzen Branche und blickt hinter die Kulissen der Marketer, Medien– und Agenturpersönlichkeiten. Was bewegt sie, womit beschäftigen sie sich, welche Tipps haben sie und wo holen sie sich ihre Energie.

Wissen Sie, Frau Buckley, Herr Korosec, Herr Meitinger — das alles kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe gerade überhaupt nicht lange überlegt, und da wusste ich es: Ich kenne dieses Konzept aus dem einzigartigen und wunderbaren Clap-Magazin. Ich habe jede einzelne Ausgabe hier liegen, blättere immer wieder in den älteren Artikeln und obwohl ich die oberflächliche Medienbranche ablehne, ist das Clap-Magazin für mich der Beweis, das Print lebt. Magazine leben mit und von ihren Machern. Peter Böhling und Daniel Häuser haben da etwas Großes auf die Beine gestellt.

Ich würde selbstverständlich nicht so weit gehen, Ihnen hier eine gewisse Art von Raubkopie zu unterstellen, wie es die geschätzte lanu nebenan tut. Eine gewisse Ähnlichkeit würden doch auch Sie nicht abstreiten wollen, oder sehe ich mich da getäuscht? Ich meine, da haben sie diese beiden Rohdiamanten in Ihren Reihen, die beiden verlassen irgendwann Ihr Haus, dann stellen die Rohdiamanten Ihnen ein Konzept vor, Sie lehnen das Konzept wohl ab, das Clap-Magazin entwickelt sich zu einem einmaligen Magazin in der Medienbranche und wie der Zufall so spielt, entscheidet sich Werben und Verkaufen W&V Society auf den Markt zu bringen. Ja, das Leben ist schon voller Zufälle.

Besonders schön finde ich ja, dass Ihr Magazin in Schwarz-Weiß erscheint, das gibt es bisher noch nicht. Da waren Sie ja richtig kreativ. Doch ich muss Ihnen leider eine schlechte Nachricht machen: Diese Art von Journalismus muss man leben, man muss mit ganzem Herzen für sein Baby da sein. Eine Kopie, auch wenn ich Ihnen nicht unterstellen möchte, hier kopiert zu haben, ist und bleibt, was es ist: eine Kopie. Das Original bleibt das Original, die Menschen werden weiterhin beim Original bleiben. Und noch ein letzter Satz dazu: ich gebe Ihnen schriftlich, dass Sie niemals den unvergleichlichen Humor der beiden Clap-Magazin-Macher, der sogar die Kunden begeistert, erreichen werden. Und das, liebe Frau Buckley, lieber Herr Korosec und lieber Herr Meitinger ist auch gut so. :)

Clap-Club

Wie schaut das eigentlich mit Tantiemen oder einer Gewinnbeteiligung für Peter Böhling und Daniel Häuser aus? Ich frag ja nur, so unter uns Klosterschwestern…

Mit freundlichen Grüßen

Chris

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6 Antworten zu “Offener Brief an W&V: W&V Society”

  1. phoibos sagt:

    ach ja, die totesholz-presse… ich mag sie bisweilen, aber zumeist schaut’s aus, als ob sie nur zum billigen isolieren taugen würde. mein neuester höhepunkt sinnloser druckkunst: das gala men-magazin (hier eine kritik: Für die Frau im Mann). und vielleicht wird es im dritten aufguss dann doch irgendwann erfolg haben. später… die teuren tages/nacht-cremes für die «männer«haut gibts ja schon.

    ciao
    phoibos

  2. Bulo sagt:

    Darf ich an dieser Stelle mal Werbung für unseren unvergleichlichen Foto-Grafen Alexander von Spreti machen, ohne den der Look des Magazins sicher ganz anders aussähe? …

  3. Chris sagt:

    Selbstverständlich, die Fotos sind wirklich fein… :)

  4. Roland sagt:

    @Chris Ich bin gespannt, wie W&V Society durch eine Online-Publikation ergänzt wird. Nicht ganz unähnlich stellt sich nämlich auf der digitalen Seite auch der Werbeblogger auf, der ja vor einiger Zeit mal zu Besuch war bei den oben genannten Damen und Herren 😉

  5. Wer meint, die w&v Society habe von clap abgekupfert, der tut clap vermutlich keinen wirklichen Gefallen. Dazu mangelt es der w&v Society denn doch ein wenig an Qualität. Abgesehen vom Humoresken freilich: w&v mit Balsamico-Essig

  6. volker gläser sagt:

    in der Tat, kann mich dem nur anschliessen..
    ggf. ähnlichkeiten sind nicht von der hand zu weisen.. aber das erleben wir ja mittlerweile bei den besten medienhäusern… egal ob focus, condenast etc. immer wieder läuft es doch auf das gleiche hinaus…
    aber W&V society ist einfach schlecht gemacht.. das muss man sagen.. schade um die bäume welche dafür geholzt wurden… wird zeit dass print endlich stirbt und alles digital ist, dann ist wenigstens das papier safe…
    vg

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