Neues vom StudiVZ — SchülerVZ und andere Seltsamkeiten

Man stelle sich mal vor, man hat ein Web 2.0-Startup gegründet. Es läuft hervorragend, bis, ja bis die Gründer ein paar schwerwiegende Fehler machen, mehrere Fehler. Das Unternehmen wird letztenendes übernommen, von einer großen Verlagsgruppe — einer Verlagsgruppe, zu der auch die renomierten Publikationen Die ZEIT und das Handelsblatt gehören. Die Gründer müssen noch ein wenig mitarbeiten, haben sie doch vom Kuchen augenscheinlich kaum etwas abbekommen, und nur gewisse Milestones stellen sicher, dass sie Ihr (großes) Geld auch wirklich bekommen. Soweit so gut, ein paar Fragen:

Würdet Ihr das nächste Projekt angehen, und Partner Käufern von Alice im Wunderland erzählen?

1 Million Schüler will man im nächsten Jahr mit einer auf StudiVZ-basierenden Plattform SchülerVZ erreichen, erzählt Ehssan in Gesprächen mit Partnern. Ursprünglich war die Idee, einfach an alle StudiVZ User eine Email zu schreiben und sie bitten, ihre kleinen Geschwister in SchülerVZ reinzunehmen. Ob das funktionieren wird, ist mehr als ungewiss.

Haben die Gründer diesmal die rechtliche Seite im Griff?

Das bedeutet, dass die schon bei StudiVZ aufgetretenen Probleme mit rechten Agitatoren, Pädophilen und Stalkern bei Kindern und Jugendliche eine ganz neue Relevanz erfahren. […] Und schon bei StudiVZ hat die Information über die eigene Datensicherheit und der Support bzgl. das Löschen unflätiger Gruppen überhaupt nicht funktioniert.

Hat man sich auf Verhandlungen gewissenhaft vorbereitet?

In diesen Verhandlungen (von denen ich natürlich nur über Umwege erfahren habe, weil ich selber nie dabei war) war Ehssan sichtlich nervös. Er kannte weder den Markt noch seine Konkurrenten, hatte keine Ahnung von Schülermarketing und wußte nicht, dass sich alle Beteiligten schon längst abgesprochen hatten.

Kann man hier von Stalking sprechen, was eine sehr ernste Angelegenheit wäre?

Er versuchte die einzelnen Teams auseinander zu dividieren, machte persönlichen Druck und organisierte mit seinen Kumpanen Dennis Bemman und Michael Brehme nächtliche Telefonattacken.

Karsten Kommt in seinem ganz grandiosen Artikel zu einem einfachen Fazit:

Darüber hat sich die StudiVZ-Gang keine Gedanken gemacht, sondern man geht dieses Projekt an wie eine Kuh beim Grasen — immer den nächsten Halm abknipsen und dabei ab und zu in den selbst gelegten Fladen treten.

Read it — now. :)

Mein Lieblingsabsatz ist übrigens folgender, über Dariani schreibt er:

In diesen Gesprächen zeigte sich auch sein besonderes Verhältnis zu den Medien. Journalisten wären ja eh nur Stümper und hätten keine Ahnung, meint er in Gesprächen zum Schülernetz. Er hätte die Medien jetzt voll im Griff und die paar Blogger sind nicht wirklich wichtig.

Inwieweit das alles richtig ist, sei mal dahingestellt, aber die Lobhudelei ausserhalb der Holtzbrinck-Gruppe dürfte nun vorbei sein — und, das ist auch gut so. Und die pöhse Blogosphäre — Dumdidim, die Angst geht rum. Und Ehssan, wie war es in Italien? 😀 Ja, wir sind so unwichtig. 😮 Mensch Kleiner, mag vielleicht wahr sein, dafür sind wir gut. 😉

Wie fühlt man sich bei solchen Sätzen?

Alle von StudiVZ Angesprochenen haben sich über die Inkompetenz der StudiVZ-Leute und insbesondere über Ehssan lustig gemacht.

Jörg-Olaf indes hat sich mal ein wenig mit den veröffentlichten Zahlen des Netzwerkes beschäftigt, wir erinnern uns, 10.000 Neuanmeldungen täglich, ja, ne is klar, sowie mitterweile angeblich 1,5 Mio. User.

Von 10.000 neuen Mitgliedern am Tag kann zumindest nach Hagens Zahlen keine Rede sein […] 10.000 oder mehr Neuanmeldungen erreichte StudiVZ zwischen September und November letzten Jahres lediglich an 13 Tagen.

Immer noch hohe Zahlen, doch von den genannten Zahlen der Pressefuzzis von StudiVZ meilenweit entfernt — mich würde ja mal interessieren, was für Zahlen Holtzbrinck genannt und übergeben wurden. *g* Schon vor 2 Tagen stellte Jörg-Olaf dazu Sand im Getriebe fest. 😀

Last but not least geht das Wort an Cleverle Lothar Späth — in seinem heutigen Leben ist er unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Holtzbrinck-Verlagsgruppe, Zitat: Ich finde, Holtzbrinck hat keine richtige Entscheidung getroffen. Welch Wunder. Technisch mag wohl die Sicherheit erhöht worden sein, beim Rest kann man aber nur feststellen, alles beim Alten — nicht wahr Herr Späth? (via)

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