Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

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Bild: stuttgart21.blog.de

Morgen feiert Deutschland die Wiedervereinigung. Uns allen sind die Bilder von vor 21 Jahren sicher noch sehr präsent. Friedliche Demonstranten stürzten im Osten unseres Landes das Regime, die DDR war Geschichte, die Deutschen lagen sich in dem Armen und feierten glücklich, im Westen wie im Osten, im Norden wie im Süden. Es gehört wohl zur Ironie der Geschichte, dass derzeit, obwohl Union und die rechtsreaktionäre Springer-Presse alles dafür tun, um gegenzusteuern, mehr über Stuttgart 21 diskutiert wird, als über unsere Wiedervereinigung. Während sich gestern die CDU selbst gefeiert hat, gingen in Stuttgart nach Veranstalterangaben rund 100.000 Menschen auf die Straße um gegen Stuttgart 21, die Landesregierung in Baden-Württemberg und auch die Politik allgemein zu demonstrieren. Die Bilder des friedlichen Protestes beherrschten die Schlagzeilen, nicht aber die Selbstbeweihräucherung der CDU. Und das ist auch gut so. Nicht die CDU hat das Regime der ehemaligen DDR gestürzt, es waren die Menschen.

Das Signal, welches heute von der Politik ausgesandt wird, ist fatal, es wird an vielen Orten verurteilt und verglichen mit diverse Terror-Regimen, auch Regimen deutscher Geschichte. Das ist selbstverständlich überzogen und doch zeigt es die Ohnmacht der Menschen, die fassungslos vor einem Staat und einer politischen Kaste steht, die sie offensichtlich nicht mehr ernst nimmt. Wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus und sein Innenminister Heribert Rech heute weiter zündeln, von Linken und Altkommunisten sprechen, den Menschen vorwerfen, sie lassen sich von den Grünen instrumentalisieren, weiter den friedlichen Demonstranten die Schuld an der Eskalation geben, dann stellt sich die Frage, inwieweit hier ein politischer Kampf auf dem Rücken der Menschen ausgetragen werden soll oder inwieweit sich hier ein eklatanter Realitätsverlust eingestellt hat. Es ist einfach gedanklich nicht zu greifen.

Morgen wird die politische Kaste sich ob der Wiedervereinigung selbst feiern, die Bilder und Berichte werden uns in allen Medien verfolgen, wäre doch schon Montag. Gleichzeitig wird, während in Berlin Reden gehalten werden, im Stuttgarter Schloßpark ein massiver Zaun errichtet. Vor 21 Jahren wurde die Mauer friedlich von den Menschen eingerissen, die handelnden Personen in der damaligen DDR und UDSSR wussten, dass ihre Zeit vorbei war. Heute, 21 Jahre später, ist dies nicht der Fall. Es wird zwar «nur» ein Zaun errichtet, doch ist dieser ein  Symbol der Mauer zwischen Politik und Menschen. Wir können heute froh und dankbar sein, «Gott auf Knien danken», dass Nationale Volksarmee und Rote Armee 1989 «stillgehalten» haben und nicht so reagiert haben, wie es die Polizeikräfte in Stuttgart vorgestern getan haben.

Hätten Nationale Volksarmee und Rote Armee 1989 gehandelt, wie es am Donnerstag durch die Polizeikräfte in Stuttgart geschehen ist, hätte es keine Wiedervereinigung gegeben, der Aufstand wäre blutig niedergeschlagen worden, es hätte viele Tote und unzählige Verletzte gegeben. Das ist traurig und zynisch und sollte den politisch Verantwortlichen zu denken geben. Angela Merkel hat gerade zurecht die ehemalige DDR als Unrechtsstaat bezeichnet, gleichzeitig errichtet sie mit ihren Parteifreunden zusammen eine neue Mauer: eine Mauer der Abgrenzung, der Intoleranz, des Abschottens, der Trennung, des Spaltens.

Als Symbolbild dafür steht ein «einfacher» Bauzaun im Stuttgarter Schloßgarten.

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7 Antworten zu “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”

  1. borgdrone sagt:

    @Mauer

    vor 21 Jahren (also knapp) in 37 tagen

  2. Scribine sagt:

    Schöner Artikel!
    Nur ein Einspruch euer Ehren. Ihr Satz: «Das Signal, welches heute von der Politik ausgesandt wird, ist fatal, es wird an vielen Orten verurteilt und verglichen mit diverse Terror-Regimen, auch Regimen deutscher Geschichte. Das ist selbstverständlich überzogen und doch zeigt es die Ohnmacht der Menschen, die fassungslos vor einem Staat und einer politischen Kaste steht, die sie offensichtlich nicht mehr ernst nimmt.», wirft Fragen auf.

    Wieso sind die Vergleiche «selbstverständlich überzogen» und wieso glauben Sie, dass hier irgendeiner dieser «Polit-Kasten-Lobbyisten» das Volk je ernst genommen hat?

    Da wurden heimlich Salzstöcke auserkoren, um darin atomaren Müll zu verbuddeln, es werden Kernkraftwerke betrieben, bei denen bekannt ist, dass die Menschen nicht nur in direkter Umgebung geschädigt werden.

    Es werden Gesetze zu Technologien für Geo-Engineering erlassen, um CO2 unter die Erde zu drücken, obwohl bekannt ist, dass diese Geschichten hoch riskant sind und nicht nur Menschen in Gefahr bringen. Da werden BT-Pflanzen angebaut und über die Nahrung an Menschen «verfüttert», da werden Millionen Menschen mit Hartz IV an den Bettelstab gebracht und Urteile des BVG im Nachhinein interpretiert, um anschließend Millionen zu verhöhnen.

    Glauben Sie wirklich, dass diese «Emporkömmlinge» der politischen Machtkaste die Menschen ernst nehmen?

  3. Selbstverständlich sind Vergleiche mit China, dem Iran oder Nationalsozialismus überzogen und unangebracht. Scherzen kann man mal, aber ernsthaft darüber diskutieren, tue nicht.

  4. Ein Terraner sagt:

    Ja ich warte, ja ich warte, ja ich warte, wann kommt er, der eine Tropfen!

  5. vera sagt:

    Ja. Wenn doch nur schon Montag wäre …

  6. […] Sickendieck würdigt das hehre Datum auf seine Weise: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten [..] die Bilder und Berichte werden uns in allen Medien verfolgen, wäre doch schon […]

  7. DxU sagt:

    Hallo Christian,
    ein grandioser Vergleich.
    Ähnliche Gedanken haben mich die letzten Jahre wiederholt erwischt. «Was wäre wenn». Wenn z.B.der Protest des Volkes in der damaligen Bundesrepublik oder dem heutigen Deutschland, genauso an den Grundfesten des Staates gerüttelt hätte / rütteln würde wie damals 89 in der DDR.
    War es damals in der DDR die Vernunft oder die Lähmung in Armee, Polizei und Geheimdienst?
    Und wie würden heute entsprechende Behörden gegen das eigene Volk vorgehen? Ich glaube in Stuttgart haben wir ein Fragment dieser Antwort erlebt.
    Gruß DxU

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