Negative Campaigning der SPD. Eine Partei zerstört sich selbst.


Plakat: BUTTER. für die SPD. Satirische Verfremdung: Wir kümmern uns

Die SPD hat keine eigenen Inhalte, keine Botschaft, keine eigene Identität mehr. Ärgerlich ist dabei natürlich, wenn ein Superwahljahr ins Haus steht. Anfang Juni werden wir für Europa an die Wahlurnen schreiten. Aber auch da hat man bei der SPD in Berlin die Lösung gefunden: Negative Campaigning. Barack Obama hat in den USA auf diese Art des Wahlkampfes verzichtet. Er wollte das Land und die Menschen nicht länger spalten, wie seine Amtsvorgänger, im Gegenteil, die USA und die Menschen (weltweit) versöhnen. Er transportierte seine Botschaft einer besseren Gesellschaft, die in der Folge über viele Grenzen hinweg die Menschen berührt hat. Die SPD steht mittlerweile jenseits von Gut und Böse und so ist die einzige Botschaft der ehemals stolzen Partei: Die anderen sind die Bösen. Dumm nur, wenn jeder Vorwurf, jedes Wahlplakat auf die eigene Partei, deren Vorsitzenden und den Kanzlerkandidaten zurückfällt.

Ich frage mich bei obigen Originalplakat, wer als verantwortliche Regierungspartei die Agenda 2010 eingeführt hat? Wer hat diesem Land die so genannten Ein-Euro-Jobs gebracht? Wer hat dafür gesorgt, dass das Sklaventum unserer modernen Zeit, die Zeitarbeit, aus der Schmuddelecke geholt wurde und ihr alle Freiheiten geschenkt hat? Welche Partei trägt die Verantwortung dafür, dass die prekären Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren exorbitant angestiegen sind? Glaubt die SPD wirklich, dass die Menschen diese ganzen Punkte einfach so vergessen haben? Die Angst, die die Mittelschicht jeden Tag spürt, ist auch Folge dieser SPD-Politik. Angst lässt die Menschen ganz bestimmt nicht die SPD wählen. Im Gegenteil. Das Plakat ist nach den letzten Jahren der blanke Hohn.


Plakat: BUTTER. für die SPD. Satirische Verfremdung: Wir kümmern uns

Die ehemaligen Sozialdemokraten wollen mit obigem Originalplakat die FDP als Finanzhaie brandmarken. Sicherlich richtig. Doch frage ich mich, wer denn die Hedgefonds in unser Land geholt hat? Welche Partei in der Bundesrepublik Deutschland ist denn wohl dafür verantwortlich, dass die bei Gewinnen aus Unternehmensveräußerungen keine Steuern mehr gezahlt werden müssen? Welche Partei hat die Saat gelegt, damit die Heuschrecken jetzt über unser Land herfallen und es kahl fressen können? Ein Konterfei von Franz Müntefering und/oder Frank-Walter Steinmeier hätte besser auf das Plakat gepasst. Deren Lachen ist ähnlich dem des Hais. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich über so viel Dreistigkeit lachen, weinen oder bewundernd nicken soll.


Plakat: BUTTER. für die SPD. Satirische Verfremdung: Wir kümmern uns

Die SPD wirft der Linken auf dem Originalplakat vor, nur heiße Luft zu produzieren. Kann man sicherlich bei dem einen oder anderen Thema nicht von der Hand weisen. Dabei vergessen die Damen und Herren aus dem Willy-Brandt-Haus nur eines: Sie haben mit ihrem Regierungsprogramm die meiste heiße Luft produziert. Gerüchten zu Folge ist das Ozonloch um das Doppelte angewachsen, nachdem Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier das Regierungsprogramm vorgestellt haben. Ich frage mich, wer der SPD die Mär vom Mindestlohn glauben soll? Wollte sie ihn wirklich, hätten dieses Land ihn schon. Wer bitte schön soll die Forderung der SPD nach einer neuerlichen Gesundheitsreform nicht als eiskalte Drohung auffassen? Seit 11 Jahren ist die SPD an der Regierung. Noch nie ging es Kranken und denen, die Hilfe benötigen, schlechter. Ich frage mich, wer in diesem Land nach der Merkelsteuer vor vier Jahren der SPD noch den Steuerbonus glauben soll? Vielleicht kann die SPD ja nach der Bundestagswahlniederlage in die Antarktis gehen und dort heiße Luft verkaufen. Genug produziert hat sie ja.

Barack Obama hat der SPD einfach alles voraus: Glaubwürdigkeit, Charisma, Vertrauen, eine Botschaft und so vieles mehr. Nun hat Deutschland, die SPD keinen Barack Obama — doch sollte man sich bei der SPD vielleicht einmal um den wichtigsten Punkt kümmern: Glaubwürdigkeit. Ist diese wieder hergestellt, folgt das auch Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Das kann man bei der SPD nun wirklich nicht sehen, sind bei ihr doch noch die gleichen Leute am Werk, als man sie mit Schimpf und Schande bei der Bundestagswahl 2005 — und den Landtagswahlen in den Jahren davor — aus den Zentren der Macht fortgejagt hat. Wer soll dieser SPD mit Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering, Peer Steinbrück und Andrea Nahles an der Spitze noch ein Wort glauben? Es tut niemand mehr — vielleicht noch das arme Mütterchen, welches morgens zum Frühstück die BILD aufschlägt und abends die Tagesschau sieht. Die SPD hat (nach der Bundestagswahl) nur eine Chance: Der Vorsitzende und seine Stellvertreter müssen ausgetauscht werden, es muss sich glaubwürdig für die letzten Jahre, nicht zuletzt für die Weltwirtschaftskrise, entschuldigt werden. Man muss sich von Vergangenem distanzieren und in Zukunft wieder gemeinsam mit den Menschen gehen. Ich gebe zu, auch nach der zu erwarteten desaströsen Niederlage im September, eine Utopie. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. (Plakate via)

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17 Antworten zu “Negative Campaigning der SPD. Eine Partei zerstört sich selbst.”

  1. Carlos sagt:

    Was wäre denn, wenn die SPD einen oder mehrere Barack Obamas hätte — oder was würde sich ändern? Ich denke, nichts! Die Rechten in der SPD, die Seeheimer und INSM-Speichellecker, die mittlerweile sogar die CDU und FDP rechts überholt haben, haben in der SPD das Sagen. Und die «echten» Sozialdemokraten — die, deren Herz noch irgendwo links schlägt, sind doch entweder inzwischen bei den LINKEN oder haben sich frustriert zurück gezogen.
    Das glaubwürdigste, was die SPD noch tun kann, bevor sie endgültig in der Versenkung verschwindet, ist das «S» aus ihrem Namen zu streichen.

  2. Cartagena sagt:

    Also Deine enthüllenden Kritikpunkte bzgl. der SPD in allen Ehren, aber ich muss Dir ganz ehrlich sagen, Deine Obama-Lobhudelei könntest Du zu einem geeigneten Zeitpunkt auch nochmal überdenken.
    Der fängt nämlich auch gerade erst an, mit symbolpolitischen Akten zu glänzen (siehe Schließung Guantanamo, aber Beibehaltung bzw. Erweiterung der Lager in Kandahar und Bagram; die Generalamnestie für CIA-Mitarbeiter. Quasi nur auf Zuruf kam dann auf einmal von Herrn Obama immerhin noch die Ankündigung der strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortungsträger bei der CIA. War so nicht bei ihm zuvor im Gespräch.

    Nun zum Thema selbst! Ich habe es mir ja mal höchst bewusst angetan, das Entwurfsprogramm der SPD. Teils liest es sich echt wie jenseits von Gut und Böse, selbst wenn ausnahmsweise einmal konkrete Zahlen oder sonstige konkrete Forderungen genannt sind, mal liest es sich recht amüsant. Gerade bei den Kapiteln «Bildung als Menschenrecht» oder «Mehr Demokratie wagen» habe ich Tränen vergossen. Obwohl ich da auch nicht mehr so sicher bin, dass ich sie gelacht habe oder mich das ganze extrem nachdenklich gestimmt hat.

    Das Essentielle des Entwurfsprogramms und damit der gesamten Kampagne ist aber doch sowieso folgendes:
    Die Große Koalition wird als in der Demokratie vorkommender Ausnahmefall deklariert. Ausgeschlossen wird sie aber nicht.
    Favorisiert wird das per Du mit den Grünen, wenn es aber gar nicht anders geht, hüpfen wir aber auch mit der FDP in die Kiste (eigentlich ganz witzig bei den polemischen Plakaten, gerade die Hai-Sache). Schwarz-gelb geht mal gar nicht, und die Linken sind ja sowieso furchtbar pöse.

    Heißt im Endeffekt, vergisst doch bitte die knapp 60 Seiten, die Ihr bis jetzt gelesen habt, dass was wir erreichen wollen, ist eine kontinuierliche Machtbeteiligung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  3. no sagt:

    Dass Obama auf negative campaigning verzichtet hat, stimmt nicht. Ein Bestandteil seiner Kampagne war es, McCain als eine Art dritten Bush darzustellen. Es gab einen Spot, in dem ein Autofahrer in den Rückspiegel sieht und darin zunächst McCain erblickt, der sich beim zweiten Hinsehen in Bush verwandelt. Dennoch wurde sein Wahlkampf eher von der postiven Message überstrahlt. Das negative campaigning der McCain-Seite war wesentlich aggressiver. Der kreative Umgang mit den SPD-Plakaten hat übrigens Potenzial. Dazu ist auch schon in anderen Blogs aufgerufen worden.

  4. Chris sagt:

    Obama muss alles richtig machen, wenn die Rechten wie auch die Linken auf ihn einschlagen. :) Dass er nicht alles innerhalb 100 Tage im vorbeigehen erledigen kann, sollte selbst dem kritischsten Menschen klar sein. Dass er bisher aber weitaus mehr Versprechen eingehalten hat, wie nicht, ist auch klar erkennbar. Und sein kaum vorhandenes Negative Campaigning ist nicht der Rede wert, er hat eine andere Botschaft transportiert.

    Lasst den Menschen doch seine 8 Jahre und spielt nicht den Pawlow, wenn hier mal Obama erwähnt wird. Demokratie lebt insbesondere vom Kompromis. Wenn ich sehe, was er bereits angestoßen hat, kann ich damit leben, dass z. B. die Guantanamo-Schergen davon kommen. Das Leben ist nicht immer gerecht, eigentlich so gut wie nie, aber Obama kann mit der Unterstützung der Menschen Großes leisten. Das geht natürlich nicht, wenn bereits nach 100 Tagen solche Kommentare kommen, die ähnlich zielführend sind, wie nachts ist es kälter als draußen

  5. Cartagena sagt:

    Sicher, so wenig wie ich momentan an Obama kritisieren kann, so wenig kannst Du ihn im Moment eigentlich in die Luft heben 😉
    Und eine Kritisierung darf ja mal drin sein, weit gefehlt von Pawlow, zumindest für mich :-)

  6. Chris sagt:

    Die SPD wird sicher gezwungen umzudenken und Wahlversprechen einzulösen wenn sie merkt, dass sie Massen an Wählern verliert und alle anderen Parteien besser dastehen.

  7. Thaniell sagt:

    Ich finde ja besonders die Seite der verantwortlichen Agentur unheimlich witzig. Ich dachte erst ich wär bei der Titanic gelandet…
    Denn wo andere vor allem auf generische Phrasen und lächelnde Kandidaten setzen, bietet die SPD lieber klare Ansagen und konkrete Politikangebote.
    Ja klar, ganz offensichtlich. Ganz klare Aussage «die anderen sind blöd» die sehr gut beschreibt was die SPD als Politik anzubieten hat. Nischt.

  8. postgrün sagt:

    Finanzhaie würden FDP wählen. Frank-Walter Steinmeier möchte nach der Bundestagswahl gerne mit der FDP eine Koalition bilden. Ist Frank-Walter Steinmeier etwa ein Finanzhai?

  9. […] Ein weiterer –sehr gut auf den Punkt gebrachter– Beitrag: “Eine Partei zerstört sich selbst“ […]

  10. @DanielFahr sagt:

    Lese: Negative Campaigning der SPD. Eine Partei zerstört sich selbst. http://tinyurl.com/cyza6s

  11. @sgerst sagt:

    Lese: Negative Campaigning der SPD. Eine Partei zerstört sich selbst. http://tinyurl.com/cyza6s

  12. @timbeil sagt:

    «Dumpinglöhne kommen von der SPD» http://tinyurl.com/cyza6s #Arbeitslosigkeit auch. Weiter so! #Aktion15

  13. nofriends sagt:

    nochmal neu:

    Wahlplakate

    nicht offiziell, lediglich privatvergnügen.

    PS. die vorhergehenden posts können gelöscht werden, falls möglich. danke.

  14. […] für ALLE beknackten SPD Plakate zuständig Weitere Blog-Reaktionen Chris schreibt in FixMBR: Negative Campaigning der SPD. Eine Partei zerstört sich selbst. Trackbacks Trackback für spezifische URI dieses Eintrags Keine Trackbacks Kommentare […]

  15. ZAK sagt:

    Die schönste Kunst des Wahlkampfverlierens liegt meiner Meinung nach darin, selbstbereitetes Futur an Bürger zu liefern, die dann dankend ablehnen… :)

    In Wahlkämpfen sollte jede Partei Ihr Programm, ihre Ziele und ihre Kandidaten erwähnen, nichts Weiteres…

    Wenn ein Land dies nicht einhällt, dann ist es aus meiner Sicht nicht ein «total» demokratisches Land!

    Ich hasse Schmutzkampagnen!

  16. […] Plakat: BUTTER. für die SPD. […]

  17. Sebastian sagt:

    In Aachen weiß ich von drei Grinsehai– und Fuffziger-Plakaten, die nicht mehr hängen. Sie wurden ausgetauscht durch «richtige». Also welche mit eigener Aussage und Menschen drauf. Gibt es das auch in anderen Städten?


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