Nein, liebe FAS, ich möchte Eure Artikel nicht 1:1 übernehmen

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Foto: F!XMBR

Es irritiert mich immer wieder, wenn Journalisten, die jünger sind als ich, Unsinn über die sogenannte Netzcommunity schreiben, wahlweise auch Twitter-Generation genannt oder schlicht Onliner. Heute sind das in der FAS Melanie Amann und Hendrik Ankenbrand, beide Jahrgang 1978 und somit 5 Jahre jünger als der Autor dieser Zeilen. Ihr Artikel Aufstand der Generation Internet zu den weltweiten ACTA-Demonstrationen wird derzeit stark auf Twitter verlinkt, weil er sicherlich wahre Dinge enthält, aber eben auch unsäglichen Unsinn. Amann und Ankenbrand schreiben: Er [Anm.: Kevin Culina, eine Person, die mir bis gerade kein Begriff war] repräsentiert die Netzgemeinde, die jeden hasst, der online nicht teilen will: Neben den Filmstudios sind das Professoren, die ihre staatlich alimentierte Forschung ungern gratis veröffentlichen, oder Verlage, die sich wehren, wenn ihre Artikel ungefragt in der Blogosphäre verstreut werden.

Diese Charakterisierung sollte man in drei Teile aufteilen:

1. Selbstverständlich sollten staatlich alimentierte Forschungsergebnisse für Jedermann öffentlich zugänglich sein. Wer dies, wie in der FAS als Vorwurf verpackt, sollte bitte Argumente liefern, warum dies nicht geschehen sollte. Jeder Politiker wird auf die Frage, was er in unserem Land verbessern möchte, mit dem Schlagwort Bildung antworten. Nur müssen Wissen und Bildung öffentlich zugänglich sein. Bei staatlich alimentierten Forschungen sollte das wie in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit sein. Dass in Deutschland überhaupt darüber diskutiert wird, ist schlicht und ergreifend ein Armutszeugnis.

2. Ich kenne keinen Blogger, national oder international, der beispielsweise den Artikel Amanns und Ankenbrands komplett übernehmen wollen würde. Zu dieser Charakterisierung der sogenannten Blogosphäre fällt mir außer dem Wort Dummheit nicht viel ein. Es geht bei diesen Diskussionen ums Zitatrecht, Verlinkungen und dem Abmahnrecht, um nur drei Beispiele zu nennen. Man denke nur an den unsäglichen Kampf der Verlage gegen Google News. Ich habe es schon oft angemerkt: Wenn die Verlage und Zeitungen, wie die FAS, nicht möchten, dass sie bei Google News gelistet werden, reicht eine einfache Zeile in der robots.txt aus. Doch darum geht es nicht. Erst möchte man (von Google News) durch die Verlinkung profitieren und dann durch rückständige Politiker und Gesetze hinterher noch einmal kassieren. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.

3. Und auch ist mir kein Blogger bekannt, man möge mich eines Besseren belehren, der den neuesten Kinofilm auf seinem Blog veröffentlichen möchte. Ein unautorisierter Screenshot zur Bebilderung einer Filmbesprechung reicht heute schon aus, unangenehme anwaltliche Post zu bekommen. YouTube ist aus Deutschland kaum noch nutzbar. Hier werden, wie von den Lobbyisten, Opfer zu Tätern gemacht, Kultur zerstört.

Es geht keinem Onliner darum, das Urheberrecht abzuschaffen, es muss nur an unsere Zeiten angepasst werden. Schon gar nicht hassen wir, allein das Wort zeigt die Intention der FAS-Autoren. Alte (Geschäfts-) Modelle funktionieren nicht mehr. Und es kann nicht unsere Schuld sein, dass die Contentindustrie bis heute kein tragfähiges Konzept auf die Beine gestellt hat. Melanie Amann und Hendrik Ankenbrand sind bei der FAS für «Geld & Mehr», bzw. «Wirtschaft» zuständig. Hier ist klar erkennbar, woher der Wind weht. Vielleicht hätten sie Jemanden fragen sollen, der sich mit dem Thema auskennt. Im Feuilleton arbeiten Kollegen, die sich eingehender mit der Thematik beschäftigen und darüber gehaltvollere Artikel verfassen. Dass man im Jahre 2012 immer noch dieses unsäglichen Quatsch um die Ohren gehauen bekommt, beweist, wie es zu ACTA & Co. kommen kann:

Gruppenkuscheln zwischen unfähigen Politikern, Journalisten und eiskalten Lobbyisten.

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7 Antworten zu “Nein, liebe FAS, ich möchte Eure Artikel nicht 1:1 übernehmen”

  1. Heiko sagt:

    Es grenzt doch schon irgendwie an ein Paradoxon: Der ehrliche Kunde, der ja letztendlich die Kriegskassen der Content-Kartelle füllt, bekommt zum Dank für seine Ehrlichkeit noch einen kräftigen Tritt in den Ar***, weil die Content-Katelle nicht in der Lage oder Willens sind, sich die Veränderungen der letzten Jahrzehnte anzupassen.

    Dabei lehrt uns doch schon der Biologie-Unterricht in der Schule, das die Tiere, die sich nicht an die veränderte Umwelt angepasst haben, ausgestorben sind. Die Content-Kartelle glauben jedoch anscheinend, ihren Niedergang durch ihren Einfluss auf die Politik aufhalten zu können. Sie werden ihn aber höchsten für eine gewisse Zeit bremsen, aber nicht völlig aufhalten oder gar umkehren können und irgendwann wird der Niedergang dann um so schneller und heftiger kommen.

  2. Udo sagt:

    (Vorsicht: Kann Spuren von Sarkasmus, Ironie, Zynismus und Satire enthalten.)

    Bei dem Vorhaben, ein weiteres Leistungsschutzrecht zu installieren, geht es letztlich um ein Füllhorn. Es geht darum Cashflow derart zu garantieren, das den Verlagen am Ende ein Vielfaches davon zur Verfügung was ihnen vorher durch stationären Handel und den Verkauf von Abonnements erwuchs. Das Geld das darüber verdient wird, bezeichnen andere — man verzeihe mir den Begriff — als Peanuts. Die zig tausenden Bordexemplare sind es doch, die trotz großzügiger Rabattierung den am einfachsten abzuschöpfenden Quell nie enden wollender Einnahmen mit sich bringt — mal abgesehen von der Werbung, dem eigentlichen Sinn und Zweck der Unternehmung. Jetzt stelle man sich mal vor, es gäbe eine Möglichkeit Kontingente von Veröffentlichungen en bloc abzuverkaufen, ohne auch nur einen Kiosk beliefern oder den Lesern überzogene monatliche Rechnungen für zu Werbeblättchen degenerierte Tageszeitungen abnehmen zu müssen. Genau da kommt doch der Staat und die Politik ins Spiel. Doch zunächst eine kleine Vorgeschichte …

    Bei der trotzdem stattfindenden Einreichung gegenüber Google News* geht es einerseits darum keinen Leser an die Konkurrenz zu verlieren aber auch eine möglichst zeitnahe Platzierung und somit dem Großteil der möglichen Leserschaft habhaft zu werden. Wenn das doch das Ziel ist, und Werbung nicht genug Einnahmen generiert, warum kommt dann weder bei den gut vernetzten Verlagen noch den ihnen vorgelagerten Lobbyisten auf den Gedanken eine Produkt übergreifende Lösung zur Autorisierung und Abrechnung einzelner Artikel zu vereinbaren. Ich nenne es mal beispielhaft Deutsche Presseprodukte Vertriebsgesellschaft mit beschränktem Anspruch, kurz DPVmbA. Die DPVmbA sorgt dafür, das sich ihnen Zeitungsleser anvertrauen, indem sie mit ihnen Abrechnungs– und Zugangsdaten aushandeln, mit denen diese sich bei den dem DPVmbA anschließenden Verlagen Zugang zu einzelnen/pro einzelnem Artikel/n verschaffen können, oder zu einem Pauschalpreis, der dann unter den Verlagen aufgeteilt wird, der aber nicht unbedingt über den Preis eines klassischen Abonnements hinausgehen muss (jeder Leser hätte bisher nur Zugang zu einer oder zwei Tageszeitungen, dann aber zu allen Veröffentlichungen, würde aber nicht mehr «verbrauchen», weil ohnehin nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht und die Nachrichten von Gestern bekanntermaßen wenig Nutzwert haben). Die DPVmbA verteilt die generierten Einnahmen abzüglich einer Pauschale für den Betrieb der Plattform anteilig an die abonnierter Nachrichtenquellen bzw. anhand gelesener Artikel. In Grundzügen ein Modell also wie es ja seit einiger Zeit unter dem Namen «flattr» erprobt wird, doch mit einem wesentlichen Unterschied: Das unternehmerische Risiko, auf das sich die Verlage ja so gern berufen, und das sie gern Dritten überantworten würden, läge bei den Verlagen, die eine solche Plattform erstmal «installieren» müssten. Genau das geschieht aber aufgrund eben des unternehmerischen Risiko vor allem in Form ausbleibender Akzeptanz bei der Leserschaft eben nicht. Denn sind Millionenbeträge investiert, müssen auch Rückläufe sichergestellt sein.

    Niemand bei den Verlagen scheint daran sonderlich interessiert, individuelle Monetarisierung zu betreiben — von untauglichen Insellösungen und sinnlosen Geschäftsmodellen mal abgesehen. Diejenigen Verlage, die es mit Apps, Abonnments und Archiven versuchen, ringt man höchstens bei der Präsentation der Jahreszahlen mal Kennzahlen ab, die aber derart verwässert sind, das ein Rückschluss darauf, ob das Vorhaben in der Gewinnzone oder ein grandioser Flop ist, unmöglich sind. Da hört man dann von den einschlägigen Vorstandsvorsitzenden das Apps sich gut verkaufen, trotzdem man gerade erst gestartet sei, oder das Onlinewerbung weniger einbringe, obwohl man Zuwächse bei eindeutigen Besuchern verzeichnet.

    Denkbar scheint also weder, das sich Insellösungen durchsetzen, noch das sich Verlage des gemeinsamen Problems bewusst einer Lösung aus einer Hand widmen. Weil sich Döpfner & Co. lieber auf einem milden Rückgang von etwa 10 Prozentpunkten pro Jahr ausruhen als Millionen möglicherweise abzuschreiben, geht man meiner Vermutung nach längst einen ganz anderen Weg: In Verhandlungen entsendet man Lobbyisten um sie mit willfährigen Politikern an einen Tisch bringen, die dann die rechtlichen Rahmenbedingungen in Form eines Leistungsschutzrechtes eintüten, das eine technische Lösung beinhaltet. Ich wage eine Voraussage: Am Ende wird T-Syst*ms im Auftrag und auf Kosten der Steuerzahler einen völlig überzogenen Dienst aufstellen, den man so auch seitens der Verleger hätte aufziehen können. Die so installierte Plattform für Abrechnung und Zugang zu redaktionellen Inhalten erlaubt dann auch sowohl die Identifikation von geistigem Diebstahl und/oder Rechnungsstellung/Lizenzierung von früher vom Recht zu zitieren geschützte Auszüge — wobei letztgenannte von ein und der selben Komponente gewährleistet werden, mit sich voneinander unterscheidenden Faktoren für den Gegenwert (analog zum Schwarzfahren für 40 Euro). Vollautomatisch überweist der durch den Steuerzahler vom Risiko frei gehaltenen neue Mittelsmann en bloc Millionenbeträge, die bereits vom Fiskus um den reduzierten Mehrwertsteuersatz erleichtert wurden, ohne Umwege auf die Konten von Friede Springer & Co.

    «Schöne» neue Welt!

    * Ich weiß, keiner mag Klugscheißer, aber es bräuchte zwei Zeilen in der http://www.faz.net/robots.…..txt um den Crawler abzuweisen. Das gerade das nicht gewünscht ist, zeigen leider schon die ersten Zeilen («Sitemap: http://www.faz.net/newssi.….temap»).

  3. […] wie auch immer gearteten “Leistung”s”schutz”«recht”. Ich habe mich bei F!XMBR in Rage geschrieben, als ich beiläufig einen Text wieder erkannte, den die FAZ veröffentlicht hatte und der bar jeder […]

  4. HK sagt:

    Bei 3. bist Du imho auf dem Holzweg. Nur weil es derzeit riskant und infolgedessen nicht praktikabel ist, erscheint es so, als würde niemand zwecks verdeutlichung einer Rezension oder einfach aus solidarischem Verbundenheitsgefühl Filme und Musik-Alben in Gänze veröffentlichen wollen. Ich würde meinen, das genaue Gegenteil ist der Fall: Wäre es pauschal abgegolten (oder anderweitig grundsätzlich gestattet), gäb’s hier viele [Blogs], die sich dem Verteilungsrhythmus anpassen würden.

  5. […] [text] nein, liebe fas, ich möchte eure artikel nicht 1:1 übernehmen (f!xmbr) […]

  6. Michael sagt:

    (Zeile 4) somit 5 Jahre jünger wie der Autor dieser Zeilen.

    Autsch. Das sollte doch wohl «als» heißen, oder bist du Hesse?

  7. Die Hesse kommen… 😀 Nein, natürlich nicht. Ist gefixt… :)

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