Noch Tage Offline: Das endgültige Aus für StudiVZ?

Es gibt Neuigkeiten aus dem Reich der Berlin-Mitte. Nachdem Hacker aufgefordert wurden, das System zu hacken, hat man nachträglich dem Wahnsinn wohl einem Anwalt vorgelegt, der muss nicht wirklich darüber gelacht haben, jedenfalls folgte der Widerruf prompt. Nachdem dann am Donnerstag der XSS-Angriff folgte, die neue Sicherheitslücke an der Blogbar aufgedeckt wurde, war die Webseite nun schon seit 2 Tagen im Wartungsmodus. Heute dann folgende Meldung auf dem StudiVZ-Blog:

Wir arbeiten am System, haben gerade ein Besprechung und melden uns in ca. einer Stunde.

Wir werden aber leider voraussichtlich noch ein paar Tage offline sein.

Das lässt tief blicken. Angeblich soll das Führungstrio mittlerweile ausgetauscht worden sein, zumindest ruhig gestellt wurden sie, die Investoren werden nun wohl alles tun, damit wenigstens noch ein paar Euro verdient werden können. Da hilft dann auch kein Testsystem mehr, welches laut den Kommentaren in der Blogbar angeblich auf dem selben System wie das normale StudiVZ laufen soll — es ist meiner Meinung nach aus und vorbei.

Die Springer-Presse in Form der Welt prügelt mittlerweile, und was bei der Welt liegt, liegt bei der BILD — der ist es wahrscheinlich noch zu klein, aber auch der gruschelige Sender des Zweiten Deutschen Fernsehens schlägt nicht gekannte harte Töne an. Das sind nicht wirklich feine Tage für das StudiVZ.

Die Frage ist nun wirklich, was folgt. Das ist nicht einfach zu sagen. Die Investoren versuchen zu retten, was zu retten ist. Die Macher von StudiVZ sind aus dem operativen Geschäft abgezogen worden, wenn man den Gerüchten glauben schenken darf — sie sind zwar Mehrheitsgesellschafter, aber man darf davon ausgehen, dass die Investoren zuerst Geld sehen. Eine Alternative ist nicht wirklich in Sicht, so bleibt nur der logische Schritt des Verkaufes der Daten an Facebook. Prost Mahlzeit liebe Studenten. Wenn wir StudiVZ schon wegen des Datenschutzes, der Privacy kritisiert haben, dann wünsche ich einfach nur viel Spaß mit den Privacy Policies von Facebook, Zitat:

Facebook is about sharing information with others.

Übersetzung: Klar verkaufen wir die Nutzerdaten. Sonst macht das Ganze doch keinen Sinn, das ist doch klar. 😉

Der Verkauf indes muss nun ganz zügig über die Bühne gehen. Mit jedem Tag — heute gab es neue Hinweise auf große Lecks bei StudiVZ (PID 13791) — sinkt der Wert des Unternehmens rapide, die User — Herr im Himmel — fangen so langsam an, die ganze Sache zu hinterfragen, und sei es nur, weil sie nicht an ihre privaten Nachrichten rankommen [sic!].

Es werden in Zukunft viele Abhandlungen über StudiVZ verfasst werden — es ist (fast) alles falsch gemacht worden, was man falsch machen kann, Aussendarstellung, Informationspolitik, whatever — StudiVZ wird in Zukunft als das Projekt stehen, als das Beispiel, wie man es nicht machen darf. Viele Startups werden aus den Fehlern lernen, die gemacht wurden — das ist etwas Positives, was man aus dem Fall StudiVZ mitnehmen kann.

Nichtsdestotrotz steckt hinter der neuen Informationspolitik wohl nur ein Ziel: So schnell wie möglich noch Geld aus den Daten zu ziehen, denn eins ist klar: Geht StudiVZ wieder online, wird eine neue Sicherheitslücke entdeckt — und das ist nicht wirklich unwahrscheinlich — dann ist es entgültig vorbei. Nach dem Onlinegang wieder offline zu gehen, wäre das endgültige Aus — und so bleibt nur eines: Facebook.com. Prost Mahlzeit.

Weitere Infos:

F!XMBR-Suche

.get privacy-Suche

Blogbar.de

YAMB.BETA2

Technorati

Eine Antwort zu “Noch Tage Offline: Das endgültige Aus für StudiVZ?”

  1. Sammy sagt:

    Das symbolische Beispiel. Schwamm drüber. Für die Menge an anderen Unternehmen, die ähnlich verfahren, professioneller und mit geschickterer Öffentlichkeitsarbeit, ist es eine schöne Ablenkung.
    Denn solch ein Massentheater bewirkt kein generelles Umdenken. Da kommt nur irrationales Verhalten bei raus. Gehypte Monokultur bis zum Mond. Ergebnis ist dann im Extremfall Datenschutz «weil es alle machen und cool ist». Aber so funktioniert es nicht nachhaltig. Auch nicht unter dem Gesichtspunkt Leute zu sensibilisieren. Denn was bleibt hängen? StudiVZ ist böse und verschwunden. Wer böse ist, verschwindet. Friede, Freude Eierkuchen. Alles ist gut. Wir leben in einer Demokratie. Bei uns kann nichts Böses geschehen. Was böse ist, verschwindet. Gut, dass das so ist. Da schau ich beruhigt nach meinen Google mails, beantworte noch ein paar ICQ Nachrichten und helfe bei der Verbesserung vom Windows Media Player.
    Ich wollte schon fast schreiben, die Revolution frisst ihre Kinder. Und die Frage ist imho nicht was bei StudiVZ folgt, sondern was allgemein folgt. Ich sehe außer dem Grundsatzproblem Web 2.0 zwei Probleme beim StudiVZ: Datenschutz und PR. Der Unternehmensberater von heute sieht ein Problem: PR. 😉

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