Ode für ein Zweitblog

Wir werden oft gefragt, was eigentlich das Geheimnis des Erfolges von F!XMBR sei. Es sei dahingestellt , ob F!XMBR wirklich so erfolgreich ist, ich hinterfrage diese Zahlen durchaus, wenn damit aber der Spaß, unsere Leser, die Diskussionen und Reaktionen, unser Wohlbefinden gemeint sind, dann antwortete ich eigentlich immer: Wir erfinden uns täglich neu, bleiben dabei uns selbst aber immer treu. Diese Kraftanstrengung ist natürlich nicht immer einfach. Oliver und ich holen uns diese Kraft nicht nur bei unseren Lieben im realen Leben, sondern auch auf anderen Projekten im Internet. Oliver ist in der BSD-Community sehr aktiv und hat lange Zeit from hades geführt. Daneben haben wir auch anderen Projekte ausprobiert. lallus.net, .get privacy und davor auch andere Dinge. In diesen Projekten holen wir uns neue Ideen, neue Kraft für F!XMBR, probieren an der einen oder anderen Stelle Dinge aus, die so auf F!XMBR vielleicht deplatziert wären. Und auch wenn vielleicht Dinge ausgelagert werden, unterm Strich sind sie trotzdem ein Gewinn für F!XMBR.

Ihr habt es vielleicht mitbekommen – ich spiele im Moment beim neuen Freitag mit. Nicht, weil F!XMBR mich auf einmal langweilen würde, sondern weil mir auch mal wieder ein wenig Abstand sehr gut tut. Ich bekomme neue Ideen denke über den einen oder anderen Punkt nach, bin aber noch mit meinem ganzen Herzen hier auf F!XMBR. Nur ein kleines Beispiel: Ich frage mich zum Beispiel, ob die größte Schwäche der Blogs in Deutschland nicht dieses hemmungslose Geduze ist. Ich denke mittlerweile, dass diese Form der Ansprache ein Hauptgrund dafür ist, warum Blogs in Deutschland so belächelt werden. Wäre ich auf offener Straße zum Beispiel dem Spreeblick-Johnny begegnet, wir hätten uns beide gesiezt, das Niveau der Kommunikation wäre eine ganz andere gewesen. Und das lässt sich auf fast jede Diskussion da draußen anwenden. Wird geduzt, sinken die Hemmungen, die Wortwahl wird nicht immer überdacht, anstelle einer wirklichen Diskussion, landet man schnell beim Stammtisch oder der berühmt-berüchtigten Klowand. Ein Sie würde dem gegenüber auch Respekt bekunden, der das Niveau erheblich anheben, welches auf Blogs sehr oft fehlt. Das Gesieze auf dem neuen Freitag mit Menschen, die ich noch nicht kenne, gefällt mir ganz hervorragend. Das aber nur am Rande, das sind Dinge, die den eigenen Horizont erweitern, wenn man einfach mal woanders tätig wird und nicht im eigenen Tunnelblick gefangen ist.

Es gibt mehrere Blogger, die nicht nur ein Projekt führen. Der Don rebelliert nicht nur an der Blogbar, er besitzt nicht nur ein grausig-schönes Auto, neuerdings mischt er auch die FAZ auf – in besserer Form hat man ihn kaum gesehen. Der Robert hat viel zu sehr in seinem eigenen Saft auf Basic Thinking gebraten, er hat die Notbremse gezogen, läuft jetzt auf seinem neuen Blog zur Höchstform auf, das neue Geschäft soll bald folgen. Beim anderen Don hatte man lange Zeit die Befürchtung, dass er Antville den Rücken kehrt, das hat sich nun erledigt, neben dem Rennsport, dem Geldverdienen ist nun eine weitere virtuelle Heimat eröffnet worden. Der Spiegelfechter betreibt nicht nur eines der beachtenswertesten politischen Blogs in Deutschland, er schreit auch für die Telepolis, ist nun angeblich auf der dunklen Seite der Macht angekommen, findet aber auch eine zweite virtuelle Heimat auf dem Freitag. Viele weitere Beispiele gibt es ebenso.

Was ich eigentlich damit sagen will: Eröffnet ein Zweitblog. Gönnt Euch den Spaß, die Freiheit, die man damit genießen kann. Ein Zweitblog ist Inspiration und Motivation, es erweitert den Horizont, es ist ein Gewinn für Euch und Eure anderen Projekte. Auf einem Zweitblog kann man Dinge testen, die an anderer Stelle nicht möglich wären und wenn es dann doch nicht funktioniert, man gar keinen Spaß hat, kann man sehr schnell und ganz einfach den Knopf zum Ausschalten drücken. Bis zur neuen Idee. Microblogging kann diese Form der Inspiration im Übrigen nicht darstellen – 140 Zeichen reichen für die Komplexität des menschlichen Gehirns einfach nicht aus. Wenn Microblogging optimal läuft, erinnert es an alte IRC-Zeiten, durch die Beschränkung des Geistes entstehen aber auch genügend Missverständnisse. Natürlich muss die Zeit dafür da sein, ein Zweitblog regelmäßig zu füllen. Doch was heißt das schon – je nach Themenausrichtung würde ein ein Update pro Woche auch locker ausreichen. Der Spiegelfechter zum Beispiel beweist, das tägliches Bloggen kein Muss ist. Habt den Mut, eröffnet eine zweite Heimat und genießt den Duft der schier grenzenlosen Freiheit. Reißt die selbst aufgelegten Grenzen ein. Etwas Schöneres kann aus kaum geben. Lasst Eurer Kreativität freien Lauf.

, , , , , , , , ,

6 Antworten zu “Ode für ein Zweitblog”

  1. Chris sagt:

    Habe hier gerade einen Kommentar gelöscht. Der Artikel wude offensichtlich nicht verstanden. Wegen meiner kann man auch bei der Duzerei/Siezerei anstelle von Respekt Niveau schreiben. Diskussionen darüber werde ich darüber aber nicht führen.

  2. […] vorgehe, habe ich quasi schon zum Teil mit dem vorherigen Satz aufgezeigt. Chris hat in seiner Ode für ein Zweitblog eine interessante Nebenbemerkung gemacht. So fragt er sich, ob eventuell das, so wie er schreibt, […]

  3. phoibos sagt:

    moin,

    ich glaube nicht, dass die anrede wirklich irgendetwas an glaubwürdigkeit bedingt. zum einen bin ich einer von denen, die im netz alles dutzen, was mir antwortet — lustigerweise wurde uns in einer vorlesung «internet für historiker» mehrfach ganz ausdrücklich gesagt, siezt niemanden, das ist unfein (damals haben wir noch mit telnet und gopher auf die loc zugegriffen) — zum anderen wird für mich respekt nur durch inhalte und verhalten geschaffen. rücksicht und toleranz darf man einfordern, respekt und anerkennung muss man sich verdienen. dass blogs belächelt werden, liegt eher an dem poesiealben-geruch, den viele mit sich rumschleppen. früher, also damals, war es witzig und neu, die ganze welt über jeden hirnfurz zu informieren, aber mittlerweile gehen in diesem nonsense an informationsrauschen die informationen schlicht unter (und wer jetzt argumentieren möchte, dass das rauschen die information wäre, dem empfehle ich die «best of atmosphärisches rauschen by $foo»).
    nun möchte ich aber auch noch chris etwas anmeckern wegen seines zweitblogs :) wenn du locktexte zu deinem zweitblog hier veröffentlichst, dann schalte dafür auch bitte die kommentarfunktion an — ich kann zumindest bei freitag.de nicht kommentieren und verschonen vor meinem senf will ich dich ja auch nich 😀

    ciao
    phoibos

  4. Chris sagt:

    😀

    Warum sollte ich hier die Kommentarfunktion öffnen, wenn die Diskussion an anderer Stelle stattfindet… *holy*

  5. Grainger sagt:

    Die Sache mit dem Duzen oder Siezen ist nicht so einfach (jedenfalls für mich).

    Im RL bin ich jemand, der eher zum Sie neigt und auch beruflich bin ich erst nach etlichen Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber mit mehrerer Kollegen per Du. Auch gehöre ich noch zu einer Generation, der beigebracht wurde, dass das Angebot des Du vom Älteren zum Jüngeren erfolgen muss (und meistens habe ich mich daran gehalten, auch wenn ich mich zwischenzeitlich häufiger in der Situation des Älteren befinde :D).

    Ich habe das lieber so (auch wenn mir das schon mal den Vorwurf der Arroganz einträgt, zumal in einer Branche, in der das Du eher weit verbreitet und fats schon selbstverständlich ist).

    Virtuell habe ich mich an das allgemein übliche Duzen angepasst, hätte aber auch mit einem förmlicheren Umgang keine Probleme.

  6. Anonymous sagt:

    Siezen oder duzen ist immer nur eine Frage der Konvention, der äußersten Schicht des Verhaltens. Ich habe noch nie erlebt, dass der Umgang selbst, also ob man miteinander höflich und respektvoll verkehrt oder nicht, in Du-Gruppen grundsätzlich anders gewesen wäre als in Sie-Gruppen — abgesehen davon, dass es hier wie da schon mal menschelt.

    Schwierig finde ich hingegen den Umgang mit Grenzfällen und ganz generell den Übergang vom distanziert-förmlichen Sie zum kameradschaftlich-freundschaftlichen Du. Früher gab es dafür wohldefinierte Regeln, die in einer deutlich homogeneren Gesellschaft auch leichter eingehalten werden konnten. Im Kollegenkreis siezte man sich, bis man sich näher kennen gelernt hatte, und wenn man sich dann mochte, bot der Ältere dem Jüngeren oder der Ranghöhere dem Rangniedereren das Du an. Oftmals deckte sich beides sogar. Allerdings hatte alles mehr Zeit, da in vielen Firmen eine Menge Leute von der Lehre bis zur Rente beschäftigt waren und es relativ wenige Wechsel gab.

    Heute gibt es viel mehr Fluktuation, Teams werden immer wieder neu zusammengesetzt, alles ist viel mehr in Bewegung. Da kann das ständige Wer-bietet-wem-wann-das-Du-an eine ziemliche Last sein. Was tun, wenn der Jüngere der Chef des Älteren ist? Wenn sich die zwei mögen, beide locker, aber auch höflich sind, wartet womöglich jeder auf den anderen …

    Ganz besonders kompliziert wird es aber, wenn in internationalen Abteilungen die Umgangssprache Englisch ist. Die wesentlich entspannteren Umgangsformen werden mit übernommen. In der Schule habe ich noch gelernt, dass es trotz des allumfassenden «you» Abstufungen gibt, die Anrede «Mr. Miller» also dem deutschen «Sie» entspricht, die Anrede «Frank» dem deutschen «Du». In praxi ist jedoch die Anrede mit Vornamen allgegenwärtig. Wenn ich z.B. per Fax ein Hotelzimmer buche, korrekt mit der Ansprache «Dear Sirs», werde ich im Rückfax mit Vornamen angesprochen.
    In einer internationalen Abteilung passiert dann folgendes: Ich bin mit meinem Chef per Sie, aber in einer gemeinsamen, englischsprachigen Arbeitsgruppe duzen wir uns. Und ganz verzwickt: Auf englisch bin ich mit deutschsprachigen Kontakten «per Du», auf deutsch fühlt sich das aber verdammt falsch an. Da würde man einen Geschäftskontakt, den man nicht persönlich kennt, niemals duzen. Entweder man springt ganz schnell über diese Hürde, was den Jüngeren, die sich da leichter tun, besser gelingt, oder man flüchtet sich in alle möglichen Hilfskonstruktionen.

    All diese kleinen Alltagsärgernisse kenne ich aus eigener Anschauung und finde es daher sehr angenehm, wenn man sich in einer Gruppe von Anfang an duzt, weil damit die ganzen beschriebenen Probleme gar nicht erst aufkommen. Am einfachsten funktioniert es natürlich da, wo das Du nicht mit Hierarchien kollidiert — unter Studenten, in Vereinen, in Foren etc.

    Mag ja schon ein komisches Gefühl sein, wenn man einem prominenten Blogger dann mal im Real Life trifft und sich konsequenterweise duzt … Andererseits, warum eigentlich nicht?

RSS-Feed abonnieren